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Paternoster & Lambert´s Bay

In Vredenburg erledigen wir anschließend unseren Großeinkauf in der Weskus-Mall. Der Pick n´ Pay ist nicht annähernd so gut sortiert wie die meisten Superspar Märkte in Afrika, dennoch haken wir unsere vorbereitete Einkaufsliste schnell ab. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir die Baywatch Villa, wo wir das Apartment „The Penthouse“ gebucht haben. Die Lage unmittelbar am Strand ist einfach nur atemberaubend. In der untergehenden Sonne sichten wie bereits nach wenigen Minuten von unserem traumhaften Balkon einen Glattwal mit seinem Kalb – das hätten wir hier jetzt nicht direkt erwartet!

Wir haben einen Tisch im Restaurant Leeto in unmittelbarer Nachbarschaft zur Baywatch Villa bestellt. Das Dreigang-Menü für ganze 285 Rand ist absolute Spitzenklasse. Wir ordern Kingprawns, Springbok-Filet und als abschließende Krönung Chocolate-Delice bzw. eine Kahlúa-Creme Brulee. Auch die regionalen Weine, ein Steenberg Nebbiolo sowie ein Chenin Blanc mit leichtem Barrique (Tierhoek Winery) sind fantastisch!



7. September 2019 – Paternoster
Wale am Traumstrand von Paternoster


Die Morgensonne tönt die in den Atlantik hinausragenden Felsen der Bucht in einen pastelligen Rotschimmer. Ein Fischer zieht mit seinem Ruderboot einsam seine Runden. Was braucht man zum Frühstück noch mehr als diesen phantastischen Ausblick, der durch mehrere springende Delphinschulen gekrönt wird? Paternoster ist in diesem Moment für uns gerade das Paradies auf Erden!

Heute gehört unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem Traumstrand von Paternoster. Die ganze Bucht scheint voller Delphine zu sein, die allerdings nach der intensiven morgendlichen Jagd mit akrobatischen Sprüngen tagsüber deutlich inaktiver sind. Mit 28 ° Celsius ist es außergewöhnlich warm, jedoch sorgt der Wind für ein bisschen Abkühlung auf unserer Wanderung. Der nördliche Teil des Strandes ist nahezu menschenleer.




Weißstirn-Regenpfeifer (White-fronted Plover)


Gegen Mittag kehren wir um und erkunden noch den deutlich belebteren Südteil, an dem auch das In-Lokal von Paternoster, Voorstrand, liegt. Es ist das einzige Haus im Städtchen, das rot angetüncht ist, alle anderen Häuser sind im klassischen kapholländischen Stil in  Weiß gehalten. An der Crayfish Wharf befinden sich eine Handvoll Restaurants und Cafés. Auf der mit einem Zaun abgesperrten Landzunge, die in den Atlantik hineinragt, erspähen wir eine kleine Kolonie von Brillenpinguine – das hatten wir hier ebenfalls nicht erwartet! Da derzeit keine Hummersaison ist, scheint die Crayfish Fabrik verlassen zu sein. Inzwischen verzichten einige Restaurants in Paternoster auf den Verkauf von Hummern, da sich der Bestand durch die übermäßige Entnahme bedrohlich reduziert hat. Zahlreiche Einheimische holen das edle Meeresgetier illegaler Weise aus dem Meer und versuchen es an Touristen zu verkaufen. Dabei wird nicht einmal auf die vorgeschriebene Mindestgröße geachtet - es wird vertickt, was greifbar ist. Somit dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass an dieser Küste der Crayfish ganz verschwinden wird. Im Waffle Wharf lassen wir uns nieder und ordern zu unserem Kaffee superleckere Waffeln mit Apfelkompott bzw. Karamellsoße und Vanilleeis.

An der Abzweigung in die Mosselbank Street befindet sich ein kleiner mit Schilf überwucherter Weiher, in dem zahlreiche Oryx Weber (Southern Red Bishop) nisten. Wir verfolgen das farbenfrohe Spektakel eine Weile lang, bevor wir uns auf den Weg zurück in unser Häuschen machen.


Oryxweber (Southern Red Bishop)


Während wir auf unserem aussichtsreichen Balkon eine Weile chillen, füllt sich die Bucht im Abendlicht mit unzähligen Walen. Ein Stand-Up Paddler geht auf Tuchfühlung, so dass die riesigen Tiere zum Greifen nahe zu sein scheinen. Es muss ein erhabenes Gefühl sein, direkt neben den bis zu zwanzig Meter langen Meeresgiganten seine Bahnen zu ziehen. Auch sind einige Jungtiere auszumachen, die zu dieser Jahreszeit geboren werden und bereits bei ihrer Geburt stolze 4,5 – 6 Meter groß sind. Die untergehende Sonne taucht den Himmel in ein intensives Abendrot, während wir auf dem Balkon genüsslich ein kühles Savannah Dry schlürfen und uns vom Farbspektakel berauschen lassen.




Erneut haben wir zum Dinner einen Tisch im Leeto reserviert und wir werden auch heute Abend nicht enttäuscht. In diesem erst 2018 errichteten Restaurant kann man einen ereignisreichen Tag genüsslich ausklingen lassen.



8. September 2019 – Paternoster
Kaptölpel satt


Kirsten hat Geburtstag und wir haben beschlossen, in aller Herrgottsfrühe aufzubrechen und irgendwo am Strand ein zünftiges Picknick abzuhalten. Die Kap-Tölpel Kolonie in Lambert´s Bay steht auf dem Programm, rund 150 Kilometer nördlich von Paternoster gelegen. Die Strecke führt zumeist entlang des Atlantiks und ist sehr gut ausgebaut. 

Wenige Kilometer vor Lambert´s Bay, in der Nähe des Open-Air Restaurants Muisbosskern, das wir beim letzten West Coast Trip aufgesucht haben, stoßen wir am Strand mit einem Gläschen Sekt auf das Geburtstagskind an und genießen das Picknick in der maritimen Traumszenerie. Die Wellen klatschen mit Wucht an die Felsen am Strand.


Bird Island ist die am besten zugängliche Kaptölpel Brutkolonie, von denen es weltweit überhaupt lediglich sechs gibt.
In Lambert´s Bay werden rund 17.000 Tölpel gezählt, die sich dicht an dicht auf einem Felsen vor einem Bird-Hide drängen. Der September ist die Zeit, in der die letzten Paare umeinander werben, indem sie ein ums andere Mal mit dem oder der Auserwählten langhalsig schnäbeln. Einige Junggesellen, die bislang noch nicht zum Zuge gekommen sind, stehen abseits der Gruppe auf einem erhabenen Felsen, als wollten sie ihre Chancen abchecken, doch noch auf den letzten Drücker einen Partner zu bezirzen. Es ist ein beeindruckendes Naturspektakel, dem man stundenlang zuschauen könnte. Immer wieder landen einzelne Tölpel inmitten der Kolonie mit ausgestreckten Füßen, was ein Mordsgezeter unter der Nachbarschaft auslöst. Auf einer „Startbahn“ am Rande der Kolonie schwingen sich Tölpel mit Anlauf in die Lüfte. Alle Startversuche sehen etwas unbeholfen, eben tölpelhaft, aus – daher die Namensgebung!




Fast widerwillig reißen wir uns nach einiger Zeit von den putzigen Gesellen los, denn wir wollen noch eine große Runde über Clanwilliam am Fuße der Cederberge fahren, in der Hoffnung auf ein paar weitere Wildblumen-Spots. Das in Clanwilliam angesteuerte Ramskop Nature Reserve erweist sich allerdings als wenig lohnenswert. Das Gelände ist künstlich angelegt, immerhin sind fotogene Köcherbäume, die wir aus dem Richtersveld kennen, hier zu finden. Es herrscht eine irre Hitze, die uns heftig ins Schwitzen bringt, so dass wir nach kurzer Zeit unsere kleine Wanderung abbrechen. Die Afrikaner erklären die außergewöhnliche Hitze im Inland scherzhaft mit: „They opened the doors to hell for Robert Mugabe“! Der langjährige Despot und Präsident von Zimbabwe, der das afrikanische Land durch jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft in Chaos und Elend geführt hat, ist vorgestern im Alter von 95 Jahren gestorben.
Durch das Groot Valley führt eine Gravelroad am östlichen Ufer des Stausees entlang in Richtung Citrusdal. Am Fuße der Cederberge passieren wir Obstplantagen soweit das Auge reicht, hauptsächlich Mangos, später auch Zitronen und Orangen, namensgebend für den Ort, in dem das Tal endet. Man bekommt eine Ahnung über die grandiose Landschaft der Cederberge mit seinen roten Felsen, die wir auf unserer Western Cape Reise 2016 intensiv erlebt haben. Der aufgestaute Olifants River beherbergt zahlreiche Vogelarten, die entlang der Piste aufgespürt werden können. Wir sichten einen Schlangenhalsvogel (African Darter), Yellow Bishops, Southern Masked Weaver und viele andere mehr.

Der Rückweg führt uns durch eine hügelige Landschaft, genannt Rooi Karoo, wo wir in einem Restaurant am Rande der Passstraße bei Kaffee und Kuchen eine kurze Rast einlegen. Über Piketberg gelangen wir nach Velddrif, wo zahlreiche intensiv gefärbte Flamingos in einer Lagune nach Krill stochern. Zurück in Paternoster gönnen wir uns einen Sundowner auf dem Balkon. Es hat sich derartig abgekühlt, dass man es ohne wärmenden Fleece-Pullover kaum aushält. Von gefühlten 35 ° Celsius in Clanwilliam auf unter 15 ° Celsius in Paternoster – was für ein Temperatursturz innerhalb kürzester Zeit!


Das Geburtstagsdinner haben wir im Gaaitjie bestellt, ein Restaurant unmittelbar am Strand, das uns bei unserem letzten Besuch ausgezeichnet gefallen hat. Leider fällt unser Urteil dieses Mal nicht so positiv aus. Zum einen zieht ein eisiger Wind durch die nur von einer Plane geschützten Terrasse, zum anderen ist der Service ziemlich unaufmerksam und fahrig und eine Spur zu rustikal für ein gepflegtes Dinner. Fairer Weise muss man sagen, dass alle Gerichte, die auf den Tisch kommen, sehr gut sind, unter anderem ein Springbok-Carpaccio und Kingklip, ein typischer Speisefisch, der an den Küsten Südafrikas und Namibias vorkommt, mit wohlschmeckendem, weißem Fleisch.


< West Coast National Park                                                                     Franschoek >



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