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F- Wohnmobil-Tour Provence 2019

Lange haben wir uns schwer getan bei der Auswahl unseres diesjährigen Sommer-Reiseziels, haben Informationen gesucht, in Reiseberichten von anderen Bloggern gestöbert und immer wieder miteinander diskutiert. Mit einem gemieteten Wohnmobil wollen wir nach Frankreich fahren, soviel steht schon ziemlich lange fest. Insbesondere durch die Inspiration, die wir auf den Websites zweier Fotografen-Familien finden, haben wir zunächst die Normandie und Bretagne im Fokus.

Zwei Monate vor Beginn unserer Reise stehen wir beim Womo-Vermieter unseres Vertrauens, der Firma Bieger in Hemmingen, wohl wissend, dass wir bei der Wahl des Autos
sicher nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können. Da unser erstes Auswahlkriterium nach wie vor zwei große Betten von minimal 80 x 200 cm ist, bleiben aus dem riesigen Fuhrpark gerade einmal zwei Modelle übrig: Ein Dexter Kastenwagen, wie wir ihn bei unserer ersten Wohnobilreise ins Baltikum hatten, sowie ein teilintegrierter Etrusko T 7400 SB, 7,43 m lang und auf 3,85 Tonnen aufgelastet. Wir entscheiden uns mit dem Erfahrungswert unserer Baltikum-Reise 2017 für das größere Modell, was gleichbedeutend ist mit einem zwangsweise entschleunigten Reisen: Wohnmobile über 3,5 Tonnen dürfen auf Autobahnen maximal 100, auf Landstraßen 80 Stundenkilometer fahren.

Drei Tage vor unserem Aufbruch schmeißen wir spontan unsere bisherigen Planungen über den Haufen, da die Großwetterlage in der Bretagne eher unbeständig und kühl zu sein scheint. So wird es nun doch die deutlich wärmere Provence.
Das ist das Schöne am Reisen mit dem Womo: Eine kurzfristige Planänderung sowohl vor als auch während der Reise ist nie ein größeres Problem!

Wir wollen unsere Stellplätze überwiegend auf ruhigen, individuellen Weingütern, Olivenfarmen oder anderen Bauernhöfen finden. Dazu bedienen wir uns des Etappenführers von France Passion, der sich auf seiner Website als "Bindeglied zwischen französischem Landleben und Wohnmobilfahrern abseits der üblichen Routen" bezeichnet - genau das Richtige für unsere Art Urlaub zu machen!

Für die Erstellung der Reiseroute, die wir dieses Mal mehr oder weniger von Tag zu Tag planen werden, nutzen wir aber auch die Wohnmobilführer aus der Womo-Reihe, die uns bereits im Baltikum gute Dienste geleistet haben (Provence West sowie Languedoc und Rousillon). Wir stellen während unserer Reise fest, dass der Autor Ralf Gréus unseren Nerv zu reisen komplett trifft und ganz tolle Insider-Tipps für die jeweiligen Regionen in seinen Büchern aufführt. Von daher gilt für alle Womo-Reisenden, die in die Provence reisen, unsere uneingeschränkte Kaufempfehlung für diese beiden Werke! Begleitende Lektüre für Zusatzinformationen jedweder Art ist der Michael Müller-Reiseführer "Provence Cote d´Azur".

Auf unserer Google Maps Karte könnt ihr unsere Etappen nachvollziehen!



23. Mai 2019 – Hannover – Alsfeld (260 km)
Geschlagene 1 ½ Stunden benötigen wir für die Übergabe unseres Wohnmobils, verstauen zu Hause so schnell wie möglich unsere vorbereiteten Sachen.  So kommen wir sehr viel später als erhofft auf die Piste und schaffen es heute gerade noch bis Alsfeld. Dort befindet sich ein Stellplatz für ca. 40 Wohnmobile an der Schwalm, direkt am Rand der Altstadt gelegen. Der Platz ist gut gefüllt und wir entrichten am Automaten unseren Obolus von 5 €. Strom ist erhältlich, dafür sollte man allerdings möglichst viele 50 Cent Stücke an Bord haben!

Wir beschließen, nicht mehr zu kochen und in der Altstadt essen zu gehen. Die Altstadt Alsfelds besteht aus einem bezaubernden Fachwerk-Ensemble. Auf dem einzig erhaltenen Stadtmauerturm brütet idyllisch ein Storchenpaar.


Wir schlendern durch die Gassen, staunen über die windschiefen, alten Häuser und finden direkt am Marktplatz das Restaurant Kartoffelsack, wo wir uns zum Abendessen niederlassen und den lauschigen Abend genießen. Es kommt deftige Hausmannskost auf den Tisch, überwiegend mit viel Käse überbackene Kartoffelgerichte - keine kulinarische Offenbarung aber insgesamt ganz ok. Wir  beobachten während des Essens zahlreiche Hausrotschwänze, die geschäftig durch die schmalen Häusergassen schwirren. Die Vögel haben ihr ursprüngliches Zuhause in steilen Felsen gegen die alten Häuserwände eingetauscht.

Zurück am Platz lassen wir ein erstes Gespräch mit einem älteren „Original-Wohnmobilisten“, die wir in der Regel versuchen zu vermeiden, über uns ergehen und begeben uns dann zur Ruhe.



24. Mai 2019 – Alsfeld – Weingut Bollenberg/Westhalten (440 km)
Noch einmal bummeln wir zu einem Foto-Shooting frühmorgens durch das kleine Städtchen und frühstücken in einem Café am  Marktplatz.

Ohne Stau erreichen wir nach drei Stunden Fahrzeit die Elsässer Weinstraße, unser heutiges Ziel. Wir fahren durch idyllische Weinberge und Dörfer mit schmalen Gassen, durch die sich unser über sieben Meter langes Wohnmobil durchschlängeln muss. In Riquewihr haben wir uns das Weingut Agapé ausgeguckt – hier soll es einen hervorragenden Riesling geben. Die freundliche Angestellte bemüht sich bei der Degustation rührend mit einem Mix aus Englisch, Deutsch und Französisch, uns die auf dem Weingut produzierten Weine näher zu bringen. Wir beschränken uns auf verschiedene Rieslinge und einen Pinot Noir Rosé. Vor allem die Riesling Grand Crus überzeugen uns durch ihre fantastische Mineralität und so wandern die ersten zwei Weinkisten in unser Wohnmobil.

Riquewihr wird auch die „Perle der Elsässer Weingegend“ genannt und ist als eines der schönsten Städtchen Frankreichs ausgezeichnet worden. Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen Häusern aus dem 13. – 18. Jahrhundert ist ein einziges Freilichtmuseum und hat sich ein großes Stück Ursprünglichkeit bewahrt. Das wissen natürlich nicht nur wir, sondern auch eine Vielzahl anderer Touristen, die das Örtchen bevölkern. Überall sind geschnitztes Fachwerk, uralte hölzerne Weinpressen, blumenumrankte Innenhöfe und kunstvolle Erker zu bewundern. Auch sehr gut erhaltene Reste der Stadtmauer und der Dolder-Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert sind zu entdecken. Natürlich kann man auch hier an jeder Ecke eine Weinprobe machen. Wir sind sehr froh, dass wir unsere sehr individuelle und persönliche Weinprobe im Weingut Agapé abseits des ganzen Rummels hatten.




Nach einer interessanten und ausgiebigen Besichtigungsrunde  setzen wir unseren Weg fort zur Domaine du Bollenberg. Hier befindet sich ein idyllischer France Passion Stellplatz inmitten der Weinberge mit einem tollen Ausblick über die Rheinebene bis hin zum Schwarzwald. Sogar Strom ist verfügbar - ungewöhnlich für einen France Passion Platz.

Natürlich sind wir nach der Autofahrt bewegungshungrig und machen uns auf zu einer Entdeckungstour durch die Weinberge. Die Gegend ist ein einziges Vogelparadies - wir entdecken mehrere Wiedehopfe, Schwarzkehlchen, Bluthänflinge und Mönchsgrasmücken.


Am Abend haben wir einen Tisch reserviert im Restaurant des Weingutes Bollenberg. Wir entscheiden uns für das Gourmet-Menü mit begleitenden Weinen. Leider werden die Gerichte, die auf den Teller kommen, der vollmundigen Beschreibung auf der Menükarte nicht gerecht. Wir empfinden die Speisen für dieses Preissegment als einfallslos. So ist bei drei Gängen der Spargel dominierend – wir hätten uns ein bisschen mehr Geschmacksvariation gewünscht. Die zumeist hauseigenen begleitenden Weine werden ohne jegliche Erklärung eingeschenkt und passen auch nicht optimal zu der Menüfolge, das Personal wirkt ziemlich ungelenk und ungeschult. Schade, ein begeisterndes Dinner wäre das I-Tüpfelchen zu diesem ansonsten phantastischen Ort gewesen.

 

25. Mai 2019 - Westhalten – Lac de St. Point (190 km)
Am frühen Morgen machen wir noch einmal eine Runde durch die Weinberge. Leider gelingt es uns auch heute Morgen nicht, einen Wiedehopf vor die Linse zu bekommen, auch wenn wir seinen markanten „Hoop-hoop-hoop“ Ruf permanent hören! Wir genießen unser Frühstück mit Ausblick auf die Bollenberger Weinstöcke in vollen Zügen.

Weiter führt uns unsere Route in Richtung Süden. Direkt hinter Belfort geht es hinauf auf die Hochebene des Jura Gebirges. Die Gegend ist noch ein echter Geheimtipp abseits ausgetretener Touristenpfade. Die Straße führt uns entlang des idyllischen Flüsschens Le Doubs. In Pont de Roide finden wir die Boucherie Maison Barbier, in der es allerlei Leckereien zu erwerben gibt. Insbesondere die Enten-Spezialitäten haben es uns angetan: Wir kaufen neben Kalbfilets zum Grillen verschiedene Bratwürstchen, eine Salami und eine Paté, allesamt aus Entenfleisch hergestellt.

Nach einem kurzen Picknick am Fluss gelangen wir zum imposanten Chateaux de Joux, das seinen Ursprung bereits im 11. Jahrhundert hatte und aufgrund seiner strategisch günstigen und grenznahen Lage eine bewegte Historie hinter sich hat.


Unser Ziel ist der Lac de St. Point, drittgrößter See Frankreichs. Der Campingplatz Municipal liegt unmittelbar am Seeufer und ist sehr viel schöner gelegen als der benachbarte Wohnmobilpark und dazu unwesentlich teurer (18 €). Wir verbringen den ganzen Nachmittag lesend am See und genießen das „Nichtstun“!


Unser abendlicher Grill-Event wird durch ein kurzes heftiges Gewitter, dass sich über den nahen Hügeln zusammenbraut, gestört. Dennoch gelangen die Leckereien aus der Boucherie in Pont La Roide noch auf dem Grill. Die Enten-Bratwürstchen sind absolut einmalig. Dazu gibt´s einen Elsässer Riesling vom Weingut Agapé! Nachdem sich das Gewitter verzogen hat, schauen wir uns das Schauspiel wabernder Nebelschwaden über dem See an.




26. Mai 2019 – Lac de Saint-Point – Saint Disdier (370 km)
Die Sonne löst nur allmählich den dichten Nebel über dem See auf. Wir lassen es gemächlich angehen und fahren nach dem Frühstück weiter, nachdem wir noch die Grauwasser-Entsorgung erledigt haben.

Die folgende Strecke durch das Val de Mouthe kann man als absolut malerisch bezeichnen. Entlang des kleinen Bächleins schlängelt sich die Straße durch lauschige Dörfchen, unter anderem Mouthe, das auch „Klein-Sibirien“ genannt wird! Tatsächlich ist es aufgrund seiner geographischen Lage das kälteste Dorf Frankreichs – hier wurden im Winter schon Spitzenwerte von Minus 36,7 ° gemessen! Auch das Dorf Chaux Neuve mit seinem Kirchturm und den es umgebenden Blumenwiesen weiß zu begeistern! In Saint-Laurent-en-Grandvaux kaufen wir in der Fruitere du Pays Grandvallier leckeren hausgemachten Käse und Marmelade. Wenn es doch nur solch einladende Geschäfte auch in Deutschland gäbe!



Da wir heute einmal Strecke machen wollen, um weiter nach Süden vorzudringen, entscheiden wir uns bei Oyonnax bis nach Grenoble auf der Autobahn zu fahren. Ein teures Vergnügen: Für rund 170 Kilometer zahlen wir satte 42 €! Ab Grenoble wollen wir hingegen die allseits gepriesene Route Napoleon befahren, jedoch stellt sich bei uns die Begeisterung für diese kurvenreiche Strecke nicht wirklich ein – vielleicht liegt es auch am überwiegend grauen Himmel, der nur selten Sonnenlicht zwischen den Wolken hindurchlässt.

Es wird Zeit, sich um ein Nachquartier zu bemühen und so verlassen wir die N 85 beim Lac du Sautet. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen soll. Die parallel verlaufende D 537 ist zwar noch schmaler, gefällt uns aber sehr viel besser. Wir passieren dramatische Schluchten und haben phantastische Bergpanoramen mit üppigen Blumenwiesen vor uns, die an die Dolomiten erinnern.

An der wenig befahrenen Landstraße in der Nähe von Saint-Disdier liegt das kleine Hotel und Restaurant La Neyrette, das sich ebenfalls France Passion angeschlossen hat. Wir sind das einzige Wohnmobil auf der weitläufigen Wiese hinter dem Restaurant. Am kleinen, lauschigen Forellenteich mit Mühlrad sitzen wir noch eine ganze Weile und betrachten die vom Sonnenlicht beschienenen Felsketten.


Das Dreigang-Menü am Abend im La Neyrette ist überzeugend und besteht überwiegend aus lokalen Produkten. Man kann aus einer Auswahl von Vor- und Hauptgerichten sowie Desserts wählen: Wir ordern Foie Gras, gefolgt von einem Hauptgang aus Lammkeule bzw. Rinderfilet sowie einer phantasievollen Dessert-Variation – alles extrem lecker und liebevoll zubereitet.




27. Mai 2019 - Saint Disdier – Lac de Sainte-Croix (190 km)
Unser heutiges Ziel ist der Lac-de-Sainte-Croix, in der Nähe der berühmten Verdon Schlucht. Als Route haben wir die D1064 über den Col du Noyer ausgesucht. Über ein winziges Passsträßchen schrauben wir uns aufwärts, vor uns ein spektakuläres Schnee bedecktes Felsmassiv. Nachdem wir den 1664 Meter hohen Gipfel des Passes erreicht haben, kommt die steile Serpentinenstraße, die ins Tal hinabführt, in Sicht. „Und da sollen wir mit unserem Schlachtschiff von Wohnmobil hinunter fahren“, meint Corinna noch, doch wir haben keine andere Wahl, wenn wir nicht wieder den ganzen Weg zurück fahren wollen. Letztlich ist der Pass auch für unser 7,40 Meter langes Wohnmobil, das einen hervorragend kleinen Wendekreis hat, gut machbar. Nur sollte kein anderes Fahrzeug entgegenkommen, dann hätte man wirklich ein Problem. Tatsächlich passiert uns lediglich ein einziges Fahrzeug, glücklicher Weise an einer Stelle, wo wir in einer breiten Kurve gut einander ausweichen können.

Unten im Tal stoßen wir wieder auf die Route Napoleon, der wir über Gap nach Sisteron folgen. Erste Lavendelfelder säumen die Straße, natürlich noch ohne Blüte. Wie großartig muss diese Gegend sein, wenn die Lavendelblüten die ganze Landschaft mit eine lilafarbenen Mantel einhüllt? Wir können es uns in diesem Moment lebhaft vorstellen und werden sicher irgendwann zur richtigen Jahreszeit zurückkehren!

Unser heutiger Zwischenstopp gilt dem Bilderbuch-Ort Moustiers-Sainte-Marie. Vor einer steil aufragenden Felskulisse drängen sich auf engstem Raum eine Hand voll Häuser. Genau in der Mitte wird das Dörfchen durch eine dramatische Schlucht getrennt, deren beiden Gipfel mit einer 227 Meter langen Kette mit einem goldenen Stern verbunden sind. Kein Mensch weiß, wann und von wem die Kette gespannt worden ist. Kein Wunder, dass dieses idyllische Ensemble besonders im Sommer ein echter Touristenmagnet ist. Um diese Jahreszeit hält sich der Ansturm jedoch noch in Grenzen, und wir finden oberhalb des Ortes sogar einen Parkplatz für unser Wohnmobil.

In einer kleinen Bar stärken wir uns mit einem Galettes, ein Crepes aus Buchweizenmehl, eigentlich eine bretonische Spezialität, die wir hier nicht unbedingt erwartet hätten! Danach lassen wir uns durch die engen Gassen treiben. Wir bedauern sehr, dass wir heute kein besseres Fotolicht an diesem besonderen Ort haben. Über einen steilen Treppenweg gelangen wir zu der kleinen Wallfahrtskapelle Note-Dame-de-Beauvoir, von der wir eine phantastische Aussicht auf die unter uns liegenden Häuschen von Moustiers genießen.

 

Ein sympathischer France Passion Stellplatz befindet sich oberhalb des Lac de Sainte-Croix auf einer Lavendelfarm, das „Maison du Lavandin“ von Marie-France & Raymond Bourjac. Erstmals müssen wir unsere France Passion Legitimation vorzeigen. Die Stellplätze befinden sich direkt unter Trüffeleichen, leider verfügt der Platz nicht über Stromanschlüsse. Der France Passion Ethik folgend, kaufen wir im kleinen Lädchen von Marie-France erst einmal ein. Hier gibt es allerlei Lavendelspezialitäten, Olivenöl, Marmeladen und Honig. Natürlich dürfen auch Trüffel nicht fehlen. Derzeit ist zwar  keine Trüffelsaison, aber wir erstehen in Gläser eingelegte Trüffel für 1 € pro Gramm - nicht gerade ein Schnäppchen, aber wenn wir schon unter Trüffeleichen stehen, müssen wir uns auch diesen Luxus gönnen. Später wird sich herausstellen, dass derart konservierte Trüffel ihr Geld absolut nicht wert sind!

Den ganzen Rest des Tages regnet es wie aus Kübeln, so dass wir keinen Fuß vor die Tür setzen und natürlich auch nichts mehr unternehmen können, außer einem abendlichen Spaziergang zum Aussichtspunkt über den Lac de Saint-Croix. Achja, so könnte es am Lac de Saint-Croix aussehen, wenn der Lavendel blühen würde ...



28. Mai 2019 - Lac de Sainte-Croix – Grèoux-les-Bains (120 Km)
Die morgendliche dichte Wolkendecke verspricht kein gutes Fotolicht für unseren heutigen Abstecher in den Grand Canyon du Verdon. Es ist bekannt, dass die Parklätze an den Aussichtspunkten auch Anziehungspunkte für Kleinkriminelle sind. Wir haben kaum die Nordroute auf der D 952 angetreten, da stören wir gleich ein diebisches Paar, das soeben auf einem Parkplatz versucht hat, ein Auto zu knacken und bei unserer Ankunft das Weite sucht. Leider gelingt es uns nicht mehr, das Autokennzeichen des weißen Lieferwagens zu notieren.

Gewarnt von diesem Vorfall, lassen wir unser Wohnmobil bei den zahlreichen nun folgenden Fotostopps nicht mehr aus den Augen. Ab La-Palud-du-Verdon zweigt ein 23 Kilometer langer Rundkurs voller spektakulärer Tiefblicke in den Canyon ab. Man sollte die „Route de Crete“ im Uhrzeigersinn befahren, da ein Teil der Strecke Einbahnstraße ist. An einigen Aussichtspunkten beobachten wir Kletterer, die sich an den senkrecht abfallenden Felsen abseilen. Leider wird das Licht für unsere Fotos den ganzen Morgen nicht besser, so dass wir nach unserer Runde beschließen, unsere Fahrt fortzusetzen.


Unser Ziel ist der lebhafte Kurort Grèoux-les-Bains. Zunächst müssen wir aber unser Grauwasser ablassen und auch den Inhalt der WC-Kassette entsorgen. Auf einem Self-Service Campingplatz im Ort mühen wir uns regelrecht ab, die automatische „Schrankentechnik“ zu bewältigen. Ein Glück ist Corinna der französischen Sprache mächtig, ansonsten hätten wir hier ein Problem! Mit Hilfe eines netten französischen Kurgastes, der mit seinem Womo auf dem Platz steht, gelingt es uns, die Schranke zu überwinden und unsere Ver- und Entsorgung zu erledigen. Der ganze Spaß kostet uns letztlich stattliche 11 €, genau so viel, wie eine ganze Nacht auf dem Platz! Dennoch wollen wir hier  nicht bleiben, denn wir haben uns einen France Passion Platz fünf Kilometer außerhalb von Grèoux ausgesucht.

Doch zunächst schauen wir uns das Örtchen an und parken unser Wohnmobil auf dem großen Parkplatz der Therme, wobei wir später feststellen, dass im Zentrum ein weiterer für Wohnmobile ebenfalls geeigneter Parkplatz vorhanden gewesen wäre. Die Klientel in Grèoux-les-Bains erinnert uns sehr an Bad Pyrmont, ein Senioren-Kurort in unserer Heimat, den wir gelegentlich als Wanderziel haben! Viele ältere Franzosen bevölkern die kleinen Gassen und die wenigen geöffneten Cafés. Wir steigen hinauf zum wenig spektakulären Chateau des Templiers. Von hier kann man das gesamte Städtchen überblicken. Zurück im Ort essen wir in einem Café eine Kleinigkeit zu Mittag und kaufen für unser heutiges Abendessen ein.

Wir steuern den France Passion Platz La Brunetière im Herzen der Haute Provence an. Unbedingt sollte man der Wegbeschreibung im France Passion Buch folgen und nicht etwa einer GPS- oder Google Maps Route! Zwei Kilometer müssen wir bei der Anfahrt einer Schotterpiste folgen, für Wohnmobile bei langsamer Fahrt aber kein Problem. Wieder einmal haben wir einen außergewöhnlichen und ruhigen Stellplatz, dieses Mal auf einer idyllischen Olivenfarm, gefunden. Madame Noelle Moniez heißt uns willkommen und wir kaufen in ihrem kleinen Laden leckeres Olivenöl und Feigen-Marmelade ein. La Brunetière vermietet auch sehr schöne Zimmer. Unser Wohnmobil parken wir neben dem Haus, da es hier etwas windgeschützter ist. Es gibt sogar Strom und Frischwasser.

Wir sind sehr bewegungshungrig, so dass wir zu einer kurzen abendlichen Wanderung aufbrechen. Bunte Blumenwiesen, Olivenhaine und zum Schluss auch mit Mohnblumen durchsetzte Lavendelfelder werden durchwandert. Wenn schon der Lavendel noch nicht blüht, so setzen doch wenigstens die Mohnblumen einen wunderbaren Akzent in die ohnehin malerische Provence-Landschaft. Entlang des Weges duftet es betörend nach Kräutern der Provence, die wir direkt zum Würzen des Rinderfilets heute Abend nutzen. Aus dem geplanten Grillen wird leider nichts, da der Mistral ordentlich bläst und Offenes Feuer in der gesamten Zeit zur Zeit verboten ist.




29. Mai 2019 - Grèoux-les-Bains – Blauvac (120 Km)
Nachdem wir uns von der reizenden Madame Moniez verabschiedet haben, lautet unser erstes Ziel am heutigen Vormittag Banon. Zunächst schießen wir aber erst noc heinmal ein paar Fotos von der tollen Landschaft mit dem Der Ort gehört nicht gerade zu den touristischen Hauptanziehungspunkten, aber er versprüht unglaublich viel Charme und ist aufgrund seiner Authentizität so ganz nach unserem Geschmack. Oben auf dem Hügel thront die historische Altstadt mit seiner Kirchenruine, unten im Dorf herrscht gelassenes provenzalisches Leben. Die schmucke Buchhandlung Le Bleuet mit der Skulptur eines aufgetürmten Bücherstapels vor der Tür ist ein besonderer Eyecatcher.


Am Hauptplatz befindet sich eine grandiose Charcuterie, das La Brindille Melchio, welche man unbedingt besuchen sollte. Von der Decke hängen fingerdicke und meterlange Salamis, Brindilles genannt. Sie werden verfeinert mit unterschiedlichsten Zutaten wie Walnuss, Haselnuss, Pinienkernen oder Käse. Auch kann man hier eine ganz besondere Spezialität des Örtchens erwerben: Den Banon de Banon, ein gereifter Ziegenkäse, der in Kastanienblätter eingehüllt und mit Bast von Hand verschnürt wird. Wir decken uns in diesem Gorumet-Kleinod erst einmal ein und laufen danach hinauf ins historische Zentrum. Überall laden schmucke alte Häuser mit blumenverzierten Vorgärten zum Verweilen und Fotografieren ein. Wir sind regelrecht angetan von diesem kleinen, touristisch eher unbekannten Örtchen!

Anschließend nehmen wir Kurs auf den Mont Ventoux, der allmählich in unser Blickfeld kommt. Die markante kahle Kalksteinkuppe erscheint aus der Ferne fast wie ein gleißend weißes Schneefeld. Immer wieder ergeben sich tolle Fotomotive, zum Beispiel mit Lavendel- oder Wildblumenfeldern im Vordergrund. Bei einem kleinen Picknick im Womo laben wir uns an den feinen Mitbringseln aus Banon. Der Banon Ziegenkäse ist einfach sensationell und wir ärgern uns, dass wir nicht mehr davon eingekauft haben.


Der Mont Ventoux ist heute noch nicht unser Ziel, vielmehr wenden wir uns dem Gorges de la Nesque zu, sozusagen der kleine Bruder des Gorge du Verdon. Die zwanzig Kilometer lange Panoramastraße ist teilweise spektakulär. Am Rocher du Cire kann man in den 300 Meter tiefen Canyon hineinschauen, wenn auch von dem kleinen Rinnsal der Nesque kaum etwas  zu sehen ist. Nicht zu fassen, dass ein solch kleiner Bach die Kraft hat, im Laufe von Jahrtausenden einen solche Schlucht zu graben! Ein zahmes Wildschwein am Belvedere verblüfft die wenigen anwesenden Touristen, rollt sich auf den Rücken und lässt sich genussvoll den Bauch kraulen!
 



Ein wunderschöner Campingplatz Municipal befindet sich im nahen Weiler Bauvac. Von den erhabenen Stellplätzen, die eingefasst sind von (derzeit noch kleinen) Maulbeerbäumen, hat man einen phantastischen Blick auf den gegenüber liegenden Mont Ventoux. Strom und ein kleines Sanitärhäuschen sind vorhanden. Außer uns hat lediglich ein weiteres Wohnmobil den Weg in diese eher unbekannte Gegend gefunden.

Wir machen nachmittags noch eine sehr schöne Rundwanderung durch die Weinberge der Cotes du Ventoux. Duftenden Ginsterbüsche und üppige Blumenwiesen sind unsere Wegbegleiter. Nach unserer Runde haben wir satte 10 Kilometer und immerhin 270 Höhenmetern auf der Uhr.




Wir belohnen uns mit einen Sundowner im einzigen Restaurant Bauvacs, dem La Calde. Vom Restaurant aus haben wir einen spektakulären Ausblick auf die umliegenden Weinberge. Man soll hier angeblich sehr gut essen können, was wir allerdings nicht ausprobieren.

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