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P - Algarve 2013

13. – 24. März 2013
Das Frühjahr 2013 in Deutschland ist so trübe wie selten zuvor. Es sind nicht etwa die niedrigen Temperaturen, die uns auf das Gemüt schlagen sondern vielmehr der anhaltende Lichtmangel! Aus diesem Grund entschließen wir uns entgegen unserer Gewohnheit nicht eine Woche in den Skiurlaub nach Mühlbach zu fahren sondern der Sonne, dem Frühling und der Wärme entgegen. Natürlich wollen wir wieder sehr viel Wandern – grundsätzlich kein leichtes Unterfangen in Portugal. Ein Wegenetz wie man es von Mallorca oder den Kanaren kennt, gibt es nicht. Das von uns genutzte
Garmin GPS 62s ist in diesem Urlaub daher ein wichtiger Begleiter, um eigene Routen zu planen und dabei sich nicht zu verirren - insbesondere wenn man sich abseits der Küste bewegt.

Praia da Figueira

Corinna entdeckt bei Ryanair einen Schnäppchenflug nach Faro ab Bremen inklusive eines 20 Kilo Gepäck-Upgrades für gerade einmal 115,-- € pro Nase. Auch die Buchung eines Mietwagens ist bei billiger-mietwagen.de unfassbar günstig: 11 Tage für unschlagbare 75,-- €, selbstverständlich mit einer Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung. Gebucht haben wir über Car del Mar, ausführender Autovermieter ist Avis.

Als wir unserem Sohn Tim und Freundin Marie von unseren Reiseplänen erzählen, entschließen sich die Beiden spontan, die Hälfte der Zeit mit uns mitzufahren, was uns natürlich außerordentlich freut. Bei der Suche nach einem schönen Häuschen werden wir auch alsbald fündig. Zu dieser Jahreszeit ist das Angebot freier Apartments und Häuser an der Algarve geradezu unerschöpflich. Wir entscheiden uns schließlich für das
Casa Boa Vida in Salema, das einem Berliner Ehepaar gehört. Angelika und Michal bieten uns das Haus zum Sonderpreis von 50,-- €/Tag an (Direktanfrage per Mail möglich). Überhaupt stoßen wir bei unserer Recherche auf zahlreiche toll gelegene Objekte, die während des Winters zu Monatsmieten von gerade einmal 400,--€ bis 500,-- € angeboten werden – sicher einmal eine sehr interessante Möglichkeit, als Rentner dem Schmuddelwetter in Deutschland zu entfliehen. Aber soweit ist es ja noch lange nicht – erst einmal wollen wir die paar Tage in vollen Zügen genießen.

Unser Flug startet ab Bremen um 7.00 Uhr, so dass wir in aller Herrgottsfrühe aufstehen müssen. Wir brechen bei Minus 12° Grad auf und haben bei Ankunft in Faro um 9 Uhr morgens immerhin schon 12° Grad plus bei strahlendem Sonnenschein – nach drei Stunden Flug ein Temperaturunterschied von 24° Grad. Wir lassen das obligatorische Procedere am Schalter der Autovermietung über uns ergehen. Wie gewohnt versucht der Autovermieter ein Upgrade zu „tollen Sonderkonditionen“ an den Mann zu bringen. Natürlich lehnen wir dieses Angebot ebenso dankend ab wie die obligatorische Offerte einer zusätzlichen Vollkaskoversicherung. Wenn man über bestimmte Portale bucht, ist die Versicherung ohne Selbstbeteiligung immer schon enthalten, aber es ist schon vorstellbar, dass viele Kunden von dem teilweise penetranten Auftreten der Autovermieter verunsichert werden und sich völlig unnütze teure Policen aufschwatzen lassen.

Wir erhalten einen relativ neue Lancia Ypsilon und machen uns auf den Weg in Richtung Costa Vicentina an der Westalgarve, des größten küstennahen Naturschutzgebietes Europas. In Lagos erledigen wir im gut sortierten Intermarche Supermarkt zunächst einmal unseren Großeinkauf.

Isa, die Verwalterin des Casas Boa Vida wartet bei Ankunft in Salema bereits auf uns. Das Casa ist ein modernes, sehr ruhig gelegenes und mit seinen über 170 Quadratmeter Wohnfläche geradezu riesiges Atriumhaus mit Meerblick. Es befindet sich auf einem Plateau ca. 40 Meter über dem Meeresspiegel am Ortsrand und man hat vom Balkon eines der drei Schlafzimmer im oberen Stockwerk aus einen schönen Ausblick auf das Meer. Im großzügig ausgestatteten Wohnbereich in der unteren Etage befindet sich ein gut funktionierender Kamin, den man abends um diese Jahreszeit auch dringend benötigt, zudem eine bestens ausgestattete Küche mit vierflammigem Gasherd, einer Spül- und Waschmaschine. Vor dem Wohnzimmer schließt sich ein Wintergarten mit einem kleinen, immergrünen Garten und einer großen Schatten spendenden Palme an. Es gibt auch eine Elektroheizung im Casa Boa Vida, der Betrieb ist jedoch relativ teuer und nicht unbedingt für einen Dauerbetrieb gedacht. Lediglich abends zum Duschen/Baden schalten wir die Heizung für eine halbe Stunde ein, ansonsten ist der Kamin für die Erwärmung des Hauses völlig ausreichend. Für den Heizbetrieb zahlen wir am Ende für die zwölf Tage 7,50 €. Wir haben mit der Wahl des Hauses wieder einmal alles richtig gemacht, wenn auch das Casa Boa Vida aufgrund seiner Lage zu anderen Jahreszeiten und unter anderen Umständen (wenn wir alleine unterwegs wären) nicht unsere allererste Wahl wäre. Dann würden wir sicher ein Häuschen auf dem Land in der Einsamkeit bevorzugen.

Salema besteht zumindest im oberen Teil überwiegend aus mehr oder weniger uniformen Reihenferienhäusern, gegenüber des Casa Boa Vidas steht eine größere Anlage (The View II), die nahezu fertiggestellt ist, lediglich einige Außenanlagen müssen noch gebaut werden. Der Investor ist vor vier Jahren in Konkurs gegangen und seitdem steht der komplette Bau und die Vermarktung still. Klassische Bausünden wie in anderen küstennahen Ferienorten gibt es glücklicherweise jedoch im Ort (noch) nicht. Noch in den Achtziger-Jahren war Salema ein bekannter Treffpunkt für Rucksachtouristen – davon ist auch im alten Ortskern unten am Meer nicht mehr allzu viel zu sehen. Hier soll es am Sandstrand in den Sommermonaten mittlerweile sehr eng werden. Im März hingegen wirkt die Szenerie eher verschlafen: Die Hotelbesitzer beginnen mit dem Frühjahrsputz, einige Restaurants haben ihren Betrieb noch nicht einmal wieder aufgenommen. Traurige Berühmtheit erlangte die Gegend um Salema übrigens in den Medien im Jahr 2007, als das kleine englische Mädchen Maddie im Nachbarort Luz unter mysteriösen Umständen spurlos aus einer Ferienanlage verschwand und bis heute unauffindbar geblieben ist.


Salema

Wir genießen gleich nach unserer Ankunft in der Bar "Central" am Meer die Sonne bei einem „Cafe com Leite“ und beobachten eine Weile das Treiben auf dem Dorfplatz. Die paar Touristen, die sich hierher verirrt haben, kommen zum Großteil aus Deutschland, das erkennen wir sehr schnell an den Gesprächsfetzen, die wir in der Bar aufgreifen. Am Abend stellen wir allerdings fest, dass sich Salema fest in britischer Hand befindet. Aus den Bars und Restaurants dringen überwiegend englische Gesprächsfetzen zu uns durch. Am westlichen Ortsrand führt eine Treppe von der Steilküste hinab ans Meer. Dort beginnt auch ein Trampelpfad, über den man von Salema aus bis nach Sagres wandern kann.

Steilküste von Salema

Schon bei einer ersten Erkundung sind wir begeistert von der grandiosen Aussicht, dem sprießenden zarten Grün, das sich allseits aus dem felsigen Boden herauspresst und dem betörenden Duft von blühendem Rosmarin, Thymian und Lavendel. Die ganze Steilküste ist zu dieser Jahreszeit ein einziges Blütenmeer, rosa- und weißblühende Zistrosenbüsche soweit das Auge reicht dominieren das Bild! Wir beschließen spontan, dass wir gleich zu Beginn unseres Urlaubes die Wanderung von Salema nach Sagres machen werden.

Zistrosenblüte

Von den zahlreichen Restaurants testen wir während unseres Aufenthaltes drei Empfehlungen unserer Vermieter: Das Lourenco gilt bei Einheimischen als das beste Fischrestaurant im Ort und hält bei unserem Besuch was es verspricht. Wir bestellen eine Fisch-Cataplana (30,-- € für 2 Personen), eine portugiesische Spezialität. Unterschiedliche Fischsorten, Kartoffeln mit frischem Koriander in Tomatensoße werden wie ein Eintopf in einem kupfernen Spezialgefäß serviert. Unser Fazit: Einfach, authentisch, ehrlich und von daher absolut empfehlenswert!

Das in deutlich gehobenem Ambiente geführte
Agua Na Boca („Wasser, das im Mund zusammenläuft“) in der Parallelstraße zum Strand wird von den direkten Nachbarn des Casa Boa Vida betrieben. Die Weinkarte ist äußerst vielversprechend. Wir entscheiden uns für einen lokalen Algarve Weißwein, einen Tapada da Torre, ein Cuvee aus Arinto und Siria Trauben. Von dem Wein sind wir überaus begeistert, die Trauben, von denen wir zuvor noch nie etwas gehört haben, werden ausschließlich in Portugal angebaut. Corinna entscheidet sich für Lammfilets mit Minzmarinade (für meinen Geschmack einen Tick zu süß geraten, während Corinna die Marinade durchaus schmeckt), ich wähle Red Snapper mit Gambas (15,90 €). Zu allen Gerichten wird standardmäßig eine Gemüseauswahl (Blumenkohl, Broccoli, Rosenkohl, Möhren) gereicht, die ich persönlich als relativ langweilig empfinde, sowie gebackene Kartoffeln. Hervorzuheben ist in jedem Fall der äußerst zuvorkommende Service des gesamten Personals.

Am Abflugtag verabschieden wir uns aus Salema mit einem Mittagessen im
Boia, einem Restaurant direkt an der kleinen Strandpromenade am Meer. Bei Tripadvisor kommen die Strandrestaurants nicht ganz so gut weg – völlig unbegründet, wie wir finden. Corinna bestellt fangfrischen Thunfisch (13,20 €), der rosa gebraten mit einer delikaten Zwiebelsoße gereicht wird. Für mich gibt es einen frisch gegrillten Wolfsbarsch, ebenfalls sehr lecker. 

Unser kullinarisches Salema-Resümee: Uns persönlich hat es in den einfachen Lokalen Boia und Lourenco besser geschmeckt als in dem edleren Agua Na Boca.


Wanderung Salem - Raposeira

Ausgangspunkt ist der kleine Parkplatz an der Treppe, die zum Strand von Salema hinunterführt. Entlang der gesamten Wanderung gibt es keinerlei Markierungen, Steinmännchen oder sonstige Wegweiser – man muss sich den Weg entlang der Küstenlinie selbst suchen, was jedoch nicht allzu schwierig ist. Über einen Ziegenpfad mit tollen Aussichten auf die Steilküste passieren wir die letzten Häuser Salemas, die in traumhafter Lage auf einem Felsplateau thronen. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ist insbesondere in diesem ersten Teil gefragt, da der Pfad teilweise leicht ausgesetzt ist und nahe am Abgrund entlang verläuft. In der Nähe des Praia Santa sind in den gelb-orangefarbenen Felsplatten Dinosaurierspuren zu entdecken – allerdings kein leichtes Unterfangen für das ungeübte Auge, da die Fährten nicht markiert sind.

Praia do Santo

Ab hier setzen wir unseren Weg am Strand fort, was allerdings nur bei Ebbe möglich ist. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Praia Figuera. Trotz des warmen Sonnenwetters verirren sich zu dieser Jahreszeit nur wenige Sonnenhungrige an diesem traumhaften Örtchen mit den bizarren Felsformationen.

Wir gönnen uns ein kurzes Sonnenbad und genießen die Einsamkeit und das Rauschen des Meeres. Da mittlerweile die Flut eingesetzt hat, gelangt man im weiteren Verlauf nur noch per kleiner Kletterpartie über die von Muscheln vollständig bedeckten Felsen von Bucht zu Bucht oder muss vor den Felsen durch das Wasser waten. Am Praia das Furnas ist das Wasser bereits so hoch gestiegen, dass wir mit einem großen Schritt über einen Meter breiten und ca. drei Meter tiefen Felsspalt hinweg steigen müssen, um unseren Weg fortsetzen zu können. Ein freundlicher Engländer, der mit seiner Familie am Praia das Furnas badet ist uns behilflich und nimmt unseren Rucksack und die Kamera entgegen.

Von hier aus geht es weiter über den kleinen Ziegenpfad oben auf den Klippen. Am atemberaubenden Felsvorsprung der Ponta da Torre finden wir ein aussichtsreiches Picknickplätzchen inmitten eines Mohnblumenfeldes (GPS Koordinaten N37°02.952 W 008°51.473).

Mohnblumen bei Ponta da Torre

Im weiteren Verlauf unseres Weges öffnet sich alsbald der Blick auf den Praia do Zavial, wo wir uns im idyllisch gelegenen Strandrestaurant einen Kaffee gönnen. Man soll hier unten auch sehr gut essen können, was wir später noch feststellen. Der gemischte Vorspeisenteller (12,-- €) für zwei Personen nach einem Strandbesuch ist reichhaltig und qualitativ gut. Der Zavialstrand ist ein beliebter Surfspot, zahlreiche alternativ anmutende Wohnmobile von Surfern stehen auf dem Parkplatz am Strand.

Nach unserer Pause klettern wir unmittelbar am Restaurant die Felsen hoch, um wieder auf unseren Pfad zu gelangen. Bis zur nächsten Bucht, dem Praia da Ingrina, ist es nur ein kurzes Stück. Auch hier gibt es ein schönes Strandrestaurant unter Palmen, das allerdings zu dieser Jahreszeit nicht geöffnet hat. Nachdem wir einen naturbelassenen Stellplatz für Wohnmobile passiert haben, gelangen wir nach einer weiteren Stunde Wanderzeit zum Praia do Barranco. Wir lassen uns am Strand nieder und rufen Marie und Tim an, um uns von hier aus abholen zu lassen. Corinna hat keine Lust, eine weitere Stunde über den nächsten Berg bis zum Strand von Martinhal in Sagres zu laufen. Hier ist im Übrigen kürzlich eine riesige luxuriöse Golfanlage in die Landschaft gesetzt worden, was aus unserer Sicht überhaupt nicht zu einem Ort wie Sagres passt.

Da auch hier unten einige Wohnmobile stehen und eine neu befestigte Straße den Barranco hinaufführt, gehen wir davon aus, dass die Beiden uns hier schon finden werden – ein Irrtum, wie sich herausstellen wird. Unglücklicherweise haben wir unten am Strand keinen Handyempfang und als „unser Taxi“ auch nach einer Stunde noch nicht angekommen ist beschließen wir, Marie und Tim auf der Straße entgegen zu laufen. Nach wenigen hundert Metern haben wir schließlich Empfang und das Handy signalisiert, dass wir mehrere Mitteilungen haben. Wir rufen bei Tim an und erfahren, dass sie bereits seit einiger Zeit durch die Gegend irren und absolut keinen Plan haben, wo wir uns befinden.

  Praia do Barranco

Der Praia do Barranco ist tatsächlich auf keiner Karte eingezeichnet und nicht einmal das Senden unseres Standortes via Whats App vermittelt nähere Informationen über unseren exakten Aufenthaltsort – eine Straße ist auch auf der Karte des I-Phones nicht vorhanden, wir befinden uns „Irgendwo im Nirgendwo“! Über unser GPS Gerät finden wir schließlich heraus, dass unser Weg, der mittlerweile zu einer Staubpiste mutiert ist, in Raposeira auf die Hauptstraße trifft. Wieder rufen wir an, um diese Information weiterzugeben. Kurz vor Raposeira werden wir endlich aufgelesen und fahren endlich in Richtung Heimat.

Unser Ausflug nach Odeceixe führt uns über Vila do Bispo zunächst zum Surferstrand Praia do Amado. Entlang der Straße stehen zahlreiche prachtvolle Akazien- (Acacia Retinodes) und Mandelbäume in voller Blüte.

Akazienbaum

Am Amado-Strand tummeln sich Surfer mit ihren Wohnmobilen auf dem Parkplatz oberhalb des Strandes. Die wenigsten Surfer besitzen dabei „echte“ Wohnmobile, sondern haben alte LKW, UPS- oder Postlieferwagen umgebaut.

Praia do Amado

Wir laufen am Steilufer auf der Sandpiste zu einer Klippe, auf der die Überreste eines maurischen Walfischfangdorfes aus dem 12. und 13. Jahrhundert zu besichtigen sind. Unten in der Bucht ist bis heute ein kleiner Fischereihafen in Betrieb.

Über Aljezur geht es weiter nach Odeceixe. Unterwegs sichten wir ein Storchenpärchen, das sich in ihrem Nest auf einem Palmenstumpf unmittelbar an der viel befahrenen Straße häuslich eingerichtet hat. Wir gewinnen immer wieder den Eindruck, dass es diese Tiere lieber lebhaft, ungemütlich und hektisch als idyllisch und heimelig mögen!!!



An der Westküste ist um diese Zeit so gut wie gar nichts los, viele Restaurants und Einrichtungen haben noch geschlossen. In einem Restaurant an der Straße zum Praia von Odeceixe, der Quinta dos Sabores, wollen wir eine Kleinigkeit essen. Man sitzt hier gemütlich in einem idyllischen Innenhof unter Orangenbäumen. Die übersichtliche Speisekarte verspricht allerlei typische Spezialitäten aus der regionalen Küche. Wir entschließen uns für leckere hausgemachte Tomaten- und Fischeintopf mit eingelegtem gebackenem Brot (Marie und Tim) sowie Krake mit Süßkartoffeln und Bacalhau (Stockfisch). Alle Gerichte sind sehr lecker.

Am schönen Strand von Odeceixe nehmen wir schließlich ein ausgedehntes Sonnenbad. Leider ziehen nach kurzer Zeit Wolken auf, und es wird recht frisch für eine Siesta am Strand. Am Strand mündet der Ribeira de Seixe ins Meer und gibt mit der dahinter aufragenden Steilwand ein tolles Fotomotiv ab. Außer uns hat sich keine Menschenseele am Strand verirrt. Gegen Nachmittag begeben wir uns auf den Heimweg und kaufen für unser Abendessen im Intermarche in Aljezur, der allerdings nicht halb so gut sortiert ist, wie der Intermarche in Lagos, ein.




Die Altstadt von Lagos, die außerhalb der Hauptsaison von Einheimischen dominiert wird, verströmt ein ansprechendes Flair. Man kann sich hier sehr gut durch die kleinen Gässchen treiben lassen, in einem der netten Cafes einen Espresso genießen oder aber die Originalschauplätze portugiesischer Seefahrerhistorie aufsuchen. Es gibt einen Sklavenmarkt, eines der dunklen Kapitel des Zeitalters der Entdeckungsfahrten, den Palast von Heinrich dem Seefahrer, der den Sklavenhandel zum lukrativen Geschäfts ausbaute und der kurioser Weise selbst gar nicht zur See fuhr, oder ein geschichtsträchtiges, allerdings recht unspektakuläres Fenster von König Sebastiao, von dem aus er den Abzug seiner Truppen über das Meer verfolgt haben soll. Im ganzen Land, insbesondere aber an der Algarve, wird Infante Dom Henrique (1394 - 1460) gewürdigt. Insbesondere in Sagres und Lagos, den erkorenen Dienstsitzen, sind Denkmäler und Festungen des Prinzen zu finden oder Hotels und Restaurants nach ihm benannt.

In Lagos an der Flusspromenade gibt es eine Markthalle, in der täglich von 9 – 18 Uhr frischer Fisch und Gemüse verkauft wird. Am Samstag findet zudem am Busbahnhof ein regionaler Bauernmarkt statt mit Gemüse-, Eier-, Obst- oder Honigständen (leckerer Rosmarinhonig!). Es gibt sogar lebende Kaninchen und Hühner zu kaufen. Wir schlendern eine Weile durch die Halle und stehen an einem Stand plötzlich neben einer Frau, die uns irgendwie bekannt vorkommt. Nach kurzem Überlegen sind wir uns sicher, dass es sich um Margit handelt, unserer Vermieterin der Unterkunft in Barao de Sao João, in der wir 2004 und 2005 untergekommen sind. Wir haben damals auf dem Vinha Velha Bauernhof in einer abgelegenen Hütte an einem eigenen kleinen Stausee in traumhafter Lage gewohnt. Leider ist die wildromantische Behausung (mit „Bio-Toilette“!!!) 2006 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen und nie wieder aufgebaut worden. Heute vermietet Margit lediglich noch Ferienhäuschen direkt am Bauernhof. Wir sprechen sie an, und tatsächlich kann sie sich an uns erinnern, auch wenn ihr unsere Namen verständlicher Weise nicht mehr einfallen. Nach einem kleinen Plausch verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg.

Wir folgen der Promenade entlang des Ribeira de Bensafrim bis zum Forte do Pau de Bandeira, einem kleinen Fort an der Hafeneinfahrt. Durch eine gesichtslose Ferien-Appartementanlage gelangen wir zum Praia da Donna Ana, einem der Stadtstrände von Lagos. Hier startet ein unwegsamer Pfad hinauf auf das Plateau der Klippen. Man muss über einen kleinen Holzzaun steigen und dem verwachsenen und durch einen Bachlauf ausgewaschenen Pfad folgen. Auch auf diesem Weg gibt es keinerlei Markierungen und wir suchen uns einmal mehr unseren eigenen Weg. Portugal hat scheinbar noch immer nicht die Wanderklientel als lukrative touristische Einnahmequelle für sich entdeckt. Das Plateau oben ist eingedeckt von einem bunten Blütenmeer. Abertausende von Lupinien, Leinkraut und andere Blumen geben einen wunderbaren Farbkontrast zu den schroff abfallenden Felsen ab. Tief unten ragen zahlreiche Felsnadeln aus rotem Sandstein, gleich der „Langen Anna“ auf Helgoland, aus dem Meer.

Bizarre Felsformationen sind im weiteren Verlauf des Weges überall zu entdecken. Die Erosion von Wind und Meer nagt allseits sichtbar an dem fragilen Gestein. Der Pfad führt weiter zur Ponta de Piedade, der "Spitze der Barmherzigkeit", ein Touristenanziehungspunkt erster Güte, zu dem in der Saison ganze Busladungen hin gekarrt werden.

Am Leuchtturm führt eine Treppe in ca. 150 Stufen hinunter zum Meer, wo einige ausgespülte Felstore und andere Formationen zu besichtigen sind. Von hier aus fahren im Sommer Boote zu den Grotten im Steilufer.


Wir setzen unseren Weg fort vorbei am Praia do Canavial, passieren eine Urbanisation mit netten Villen und gelangen anschließend zum Praia Porto de Mos. Bis hierher haben wir bedingt durch zahlreiche Fotostopps bereits zweieinhalb Stunden benötigt. Im sehr empfehlenswerten Strandrestaurant Antonio legen wir unsere Mittagspause ein und bestellen Ensopado de Tamboril, Seeteufel in einer leckeren hausgemachten Tomatensoße mit Koriander (10,50 €) sowie kleine Tintenfische mit Pommes Frites (8,-- €). Der Fisch ist superfrisch und schmeckt köstlich. Bei unserem zweiten Besuch wenige Tage später ordern wir eine der Spezialitäten des Hauses, Arroz de Polvo (Reis mit Tintenfisch), der in einem bis oben hin gefüllten kleinen Kochtopf serviert wird. Diese Portion für unschlagbare 11,75 € reicht allemal für zwei Personen. Corinna bestellt Bacalhau a Bras, Stockfisch mit geriebenen Kartoffeln und Eiern, die portugiesische Antwort auf den deutschen Labskaus. Der gut trinkbare weiße Hauswein kostet unfassbare 2,80 € für den halben Liter!

Bis nach Luz führt ein breiter, Blumen gesäumter Weg entlang der Küste. Ein Paraglider nutzt die Aufwinde, die ihn von der Steilwand aus hoch in die Lüfte katapultieren. Entlang der Küste haben einige Gutbetuchte riesige Villen auf mehrere Hektar großen Grundstücken in die Landschaft gesetzt. Extrem unschön sind die Natodrahtrollen, mit der sie ihr Domizil abgegrenzt haben. Unverständlich, dass solche Verschandelungen der Natur nicht von Staatsseite verboten werden!

Nach einer knappen Stunde öffnet sich der Blick auf den Ferienort Luz, welcher bekanntermaßen fest in englischer Hand ist. Der Anblick von oben ist nach dem prachtvollen Weg durch das Blütenmeer geradezu ein Kulturschock! An einem hohen Obelisken suchen wir uns unseren Weg durch einen erodierten Steilhang hinab zur Promenade von Luz.

Unten macht das Örtchen einen netteren Eindruck als es zunächst von oben aussieht! Die hübsche, von Palmen umsäumte Strandpromenade führt uns an einer alten römischen Ausgrabungsstätte vorbei an nicht enden wollenden Ferienhäusern, die wie an einer Perlenkette aufgereiht entlang des Steilufers stehen. Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch machen wir eine kurze Rast auf einer Bank. Ein fieser Albino-Bullterrier mit „Schweinskopf“ eines jungen einheimischen Pärchens versetzt uns in Angst und Schrecken als er auf uns zugestürmt kommt und sich auch nicht von seinen Herrchen zurückrufen lässt. Er schwänzelt ziemlich aggressiv zwischen unseren Beinen hin und her, springt auf unseren abgestellten Rucksack und hinterlässt schließlich eine eklige Sabberspur auf meiner Fleecejacke – das muss man nun wirklich nicht haben. Dennoch sind wir am Ende froh, dass dieser unangenehme Zwischenfall nicht schlimmer 
für uns  ausgegangen ist. Es wird nicht die letzte Begegnung mit verhaltensgestörten Hunden in diesem Urlaub sein! Bis nach Burgau sind es weitere zwanzig Minuten Fußmarsch. Hier endet unsere Tour nach viereinhalb Stunden reiner Gehzeit im Restaurant „Verandas do Burgau“, wo wir einen Cafe com Leite bestellen und uns von Marie und Tim abholen lassen.

 

Nicht umsonst haben wir schon bei unserem letzten Aufenthalt an der Algarve vor acht Jahren den Praia do Castelejo zu unserem Lieblingsstrand erkoren! Selbst im Sommer ist an diesem Strand nicht viel los, geschweige denn zu dieser Jahreszeit. Über Vila do Bispo führt eine geteerte Straße bis hinunter zum außerordentlich nett gelegenen Strandrestaurant. Bizarre Felsformationen verleihen diesem Örtchen eine spezielle Note.



Bei makellosem blauen Himmel genießen wir den knapp drei Kilometer langen Strandspaziergang bis zum Praia da Barriga, den man in einer guten halben Stunde bewältigen kann. Früh morgens weht hier an der Westküste ein frisches Lüftchen, so dass wir uns am Barriga Strand noch nicht zu einem ausgedehnten Sonnenbad durchringen können. Erst gegen Mittag, zurück am Castelejo Strand, lassen wir uns an einem schrägstehenden Felsen, der eine wunderbare natürliche Rückenlehne abgibt, nieder, um in unseren Büchern zu schmökern (natürlich Afrika-Bücher, mit denen wir uns auf unsere nächste Fernreise einstimmen: Delia & Marc Owens - "Der Ruf der Kalahari" und Stefanie Gehrke - „Schwarzes Herz“).

Im Strandrestaurant gönnen wir uns gegen Nachmittag noch einen kleinen Snack, einen Ensalada do Polvo (Tintenfisch Salat), mit 12,-- € nicht gerade ein Schnäppchen. Dafür sitzt man hier in einer wahrhaft traumhaften Lage. Bei unseren zahlreichen weiteren Besuchen nach Wanderungen überzeugen wir uns von dem phantastischen, hausgemachten Kuchen, zum Beispiel Johannesbrot-, Mandel- oder Schoko-Tarte.

An der Straße zum Castelejo Strand gibt es einen wunderbaren kleinen Naturpfad, den
Trilho Ambiental. Auf dem 3,3 Kilometer langen angelegten Rundweg, der erstaunlicherweise sogar Wandermarkierungen aufweist, kann man herrlich durch die Natur streifen. Pflanzen und Tiere, auf die man unterwegs treffen kann, werden auf Schautafeln (leider nur auf portugiesisch) erklärt. Derzeit steht wie überall an der Algarve hier alles in voller Blüte. Es gibt gelb leuchtende Narzissen, Orchideen, natürlich die allgegenwärtigen blühenden Akazienbäume und vieles mehr zu entdecken. Auf einem Bänkchen am Ende des Pfades erfreuen wir uns an dem Ausblick auf ein liebliches Tal und den Atlantik. 

Der Tourismusverband Algarve hat mittlerweile einen Wanderführer herausgegeben, zu bestellen unter www.visitalgarve.pt, oder in der Touristeninformation in Lagos für 7,-- € erhältlich. Wir können lediglich noch die spanische Version ergattern, jedoch reichen unsere dürftigen spanischen Kenntnisse, um dem Führer die notwendigsten Informationen für Wanderungen zu entlocken. So finden wir den Aromenweg, der seinen Ausganspunkt an der Brücke am Ortsausgang von Bordeira hat. Die Strecke ist 15 Kilometer lang, bei einer reinen Wanderzeit von 3:15 Stunden.

Der Weg startet in einem saftig grünen Tal, der einem rauschenden Bächlein seine Fruchtbarkeit verdankt. Entlang des Weges begleiten uns üppig blühende Lavendelbüsche, die von zahlreichen Heuschrecken, Käfern und anderen Insekten umschwirrt werden. Sehr schnell bemerken wir, warum dieser Weg als Aromenweg benannt wurde: Er ist während des gesamten Verlaufs die reinste Symphonie der Düfte! Eukalyptusbäume, Wacholder-, Lavendel- und Thymianfelder, Zistrosen und viele andere aromatisierende Pflanzen buhlen beim Wanderer fortlaufend um den Titel des betörendsten Duftes! Begleitet wird unser Weg durch das Konzert der Lerchen und anderer Singvögel, die in den Büschen am Wegesrand von Ast zu Ast eilen.

Haubenlerche

 

Kurz vor dem Weiler Malhada da Cerva treffen wir auf eine erst kürzlich angelegte Wanderroute, die Rota Vicentina, auf der man über insgesamt 220 Kilometer nahezu die komplette Küste der Algarve und des Alentejos vom Cabo Sao Vicente bis nach Santiago de Cacem erwandern kann. Die Webseite befindet sich derzeit noch im Aufbau. Wir folgen ihr eine Weile. Kurz darauf öffnet sich der Blick auf die Küste um Carrapateira. Mit herrlichem Panoramablick setzt sich der Weg nunmehr für ein ganzes Stück fort.

An einer Weggabelung beginnt der kurze Abstieg zurück ins Tal von Bordeira. Sofort wechselt die Vegetation – Eukalyptusbäume sind jetzt vorherrschend. Der GPS-Track von "visitalgarve" ist an dieser Stelle fehlerhaft, man muss lediglich dem parallel verlaufenden breiten Hauptweg folgen, um unten im Tal wieder auf die vorgegebene Strecke zu gelangen.

Unten treffen wir auf ein idyllisch gelegenes verlassenes Gehöft in dem von einem Blumenteppich eingedeckten Tal, queren das kleine Bächlein und folgen einer von Korkeichen gesäumten Allee. Kurzer Zeit später erreichen wir unseren Ausgangspunkt.

Natürlich gehört auch der Ausklang des heutigen schönen Tages unserem Lieblingsstrand Castelejho mit seinem einmalig gelegenen kleinen Restaurant. Dort genießen wir bei einem Gläschen Vinho Branco den Sonnenuntergang.


Wanderung im Monchique Gebirge

Diese Wanderung ist im Michael Müller Reiseführer enthalten und wir haben uns im Vorfeld die GPS-Daten kostenlos vom Verlag schicken lassen. Wir parken unser Auto an einer kleinen Gärtnerei in Neve und folgen unserem GPS-Gerät bis zu einem kleinen Bach. Der Weg ist komplett überwachsen und hinter dem Bach, den wir mit langen Schritten über Felsbrocken überwinden müssen, wartet ein zugewuchertes Brennnesselfeld auf uns. Zu dumm, dass wir heute beide kurze Hosen angezogen haben. Corinna zetert noch ein bisschen, aber schließlich bilde ich die Vorhut und versuche so gut es geht den Pfad platt zu treten. Durch unwegsames Gelände, in der die Orientierung ohne GPS-Gerät sicher etwas schwer fällt, gelangen wir zu einer asphaltierten Straße, die an diversen Quintas vorbeiführt. Nach wenigen Metern „überfällt“ uns eine Horde Hunde, die von einem Gehöft auf uns zugestürzt kommt und sich mit gefletschten Zähnen, aggressiv kläffend im Halbkreis um uns herum aufbaut. Normalerweise haben wir mit Hunden auf unseren Wanderungen kein Problem, aber diese Bande ist schon einigermaßen furchteinflößend! Ich rede behutsam auf die Hunde ein, keineswegs überzeugt davon, dass diese Maßnahme die gewünschte Wirkung zeigt und rate Corinna, langsam aber bestimmt weiter zu gehen. Nach einer Weile verlieren die unerzogenen Köter schließlich das Interesse an uns und trotten zurück zu ihrem Heim. Man hört und liest immer wieder von unangenehmen Wandererlebnissen mit Hunden in Portugal - kein Wunder, zumal die Mehrzahl ihr Leben an einer Kette verbringen muss, welches das Wesen des Hundes sicher nicht gerade zum Vorteil verändert!

Alsbald endet die Asphaltierung und es öffnet sich ein Blick auf die Küste bei Albufeira. An großen Lavendelfeldern vorbei folgt der Abstieg nach Caldas de Monchique.

Hier wird in einer Fabrik das Quellwasser des Ortes abgefüllt. Durch einen verwunschenen Park und eine Hotelanlage wandern wir weiter bis zur Hauptstraße. Im Michael Müller Führer wird ab diesem Punkt davon gesprochen, dass „der folgende Abschnitt etwas Verbissenheit erfordere“! Alternativ könne man der Straße folgen bis nach Cortez folgen. Da wir ja mit GPS-Gerät ausgerüstet sind, kommt letzteres natürlich nicht für uns in Frage! Also folgen wir dem Weg, der auf dem GPS-Gerät angezeigt ist. Letztlich endet der Weg unten am Bach im Nirvana - hier scheint irgendetwas mit den Koordinaten nicht zu stimmen. Zudem ist die Batterie des GPS-Gerätes ausgerechnet an diesem Waypoint aufgebraucht und wir haben auch keine Ersatzbatterien dabei! Also bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Pfad zurück zu folgen und noch einmal genauestens die Beschreibung zu lesen. Wir stellen fest, dass bei Waypoint 14 die Koordinaten nicht mit der Beschreibung übereinstimmen. Wir finden dann relativ problemlos den Weg an Hand der Beschreibung im Buch. Tatsächlich ist dieser Weg sehr überwachsen und man benötigt schon einen guten Orientierungssinn, um sich durchzuschlagen.

So klar und eindeutig die Beschreibungen für den Teil des unwegsamen Geländes sind, so verwirrend empfinden wir die Angaben zum weiteren Wegverlauf in Cortez. Wir finden letztlich die bei Waypoint 18 beschriebene Kläranlage über Umwege und führen unseren Weg bis nach Neve zu Ende.


Auf dem Rückweg fahren wir durch Monchique, insbesondere deswegen, weil es hier die Metzgerei Loja de Porto Preto gibt (unmittelbar vor dem Hauptplatz des Ortes am Nora-Brunnen in der Rua Pinto, 18). Spezialität des Hauses ist die Wurst und das Fleisch vom schwarzen Schwein, mehr oder weniger die portugiesische Antwort auf das spanische „Pata Negra“. Ein engagierter junger Mann aus Monchique ist uns bei der Übersetzung im Laden behilflich und erklärt uns die einzelnen Fleischspezialitäten haarklein. Wir erwerben hauchdünne Filetscheiben für gerade einmal 15,-- €/Kilo, die wir am Abend kurz in heißem Olivenöl mit Knoblauch und frischem Rosmarin anbraten. Für die nächsten Tage nehmen wir zudem etwas von dem extrem leckeren Schinken mit sowie einer weiteren Spezialität, einer Blutwurst, die in heißem Öl oder Schmalz angebraten am besten schmecken soll! Am Abend stellen wir begeistert fest, dass wir fast schon vergessen hatten, wie fantastisch Schweinefleisch schmecken kann!


Gezeitenweg
Eine Genusswanderung vom Feinsten! Ebenso wie der Aromenweg ist auch der Gezeitenweg im neuen Wanderführer des Algarve Tourismusverbandes aufgeführt. Wir entscheiden uns allerdings für eine verkürzte Variante, da ein Großteil des aussichtsreichen küstennahen Abschnittes auf der Schotterpiste verläuft, die auch von Autos befahren werden darf. Wir wollen es eigentlich vermeiden, während der Wanderung hinter den Autos „Staub zu schlucken“! Unsere Variante umfasst 14 Kilometer, bei einer reinen Wanderzeit von drei Stunden.

Wir parken unser Auto in der Nähe des Sportplatzes von Carrapateira. Erneut treffen wir auf die Ruta Vicentina, der wir nun für einige Kilometer folgen. Durch die Dünenlandschaft führt unser Weg bis zu dem idyllisch gelegenen Restaurant Sitio do Rio oben auf dem Steilufer in der Nähe des Amadostrandes. Dort beobachten wir einen der zahlreichen Störche, die sich hier in den Felswänden der Steilküste ihr Nest errichtet haben – ein weltweit einzigartiges Phänomen. Das Küstenpanorama am Amadostrand kann man mit Fug und Recht als atemberaubend bezeichnen.

Wir wandern auf der Ruta Vicentina weiter durch eine üppig blühende Dünenlandschaft. Ginster- und Schopflavendelbüsche färben ganze Hänge in lila-gelb ein. Durch den Regen der letzten Nacht sind die Wege ziemlich durchgeweicht und wir müssen ein ums andere Mal tiefe Schlammlöcher in Senken umgehen.

Wir kreuzen die Küstenstraße, die N268, und verlassen die Rota Vicentina, die sich hier in Richtung Cabo Sao Vicente wendet. Über eine kleine asphaltierte Straße, die glücklicherweise so gut wie unbefahren ist, laufen wir hinab zu dem idyllisch gelegenen kleinen Weiler Vilarinha. Im saftig grünen Tal weiden glückliche Kühe und Rinder, ein Esel am Wegesrand betrachtet uns mit großen Augen.

Der Weg setzt sich fort im Tal des Bächleins Carrapateira, entlang an Korkeichen und Erdbeerbäumen. Korkeichen sind übrigens eine echte portugiesische Spezialität. Über 50 Prozent der Korken Weltproduktion stammt von portugiesischen Korkeichen. Dieser Wegabschnitt durch das Feuchtgebiet ist für Vogelbeobachtungen ein wahres Eldorado. Viele Singvögel schwirren durch das dichte Gewirr der Büsche am Wegesrand, ein Turmfalke lauert auf einer Stromleitung auf Beute. Wir fragen uns allerdings, warum sich die Störche nicht dieses wundervolle Örtchen zum Nisten aussuchen: Hier herrscht eine himmlische Ruhe, Frösche und andere Nahrung sind in Hülle und Fülle zu finden. Anstatt dessen beobachtet man sie an belebten Straßen und deutlich weniger heimeligen Orten auf Strommasten und abgeschnittenen Bäumen in der Nähe von Städten! Kurz darauf gelangen wir zurück zu unserem Ausgangspunkt in Carrapateira.

 

 

Rundtour am Cabo Vicente
An unserem letzten Tag machen wir eine sehr schöne Rundtour am Cabo Sao Vicente. Die Route habe ich mit Hilfe unseres GPS-Programms
Base Camp ausgearbeitet, ursprünglich eine kleine Runde von 10 Kilometern – dabei soll es am Ende nicht bleiben. Das Wetter spielt leider nicht so mit wie an den Tagen zuvor. Erst gegen Mittag klart es auf und wir machen uns mit Regencapes bewaffnet auf den Weg in Richtung Sagres.

Rund zwei Kilometer vor dem Cabo geht ein roter Sandweg hinein in die Dünen (Waypoint N37 02.938 W8 58.139). Die Wege sind vom Regen der letzten Nacht teilweise überschwemmt, immer wieder müssen wir große Wasserlachen umgehen. Der erste Teilabschnitt wird bestimmt durch üppige Schopf-Lavendelbüsche, rotleuchtende Hottentottenfeigen, Ginster und Strandnelken.

Hottentottenfeigen und Strandnelken am Cabo Sao Vicente

Über einen schmalen Pfad gelangen wir an die Steilküste und es eröffnet sich der Blick auf den Leuchtturm beim Cabo Sao Vicente und die dramatische Steilküste.

Vom Meer ziehen dunkle Regenwolken auf und kurze Zeit später öffnet der Himmel seine Schleusen. Schnell werfen wir unsere Regencapes über. Glücklicherweise ist der Guss relativ schnell überstanden, sogar lässt sich die Sonne nach kurzer Zeit blicken. Wieder treffen wir auf einen Abstecher der Ruta Vicentina, der zum Praia do Telheiro hinabführt, im Gegensatz zur Hauptstrecke (rot-weiße Markierung) grün-blau markiert. In einem Taleinschnitt hat man sogar eine Leiter aufgestellt, um die Überquerung zu erleichtern – ein für portugiesische Verhältnisse unerwarteter Luxus für Wanderer! Wieder beobachten wir zahlreiche Störche, die über den feuchten und bunt blühenden Wiesen nach Fröschen Ausschau halten.

Wir verlassen die Küste und gelangen in ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet, auf dem Rinder mit kleinen Kälbern friedlich grasen. Der Weg führt hinab in eine Senke und wir trauen unseren Augen kaum, als wir vor einem drei Meter breiten Bach stehen, der gespeist durch die Regenfälle der letzten Nacht zügig talabwärts fließt. Kurzerhand schaffe ich ein paar Holzstämme herbei, baue eine kleine provisorische Brücke, und so gelangen wir trockenen Fußes zur anderen Seite hinüber.

Der Weg führt durch einen Pinienwald und wir hoffen, dass unser Pfad nicht noch einmal auf den  Bach trifft. Es dauert jedoch nur kurze Zeit, da stehen wir schon wieder vor dem rauschenden Bächlein und wir müssen ihn erneut überqueren. Die Stelle, die den Weg kreuzt, ist unpassierbar, zumindest wenn man nicht die Schuhe ausziehen möchte. So versuchen wir unser Glück einige Meter den Bachlauf aufwärts, wo wir eine Stelle finden, die mit einem kleinen Sprung überwunden werden kann.

„In diesem Gelände könnte man gut Allrad-Fahrzeug-Fahren für unseren Afrikatrip üben“, meint Corinna im Spaß und tatsächlich hat sie Recht. Tiefsandige Zweispurpisten, klebriger Schlamm und das Passieren von Wasser gefüllten Furten entsprechen annähernd den Verhältnissen in Botswana.

 

Der Pinienwald steht hier voller kleiner, lila schimmernder Orchideen. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir die Küstenstraße zum Cabo. Schnell schlagen wir uns auf einen Pfad entlang des Steilufers an der anderen Straßenseite durch, da wir nicht unbedingt am Straßenrand entlang wandern wollen. Ein atemberaubender Ausblick auf die Steilküste bei Sagres bietet sich uns oberhalb des Beliche Strandes – ein wirklich nettes Plätzchen zum Verweilen. Bis zum Auto ist es jetzt noch einmal ein guter Kilometer. Durch die Variante im ersten Teil unserer Wanderung kommen wir am Ende auf 15,2 Kilometer, bei einer reinen Wanderzeit von dreieinhalb Stunden. Aufgrund ihres Abwechslungsreichtums hat uns die Tour aber sehr begeistert.

Am Cabo Sao Vicente wollen wir uns nach unserer Wanderung mit der fast schon legendären "letzten Bratwurst vor Amerika" stärken. Seit siebzehn Jahren verkauft ein Nürnberger Ehepaar mit dieser kuriosen Geschäftsidee ihre Wurstspezialitäten aus der Heimat. Es gibt neben Nürnberger Rostbratwürsten auch leckere Original Thüringer vom Grill. Die Enttäuschung ist allerdings groß als wir feststellen, dass der Stand bei dem heutigen durchwachsenen Wetter nicht geöffnet hat. Unverrichteter Dinge fahren wir zum Zavialstrand, um dort eine Kleinigkeit zu essen.

Auf dem Rückweg belächeln wir noch im Nachbarort von Salema, Figueiras, das kuriose Bild eines zum Fenster heraus hängenden Hundes, der geradezu desinteressiert das Dorfleben an sich vorbei ziehen lässt.



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