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E - Fuerteventura 2019

1. Februar 2019
Eigentlich gehörte Fuerteventura bislang nicht zu unseren bevorzugten Urlaubsdestinationen, jedoch beschließen wir nach einer beruflichen Stressphase dem heimatlichen Schmuddelwetter für eine gute Woche zu entfliehen, um „Sonne, Strand und Ruhe satt“ zu genießen. Fuerteventura wird zudem immer wieder von Birdern als interessante Destination genannt – ein weiterer Grund, die zweitgrößte Kanareninsel einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Schon bei der rund siebzig Kilometer langen Anfahrt vom Flughafen wird uns klar, warum es heißt: „Fuerteventura liebt man oder hasst man – dazwischen gibt es kaum etwas“. Die karge Schönheit mit endlosen Dünenlandschaften und nahezu vegetationslosen Hügeln muss man (wie wir) schon mögen – oder aber man bucht sich in einer der Bettenburgen zum Beispiel in Jandia ein, weil man den Urlaub ohnehin ausschließlich in liegender Position an einem der schönen breiten Sandstrände verbringen möchte!

Den Mietwagen, einen Citroen C4, haben wir für unschlagbare 14,-- €/Tag bei Billiger-Mietwagen.de (inkl. Vollkasko und Rückerstattung der Selbstbeteiligung im Schadensfall) gebucht. Direktflüge ab Hannover bietet TuiFly für ca. 300,-- € p.p., je nach Reisezeit, an.
Gute Anregungen für Wander-Touren und Ausflüge auf Fuerteventura kann man sich im Michael Müller Reiseführer und im Rother Wanderführer holen.

Wir haben uns natürlich nicht für eine der All-Inclusive-Anlagen in Jandia, sondern für eine einsam gelegene Finca abseits des Massentourismus in der Nähe von La Pared entschieden. Das Örtchen ist strategisch günstig gelegen, da es unmittelbar an der nur sechs Kilometer breiten Landenge zwischen Ost- und Westküste, die die Halbinsel Jandia vom Rest der Insel trennt, gelegen ist und man somit die schönen Strände an der touristischen Ostküste bei Costa Calma sehr schnell erreichen kann.

In der Finca Ugan haben wir das Casa Barranco gemietet, das über zwei Schlafzimmer mit 1,80 Meter großen Betten und einer halbwegs passabel ausgestatteten Küche verfügt - zwei für uns immer wichtige Faktoren bei der Auswahl von Ferienimmobilien. Von der Terrasse aus blicken wir auf eine wüstenähnliche Dünenlandschaft. Das auf zwei kleinen Hügeln erbaute Anwesen strahlt eine himmlische Ruhe aus – genau das, was wir gesucht haben!


Am Nachmittag erkunden wir auf einem ersten ausgiebigen Spaziergang die Dünen und Strände südlich von La Pared. Der goldgelbe Playa del Viejo Rey ist ein Hotspot für Wellenreiter. Vom Baden wird an dieser Stelle aufgrund der extremen Strömung abgeraten. Die Dünen der Halbinsel Jandia werden nur durch einen sechs Kilometer schmalen Streifen von der Ostküste getrennt. Hier befindet sich das größte Rückzugesgebiet für einige seltene Vogelarten, unter anderem der Saharakragentrappe (Houbara Bastard) und des Rennvogels (Cream Coloured Courser).

Am Abend essen wir im einzigen Restaurant von La Pared, dem Bahia. Das Ambiente ist durch das Neonlicht zwar nicht berauschend, die Lage am Meer allerdings einzigartig. Leider lassen die Temperaturen und der Wind das Dinnieren auf der Außenterrasse heute nicht zu. Es wird fangfrischer Fisch nach Tagesangebot aufgetischt.


2. Februar 2019
Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir einen ausgedehnten Strandspaziergang von Costa Calma entlang der Laguna de Sotavento in Richtung Risco del Paso. Der Strand ist nicht etwa durch Sandverwehungen der nicht weit entfernten Sahara entstanden, sondern durch Kalkablagerungen am Meeresboden, letztlich zermalmten Krebstier- und Muschelschalen.

Die Lagune ist ein Hotspot für Kite-Surfer, da sie bei Flut Idealbedingungen bei knietiefem Wasser bietet. Rund zwanzig Kilometer kann man bei Ebbe entlang des herrlichen, strahlend weißen Sandstrandes bis nach Morro Jable wandern.


In einer mit Steinen befestigten Sandburg, die uns Schutz vor dem kräftigen Wind bietet, genießen wir ein ausgiebiges Sonnenbad. Zahlreiche Atlashörnchen wuseln um uns herum. Sie sind in den 1960er Jahren aus Algerien und Marokko auf Fuerteventura eingeführt worden und gelten hier mittlerweile als landwirtschaftliche Plage. Die possierlichen Tierchen haben sich massenhaft vermehrt und jegliche Scheu gegenüber Menschen verloren, da sie am Strand von Touristen massiv angefüttert werden. Dies hat wiederum negative Auswirkungen auf die Erhaltung seltener See-Vogelarten auf Fuerteventura, da die Eier in den Gelegen zu den Leibspeisen der Hörnchen gehören.


Auf dem Rückweg freuen wir uns über die Sichtung von vier teilweise beringten Löfflern in der mittlerweile von der Ebbe trocken gelegten Lagune, später entdecken wir auch noch Kanarenpieper, Seidenreiher, Regenbrachvögel und zahlreiche Seeregenpfeifer, die sich in kleinen Sandkuhlen vor dem starken Wind zu schützen versuchen. Der Bestand dieser Vögel hat sich in den letzten drei Jahren mehr als halbiert und gilt inzwischen als stark gefährdet - mit Sicherheit haben auch hier die omnipräsenten Hörnchen einen ganz entscheidenen Anteil an der Dezimierung des Bestandes.

Schon auf unserer ersten kleinen Wanderung entdecken wir, dass Fuerteventura ornithologisch einiges zu bieten h
at! Natürlich gibt es bei allen Vogelsichtungen ausführliche Foto-Shootings!


Löffler (Eurasian Spoonbill)


Seeregenpfeifer (Kentish Plover)


Seidenreiher (Little Egret)


Regenbrachvogel (Whimbrel)

Tatsächlich gibt es an der gesamten Küste um Costa Calma keine einzige Bar, in der man eine Kleinigkeit essen oder trinken könnte. Daher fahren wir nach Esquinzo und finden dort die Beach-Bar Carretta, wo wir bei Salsa-Musik und Meerblick frische Gambas und ein kaltes Bier genießen. Im gut sortierten Mercadona Supermarkt kaufen wir für unser heutiges Abendessen ein. Insbesondere gibt es hier eine hervorragende Fischtheke, wo wir frischen Pulpo und Gambas bekommen, eine Frischfleischtheke sucht man allerdings vergeblich.

Am Abend grillen wir ein leckeres Entrecote, als Vorspeise gibt es Carpaccio mit gebraten Champignons. Leider ist der Wind auch heute Abend einfach zu kalt, um draußen zu essen, aber in unserem Casa ist es ebenfalls sehr gemütlich.


3. Februar 2019
Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Birdings! Zunächst fahren wir auf einer spektakulären Passstraße in Richtung Pajara, die durchzogen ist von zahlreichen Serpentinen. Die Straße ist ein Eldorado für Rennradfahrer und leider auch Motorradfahrer, die über die kurvige Strecke rasen und ziemlich viel Lärm verursachen. Kaum zu glauben, dass sich solch eine Straße durch eine scheinbar vegetationslose Mondlandschaft in Europa befindet. Ebenso könnte man meinen, durch die Namib-Wüste in Namibia zu fahren!

Der erste Stopp gilt dem Mirador de las Penas, wo wir auf dem Weg zu einem Aussichtsfelsen prompt mehrere kreisende Schmutzgeier (Egyptian Vulture) orten, die noch vor wenigen Jahren massiv vom Aussterben bedroht waren. Durch besondere Schutzmaßnahmen konnten sich die Bestände auf den kanarischen Inseln inzwischen wieder einigermaßen erholen. Schmutzgeier sind die kleinsten aasfressende Raubvögel Europas.

Unsere erste kleine Wanderung unternehmen wir heute in Vega de Rio Palmas, wo wir in den Barranco de las Penitas hineinlaufen. Im ausgetrockneten Flussbett stehen prächtige Dattelpalmen. Unterwegs entdecken wir einige Mittelmeer-Raubwürger, die ein besonderes Jagdverhalten etabliert haben: Sie spießen ihre „Opfer“, Eidechsen oder auch kleine Sperlingsvögel, auf Dornen auf, um überschüssige Beute als Nahrungsvorrat aufzubewahren.


                                                                                                                                                 Iberienraubwürger (Iberian Grey Shrike)


Am Stausee sichten wir unser erstes Rostgans-Pärchen, ein der Nilgans ähnlicher Vogel. Die Schlucht bis zur Eremita de Nuestra Senora de la Pena ist überaus idyllisch und so machen wir an der kleinen weiß-getünchten Kapelle eine kurze Rast. Ein Kanarischer Kolkrabe nimmt auf dem Giebel der Kapelle platz und beäugt uns ausgiebig, als wir unsere Frühstücksbrote auspacken. Als Natur- und Vogelliebhaber achten wir selbstverständlich darauf, dass er nicht den erhofften Anteil erhält.


Rostgans (Ruddy Shelduck)
                                                                     Kanarischer Kolkrabe (Commone Rave)

Nachdem wir zum Ausgangspunkt zurückgekehrt sind, fahren wir weiter durch das idyllische Dörfchen Betancuria, um zu einem weiteren Birding-Hotspot zu gelangen, dem Stausee von Los Molinos. Schon die Anfahrt über eine Schotterpiste ist spektakulär und erinnert sehr an das namibische Kaokoveld. Der karge Boden ist bedeckt von roten Sukkulenten Teppichen, die vor den seichten Hügeln ein tolles Fotomotiv abgeben.

Am Stausee, den man leider nicht mehr komplett umrunden kann, sichten wir ein Wiedehopf-Pärchen (leider ohne Foto), zahlreiche Rostgänse, Blässhühner und Stelzenläufer.

Unser letzter Halt auf dem Rückweg gilt dem unaufgeregt wirkenden Küstendörfchen Ajuy. An den schwarzsandigen Playa de los Muertos und die umliegenden Felsen peitschen meterhohe Wellen, die durch die Passatwinde verursacht werden – kein Wunder, dass das Baden hier zumeist nicht empfehlenswert ist und sogar schon Todesopfer gefordert hat.

Touristischer Anziehungspunkt sind die nahegelegenen Höhlen, die man über eine am Rande des Strandes gelegene Felsrampe erreicht. Die unteren Gesteinsschichten vulkanischen Ursprungs werden übrigens von Geologen für die ältesten des gesamten Archipels gehalten und sind vor über 100 Millionen Jahren entstanden. Obenauf liegt eine weiße Kalksandsteinschicht jüngeren Datums (5 Millionen Jahre). Hier wurde früher Kalk gebrannt; Ruinen von Kalköfen, die man auf dem Weg besichtigen kann, zeugen davon.

Zum Sonnenuntergang lassen wir uns in der einzig geöffneten Bar des Weilers zu einem Sundowner, einem kühlen gezapften Amstel, nieder. Alle anderen Bars haben sonntags überraschender Weise geschlossen und lassen dadurch das Örtchen ein wenig ausgestorben wirken. Die Sonne versinkt ziemlich unspektakulär am dunstigen aber wolkenlosen Horizont im Atlantik. Abends bereiten wir uns in unserem Casa leckeren frischen Pulpo zu.


4. Februar 2019
Heute steht eine grandiose Wandertour auf dem Programm: Wir wollen hinter Morro Jable durch das Gran Valle zum abgeschiedenen Weiler Cofete ganz im Süden der Insel wandern. Wir haben kaum die Wanderschuhe geschnürt, da treffen wir unterwegs auch schon auf die ersten interessanten Vögel: Ein Schwarm Wüstengimpel (Trumpeter Finches) pickt im steinigen Terrain nach Samen.

Der Pfad führt durch malerisch karges Gelände. Ein abgestorbener Baum vor der hügeligen Dünenkulisse erinnert uns einmal mehr an Namibia, in diesem Fall Sossusvlei (Deadvlei), das wir ja bereits auf einer unserer früheren Reisen als eines der weltweit großartigsten Landschafts-Fotomotive gekürt haben.

Wir wandern nun stetig aufwärts zur Passhöhe Degollada de Cofete, wo sich und der Blick auf die weitläufige und unbebaute Ebene rund um den Weiler Cofete mit seinem ausgedehnten weißsandigen Traumstrand eröffnet. Lediglich die ominöse Villa Winter scheint in dieser unwirtlichen Gegend Wind und Wetter zu trotzen.




Beim Abstieg entdecken wir plötzlich auf einem erhabenen Stein sitzend den endemischen Kanaraenschmätzer, der nur auf Fuerteventura vorkommt und extrem selten zu sichten ist. Groß ist die Freude über dieses ornithologische Highlight, zumal uns auch noch passable Fotos gelingen! Der Kanarenschmätzer ist eng verwandt mit dem europäischen Schwarz- und Braunkehlchen. Auch dieser Vogel ist stark vom Aussterben bedroht, da er unter dem Verlust seines natürlichen Habitats durch übermäßige Bauaktivität und die damit verbundene Desertifikation, verursacht durch hohen Wasserverbrauch, leidet. Kaum zu verstehen, dass es auf Fuerteventura zum Beispiel Golfplätze gibt, deren Pflege unverantwortlich große Wassermengen verschlingt. Müssen denn Golfspieler unbedingt überall auf der Welt ihrem Hobby nachgehen?


Kanarenschmätzer (Fuerteventura Chat)

In Cofete befindet sich eine einfache Bar; dort bestellen wir eine leckere Fischsuppe und Pan mit Aioli, dazu ein kühles Bier. Die meisten anderen Gäste sind mit dem Auto die Schotterpiste hierher gefahren, fast alle sind sie „bunt beringt“, was sie eindeutig als Gäste einer All-Inclusive Hotelanlage enttarnt! Was sind wir froh, dass wir in einem ruhigen individuellen Casa abseits des Massentourismus wohnen und nicht in einer dieser gesichtslosen, riesigen Hotelanlagen Jandias. Das wäre definitiv kein Urlaub für uns!

Wir beschließen, nicht wie ursprünglich geplant mit dem Allrad-Bus zurückzufahren, der täglich um 16.45 Uhr verkehrt, sondern die sieben Kilometer zu Fuß zu laufen. Auf gleichem Weg erklimmen wir noch einmal die 350 Meter hoch gelegene Passhöhe und steigen auf der anderen Seite hinab bis zum Parkplatz. Dabei sichten wir noch einige Male den Kanarenschmätzer, offensichtlich ist die Gegend um Cofete ein gutes Revier für den seltenen Vogel.


Am Strand vom Morro Jable gönnen wir uns auf dem Rückweg noch ein Eis und kaufen dann im gut sortierten Spar Supermarkt für das heutige Abendessen ein. In diesem Supermarkt befindet sich die mit Abstand beste Fleischabteilung, die wir auf Fuerteventura bis dato angetroffen haben. Am Abend kochen wir unsere geliebten Spaghetti Bolognese nach eigenem Rezept, als Vorspeise gibt es Tomaten mit Mozzarella.


5. Februar 2019
Eine weitere sehr schöne Wanderung im Süden der Insel steht heute auf dem Programm. Von Puerto de la Cruz, auch El Puertito genannt, kann man eine 12,5 Kilometer lange Rundtour quasi entlang dreier Küsten unternehmen, wobei man die Halbinsel Jandia gleich zweimal durchquert. Von Morro Jable muss man eine gut befahrbare Schotterpiste bis an den südlichen Zipfel der Insel zum Ausgangspunkt der Tour fahren. Über die Westküste der Halbinsel Jandia wandern wir zunächst bis zum malerischen Playa de Ojos, der eingerahmt von einer bizarren Steilküste vor uns auftaucht.



An einem kleinen Wassertümpel sichten wir aus größerer Entfernung endlich einen kleinen Schwarm Sandflughühner (Black-bellied Sandgrouses), ohne allerdings brauchbare Fotos schießen zu können.

Wir verlassen den Küstenweg, um auf dem markierten Weg den vulkanischen Hügeln von Las Talahijas entgegen zu streben. Der Pfad führt durch karg bewachsenes Gelände stetig bergauf. Der sich an der Passhöhe bald öffnende Blick entlang der Küste ist phänomenal.


Ab Aqua Cabras laufen wir nunmehr wieder landeinwärts und queren abermals die Halbinsel bis zur Punta Salinas an der Südküste. Hier machen wir am Strand eine kurze Rast, um danach auf dem kleinen Küstenpfad zu unserem Ausganspunkt zurückzukehren.

Zurück in El Puertito gönnen wir uns erst einmal in dem aussichtsreichen und direkt am Steilufer gelegenen Restaurant El Caleton einen Café Cortado, bevor wir erneut zum Playa de Ojos fahren, um den Rest des Nachmittags am Strand zu verbringen. Unten am Strand verewigt eine Gruppe von Aquarellmalern die Idylle aus verschiedenen Perspektiven auf Leinwand.

Aus den Hotels Jandias werden für viel Geld „abenteuerliche Allrad- oder Quad-Safaris auf die wilde Halbinsel“ angeboten. Für uns sind die lärmenden und stinkenden Quads in dieser Idylle einfach nur störend. Merken die Teilnehmer eigentlich gar nicht, dass sie abgezockt werden, wenn zugleich zahlreiche andere Touristen diesen Ort mit einem ganz normalen PKW problemlos über die einfach befahrbaren Schotterpisten erreichen!? Glücklicherweise ist es aus Naturschutzgründen offenbar inzwischen verboten, mit Quads oder Mororrädern querfeldein durch die Dünen zu pflügen.

Heute Abend ist es an unserem Casa windstill, so dass wir erstmals draußen beim Abendessen (Boquerones sowie Solomillo mit Bratkartoffeln) die himmlische Ruhe der Umgebung genießen können.



6. Februar 2019

Jeden Morgen erfreuen wir uns an den Weidensperlingen, die sich während unseres Frühstücks auf die Aloe Vera Blüten direkt vor unserer Terrasse setzen.


Weidensperling ♀ und ♂ (Spanish Sparrow)

Heute ist uns wieder einmal nach einem Strandspaziergang und wir beschließen, dem Strand von Jandia eine Chance zu geben. Wir parken unser Auto an der Durchgangsstraße und trauen kaum unseren Augen: Auf dem Grünstreifen der Küstenstraße mitten in Jandia picken zwei afrikanische Hadeda Ibisse nach allerlei Getier! Diese Vögel gehören definitiv nicht nach Fuerteventura und somit haben wir sie hier nicht erwartet! Sie haben keinerlei Fluchtdistanz und lassen uns auf zehn Meter für Portraitfotos herankommen.


Hagedasch Ibis (Hadeda Ibis)

Die Auflösung findet sich später während unserer Recherche im Internet: Die Vögel entstammen dem 2013 geschlossenen Hotel Stella Canaris, deren Besitzer sich einen tropischen Garten mit allerlei exotischen Tieren gehalten haben. Einige Vögel sind bei Schließung des Hotels sich selbst überlassen worden und haben offenbar einen Weg in Freiheit zum Überleben gefunden.

Der breite weiße Strand von Jandia ist zugegebener Maßen phänomenal, allerdings ist die Kulisse mit den gesichtslosen Hotelburgen im Hintergrund alles andere als idyllisch. Auch müssen wir uns einreihen in die Heerscharen von Menschen, die ebenfalls einen Strandspaziergang unternehmen wollen. Immerhin sichten wir noch Strandläufer, die im Spülsaum nach Beute picken und sich kaum von uns stören lassen.


Alpenstrandläufer (Dunlin)

Der Strand südlich von Costa Calma gefällt uns um Längen besser, so dass wir nach einigen Kilometern umkehren und erneut zur Carretta Beach Bar fahren und dort eine Kleinigkeit essen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir am dortigen Strand und mieten zwei sauteure Liegen inklusive Sonnenschirm (13,50 €!), um ein paar Stunden in der Sonne zu relaxen.



7. Februar 2019
Auch den Traumstrand von Cofete wollen wir unbedingt noch einmal zu Fuß erkunden. Und so fahren wir erneut die Schotterpiste hinter Morro Jable hinunter in Richtung Puerto de la Cruz, biegen aber zuvor auf den aufwärts führenden Pass zum Jandia Massiv ab, auf dem wir bis zum Degollada de Agua Oveja fahren. Von hier aus eröffnet sich uns der Blick auf die grandiose, schroffe Nordküste.

In Cofete steuern wir auf direktem Weg den Strandparkplatz an und schauen uns zunächst den alten Friedhof an, den sich die Naturgewalten zurückgeholt zu haben scheinen. Die Szenerie erinnert einmal mehr an Namibia, die berühmte Geisterstadt Kolmanskop.

Wir laufen den einsamen und völlig unbebauten Strand hinauf in Richtung der Felseninsel El Isolte. Schon nach wenigen Hundertmetern sind wir alleine an diesem Traum von einem Strand, der, wenn es nach uns geht, es leicht in die Top 100 der schönsten Strände der Welt schaffen könnte!


Durch die ungestüm heranrollenden Brecher ist der Strand allerdings vollkommen ungeeignet zum Baden – vielleicht ein Grund dafür, warum sich glücklicherweise noch kein Investor um dieses idyllische Fleckchen Erde bemüht hat. Auf El Islote legen wir eine kurze Siesta ein und erkunden dann den Felsklotz, an den die meterhohen Wellen mit unbändiger Gewalt heranklatschen.



Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher hinauf zur Villa Winter, nicht etwa um uns das Gebäude anzuschauen, sondern vielmehr weil wir hoffen, weitere Vögel zu sichten. Tatsächlich fliegt uns ein Brillengrasmücken-Pärchen vor die Linse, ansonsten ist es heute eher ruhig.


Brillengrasmücke und (Spectacled Warbler)

Nachdem wir in der Bar in Cofete noch einen Café Cortado getrunken haben, kehren wir zurück zu unserem Auto am Strand und fahren heute einmal etwas früher in unser Casa, wo wir Abends ein idyllisches „Resteessen“ veranstalten.



8. Februar 2019
Noch einmal wollen wir an unserem letzten ganzen Tag wandern gehen. Erste Station ist unterwegs aber der Mirador Astronomico de Sicasumbre. Vom Aussichtspunkt hat man einen großartigen Rundumblick auf die zerklüftete Berglandschaft. ...und man kann ein unvermeidliches "Touri-Selfie" schießen!

Unser heutiges Ziel ist erneut Ajuy, wo wir uns dieses Mal nicht etwa den berühmten Cuevas zuwenden, sondern in entgegengesetzter Richtung entlang der Steilküste wandern.





Werktags werden die Cuevas übrigens von zahlreichen Touranbietern aus den großen Hotels angefahren, so dass der Klippenweg in Richtung Höhlen übervölkert ist von Touris mit bunten Bändchen am Handgelenk! Dann schon besser den Sonntag wählen, auch wenn da die meisten Bars geschlossen haben. Die Aussicht über die zerklüftete Küste ist zugegebener Maßen spektakulär, jedoch reißt uns der Pfad nicht vom Hocker, so dass wir nach zwei Kilometern umkehren und beschließen, noch eine kurze Tour in den Bergen zu machen.

Wir fahren nach Betancuria und wandern eine halbe Stunde bergauf zur Passhöhe Degollada del Marrubio. Von hier hat man einen phantastischen Rundumblick in alle Himmelsrichtungen. Den ganzen Weg werden wir begleitet von Kanarenpiepern, die aufgeregt ihr monotones Liedchen trällern (» Tour).


Kanarenpieper (Berthelot´s Pitpit)

Der Pfad setzt sich fort über den immerhin 637 Meter hohen Gipfel des Morro del Cortijo. Bald darauf gelangen wir an eine Kreuzung und durchqueren Fuerteventuras einziges Kiefernwäldchen. Dort entdecken wir prompt ein Kanarengirlitz Pärchen. Der Kanarengirlitz ist die Stammart des domestizierten Kanarienvogels und so etwas wie ein Symbol für die kanarischen Inseln.



Wir passieren einen Grillplatz, den alle Spanier so sehr lieben, und gelangen über einen Schotter-Fahrweg zurück nach Betancuria.


Im Café La Sombra relaxen wir eine Weile und bestellen eine leckere Heidelbeer-Quark Tarte und Kaffee. In einem Restaurant unten an der Durchgangsstraße wird Maxorata Ziegenkäse angeboten, der vielfach prämiert worden ist und sich rühmt, der beste Käse der Welt zu sein. Das müssen wir natürlich antesten und kaufen ein großes Stück, um es mit nach Deutschland zu nehmen.

An unserem letzten Abend machen wir es uns noch einmal gemütlich in unserem Casa und verbrauchen so ziemlich alle Reste, die sich im Laufe der Woche angesammelt haben. Mit viel Kreativität wird es dennoch ein stilvolles letztes Dinner, unter anderem mit einem "Tomaten-Avocada Türmchen mit Parmesanplätzchen".



9. Februar 2019
Da unser Flug nach Hannover erst um 20 Uhr abends geht, planen wir, den heutigen Tag auf der kleinen Insel Los Lobos zu verbringen. Wir durchqueren einmal ganz Fuerteventura und erreichen nach 1,5 stündiger Fahrt den Ort Corralejo, der bekannt ist für seine ausgedehnten Wanderdünen. Der Ort selbst macht einen eher heruntergekommenen Eindruck. Überall verhunzen mit Graffitis übersäte Bauruinen das Ortsbild und zeugen von windigen Investoren, die in diesem Teil der Insel scheinbar ihr Unwesen getrieben haben. Vom Hafen in Corralejo setzen stündlich Boote hinüber auf das kleine Eiland. Man benötigt ein Permit, das man sich entweder zuvor im Internet kostenlos herunterladen kann oder wie wir auf dem Smartphone am Ticketschalter. Das Ticket für die Überfahrt kostet stolze 15 €.


Vom Hafen laufen wir zum einzigen Örtchen der Insel, El Puertito, um im einzigen Restaurant der Insel ein Mittagessen vorzubestellen – ohne Vorbestellung bekommt man ansonsten kein Essen! Anschließend beginnen wir mit unserer Umrundung der Insel, die knapp 8,5  Kilometer lang ist und für die wir 1:45 Stunden benötigen
(» Tour).

Los Lobos ist ein Vogel-Eldorado. Zahlreiche Wasservögel haben hier ein Rückzugsgebiet gefunden. Die Wege dürfen nicht verlassen werden, um die Vögel möglichst wenig zu stören. Wir sichten zahlreiche Watvögel, unter anderem eine sehr große Anzahl von Steinwälzern, die sich in der Nähe des Örtchens überraschender Weise sehr nahe an Badegäste am kleinen Strand heranwagen.


Steinwälzer (Ruddy Turnstone)

Auf die Besteigung des Vulkans verzichten wir, zumal wir für 14 Uhr Paella bestellt haben. Das kleinen Restaurant direkt am Meer ist sehr einfach, aber idyllisch gelegen. Die Paella kostet gerade einmal 7,50 € und ist sehr lecker.

Unsere Rückfahrt haben wir für 16 Uhr gebucht, so dass wir noch ausreichend Zeit haben, uns die Wanderdünen von Corralejo anzuschauen, ein 2500 Hektar großes nahezu vegetationsloses Naturschutzgebiet. Der größte Teil des Gebietes ist nicht zugänglich und dient als Refugium für seltene Vogelarten, unter anderem der Kragentrappe, die wir während unseres Aufenthaltes auf Fuerteventura leider nicht zu Gesicht bekommen haben.

Unser erster Aufenthalt auf Fuerteventura geht zu Ende und es ist Zeit für ein kurzes Fazit: Für einen längeren Aufenthalt käme für uns die Insel sicher nicht in Betracht – da bieten die Schwesterninsel La Palma oder La Gomera deutlich mehr. Die langen weißen und zum Teil sogar menschenleeren Strände und auch die kargen Wüstenlandschaften haben uns dennoch während unseres einwöchigen Aufenthaltes begeistert. Der All-Inclusive Tourismus in den Hochburgen wie Jandia oder Corralejo ist schon ziemlich heftig und die mit Bändern markierten Touris auf der Insel allgegenwärtig. Auf unseren Streifzügen über die Insel, insbesondere an Orten, die nicht mit dem Auto erreichbar sind, kann man dem Rummel allerdings ganz gut aus dem Weg gehen. Ein weiteres überraschendes Plus sind für uns in jedem Fall die außergewöhnlich großartigen Birding-Erlebnisse. Also: Eine Wiederholung ist nicht unwahrscheinlich!




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