Über uns
A - Mühlbach 2010 - 2012
CR - Costa Rica 2011
CR - Costa Rica 2017
D - Amrum 2010
D - Daarß 2000 ff.
D - Hannover-Hamburg per Bike 2009
D - Havelland 2017
D - Rügen 2011
D - Sehlendorf 2012
E - Fuerteventura 2019
E - Galizien 2006
E - Gomera 2008
E - Gomera 2010
E - Gomera 2011
E - La Palma 2014
E - La Palma 2018
E - Mallorca 2006
EC - Ecuador-Galapagos 2018
F - Paris 2018
F- Wohnmobil-Tour Normandie-Bretagne 2019
GR - Kreta 2010
I - Amalfi & Cilento 2012
I - Elba 2008
I - Hufeisentour 2013
I - Hüttentour Lüsner Alm-Grödner Joch 2016
I - Rosengarten Trekking 2018
I - Sardinien 2009
I - Toskana 2007
I - Toskana 2008
I - Toskana 2015
LT-LV-EST - Baltikum 2017
Ma - Marokko - 2015
NAM - Namibia 2014
NAM-RB-ZA - Afrika Dreiländertour 2015
P - Algarve 2013
P - Madeira 2017
P - Madeira 2018
RB - Botswana 2013
RB-NAM - Botswana-Namibia 2016
RUS - Kamtschatka 2020
USA - Florida 2009
USA - Südwest 2007
ZA - Südafrika-KwaZulu Natal & Krüger NP 2012
ZA - Südafrika-Western Cape 2016
ZA - Südafrika-Western Cape & Krüger NP 2019
Newsletter bestellen
Foto-Equipment
Foto-Tipps
Foto-Verwertung
Literatur
Packlisten
Videos
Kontakt
 

E - Gomera 2010

Nach 2008 verschlägt es uns im November 2010 zum zweiten Mal auf das kleine Kanaren-Eiland. Wir haben relativ kurzfristig gebucht, da wir zunächst noch mit Sizilien / Stromboli geliebäugelt hatten. Die stabileren Wetteraussichten zu dieser Jahreszeit gaben letztlich jedoch den Ausschlag für La Gomera.

Da das Casa Nisarga in El Guro, in dem wir beim letzten Mal gewohnt haben, leider belegt war, mussten wir uns im Internet auf die Suche nach Alternativen machen. Eine zwischenzeitliche Idee, ggf. nach La Palma zu fahren, scheiterte an den Fährverbindungen. Auch war für uns das Übersetzen per Flugzeug mit Binter keine wirklich gute Alternative, da man auf Teneriffa zum Flughafen auf der anderen Inselseite in Santa Cruz wechseln müsste. Die Fahrt dorthin mit dem Bus ist etwas kompliziert und das Taxi zu teuer. Wir haben schließlich unsere Unterkünfte bei Gomera Individual gebucht, einem Vermittlungsportal eines deutschen Paares, das jahrelang selbst auf Gomera gelebt hat. Wir haben beschlossen, die ersten fünf Tage im Norden der Insel, in Hermigua, zu verbringen und danach ins Valle Gran Rey umzuziehen.

6./7.11.2010
Den Flug haben wir erneut bei Ryan-Air gebucht zum unschlagbar günstigen Preis von 150,-- € pro Person, allerdings ab Weeze, einem kleinen ehemaligen Militärflughafen an der holländischen Grenze. Unser Flug startet bereits um 7.00 Uhr morgens, so dass wir uns entscheiden, die 320 Kilometer bis Weeze bereits am Vortag zu fahren und in der Nähe von Weeze zu übernachten. Wir haben ein Doppelzimmer in dem netten Landhaus Voeskenshof (60,-- €/Nacht) gebucht. Beim Einchecken ordert das überaus nette Landhaus Team direkt ein Taxi, das uns am nächsten Morgen zum 14 Kilometer entfernten Airport von Weeze bringen soll. Es gibt aber auch noch weitere Hotels, die deutlich näher am Flughafen Weeze gelegen sind. Wir genießen abends im Hotel ein leckeres Wildgericht und stimmen uns so in aller Ruhe auf den bevorstehenden Urlaub ein.

Das Taxi ist pünktlich und auch der Flug startet, wie wir das von Ryan Air gewohnt sind, auf die Minute genau. Wenn man sich auf die teilweise rigiden Regularien der irischen Airline, insbesondere bezüglich des Gepäcks und des Bordservices, einstellen kann, ist man aus unserer Sicht mit der häufig in der Kritik stehenden Airline bestens bedient.

In Teneriffa warten wir auf den Bus, Linie 111 nach Los Chrisitanos, Mit der gleichen Linie kann man in umgekehrter Richtung zum Flughafen Teneriffa Nord fahren. Mittlerweile fährt kein Bus mehr hinab zum Hafen, so dass man noch einen guten Kilometer laufen muss. Da wir noch jede Menge Zeit haben, kaufen wir in einem kleinen Mini-Mercado Getränke ein und lassen und dann in der La Croissanteria Bar in der Fußgängerzone nieder - eine Bar im spanischen Teneriffa, die einen französischem Namen trägt und italienische Leckereien anbietet! Wir bestellen eine Mix Tapas Platte für 11 Euro, die reichhaltig und von ausgezeichneter Qualität ist. Gesättigt legen wir die letzten Meter zum Fähranleger zurück. Im Fährgebäude erwartet uns eine faustdicke Überraschung: Die Preise der Fred Olsen Fähre haben sich im Vergleich zu unserem letzten Besuch 2008 halbiert. Die Fahrt nach San Sebastian hin und zurück kostet jetzt gerade noch 34 € pro Person. Mit der kleinen Schnellfähre Benchi Express setzen wir in einer Stunde über nach Gomera. Der Benchi Express hat den Betrieb des früheren Garajonay Express übernommen und fährt weiter über Santiago ins Valle Gran Rey.

Wir verlassen die Fähre in San Sebastian, wo uns ein Mitarbeiter der Autovermietung PAE in Empfang nimmt. Das Auto haben wir ebenfalls über die Seite von Gomera-Individual gebucht. Wir telefonieren mit unserer Vermieterin in Hermigua und kündigen unser Kommen mittels eines spanischen Satzes an, den uns die Vermittler übermittelt haben. Die knapp 30 Kilometer legen wir in einer halben Stunde zurück und beziehen unser kleines Häuschen.

Das Casita Monica (52,--€/Nacht inkl. Endreinigung) steht am Strand von Hermigua, dem Playa de Catalina. Es ist zweckmäßig eingerichtet und verfügt über zwei Schlafzimmer, eine Küche mit Essbereich, Duschbad sowie einem kleinen Wohnzimmer. Prunkstück des Häuschens ist die Terrasse mit einem phantastischen Blick auf die vor dem Meer liegenden Bananenplantagen und den imposanten 4000 Meter hohen Teide auf Teneriffa – Meeresrauschen ist in dem „idyllischen Ensemble“ inbegriffen. Unterhalb vermietet Taxifahrer Ramon zudem die relativ günstigen Apartments Santa Catalina, allerdings ohne den ungestörten Ausblick aufgrund der gegenüber liegenden, etwas heruntergekommen wirkenden, Piloto Bar. Hier werden wir es in den nächsten fünf Tagen sicher sehr gut aushalten können.
 



Blick von Hermigua auf den Teide auf Teneriffa

Hermigua gilt als das wasserreichste Tal La Gomeras und wird ganzjährig vom Rio del Cedro versorgt. Hier leben die Bewohner neben dem kaum wahrzunehmenden Tourismus hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die sonnige Seite des Tales ist in mühsamer Arbeit von den Urbewohnern terrassiert worden. Hier werden noch immer Kartoffeln, Papayas, Bananen, Getreide, Hülsenfrüchte, Kürbisse, Bohnen und Trauben angebaut. Das Tal von Hermigua rühmt sich bereits auf seinem Ortsschild mit dem Slogan „Willkommen in Hermigua, wo wir das beste Klima der Welt haben“ – dies stellte kürzlich ein internationales Meteorologen Komitee fest, und seit dem schmückt sich das Örtchen mit dem Titel. Das Klima ist ganzjährig mild und variiert nur wenig zwischen Sommer und Winter.

Häufig hängt eine dichte Wolkendecke über dem Tal. Ein leichter Wind sorgt außerdem für angen
ehme Temperaturen – kein Klima für den nach schneller Urlaubsbräune suchenden Pauschaltouristen. Unten am langen Steinstrand von Santa Catalina brechen sich mit großer Wucht die mächtigen Wellen des Atlantiks. Der starke Sog ermöglicht zudem keine ungetrübten Badefreuden. Baden kann man an ruhigeren Tagen wunderbar im natürlichen Meerwasserschwimmbecken, den Ruinen der ehemaligen Verladestation für die Bananenfrachter. Ein Originalfoto des Hafens hängt in unserem Casita.

Auf einem kleinen Erkundungsgang ins Dorf entdecken noch weitere nett gelegene Casas, z.B. das Los Veroles, unweit unseres Hauses auf der Stichstraße in Richtung Playa. Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für unser morgiges Frühstück ein und verbringen dann einen lauschigen Abend bei Rotwein, Käse, Salami und Oliven auf unserer Traumterrasse.


8.11.2010
Nach einem Einkauf in einem der kleinen Supermercados von Hermigua – hier erhält man gerade einmal das Notwendigste –, genießen wir unser Frühstück mit Blick auf den durch die Morgensonne erleuchteten Teide. Wir lassen es erst einmal ruhig angehen und relaxen auf den Sonnenliegen des Casitas. Gegen Mittag holt uns allerdings der Unternehmungsgeist ein und wir brechen zu unserer ersten Wanderung auf. An der Abzweigung zum Naturschwimmbecken von Hermigua führt ein Treppenweg steil den Berg hinauf in Richtung Playa de La Caleta, der uns die Bucht von Hermigua zu Füßen legt.


Bis zur Kammhöhe „Camina“ benötigt man ungefähr eine halbe Stunde. Von hier aus kann man direkt hinuntersteigen zum Playa de La Caleta. Wir entscheiden uns allerdings für einen sehr viel größeren Bogen und wandern auf einer gemütlichen Pistenstraße in Richtung Casas del Palmar. Der Blick auf den Teide bleibt uns leider auf dem ganzen Weg durch ein dichtes Wolkenband versperrt. Nach einer ganzen Weile führt ein sehr schöner Camino zu den in einem Barranco gelegenen Casas de Moralito. Hier gedeihen unter anderem Avocados und Kürbisse. Über einen abenteuerlichen Steg überqueren wir das Bachbett. Der Weg steigt nun eine Weile steil an bis wir ein bereits von unten gut sichtbares Wegkreuz auf dem Sattel erreichen. An der Weggabelung kann man nun, wie im Wanderführer beschrieben, rechts durch den seicht abfallenden Hang nach El Palmar laufen oder aber die aus unserer Sicht wesentlich schönere Variante nach links über einen schmalen Grad zwischen zwei Barrancos mit phantastischen Tiefblicken. Dieser Abschnitt ist sicherlich der grandioseste Abschnitt der gesamten Wanderung und man verpasst ihn, wenn man sich an die Beschreibung im Rother hält.


Am Ende des Grades führt ein etwas unangenehm zu laufender gerölliger Pfad steil hinab zum Barranco Canada la Barraca. Von oben bereits gut auszumachen ist der mit einem Holzgeländer gesicherte Camino, der zur Punta San Lorenzo führt. Wir ersparen uns heute allerdings den Abstecher und nehmen den Pfad mit luftigem Tiefblick zur Playa de La Caleta. Unten am Strand befindet sich das nett gelegene Restaurant Macondo. Wir ordern Ziegenfleisch (8,--€) sowie Thunfisch in Soße (6,--€). Beide Gerichte überzeugen uns nicht vollends, jedoch kann man bei dem niedrigen Preis sicher nicht meckern.

Mit der Wirkung eines Gläschen Vino Blancos und mit vollem Magen müssen wir ausgerechnet jetzt den am wenigsten motivierenden Abschnitt dieser Wanderung absolvieren. Auf einer Asphaltstraße geht es stetig bergauf zur Kammhöhe Camina. Auf gleichem Weg wie heute morgen steigen wir von dort hinab nach Hermigua. Das Tal wird malerisch illuminiert durch „Beams“, die sich durch kleine Wolkenlöcher hindurch zwängen und die bunten Häuser im oberen Tal beleuchten.


Unten ernten gerade Bauern die riesigen grünen und noch nicht reifen Bananenstauden, die bis zu einem Zentner schwer werden können. Bis heute ist die Bananenernte eine echte Knochenarbeit, da die Stauden zunächst per „Manneskraft“ aus den terrassiert angelegten Plantagen befördert werden müssen. Im Dorf gibt es eine Cooperativa Agricola Insular, wo die Früchte sortiert, verpackt und anschließend auf das spanische Festland verschifft werden. Am Abend bewundern wir auf unserer Terrasse liegend den Sternenhimmel mit zahlreichen Sternschnuppen und anschließend einen Salat mit einer in Moralito gepflückten Avocado.



9.11.2010

Die Morgensonne lädt heute zu einem herrlichen Sonnenbad auf unserer Terrasse ein. Heute wollen wir den gemütlich wirkenden Camino zur Punta San Lorenzo, den wir bei unserer gestrigen Wanderung ausgemacht haben, erkunden. Mit dem Auto fahren wir die mittlerweile asphaltierte Straße zum Playa La Caleta und stellen ihn dort ab, wo wir bei unserer gestrigen Wanderung auf den Fahrweg gestoßen sind. Es ist ein Camino mit interessanter Historie, denn er wurde um die Jahrhundertwende angelegt, um die Bananendampfer zu beladen, die bei schwerer See in Hermigua nicht anlegen konnten. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie mühsam der Transport der Bananen für Mensch und Tier von Hermigua bis hier her gewesen sein muss!

Die 2,6 Kilometer bis zur Punta San Lorenzo, die wir in ungefähr 45 Minuten bewältigen, kann man getrost in die Kategorie „Genusswanderung“ einordnen. Traumhafte Ausblicke machen den Pfad dennoch zu einem echten Wander-Highlight Gomeras! Der nahezu wolkenlose Himmel ermöglicht einen perfekten Ausblick auf den gegenüber liegenden Teide.



Das Holzgeländer, das den Wanderer vor dem Absturz an der senkrecht ins Meer abfallenden Felswand schützen soll, scheint erst in jüngster Zeit installiert worden zu sein. Im hinteren Teil des Weges hat früher ein Stahlseil in der Felswand zur Absicherung an einem besonders schmalen Wegesabschnitt für Sicherheit gesorgt. Aufgrund des Geländers hat das Stahlseil nun allerdings seine Funktion verloren. Unten an der Punta sind die Überreste der Verladestation auszumachen. Wir lassen uns dort nieder und entdecken in einem mit Wasser voll gelaufenen Becken der Ruine zahlreiche bunte Fische. Nach einer kurzen Pause geht es auf selben Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Wir fahren hinunter zur Playa La Caleta. In der kleinen geschützt liegenden Bucht kann man für gomerische Verhältnisse hervorragend baden. Es gibt am Strand sogar einen kleinen Abschnitt mit schwarzem Sand, wo man es sich unter einem Stroh-Sonnenschirm gemütlich machen kann. Der kleine Snack in der Macondo Bar fällt heute zufrieden stellender aus. Wir ordern Salata di Pulpo in Zitronensaft (4,--€) – der Tintenfisch ist sehr zart und lecker – sowie Auberginen mit Tomaten und Ziegenkäse überbacken (7,--€).

Nach diesem Mittagssnack verschlägt es uns wieder an den Strand - ein bisschen lesen und sonnenbaden ist angesagt. Allerdings ziehen wie fast jeden Nachmittag auch heute dicke Wolken auf; sogleich wird es dadurch kühler.

Heute Abend wollen wir noch ein von unserem Vermieter empfohlenes Lokal in Hermigua testen. Die Restaurant-Empfehlungen unseres Reiseführers Michael Müller (Auflage 2006) sind teilweise veraltet und nicht mehr existent. Beispielsweise hat das uns
gegenüber liegende Restaurant El Faro dicht gemacht, die Piloto Bar ist zwar geöffnet, macht aber keinen besonders einladenden Eindruck. Das Restaurant Tasca Barco Telemaco liegt am Plaza la Encarnacion in der Nähe der weithin sichtbaren gleichnamigen Pfarrkirche. Der kleine Kirchplatz lädt dort mit Schatten spendenden Lorbeerbäumen zum Ausruhen ein.

Wir nehmen auf der nett gelegenen Terrasse mit nur wenigen Tischen Platz. Hier kann man unter Palmen gemütlich speisen. Die überaus freundliche Bedienung - ein Serbe, der in Heilbronn geboren wurde, in Kolumbien sich mit Basketball spielen mehr schlecht als recht über Wasser hält und in den Wintermonaten regelmäßig nach Gomera zum Geld verdienen kommt - gibt uns zunächst einige Erläuterungen zu der Speisekarte. Wir entscheiden uns für Tomaten mit gomerischem Ziegenkäse als Vorspeise (7,-- €) und einem gegrillten, einer Brasse ähnlichen, Fisch (Sama), den wir uns zunächst an der Theke aussuchen können. Der Fisch kommt, wie könnte es auch anders sein, mit Pappas Arrugadas, den kanarischen Runzelkartoffeln in Salzkruste. Der Fisch ist sehr frisch und unglaublich lecker. Wo bekommt man sonst noch Fischgerichte in dieser Qualität zu einem solch günstigen Preis (10,-- €)?


10.11.2010
Heute steht eine der großartigsten Wanderungen Gomeras auf dem Programm, die spektakuläre Rundtour von Agulo zum Centro de Visitantes Juega de Bolas. Wir stellen unser Auto am Casa Aixa in Agulo ab. Direkt daneben steigt ein Treppenweg in gerader Linie steil den Berg hinauf. Wenn man vor der senkrechten Steilwand von Agulo steht, kann man es kaum glauben, das dieses Massiv von normalen Wanderern zu bewältigen ist. Der schön angelegte Camino führt in nicht enden wollenden Serpentinen bis zum Mirador von Agulo und ist extrem schweißtreibend. Trittsicher und schwindelfrei sollte man bei diesem Pfad durch die Steilwand unbedingt sein. Der Mirador von Agulo präsentiert uns dann eines der besten Fotomotive Gomeras: Das schönste Dörfchen Gomeras, Agulo, mit seinen bunt getünchten Häusern, die von Bananenplantagen und Terrassenfeldern eingefasst werden und den am Horizont majestätisch thronenden Teide.



Über eine Hochebene gelangen wir zur Staumauer des Embalse de la Palmita mit einem zerfallenen Gehöft, unter malerischen Palmen gelegen. Oberhalb des Stausees liegen die Casas del Chorro – ideale Unterkünfte für Individualisten, die die Natur und Einsamkeit lieben. Hinter dem Stausee geht es nun über einen asphaltierten Fahrweg stetig bergan. Die Vegetation ändert sich – Kiefern sind nunmehr vorherrschend. Am Centro de Visitantes Juega de Bolas angekommen, schauen wir uns einen sehr interessanten Film über die einzigartige Flora und Fauna des „Laurisilvas“, des gomerischen Lorbeerwaldes, an. Das freundliche Personal am Schalter des Hauptgebäudes führt den Film in einem Kino auf Wunsch in gewünschter Sprache vor. Das ursprünglich auf allen kanarischen Inseln vorhandene Ökosystem eines Lorbeerwaldes wurde durch den Menschen mehr und mehr verdrängt und ist heute in dieser Größenordnung nur noch auf Gomera vorhanden. 1987 wurde der Nebelwald zum Unesco Weltkulturerbe ernannt. Im Innenhof des Besucherzentrums sind zahlreiche endemische Pflanzen zu bewundern. In ganz Europa gibt es kein anderes Ökosystem, in dem so viele endemische Arten gedeihen wie auf Gomera.

Der Rückweg führt zunächst leicht ansteigend durch den Hang der Canada Grande bis zu einem steingepflasterten Camino, der in den Barranco de las Rosas hinabführt. Auch hier sind wieder grandiose Tiefblicke allgegenwärtig. Der Weg endet wenige Meter vor dem Tunnel nach Agulo an der Carreta del Norte. Wir kreuzen die Straße, umgehen den kleinen Felsvorsprung und gelangen schließlich zum Friedhof von Agulo. In einem Supermarkt kaufen wir für unser heutiges Abendessen ein. Durch die schmalen Gassen geht es zurück zu unserem Auto. Wir haben das Gefühl, das einige Häuser in Agulo seit unserem letzten Besuch restauriert worden sind und das Örtchen langsam seinem Ruf als schönstes Dorf Gomeras gerecht wird.

Bei unserem Casita angekommen, gönnen wir uns einen Café con Leche, dazu gibt es frisch gebackene leckere Kekse (die Kokos- und die Mandel-Kekse sind ein Traum!!!), die wir in Juega de Bolas zum Stückpreis von 0,50 € erworben haben.

In keinem Restaurant Hermiguas sitzt man so idyllisch wie auf unserer Terrasse. Aus diesem Grund ziehen wir ein Abendessen zu Hause einem Restaurantbesuch vor. Es gibt Nudeln mit einer Avocado-Chorizzo Soße – eine Eigenkreation, in der wir der italienischen Küche einen spanischen Touch verleihen. Das Rezept der sehr leckeren Soße: Chorizo, gehackten Knoblauch und Zwiebeln anbraten, gewürfelte Tomaten hinzufügen. Sahne und eine Avocado pürieren und hinzufügen, köcheln lassen und vor dem Servieren eine gute Handvoll gehackte Petersilie hinzufügen. Buen provecho!


11.11.2010
Wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang zum benachbarten Lepe. Meterhohe Wellen brechen sich vor dem felsigen Strand von Santa Catalina.

Das Sträßchen führt vorbei an terrassierten Bananenplantagen. Wir lassen uns durch die einmalig schönen Gässchen des winzigen Dörfchens treiben. Lepe ist ein einziger blühender Obstgarten. Hier gedeihen Mangos, Sternfrüchte, Avocados, Papayas, Orangen und vieles mehr in den üppig wuchernenden Gärten. Außerdem erfreut, wie in anderen Orten Gomeras auch, eine beeindruckende farbenfrohe Blütenpracht in den gepflegt angelegten Gärtchen der Casas das Auge des Besuchers.

 

 

Eine alte Frau spricht uns in einem der Gässchen an. Wir geben ihr zu verstehen, dass wir im Casa Santa Catalina wohnen. Sie schenkt uns daraufhin ein paar super süße Bananen, natürlich geerntet im eigenen Garten in Lepe. Zwei Casas mit schönem Ausblick auf das Meer können in dem idyllischen Weiler gemietet werden, das Los Delfines I und II und das El Sitio. Für uns steht fest, nicht Agulo ist das schönste Dorf Gomeras sondern eindeutig Lepe! Sicher einmal eine sehr gute Alternative für unseren nächsten Aufenthalt auf La Gomera.



Anschließend fahren wir nach San Sebastian und von dort aus zur Playa de Avalos. Dieser Palmen umsäumte Strand ist mittlerweile leider eingezäunt und „Opfer“ eines Investors geworden. Die Baustelle mit den in den Hang gebauten Apartmentanlagen erinnert stark an „architektonische Gräueltaten“ auf Teneriffa oder Gran Canaria und passt so gar nicht in das ansonsten noch immer verschlafen wirkende Gomera. Offenbar ruhen die Bauarbeiten – die Baustelle wirkt verlassen und herunter gekommen – die Gründe dafür bleiben uns unerschlossen. Ansonsten ist die Landschaft um San Sebastian sehr trocken und karg. Die weitere Fahrt zum Playa del Cangrejo führt über eine abenteuerliche rote Schotterpiste entlang der wild zerklüfteten Steilküste.



Unten am Strand ist die Kapelle Santuario de la Virgen de Guadalupe aus dem 16. Jahrhundert auszumachen. Die Kapelle ist alle fünf Jahre Schauplatz einer zweiwöchigen Fiesta, in der die Statue der Heiligen Jungfrau über das Meer nach San Sebastian gefahren wird.

Da wir hier keinen schönen Strand zum Verweilen finden, beschließen wir direkt weiter in den Barranco de la Villa, die Schlucht, der San Sebastian zu Füßen liegt, zu fahren. Wir wollen dort in einem der im Michael Müller Reiseführer wärmstens empfohlenen Restaurants eine Kleinigkeit essen. Leider sind nahezu alle Restaurants mittlerweile verschwunden, lediglich das La Cabana in Lengrero existiert noch, hat jedoch donnerstags Ruhetag. Zudem wirkt die „Bretterbude“ am Straßenrand von Außen auch nicht sehr einladend. Besonders der untere Teil des Tals beeindruckt durch sattes Grün und einem Blütenmeer, das sich entlang des trockenen Bachlaufes in den kleinen Weilern zieht. Oben, jenseits der Staumauer, werden das Tal und auch die Straße deutlich enger. Hier haben sich offenbar zahlreiche Aussteiger teils schwer zugängliche Fincas gebaut, die durch Lastenaufzüge mit der Straße verbunden sind.

Uns knurrt inzwischen der Magen und so fahren wir zurück zum Hafen von San Sebastian. Unsere Wahl fällt auf das Restaurant El Charcon an der Playa de la Cueva. Hier sitzt man ungestört und herrlich nahe am Meer. Wir entscheiden uns für Thunfisch, eingewickelt in einem Mantel von iberischem Schinken mit Avocado Creme und Tomaten (10,-- €) sowie Seezunge in Butter (9,-- €). Als Vorspeise gibt es eine Fischsuppe. Alle Fischgerichte sind frisch und sehr delikat zubereitet.

Wir nehmen noch ein kurzes Sonnenbad am Strand und laufen danach durch die Gassen der Hauptstadt sowie dem wunderschönen Stadtpark, in dem das Wahrzeichen San Sebastians, der Torre del Conde aus dem 15. Jahrhundert, steht. Er diente einst den spanischen Besetzern als strategischer Rückhalt vor den aufständischen Ureinwohnern, den Guanchen.

 


 

12.11.2010
Heute müssen wir das lieb gewonnene Hermigua verlassen und ins Valle Gran Rey umziehen. Auf dem Weg kaufen wir im Spar Supermarkt von Vallehermoso, der eine vergleichsweise gute Auswahl hat, einige grundlegende Lebensmittel ein. Das Casa Estela liegt unten im Tal zwischen La Puntilla und Borbolan inmitten der Bananenpflanzungen. Dieser Teil ist so ziemlich der letzte grüne Abschnitt zwischen dem oberhalb gelegenen Borbolan und des durch Apartmentanlagen bestimmten Ortsteils La Puntilla unten am Meer. Das Haus ist in einem warmen Rotton gehalten und glänzt durch ein stilvolles Ambiente mit einer geschmackvollen Einrichtung und einer schönen Sonnenterrasse mit Meerblick. Die Ausstattung der Küche mit einem vierflammigen Ceranfeld lässt keine Wünsche offen. Im Garten wachsen unter anderem Passionsfrüchte, Bananen und Papayas. Der Preis inklusive aller Nebenkosten: 63,-- pro Nacht. Vermieterin Eva hat noch im Haupthaus ein weiteres sehr schön eingerichtetes Apartment im Angebot, zu buchen per Mail.



Wir richten uns kurz ein und begeben uns dann zu Fuß zum Playa Ingles. Zuvor erwerben wir noch bei El Fotografo in La Playa die neueste Ausgabe vom Valle Boten. Es ist immer wieder ein Erlebnis, in der satirischen Insel-Postille vom illustren Treiben der teilweise skurril anmutenden Insulaner zu lesen.

Der Sand des Playa La Calera ist in diesem Winter fast vollständig fortgespült worden, so dass nur ein steiniger Strand verblieben ist. Einige findige Kenner aus der Politik La Gomeras liebäugeln bereits jetzt damit, die noch gar nicht so lange existierende Strandstraße zwischen La Playa und Vueltas wieder abzureißen, dort einen Sandstrand aufzuschütten und die dahinter liegenden Grundstücke für den Bau einer neuen Straße zu „enteignen“ – sicher wieder eine dieser fixen Ideen, die letztlich (hoffentlich) doch nicht in die Tat umgesetzt werden. Aufgrund der fehlenden Alternative, ist der Playa Ingles voller, als wir das vor zwei Jahren noch erlebt haben. Wir finden dennoch ein schönes Plätzchen am Wasser, von dem aus wir allerdings im Laufe des Nachmittags mehrmals aufgrund der einsetzenden Flut umziehen müssen.



Zum Sonnenuntergang sind wir pünktlich beim Casa Maria, kaufen ein Gläschen Vino Blanco und sind sehr gespannt auf die Performance der Trommler. Ob wir noch Freaks von unserem letzten Aufenthalt wieder erkennen? Die Sonne ist schon fast untergegangen, da bemüht sich der erste Trommler zum bereits prall mit Besuchern gefüllten Strand. Nahezu lustlos packt er sein Instrument aus und beginnt darauf herum zu hämmern. Ihm folgen schließlich noch ein weiterer Trommler sowie ein langhaariger mittlerweile vermutlich voll etablierter Ex-Aussteiger. Das ganze Szenario wirkt aufgesetzt und längst nicht mehr so frisch wie noch vor zwei Jahren. Wir beobachten gar, wie ein Pantomime, der ebenfalls am Strand seine Künste präsentiert will, von einem „Etablierten“ vertrieben wird. Das ist nicht mehr der Geist der Blumenkinder, die das etablierte Leben für freies Leben auf Gomera aufgegeben haben – im Gegenteil, die Kinder oder Enkel der Alt-68er haben offenbar das knallhartes Geschäft mit den Touris entdeckt – da helfen am Ende auch nicht bunte, freakige Klamotten und lange Haare, wenn die Authenzität verloren geht. Ohne einen Obulus in den Hut zu werfen, verlassen wir etwas ernüchtert das „Spektakel“. So wird das „Valle“ langfristig nicht ein Paradies für Urlaubsindividualisten bleiben, sondern läuft Gefahr, das Terrain den im Valle-Boten immer wieder aufs Korn genommenen „Pauschis“ endgültig zu überlassen!

Abends essen wir unten in La Playa im Paraiso und stellen fest, dass weder die Qualität des Essens sich verändert hat noch die Preise. Die Speisen sind einfach aber ehrlich und preislich ok. Für die Vorspeisen, eine Brunnenkressesuppe – eine der kulinarischen Spezialitäten Gomeras, sowie die Fischsuppe (nicht ganz so gelungen, da sich ein sehr hoher Anteil „Sättingungsbeilage“ (Reis) und leider nur vereinzelte Fischstückchen in der Suppe befinden) zahlen wir je 3,50 €, für die leckeren Hauptgerichte, Thunfisch und Kaninchen in Soße mit Pappas Arrugadas 7,-- € bzw. 9,-- €.


13.11.2010
Am Morgen kaufen wir zunächst einmal beim deutschen Schlachter Christopher am Hafen von Vueltas ein. Die Qualität der Waren ist nach wie vor hervorragend. Anschließend geht es zum deutschen Biobäcker Pan de Vueltas, der auch in La Playa eine Filiale eröffnet hat. Dort gibt es fantastisches Brot und Brötchen. Man kann im Valle 
wirklich gut einkaufen – neben den genannten Läden gibt es an der Gabelung nach La Playa bzw. Vueltas einen Bio-Laden mit sehr gutem Gemüse. Auch das Sortiment des mittlerweile gut sortierten Spar-Marktes, des größten Supermarktes im Valle, lässt kaum Wünsche offen.

Nach einem ausgedehnten Frühstück auf unserer sonnenüberfluteten Terrasse – sie kommt zwar nicht ganz an unsere Traumterrasse in Hermigua heran, ist aber dennoch ebenfalls sehr schön -, starten wir zu einer Rundwanderung von Pavon über den Fortaleza und den Garajonay. Unten an der Straße nehmen wir noch ein nettes Paar aus
Heidelberg, Christina und Markus mit. Da sie zufällig das gleiche Ziel wie wir haben, werden wir den ersten Teil der Wanderung gemeinsam machen. Wir parken das Auto an einer markanten Palme am Fuße des Tafelberges, Fortaleza. Über einen schönen Felsensteig mit großartigen Tiefblicken  geht es hinauf zur Gipfelhochfläche.

Durch kratzige dichte Macchia bahnen wir uns einen Weg über das Gipfelkreuz zum Südrand des Felsplateaus. Von dort hat man einen fantastischen Blick zur Südküste bei La Dama. Wir plaudern sehr angeregt mit unseren beiden Wanderkameraden, so dass wir fast vergessen, dass wir noch eine lange Tour vor uns haben.

 

Auf gleichem Weg geht es schließlich wieder hinab bis zu einer Weggabelung am Fuß des Aufstieges. Dort trennen sich unsere Wege, nicht ohne uns für heute Abend zum gemeinsamen Abendessen zu verabreden. Unser Weg setzt sich fort auf dem GR 131, wo wir nach kurzer Zeit auf eine Straße, die nach Erque führt, treffen. Wir folgen der Straße für kurze Zeit, bis wir in einer Spitzkehre in einen kleinen Pfad einbiegen. Der wunderschöne und gemütliche Höhenweg setzt sich fort entlang der Kiefernwaldgrenze, den Fortaleza immer vor Augen.

Durch verwilderte Terrassenfelder gelangen wir zum kleinen Weiler Igualero, wo die Bewohner offenbar mehrheitlich von der Ziegenzucht leben. Dort beobachten wir eine ganze Weile eine Ziegenmutter in einem Verschlag, die vor wenigen Stunden zwei noch völlig verklebte süße Zicklein zur Welt gebracht hat. Die blutige Nabelschnur ist bei Jungtier und Mutter noch zu sehen.

Über einen kurzen Aufstieg durch einen Kiefernwald gelangen wir auf eine breite Forststraße, die von nun an scheinbar endlos den Garajonay umkreist. Der Gipfel, 1.487 Meter hoch, hat seinen Namen von der populären Legende von Gara und Jonay, einer Romeo und Julia Saga zweier Liebender aus Teneriffa und La Gomera, die nicht zueinander finden durften. Auf- und Abstieg zum höchsten Gipfel Gomeras sind sicherlich der unattraktivste Abschnitt dieser insgesamt großartigen Tour. Oben am Gipfel treffen wir auf eine Truppe dickbäuchiger Tagestouristen aus Teneriffa. Unbeeindruckt verspeisen wir unsere Brote und die leckeren Lammwürstchen vom Metzger Christopher und genießen das Panorama. Bei guten Sichtverhältnissen sind von hier aus nahezu alle kanarischen Inseln auszumachen, heute öffnet sich uns lediglich der Blick auf La Palma und El Hierro.

Nach dem ebenso unspektakulären Abstieg auf dem teils betonierten breiten Forstweg, gelangen wir über einen verwachsenen Camino entlang terassierter Weinberge zum kleinen Weiler Los Manantiales. Zahlreiche Palmen säumen das malerische Tal. Hier kann man in großer Abgeschiedenheit die nett gelegene Casas Rurales  Los Manantiales mieten.

Der weitere Verlauf des Weges durch das Dörfchen ist etwas schwierig zu finden, da er nur spärlich gekennzeichnet ist. Man kann sich aber ganz einfach an dem auf der anderen Barranco Seite gut sichtbaren sanft aufsteigenden Pfad orientieren, wo sich der Weg in Richtung Chipude fortsetzt. In Chipude laufen wir nicht über die asphaltierte Straße zu unserem Ausgangspunkt zurück sondern finden einen wesentlich netter zu begehenden Pfad durch die Felder und Häuser Chipudes nach Pavon (im Dorf nicht hinunter zur Straße laufen, sondern nach oben und sich dann an den gut sichtbaren Laternen des Dorfes orientieren).

Wir fahren hinab ins Valle und telefonieren mit Christina und Markus, um uns für abends zu verabreden. Nachdem die beiden in unserem Häuschen angekommen sind, trinken wir zunächst auf unserer Terrasse gemütlich zur Einstimmung einen Vino Blanco und machen uns dann auf den Weg zum Hafen in Vueltas. Die Entscheidung fällt auf das Trasmillo, das Restaurant, das wir nach unseren Erfahrungen im letzten Urlaub eigentlich nicht mehr aufsuchen wollten - wären wir man bei diesem Vorhaben geblieben. Wir bestellen zu dritt Cerne, einen Zackenbarsch (12,50 € pro Person), der zwar sehr gut schmeckt, aber normalerweise allenfalls für zwei Personen ausreichen würde. Ich philosophiere gerade über die gewöhnungsbedürftige Darreichungsform der Mojo Soßen in Plastiktuben, als sich die Tülle beim Versuch, etwas Mojo auf meinen Teller zu spritzen, mit einem lauten Plopp verabschiedet. Die rote Soße ergießt über Tisch, Teller, Boden und Klamotten. Die Riesensauerei führt  bei dem etwas einfältig wirkenden Personals zu keiner nennenswerten Reaktionen – Entschuldigungen Fehlanzeige. Die Situation hat für alle sicher einen gewissen Slapstickwert, als Betroffener empfindet man es jedoch nur bedingt lustig, in einem über und über mit roter Mojo Soße verschmierten T-Shirt in einem Restaurant zu sitzen. Zum Glück habe ich noch eine Fliesjacke dabei, die ich ersatzweise anziehen kann. Der Abend mit Christina und Markus ist sehr nett, wir haben sehr interessante Gespräche, die sich auf unserer Terrasse noch bis 1.30 Uhr fortsetzen.


14.11.2010
Nachdem es gestern Abend, fast ohne es zu merken, spät geworden ist und zudem in den frühen Morgenstunden laute Salsa Musik von einer Bar unten am Strand unseren Schlaf gestört hat (…hoffentlich eine einmalige Aktion am Samstag Abend, bislang hatten wir die himmlische Ruhe in unserem Casa tags und nachts über genossen!), lassen wir es am heutigen Tag ruhiger angehen. Wir schlafen länger, frühstücken in aller Ruhe und machen es uns sodann auf unserer Terrasse gemütlich. Erst gegen Nachmittag packt uns der Unternehmungsgeist und wir machen die schöne Tour zum Wasserfall bei El Guro durch den Barranco de Arure. In dem kleinen niedlichen Künstlerdorf ist scheinbar alles beim Alten, sogar unser geliebtes Casa Nisarga steht noch immer wie vor zwei Jahren zum Verkauf!

Die kleine Kraxelei mitten durch den Bachlauf und entlang der malerischen Kaskaden ist nach wie vor ein echtes Vergnügen.

Auf dem Rückweg kaufen wir beim Pan de Vueltas noch leckeren Kuchen ein – Käse- und Mohnkuchen -, den wir zusammen mit einem Capuccino bei einem tollen Sonnenuntergang mit einem „brennenden Himmel“ über El Hierro auf unserer Terrasse genießen. Wir kochen abends selbst – es gibt eingelegte Lammkeule, natürlich von Christopher, Bohnen und ein Kartoffel-Kürbis Püree.







15.11.2010
Wir sind zum Wandern mit Christina und Markus verabredet. Über den Bergen hängen dunkle Wolken, so dass wir bereits unten befürchten, dass aus unserer ursprünglich geplanten Tour im Nordwesten bei Alojera nichts wird. An der Straße bei La Calera laden wir die beiden ein und beschließen gemeinsam, den Barranco de Guarimiar im Süden der Insel zu durchwandern. Diese Wanderung war bereits vor zwei Jahren eines unserer Highlights. Nachdem wir mit dem Auto den vernebelten Lorbeerwald im Regen passiert haben, lässt sich an unserem Ausgangspunkt in Imada tatsächlich die Sonne zwischen den dichten Wolken blicken. Der Weg entlang des natürlichen Felsbandes in der senkrecht abfallenden Wand ist spektakulär, ebenso wie der schweißtreibende Aufstieg von dem kleinen Weiler Guarimar nach Targa durch die Steilwand, die dieses Mal durch den einsetzenden Nieselregen erschwert wird.

Der Abstieg bei Nässe über die glitschigen Felsblöcke in umgekehrter Richtung wäre sicher nicht unbedingt empfehlenswert. Die ausführliche Beschreibung der Wanderung ist in unserem Reisebericht 2008 enthalten. Auf der Rückfahrt halten wir in dem kleinen Weingeschäft in Arure, Tiendos del Vino, das an der Passstraße ins Valle Gran Rey liegt. Das Sortiment ist jedoch enttäuschend, da alle dort angebotenen gomerischen Weine, wie z.B. der Roque Cano, der Cumbres de Garajonay oder der Los Roquillos auch beim Sparmarkt in Vueltas erhältlich sind – und dies ca. 10 – 20 % günstiger. Dies scheint im gesamten Valle allerdings auch ein Phänomen der Zeit zu sein, dass der große Sparmarkt, der auch in Kürze einen weiteren Markt in La Playa eröffnen soll, kleinere Geschäfte kaputt macht. Dadurch kann der Charme der Insel in absehbarer Zeit ebenfalls leiden. Die Weine Gomeras sind solide Landweine, die sehr gut mit den bodenständigen Speisen, die in den meisten Restaurants angeboten werden, harmonieren.

Wir wollen heute gemeinsam ein Restaurant ausprobieren, das wir alle noch nicht kennen, das Tuyo in Vueltas. Dort soll es eine Symbiose fern-östlicher, mediterraner und kanarischer Küche geben – klingt auf alle Fälle sehr spannend. Tatsächlich werden wir nicht enttäuscht, die Gerichte sind kreativ und von guter Qualität. Neben einer Suppe mit Garnelen  auf Kokosbasis und viel Zitronengras bestellen wir ein Fisch- bzw. Garnelen-Curry (10,-- bzw. 11,-- €) – alle Gerichte besitzen eine angenehme aber nicht aufdringliche Schärfe, die auch nicht das enthaltene Gemüse „erschlägt“. Den Abend lassen wir auf unserer Terrasse bei einem Gläschen Vino Blanco ausklingen.


16.11.2010
Nach einem gemütlichen Tagesauftakt auf unserer sonnenüberfluteten Terrasse, machen wir uns auf den Weg ins Nachbartal von Alojera. Luftlinie sind es zum Valle sicher nur wenige Kilometer, jedoch trennt das Felsmassiv La Merica die Täler. So dauert die Autofahrt eine gute Dreiviertelstunde, da man zunächst auf über 1.000 Höhenmeter hinauf klettern muss. Die Straße hinab ins Tal von Alojera ist relativ schmal und eine einzige Kurverei. Zudem liegen vom heftigen Steinschlag überall Felsbrocken auf der Straße. Alojera ist eine typische Streusiedlung über nahezu den gesamten Verlauf des Barrancos del Mono. Wir wollen uns zunächst in Tagaluche umschauen, ein winziges Dörfchen mit gerade einmal 40 Einwohnern. Von der Straße nach Alojera biegen wir im oberen Teil in eine kleine, noch schlechtere Passstraße ab. Der Blick in das mit zahlreichen Palmen umsäumte Tal ist grandios. Überhaupt sind Palmen die Bäüme, die den Barrancos auf Gomera ihren typischen Charakter verleihen. Auf La Gomera stehen mehr Palmen als auf den ganzen anderen kanarischen Inseln zusammen.

In Tagaluche stehen zwei sehr geschmackvoll eingerichtete Häuser, für die wir uns auf der Homepage von Gomera Individual ebenfalls interessiert hatten, das Casa Amarilla und das Casa Roja, beide mit einem Logenplatz für den Sonnenuntergang ausgestattet. Letztlich sind wir jetzt allerdings froh, nicht hier gelandet zu sein – die Häuser liegen doch arg weit weg von der „Zivilisation“. In Tagaluche gibt es eine kleine Bar – der Valle Bote berichtete, dass die kleine Kneipe kurzzeitig geschlossen war und dies zu lautstarken Protesten bei den 42 Einwohnern führte -, in der auch die aller wichtigsten Lebensmittel verkauft werden. Alleine bis zur Abzweigung auf der Straße nach Alojera benötigt man ca. 15 Minuten Fahrzeit.

Wir fahren hinunter bis zum Playa. Von dem einstmals schönen 250 Meter langen Lava Sandstrand ist derweil nicht mehr viel übrig. Der felsige Strand wirkt auf den ersten Blick unattraktiv, und nicht besonders einladend, zumal hässliche Wasserrohre am Rand des Playas das Gesamtbild verschandeln. Wir stellen dennoch unser Auto an der steil zum Meer abfallenden Schotterpiste ab. Zwischen den Häusern versteckt liegt das kleine Fisch-Restaurant Prisma. Dort sitzt man sehr einfach, aber urig auf einem Treppenweg mit Blick auf das Meer. Wir bestellen den fangfrischen Fisch des Tages, Medregal, eine Bernsteinmakrele, die natürlich mit Pappas Arrugadas, Salat und Mojo serviert wird (11,-- €), alles schlicht und einfach aber lecker.

An der Mole und den davor gelagerten Felsen werden die Meter hohen Wellen gebrochen. Rechts neben der Mole befinden sich sanft ins Meer abfallende Felsen, auf denen man es sich sehr gut bequem machen kann. Hier spürt man hautnah die unbändige Kraft des Meeres, ein unglaublich intensives Naturschauspiel. Wir verweilen dort bis zum Sonnenuntergang, der durch die an Felsen und der Mole aufspritzenden Gischt, ein ganz anderes Flair erhält.



17.11.2010
Es steht eine längere Tour auf dem Programm. Wir wollen eine Rundwanderung von Vallehermoso zur Cumbre de Chijeré über Vallehermoso Playa machen. Ausgangspunkt aller Wanderungen von Vallehermoso ist die Plaza de la Constitución. Über einen Treppengang, vorbei am Friedhof verlassen wir schnell den Ort und haben fortan den markanten Roque Cano, ein mächtiger erodierter Lava-Kegel, der über dem hübschen Ort thront, vor Augen.



Von nun an geht es durch den Barranco de la Era Nueva bis zur Eremita Santa Clara fast 500 Höhenmeter stetig, aber weitgehend gemütlich, bergan. Wir passieren mannshohe Wolfsmilchgewächse sowie einige verlassene Gehöfte mit dazu gehörenden verwilderten Terrassen und Wasserreservoirs. Teilweise ist der Weg durch Schilfdickicht und herunter hängende trockene Palmwedel zugewachsen. Fast oben angekommen, durchqueren wir die ersten Ausläufer des Laurisilva, des Lorbeerwaldes. Nach gut 90 Minuten Aufstieg gelangen wir endlich zur Kammhöhe mit schönem Rückblick in den Barranco und nach weiteren zehn Minuten zur Eremita Santa Clara. Hier legen wir eine Rast ein und packen unsere mitgebrachten Brötchen aus. Sofort sind wir umringt von zahlreichen Hühnern, die auf Leckerbissen lauern.

Nun folgt einer der schönsten Wegstrecken Gomeras. Man sollte sich von der Eremita unbedingt für den aussichtsreichen Pfad über den Kammrücken entscheiden und nicht für den breiten, nahezu parallel verlaufenden Fahrweg. Über den teilweise stark erodierten Kammweg mit fantastischen Ausblicken auf die Küste bei Arguamul setzt sich der spektakuläre Pfad fort bis zur Ermita de Coromoto.





Leider bleibt uns der Ausblick auf den Teide aufgrund der diesigen Sichtverhältnisse verwehrt. Ein kurzes Stück hinter der Eremita gabelt sich der Weg und man kann einen lohnenden Abstecher in den verlassenen Weiler Chijeré machen. Mit EU-Mitteln wird hier überall aufwändig versucht, der gewaltigen Erosion Herr zu werden. Überall sind junge Pflanzen in den Hang eingebracht worden, die durch abfließendes Wasser sich immer tiefer in das bröckelige Substrat bohrenden Rinnen werden durch Stauwände aus Holz unterbrochen.

Chijeré ist für uns ein magischer Ort, den man keinesfalls auf dieser Wanderung auslassen sollte. Markante freistehende Palmen auf dem Bergrücken und die zerfallen Bauernhäuschen in idyllischer Lage sind den 500 Meter langen Ab
stecher alle Male wert, Unter Chijeré befinden sich die bekanntesten Lava-Felsformationen Gomeras, die Los Organos. Diese Felsen, die wie Orgelpfeifen geformt sind, können ausschließlich mit dem Boot vom Meer aus bewundert werden. Der ehemals grün markierte Pfad zum Roque Los Organos ist längst verschwunden – wir finden lediglich noch ein paar übrig gebliebene Farbkleckse. Den Abstieg sollte man sich indes ohnehin sparen, da man von den „Orgelpfeifen“ ohnehin nichts zu sehen bekommt, wenn man sich nicht gerade auf lebensgefährliche Kletterpartien durch den Steilhang einlassen möchte.





Zurück auf der breiten Piste gelangen wir nach wenigen Minuten zum Mirador Buena Vista. Die großartige Nordküste Gomeras und das Tal von Vallerhermoso mit dem Roque Cano legt sich uns zu Füßen. Das tolle Fotomotiv mit Eremita und dem dahinter liegenden Teide bleibt uns verwehrt, da über Teneriffa eine dichte Dunstglocke hängt. Direkt unterhalb des Miradors beginnt der spektakulärste Teil der Wanderung, der Abstieg zum Playa de Vallerhermoso mit einem fantastischen Blick auf die steile Nordküste.



Der steile und geröllige Pfad ist etwas mühsam zu gehen und geht ziemlich auf die Knie. Immerhin sind über 550 Höhenmeter zu bewältigen. Nach einer guten Stunde erreichen wir den Playa, wo wir uns an der Bar des Meerwasser-Schwimmbades ein Eis und einen Café con Leche gönnen.

Der Weg nach Vallehermoso dauert nochmals eine ganze Stunde. Er führt zunächst über die Fahrstraße, biegt dann aber ab in eine parallel verlaufende Schotterpiste, vorbei an einem plätschernden Bach und Obstgärten. Wir machen noch einen kleinen Abstecher durch den Botanischen Garten, den man von der Schotterstraße aus über eine abenteuerliche, aus Euro-Paletten konstruierte „Brücke“ erreicht. In dem üppig bepflanzten Garten stehen zahlreiche kanarische Nutz- und Zierpflanzen, Schilder an den Gewächsen geben dem Besucher Hinweise zu den jeweiligen botanischen Namen. In Vallehermoso am Plaza angekommen, genehmigen wir uns noch einen Vino Blanco an der Bar Central. Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass eine Warnleuchte an unserem Auto an ist und der Motor leicht stottert, darum werden wir uns wohl morgen kümmern müssen!

Abends gehen wir ins Sebastian in La Calera. Björn aus El Guro hatte uns schon vor zwei Jahren dieses unscheinbare Restaurant empfohlen, mit dem Hinweis, dass es hier den besten Thunfisch der Insel gäbe. Im Sebastian gibt es lediglich fünf oder sechs Gerichte, die an einer kleinen Tafel auf der Terrasse aufgeführt sind. Wir bestellen selbstverständlich den Thunfisch (9,50 €), der tatsächlich wieder hervorragend ist. Zwei riesige und sehr saftige Stücke ragen beinahe über den Tellerrand hinaus. Das zweite Gericht, ein nicht weiter spezifiziertes Fischfilet (wahrscheinlich Seezunge), ebenfalls für 9,50 €, überzeugt uns hingegen nicht gänzlich.


18.11.2010
Wir schreiben unserem Vermittler Gomera-Individual eine Mail und erläutern unser kleines Problem mit dem Mietwagen. Kurze Zeit später erhalten wir einen Rückruf, dass wir das Fahrzeug einfach stehen lassen sollen – die Autovermietung wird das Fahrzeug tauschen. Also machen wir uns per pedes auf zu einem Badetag in der „Schweinebucht“. Vom Hafen in Vueltas laufen wir entlang der Steilwand, die teilweise sogar einen Überhang besitzt,
über eine Schotterpiste. Schilder warnen vor Steinschlag – ehrfurchtsvoll richten wir unseren Blick nach oben zu dem beeindruckenden Felsen. Hinter der Finca Argayall beginnt die Kletterpartie über Felsen und Geröll. Lohn ist der wohl schönste Strand Gomeras, 150 Meter feinster Lava Sand. Kein Wunder, dass sich die Blumenkinder von damals hier wohl gefühlt haben und über lange Zeiträume in den Höhlen am Strand campierten. Heute ist von dem ganzen Zauber außer ein paar bemalten Höhlenwänden nichts mehr zu spüren. Die Höhlen sind unbewohnt, nur ein langhaariger nackter Freak beschäftigt sich in einer der Höhlen mit seltsam anmutenden Entspannungsübungen (… ist das Tai Chi, Qigong???).

Um 16 Uhr sind wir mit Christina und Markus in der Tambara Bar verabredet – wir wollen abends zusammen in unserem Häuschen kochen. Bei einer Tasse Café con Leche wird schnell das Menü abgestimmt und anschließend der Einkauf erledigt. Wir verbringen einen sehr schönen und harmonischen Abend auf unserer Terrasse bei einem leckern Essen. Es gibt zunächst Papaya mit Ziegenkäse und einer Orangen, Olivenöl, Chilly-Mariande, anschließend Bratkartoffeln mit den leckeren unterschiedlichen Bratwürstchen von Christopher (die Kalbsbratwürste sind ein Traum!) und zum krönenden Abschluss griechischen (fettigen) Joghurt mit Palmhonig. Am späten Abend verabschieden wir uns von den Beiden und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.


19.11.2010
Die Autovermietung hat noch immer nicht das Fahrzeug getauscht – das ganze Thema wird für uns langsam zum Ärgernis. Nach erneuter Rücksprache mit Gomera-Individual heißt es nun, dass der Fahrer gegen 12 Uhr kommen soll. Die Vermittler kümmern sich wahrhaft rührig um unser Problem, die kooperierende Autovermietung PAE in San Sebastian arbeitet offenbar aber mit der bekannte gomerischen Gelassenheit! Um 11.30 Uhr kommt der Fahrer dann endlich und wir bekommen einen anderen Fox. Sogleich machen wir uns auf den Weg nach Arure, dem Ausgangspunkt unserer heutigen Abstiegswanderung durch den Nebelwald nach Vallehermoso. Bereits im Tal ist es bedeckt und über den Bergen hängen tief schwarze Wolken. Wir parken unser Auto oberhalb des Embalse de Aurure, dem Stausee des kleinen Bergdörfchens. Wir laufen die Fahrstraße nach oben bis zur Grenze des Nationalparks. Der Pfad wird immer schmaler, der Lorbeerwald immer dichter und dunkler. Nebelschwaden ziehen über den Bergrücken. Die Vegetation hier oben ist immer wieder faszinierend. Die Baumstämme sind komplett eingehüllt von Flechten, Farnen und anderen Pflanzen. Lange Bartflechten verleihen dem Wald ein nahezu mystisches Ambiente.


Am Raso de la Bruma kreuzen wir die Carretera Dorsal und gelangen über einen fast ebenen Querweg nach einer Weile zur Weggegabelung mit dem rot gekennzeichneten GR 131. Langsam lichtet sich der dichte Lorbeerwald bis wir schließlich die Grenze des Nationalparks Garajonay erreichen. Der dichte Nebel und ein nunmehr stärker einsetzender Regen versperrt uns die Sicht auf das grüne Tal von Vallehermoso. Über 800 Höhenmeter sind bei dieser Abstiegswanderung vom Kamm an der Carretera Dorsal zu absolvieren. Der Roque Cano, das Markenzeichen von Vallehermoso, kommt erst ganz unten im Tal in Sicht.



Erst kurz vor dem Ort läst der Regen etwas nach – wir sind mittlerweile klitschnass! Auf dem Plaza gönnen wir uns einen Café con Leche und begeben uns dann an die Abzweigung, die zum Valle Gran Rey führt, um per Anhalter zurück zu unserem Auto zu gelangen. Es ist schon erstaunlich, wie wenige Autos auf der Carretera del Norte, immerhin eine der Hauptverbindungsstraßen auf der Insel, unterwegs sind. In einer halben Stunde zählen wir ganze vier Autos, die überhaupt in Richtung Valle Gran Rey fahren. Sicher ist das schlechte Wetter ein Grund dafür, dass zahlreiche Wanderer heute von einer Tour abgeschreckt wurden. Das fünfte Auto erbarmt sich schließlich unser, zwei deutsche Frauen aus Schwaben, die eine Inselrundtour gemacht haben und nun auf dem Rückweg ins Valle sind. Oberhalb von Arure steigen wir aus und fahren mit unserem eigenen Auto hinunter nach La Playa. Dort lauschen wir noch einmal bei einem „Quarantatres“ und einem Vino Blanco den Trommlern beim allabendlichen Sonnenuntergangs-Ritual.



Wir testen heute ein uns bislang unbekanntes Restaurant, das Abisinia in der gleichnamigen Gasse in Vueltas. Hier gibt es authentische Gomera-Küche, die bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden ist. Man sitzt in einer idyllischen Gasse und der Service ist auffallend freundlich, die Preise erfreulich niedrig. Es ist allerdings etwas schwierig, hier einen Tisch zu bekommen, was wiederum für die Qualität des Restaurants spricht. Wir entscheiden uns für einen Pulpo-Salat (7,--€), fantastisches Kaninchen in Soße (8,90 €) sowie Seezunge mit Mojo Verde (6,90 €). Für uns ist das Abisinia eines der empfehlenswertesten Restaurants im Valle Gran Rey überhaupt.


20.11.2010
An unserem letzten Urlaubstag möchten wir noch eine abschließende genüssliche Wanderung durch die Bergdörfer oberhalb des Valle Gran Reys unternehmen. Das Wetter über den Bergen verspricht erneut keine gute Sicht, was uns jedoch nicht abschreckt. Wir fahren bis Arure und stellen dort unser Auto auf Parkplatz der kleinen Weinhandlung Tiendas del Vinos ab. Durch das fruchtbare Tal geht es nun über einen durchweichten Fahrweg zum oberen Ortsteil Casas de Arcadece. Über einen steilen Pfad passieren wir einige Häuser und stoßen auf eine asphaltierte Straße, die auf der rechten Seite am Stausee vorbeiführt (die Straße ist nicht in Wanderkarten eingezeichnet). Durch Weinfelder und einen Buschwald hindurch steigt ein Pfad langsam an und führt über eine Forstpiste zum Bergdorf Las Hayas. Hinter dem Örtchen beginnt nun der großartigste Abschnitt dieser Wanderung. Der Camino in einer Steilwand ist ein einziger Mirador mit Tiefblick in das Valle Gran Rey. Leider steigen aus dem Valle dichte Nebelschwaden empor, so dass wir die Schönheit dieses Weges nur erahnen können. Dieser Camino ist sicher ein Ziel für unsere nächste Reise nach Gomera, dann vielleicht verbunden mit dem anstrengenden Anstieg in der Steilwand von Lomo del Balo.



Durch das Barranco Bett steigen wir auf der anderen Seite des Tals wieder sanft hinauf und erreichen an der Bar Maria im Töpferdorf El Cercado unseren heutigen Endpunkt. Empfehlenswert ist die Bar allerdings nicht – der mürrische Wirt macht kaum Anstrengungen uns zu bedienen und als der bestellte Snack auch nach einer halben Stunde noch nicht angekommen ist, brechen wir unverrichteter Dinge auf. Per Anhalter wollen wir zurück nach Arure fahren, jedoch sind auf der Straße durch die Bergdörfer noch weniger Autos als am gestrigen Tag unterwegs. Wir haben Glück, dass nach ca. 20 Minuten bereits das zweite Auto hält. Am Wanderparkplatz in Arure stehen ebenfalls einige Wanderer, die ins Tal trampen wollen und so revanchieren wir uns und nehmen ein Paar aus Bremen bis nach El Guro mit. Dort möchte Corinna eine der schönen Ketten erwerben, die von einer deutschen Kunsthandwerkerin hergestellt werden. Die „Perlen“ sind aus gehärtetem Kleister und Papier und in mühsamer Kleinarbeit einzeln bemalt worden. Die freundliche Künstlerin erzählt uns, dass sie vor einigen Jahren auch unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel eines ihrer Werke verkauft hat! In El Guro auf dem oberen Treppenweg gibt es inzwischen das niedliche kleine Café von Gerit & Micha. Wir nehmen dort auf der einzigen Bank auf der kleinen Terrasse Platz und halten einen langen angeregten Plausch mit den Besitzern und ihrer 12 jährigen Tochter. Sie haben eine gut laufende Galerie in Wustrow auf dem Darß für das kleine Idyll hier in El Guro aufgegeben. Der selbst gebackene Schokokuchen mit Kokos ist sehr lecker. Unsere Empfehlung an alle netten Wanderer: Kehrt an diesem Plätzchen ein und unterstützt mit eurem Besuch den Erhalt dieses individuellen Cafes. Wir haben solch eine Einrichtung vor zwei Jahren in El Guro vermisst!

Unser Abschiedsmahl nehmen wir im El Palmar ein, ein typisch gomerisches Restaurant, das uns bei unserem letzten Aufenthalt sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Das Essen ist erneut sehr gut, wir entscheiden uns für Almogrote, einen scharf angemachten Ziegenkäse (3,--€) sowie Gambas in Olivenöl und Knoblauch (6,50 €). Als Hauptgerichte ordern wir eine Seeteufel Carzuela sowie Solomillo (Rinderfilet) mit Pfeffersoße (je 12,50 €). So gut alle Gerichte schmecken, so unfreundlich und überheblich ist die Bedienung. Diese Tatsache macht das El Palmar leider nur bedingt empfehlenswert.


21.11.2010
Der Wecker klingelt um 5.15 Uhr. Schnell sind wir reisefertig und fahren durch den Nebelwald in einer guten Stunde hinüber zum Hafen von San Sebastian. Der 7.30 Uhr Benchi-Express ist ebenso pünktlich wir unsere Ryan Air Maschine nach Weeze. Der Transfer vom Hafen zum Flughafen mit dem Taxi kostet 25,-- €. Diese Variante ist uns sicherer als die günstigere Fahrt mit dem 111er Bus, da wir nicht auf den letzten Drücker am Flughafen ankommen wollen.

Weiter zur Gomera Reise 2011



Hellblau unterstrichene Links sind Affiliate Links. Für Dich kosten die Produkte keinen Cent mehr, wir bekommen bei einer Bestellung ein paar Prozent.


Wir freuen uns über deinen Kommentar. Außer deinem Eintrag und deinem Namen werden keine weiteren Daten von dir erfasst oder gespeichert! Wenn du nicht deinen Namen in den Kommentar eintragen möchtest, ist auch ein Pseudonym willkommen!






Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:
Dein Name:
Deine Nachricht:

Es waren schon 338396 Besucher hier!