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Cilento

Die Amalfitana von Amalfi nach Salerno ist nur im ersten Teil ähnlich spektakulär wie zwischen Amalfi und Positano. Irgendwann enden die lieblichen Zitronenterrassen und werden durch Eichen-, Lorbeer- und Kastanienwälder abgelöst. Da heute Sonntag ist, bevölkern unzählige Hobby Radrennfahrer die Amalfitana. Wir durchfahren die auf den ersten Blick schmucklose Hafenstadt Salerno. An der kilometerlangen Uferpromenade, die der Neustadt zuzuordnen ist, finden sich kaum architektonische Höhepunkte. In der Altstadt soll es hingegen durchaus Sehenswertes geben, jedoch steht dies nicht auf unserem Sighseeing-Programm. Auch die Küstenstraße am Golf von Salerno bietet wenig Erquickliches. Die heruntergekommene Uferpromenade wird gesäumt von zahlreichen uniformen Lidos und wir fragen uns, wie man an solchen Orten bloß Urlaub machen kann! Bei der berühmten griechischen Area Archeologica „Paestum“ beginnt ungefähr das Cilento.

Der
Cilento Nationalpark hat ein Ausmaß von 215 000 Hektar, besitzt rund 100 Kilometer Küstenlinie und ist somit einer der größten Nationalparks Italiens. Erst 1991 wurde der Nationalpark gegründet und gehört mittlerweile zu den rund 350 Biosphären, die von der UNESCO weltweit gefördert werden. Das Cilento hat sich dem sanften Tourismus verschrieben und ist zu einem Eldorado für Wanderer und Individualtouristen geworden.

Wir haben uns erneut in einem kleinen Agriturismo in dem kleinen Bergdörfchen Stella Cilento einquartiert. Das Agriturismo I Fornari liegt in einer wildromantischen Kulisse seicht abfallender Berghänge und in einer ursprünglichen Naturlandschaft. Wir werden freundlich von Irene, einer Mitarbeiterin des Hauses in Empfang genommen. Zunächst werden uns im Schnelldurchlauf die Sehenswürdigkeiten des Cilentos näher gebracht. Unser Zimmer ist sehr komfortabel ausgestattet und verfügt über eine sagenhaft schöne Terrasse mit tollem Ausblick. Im I Fornari gibt es einen in die tolle Landschaft eingefügten Pool, einen Whirlpool und sogar einen kleinen beheizten, überdachten Pool für Schlechtwettertage. Das I Fornari ist von seinem Komfort und seinen Einrichtungen her eher in der gehobenen Kategorie einzuordnen. Auf jeden Fall haben wir es bei der Auswahl unserer Unterkunft wieder einmal hervorragend getroffen. Wir zahlen für das Zimmer inklusive des Abendmenüs 120,-- € / Nacht. Später entdecken wir auf der Homepage des I Fornari noch ein erst kürzlich eingestelltes Lastminute Angebot, das Gästen im Mai und Juni 25 % Rabatt einräumt. Auf Anfrage wird uns nachträglich daraufhin immerhin noch 15 % Rabatt eingeräumt – sehr kulant, wie wir finden, da wir bereits im Februar gebucht haben. Somit beträgt unser Halbpensionspreis nur noch 102,-- € - ein für diese Qualität der Unterkunft hervorragender Preis. Sicher sollte man grundsätzlich darüber nachdenken, im Cilento, zumindest in der touristisch „toten Zeit“, Unterkünfte erst kurzfristig zu buchen. Man läuft man nur selten Gefahr, das gewünschte Quartier nicht mehr zu bekommen.

Bei einer ersten Erkundungsfahrt ans Meer fahren wir nach Acciaroli. Der Ort wirkt um diese Jahreszeit wie ausgestorben. Der Hafen, der im MM-Reiseführer als bildschön bezeichnet wird, ist komplett von einem Bauzaun umgeben, so dass sich uns die beschrieben Idylle leider nicht erschließt. Offenbar wird die Uferpromenade gerade ausgebaut – schon vorstellbar, dass der Hafen nach Fertigstellung einmal ein Schmuckstück sein wird. In der Nähe des Hafens lassen wir uns in einem der zahlreichen Fischrestaurants nieder, dem Porto di Mezzo. Man speist auf einer schönen, höher gelegenen Terrasse. Wir bestellen einen Fischteller (15,-- €), auf dem sich ein Stück Schwertfisch, zwei Gambas, sauer eingelegt Sardinen sowie Tintenfisch befinden. Der Tintenfisch ist leider etwas zäh, der Schwertfisch auch nicht besonders einfallsreich zubereitet. Auch die Antipasti Marinara für 12,-- € hatten wir in diesem Urlaub schon besser!

Acciaroli verfügt über zwei Strände. Der nördliche Strand wird verunziert durch das Restaurant Mediteraneo, mit dem sich offenbar ein Architekt ein zweifelhaftes Denkmal setzen wollte sowie das Hotel Stella Marina, ein unansehnlicher Betonklotz. Der Strand am südlichen Ende des Örtchens gefällt uns dann schon wesentlich besser. Er wird gesäumt von prachtvoll restaurierten alten Palazzi. Da der Himmel heute leider bedeckt ist, lassen wir uns nur für ein kurzes Weilchen nieder. Sehenswert in Acciaroli ist das Sträßchen unmittelbar hinter dem Hafen mit seinen alten Häusern aus dem 19. Jahrhundert, eine Fußgängerzone, die nicht durch knatternde Mopeds und Autos gestört werden kann.

Unsere zweite Station ist das kleine Straßendörfchen Pioppi. Der Charme des Örtchens am Meer erschließt sich dem Besucher erst auf den zweiten Blick. Wir schlendern die ebenfalls wie ausgestorben wirkende Uferpromenade entlang und stoßen auf die Hauptsehenswürdigkeit des Ortes, den Palazzo Vinciprova aus dem 17. Jahrhundert, der heute gleich zwei Museen enthält. Besonders das Museum über die „Dieta Mediterranea“ interessiert uns sehr, ist aber leider heute geschlossen (in der Nebensaison sonntags und dienstags geschlossen, in der Hauptsaison nur dienstags). Tatsächlich wurde die Mittelmeerdiät hier durch den amerikanischen Ernährungswissenschaftler Ancel Keys erforscht und für äußerst gesund befunden. Eindrucksvolles Beispiel für die Richtigkeit seiner Ernährungstheorien: Ancel Keys starb 2004 im hohen Alter von 100 Jahren. Ihm zu Ehren trägt die Uferpromenade heute seinen Namen.

Ganz gespannt sind wir auf das Abendmenü im I Fornari, welches von zahlreichen Gästen bei Tripadvisor in höchsten Tönen gelobt wird. Ähnlich wie im Serafina gibt es im I Fornari ein einheitliches Viergänge Menü, das allen Gäste ab 20.00 Uhr serviert wird. In dem gemütlichen Restaurant wurde früher das Olivenöl gepresst, ein Mühlstein und weitere Einrichtungsgegenstände zeugen von der ursprünglichen Bestimmung des Raumes. Die Küche des I Fornari erhebt den Anspruch, cilentanische Spezialitäten nach Rezepten vieler Generationen zuzubereiten und ausschließlich Lebensmitteln aus der Region auf den Tisch zu bringen. Wir verzichten darauf, das Menü im I Fornari mit dem im Serafina zu vergleichen. Im Serafina wurden nahezu alle eingesetzten Produkte auf dem eigenen Hof in Bioqualität hergestellt und zu einfachen ländlichen aber köstlichen Speisen weiter verarbeitet. Das I Fornari hat einen deutlich höheren kulinarischen Anspruch, verwendet aber nicht ausschließlich eigene Produkte.

Die Weinauswahl kann sich durchaus sehen lassen. Vom edlen Bolgheri-Tropfen aus der Toskana für stolze 190,-- € bis hin zum Amarone ist nahezu die komplette Weinlandschaft Italiens auf der Weinkarte vertreten. Wir entscheiden uns für einen heimischen DOC-Wein aus der Aglianico Traube, im Barriquefass gereift (18,-- €). Das Menü besteht aus

► Antipasti: Drei verschiedene Käsesorten mit Feigenmarmelade sowie gemischtes mediterranes Gemüse
Primo Piatto: Hausgemachte Pasta mit Auberginen
Segundo Piatto: Scallopine mit Steinpilzen
Dulci: Honigmelone

Wir sind sehr begeistert von diesem kulinarischen Auftakt und sind gespannt, welche Köstlichkeiten uns in den nächsten Tagen noch im I Fornari erwarten.

21. Mai 2012
Das Frühstück im I Fornari ist für italienische Verhältnisse feudal! Das Frühstücksbüffet lässt keine Wünsche offen – es gibt neben verschiedenen selbstgebackenen Kuchen und anderen süßen Leckereien, diverse hausgemachte Marmeladen sowie eine Auswahl an Käse und Wurst. Koch und Restaurantmanager Gianluca, der uns bereits gestern Abend verwöhnt hat, serviert uns sogar noch ein Rührei! Welch ungewohnter Luxus beim Frühstück in Italien. Gianluca ist der Schwager des Besitzers von I Fornari, versteht kein Wort englisch, aber wir sind ja mittlerweile erprobt im italienischen Smalltalk halten und können uns ausreichend mit ihm verständigen. Er bietet uns sogar an, Verpflegung für unsere Wanderungen vom Büffet zu nehmen. Diese praktizierte Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit ist nicht selbstverständlich und wir halten es daher für explizit erwähnenswert.

Wir befragen Irene in der Rezeption nach der Besitzerfamilie da Marco sowie die hausgemachten Produkte, die im Agriturismo angeboten werden. Es gibt diverse in Öl eingelegte Gemüsesorten, zum Beispiel Artischocken, Pilze, Tomaten etc. sowie Marmeladen, auch das Hauptprodukt des Agriturismos, Olivenöl, kann man neben diversen Pastasaucen erwerben. Bedauerlich, dass wir nicht viel im Flugzeug mit nach Hause nehmen können!

Wir wollen heute eine Wanderung von Marina di Camerota zum Porto degli Infreschi machen. Entgegen der Wettervorhersage herrscht strahlender Sonnenschein und wir haben im 
Rother Wanderführer gelesen, dass man am Porto degli Infreschi hervorragend baden kann. Auf dem Hinweg fahren wir die Küstenstraße 447 entlang, vor allem im letzten Abschnitt ein „elendiges Gegurke“! Wir stellen unser Auto unterhalb der kleinen Kapelle ab. Gerade der erste Teil des Weges ist nicht besonders attraktiv. Nach einem unwegsamen Treppenpfad folgt ein asphaltiertes Sträßchen, mit von Blumen übersähten Olivenhainen am Wegesrand.

Es folgt ein gerölliger, unangenehm zu laufender breiter Pfad hinab zur Cala Bianca, an der sich die Reste eines Torres befinden. Die Hälfte des Weges liegt an diesem Punkt hinter uns. An der Cala Bianca gibt es eine kleine Bar, das Ristoro Polazzo, dass wir jedoch erst auf dem Rückweg aufsuchen wollen. Wir setzen unseren Weg fort durch teilweise überwachsene schmale Pfade. Zahlreiche Schlangen kreuzen heute unseren Weg. Es handelt sich dabei um eine unscheinbare schwarze Natter, die hier sehr häufig zu sehen ist. Diese Spezies ist harmlos, jedoch sollte man sich vor der giftigen bräunlichen Sandviper in Acht nehmen, gut zu erkennen an der gezackten Zeichnung auf dem Rücken. Falls es zu einem Biss kommt - was selten geschieht, da die Viper zumeist das Weite sucht, wenn sich Menschen nähern - sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Des Weiteren treffen wir auf zahlreiche schillernd grün-blau gemusterte Smaragdeidechsen, die auf Felsblöcken ein Sonnenbad nehmen. Diese Reptilien können bis zu 50 Zentimeter groß werden, leider hatten wir noch nicht das Glück, solch große Tiere zu sichten.

Wir stoßen auf einen Schotterweg, von dem sich der Blick auf die malerische Bucht von Porto degli Infreschi öffnet. Wir sind die einzigen Badegäste, lediglich eine Yacht liegt hier vor Anker. Wir klettern noch über einen Felsen neben dem Steg, um zu der kleinen Nachbarbucht zu gelangen. Dieser kleine Abstecher sei aber nur trittsicheren und schwindelfreien Wanderern empfohlen, da gerade der Rückweg beim Abstieg des Felsens nicht ganz ohne ist! Lohn unserer kleinen Kletterei ist eine fantastische kleine Kiesbucht, in der wir es uns einige Stunden gemütlich machen. Ich wage sogar ein kurzes Bad in dem noch recht kalten Mittelmeer.


Fußfaule Wanderer können sich auch von einem Boot aus der Bucht abholen lassen, sofern sie in Marina de Camerota ein entsprechendes Arrangement getroffen haben. Wir bevorzugen die sportliche Variante und laufen auf gleichem Weg zurück. Am Ristoro Polazzo machen wir wie geplant einen Zwischenstopp. Ein altes Mütterchen verkauft uns kühle Getränke, mit denen wir es uns an dem ebenfalls tollen Strand der Cala Bianca gemütlich machen. Wir bringen schließlich noch das letzte Wegstück bis zum Auto hinter uns und fahren dann über die deutlich angenehmer zu fahrende Varianta 18 zurück zu unserem Agriturismo.

Das Abendessen ist erneut fantastisch. Zunächst gibt es als Antipasti Käse, einige Stücke Pfeffersalami sowie warmen Blumenkohl. Die hausgemachten Pasta mit Wildschweinsoße sind ein Gedicht und auch das mit Tomaten und Mozzarella überbackene Kalbfleisch ist mehr als überzeugend. Dazu gibt es einen frischen Greco di Tuffo, der aus der Region kommt. Obwohl wir schon gut gesättigt sind gibt es heute als Dulci eine leckere Tarta de la Nonna (Torte nach Großmutters Art).

 
  


22. Mai 2012

Da sich der Himmel heute nicht von seiner besten Seite zeigt, fahren wir nach Paestum, für viele kulturliebende Italienurlauber sicherlich ein Highlight. Direkt an der für Autofahrer gesperrten Via Magna Grecia, über die man das Gelände betritt, befindet sich ein Parkplatz und wir wundern uns über die moderaten Parkgebühren von 2,50,-- €. Zum Glück scheint mittlerweile die Sonne, so dass die überwältigende Szenerie der Tempelanlagen ins rechte (Foto-) Licht gerückt wird. Über den Bergen rücken allerdings bedrohlich dunkle Wolken näher. Wir schießen von der Via Magna Grecia aus zunächst ein paar Fotos von den fantastischen Tempeln, wenden uns dann jedoch zunächst dem Museum zu. Wir zahlen je 10,-- € Eintritt für den Besuch von Museum und Ausgrabungsstätte, ein angemessener Preis für eine solch bedeutende Sehenswürdigkeit, die sich auch mit dem Titel UNESCO Weltkulturerbe schmückt.

Die Ausstellungsstücke sind unbeschreiblich beeindruckend. Höhepunkte der Sammlung sind die zahlreichen bunt verzierten Gebrauchsgegenstände, allen voran zwei prächtige Vasen, die den Raub der Europa sowie die Geburt der Aphrodite darstellen, die der Sage nach aus dem Schaum des Meeres erschaffen wurde. Unfassbar, wie gut erhalten, farbintensiv und ausdrucksstark diese Stücke sind. Ein weiteres Highlight der Sammlung sind die Grabplatten aus griechisch – lukanischer Zeit, allen voran die bekannte Deckplatte vom „Grab des Tauchers“. Dem Betrachter bleibt die Deutung selbst überlassen, ob es sich dabei tatsächlich um den symbolischen Sprung des Toten in eine neue Welt handelt.

 

Wir betreten die Area Archeolgica in der Nähe des Ceres-Tempels. Die Stadt Poseidonia – später in Paestum umbenannt - wurde neben zahlreichen anderen griechischen Kolonien Süditaliens um das Jahr 700 v.Chr. gegründet, da die wirtschaftlichen und geistigen Möglichkeiten der griechischen Großstädte den Bewohner kaum noch Perspektiven boten. Den Namen verdankt die Stadt dem Meeresgott Poseidon, der die Schiffe der Pioniere der Stadt unbehelligt ließ. Zwischen 550 und 450 v.Chr. wurden auch die drei großen Tempel der Stadt errichtet. Nach diversen kriegerischen Scharmützeln wurde die Stadt im Jahre 273 v.Chr. zu einem Verbündeten Roms und aus Poseidonia wurde Paestum. In der Folgezeit wurden zwischen den Tempeln zahlreiche weitere öffentliche Gebäude errichtet, wie das Amphitheater, das Forum oder das Gymnasium, deren Grundmauern heute noch zu bewundern sind.

Der vor uns liegende Ceres-Tempel ist an der höchsten Stelle von Poseidonia errichtet und der Göttin Athene geweiht. Ebenso wie bei den beiden anderen Tempeln sind sämtliche Säulen sowie die Giebel bestens erhalten. Antike Dichter wie Ovid rühmten die Rosenpracht, die um Paestum rankte. Heute ist nicht mehr all zu viel davon zu sehen, außer einiger weniger Rosenbüsche in der Nähe des Ceres-Tempels, die von den rund um die Uhr beschäftigten Gärtner hier wieder angepflanzt worden sind.

Wir setzen unseren Rundgang fort über die gepflasterte Via Sacra entlang der römischen Bürgerhäuser fort und gelangen über den Platz des Gymnasiums zum Amphitheater, das in den verschiedenen Zeitepochen den unterschiedlichsten Zwecken diente. Genau zu diesem Zeitpunkt prasselt ein heftiger Regenschauer auf uns nieder. Wir finden Schutz in dem Torbogen und können uns glücklich schätzen, dass der Eingang zum Amphitheater so gut erhalten ist. Er bietet zumindest soviel Schutz, dass wir einigermaßen trocken bleiben. Der Schauer ist nur von kurzer Dauer, so dass wir unseren Rundgang alsbald fortsetzen können.

Der Poseidontempel ist der berühmteste der drei Tempel und Motiv zahlreicher Postkarten. Hervorragend erhalten sind die beiden Giebel und auch im Innern ist die dreischiffige Aufteilung noch gut erkennbar. Unklar ist, ob der Poseidontempel allein der Göttin Hera gewidmet ist oder ob die Opfergaben und Zeremonielle, die hier stattfanden, nicht doch dem Meeresgott und Namensgeber der Stadt, Poseidon, galten.

Direkt neben dem Poseidontempel steht die „Basilika“. Der älteste der drei Tempel ist der Göttin Hera geweiht. Er gehört zu den am besten erhaltenen griechischen Tempeln der Welt. Wie alle griechischen Tempel ist auch er von Westen nach Osten ausgerichtet. Der Name „Basilika“, der im antiken Griechenland ein Justizgebäude bezeichnete, ist irrtümlich im 18. Jahrhundert entstanden. Erst die spätere Entdeckung des Altars vor dem Gebäude klärte den Irrtum auf.

Rund drei Stunden verbringen wir in Museum und Ausgrabungsstätte – ein Zeitaufwand, den jeder Besucher für diesen magischen Ort minimal aufwenden sollte. Zweite Station unseres Ausfluges ist der Besuch einer Büffelfarm, in welcher der berühmte Mozzarella di Bufala hergestellt wird. Die Fattoria la Casara befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Paestum auf dem Weg nach Licinella. Die Wasserbüffel, aus deren Milch der köstliche Käse produziert wird, finden in der Sele-Ebene von Paestum optimale Lebensbedingungen vor: Ein warmes Klima und einen feuchten sumpfigen Boden. Aus diesem Grund haben sich zahlreiche Farmen in der Gegend angesiedelt. In dem kleinen Hofladen kann man die Käsespezialitäten verkosten. Wir lassen uns im Gastraum nieder und bestellen eine gemischte Käse-Wurstplatte. Zunächst wird uns eine üppige Käseplatte mit verschiedenen Käsesorten vom Büffel serviert. Anschließend kommt dann die bestellte gemischte Platte. Da wir nicht alles bewältigen können, lassen wir uns den Rest einpacken. Nirgendwo war der Preis für die Verkostung verzeichnet, wir sind auf jeden Fall von der Höhe der Rechnung etwas überrascht: 32,-- € zahlen wir für Käse, zwei Gläser Wein und ein Wasser. Unser Tipp für einen Besuch der Fattoria: Unbedingt zuvor nach dem Preis erkundigen, dann bleibt am Ende die Überraschung aus. Die Preise für den Käse zum Mitnehmen im Hofladen sind im Übrigen relativ niedrig – sie liegen bei 11,-- € / Kilo. Abschließend besichtigen wir noch das Gehege der Wasserbüffel, die sich vor dem Hofladen im Schlamm wälzen.

 

Unser letzter Programmpunkt muss leider ausfallen, da es mittlerweile in Strömen regnet und wir es vorziehen, trocken unser Agriturismo anzusteuern. Eigentlich wollten wir uns das mittelalterliche Bergdörfchen Castellabate anschauen, das als eines der schönsten Dörfchen des Cilentos gilt – vielleicht kommen wir in den nächsten Tagen noch einmal in der Nähe vorbei.

Unser heutiges Abendmenü:

Antipasti: Schinken mit Ziegenkäse, angemachte Zucchiniblüten
Primo Piatto: Mit Ricotta gefüllt Riesen-Tortellini mit Tomatensauce
Segundo Piatto: gegrilltes Schweinefleisch – gut, aber nicht ganz so fantastisch wie im Serafina – mit Salat
Dulci: verschiedene Früchte


23. Mai 2012
Das Wetter ist noch immer nicht wesentlich besser. Zumindest regnet es nicht mehr, jedoch droht über den Berghängen schon wieder „Unheil“. Eine Wanderung kommt unter diesen Umständen somit nicht in Betracht. In der Nähe von Velia gibt es ein winziges Bergdörfchen, das nahezu eine Kopie des mittelalterlichen Kastells von Velia darstellt, Castelnuovo Cilento. Tatsächlich wurde das kleine Städtchen zeitgleich von den Bewohnern der Küstenstadt als wehrhafte Rückzugsmöglichkeit errichtet und diente schon zu Zeiten der Eleaten aufgrund der erhabenen Lage der Kontrolle eines in der Ebene verlaufenden Handelsweges. Am Eingang des Städtchens steht das Schild „Citte di Pace“, Stadt des Friedens. Und tatsächlich strahlt die Burganlage, die man nach Herzens Lust durchstreifen kann, einen himmlischen Frieden aus, zumal sich neben uns kein weiter Besucher hier verirrt hat. Schnell fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Am Eingang zum Kastell gibt es die traumhaft gelegene kleine Bar U´Barone, mit Außenplätzen unterhalb der Burgmauern, in der man in einem einzigartigen Ambiente kleinere Snacks einnehmen kann.

In Castelnuovo Cilento hat ein Landwirt namens Guerina Galzerano ein merkwürdiges begehbares Kastell im Miniformat im Stile von Gaudi kreiert. Zu sehen sind hier auch Plastikstühle, die, ebenso wie alle anderen Objekte auch, komplett mit Flusskieseln überzogen worden sind. Auch die Fassade seines ehemaligen Wohnhauses in einer kleinen Gasse des Dörfchens ist in diesem Stil kurios verkleidet.

Wir fahren hinunter zum Badeort Marina di Ascea. Kaum zu glauben, dass dieser Ort in den Sommermonaten aus allen Nähten platzen soll. Jetzt in der Vorsaison wirkt der schmucklose Ort eher verschlafen. Die Fußgängerzone mit seinen kleinen Touristenshops, in der im August der Ausnahmezustand herrscht, ist in der Nebensaison sogar mit dem Auto befahrbar. Wir parken unser Auto am Ortsrand und laufen am Strand entlang bis zur letzten Strandbar La Scogliera im Süden. Hier endet der langgezogene Sandstrand von Marina de Ascea und die Felsküste beginnt. Alle Lidos sind noch verwaist, am Strand haben sich nur wenige Sonnenhungrige verirrt. Leider fängt es alsbald an zu tröpfeln, so dass wir in einer der geschlossenen Strandbars Schutz vor dem Regen suchen und unsere Paninis mit den Resten der Büffelmozzarella von unserem gestrigen Besuch in der Käserei mit Genuss verspeisen.

Als es aufhört zu regnen, laufen wir an Strand zurück zum Auto, um uns in den Nachmittagsstunden Velia anzuschauen. Das Licht soll um diese Tageszeit in der Ausgrabungsstätte am besten sein.

Velia, damals Elea genannt, ist ebenso wie Poseidonia (Paestum) durch Auswanderung aus den griechischen Großstädten um das Jahr 700 vor Chr. gegründet worden.  Elea galt kurze Zeit später als das geistige Zentrum der Magna Grecia, nicht zuletzt aufgrund seines bekannten Philosophen und Bürgermeisters Paramenides und dessen Begründung der eleatischen Philosophenschule. Bedeutung erlangte Elea aber auch durch seine medizinischen Schulen und Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Asklepieion, einer Thermenanlage, die dem griechischen Heilgott Asklepios gewidmet war.

Der Eingang der Ausgrabungsstätte ist leicht zu übersehen, da er hinter der Bahnlinie liegt. Bis hierher reichte zu eleatischer Zeit das Meer! Wir entrichten das Eintrittsgeld von 3,-- € und betreten Velia durch die Porta Marina. Verglichen mit Paestum wirkt Velia auf den ersten Blick etwas unspektakulär, fehlen doch die großen baulichen Highlights. Im unteren Teil sind die Grundmauern von Wohnhäusern sowie öffentlichen Einrichtungen aus der Gründungszeit der Stadt und auch späterer Zeitalter zu finden. Man findet sich etwas schwer zurecht, da die Ausgrabungsarbeiten noch im vollen Gange sind und erklärende Schilder Mangelware sind. Die Via Porta Rosa, an der man immer wieder Reste der damaligen Kanalisation erkennen kann, steigt wenig später in Richtung Veliahügel an, wo sich die Therme der Stadt befand. Beeindruckend ist der gut erhaltene Mosaikfußboden. Über ein Tonröhrensystem – Reste davon sind noch zu entdecken - wurde die Therme beheizt.


 

Eine antik gepflasterte Straße führt steil hinauf zur Porta Rosa, einem beeindruckenden Rundbogentor, das ohne Mörtel gefertigt wurde und zwischen zwei hoch aufragenden Felsen eingefasst ist. Das Tor soll zwei Stadtteile voneinander getrennt haben, wobei nur der südliche archäologisch erschlossen ist. Vom Veliahügel aus erhält man einen guten Überblick über die Architektur der Unterstadt. Vor uns erhebt sich die mittelalterliche Burg und der Besucher ist geneigt zu fragen, wo sich denn die antike (ausgeschilderte) Akropolis befinden mag? Die Auflösung des Rätsels wird auf dem Gipfel des Hügels klar: Die Erbauer des Torres di Velia haben nicht nur viele Steinquader der Tempelanlage für den Bau genutzt, auch mussten Tempelreste als Fundament für den Turm herhalten. Unterhalb des Turms lassen sich auch noch Reste des Altars erahnen. Wir stellen dennoch fest, dass die mittelalterliche Burg von Castelnuevo, die ja zeitgleich errichtet wurde, deutlich eindrucksvoller ist. Dennoch ist das Mystische an Velia, dass auf engstem Raum 2.500 Jahre unserer Geschichte komprimiert sind! In einem kleinen Museum auf dem Hügel sind Fundstücke aus der Geschichte der Stadt ausgestellt, unter anderem auch eine Büste von Paramenides, dem geistigen Gründer der Stadt.

 

Auf dem Rückweg zum Ausgang prasselt unvermittelt ein Platzregen auf uns nieder – hätte das nun nicht noch zehn Minuten Zeit gehabt!? Klitschnass kommen wir beim Auto an - natürlich haben wir unsere Regencapes zu Hause vergessen – wie fahrlässig!

Auf direktem Weg fahren wir zurück ins I Fornari und hoffen auf eine warme Dusche. Gestern hatten wir nur kaltes Wasser, was besonders unangenehm ist, wenn man nass und durchgefroren ist. So wirklich befriedigend fällt die Dusche auch heute nicht aus – bei aller Zufriedenheit über das I Fornari ist die Duschqualität (zumindest in Zimmer 35) verbesserungswürdig!


Das heutige Abendmenü:


Antipasti: Ricotta Soufflee, Coppa-Prosciutto, in Öl angemachte Pilze
Primo Piatto: Pasta mit Kaninchensauce
Segundo Piatto: Hühnchenbrust in Limonensauce mit Auberginengemüse
Dulci: Erdbeersalat


24. Mai 2012
Die Gola del Calore ist einer der Wanderhöhepunkte des Cilentos. Wir wollen heute die Schlucht erkunden (Rother Wanderung Nr. 10). Die Fahrt nach Remolino, dem Ausgangspunkt der Wanderung, führt uns über Vallo della Luciana, dem Hauptort des Cilentos. Ab hier beginnt eine kurvenreiche Fahrt in das Herz des Cilento Nationalparks. Wir fahren durch Campora, einem kleinen Bergdorf, das unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine interessante Geschichte zu erzählen hat. Da die Bewohner von Campora seit Mitte des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger isoliert in dem Dörfchen wohnten und neue Bewohner von Außerhalb nur selten zur Dorfbevölkerung hinzu kamen, vermischten sich die Dorfbewohner fast ausschließlich untereinander. Das erstaunliche Ergebnis einer Langzeitstudie war, dass die Bewohner Resistenzen gegen Infektionskrankheiten entwickelten und damit im krassen Gegensatz zu den Erkenntnissen der Wissenschaft hinsichtlich genetisch bedingter Missbildungen in Folge von Inzucht standen. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Erforschung des Genoms der Dorfbevölkerung neue Erkenntnisse z.B. für die Allergie- oder Alzheimerforschung.
Direkt am Ortsausgang von Campora wagen wir schon einmal einen ersten Blick in die eindrucksvolle Calore Schlucht. Auf einem für dieses winzige Bergdorf überdimensionierten Rastplatz kann man in die Schlucht hinabschauen mit dem Panorama des skurril wirkenden Monte Faito im Hintergrund.

Wir stellen unser Auto am Wanderparkplatz in Remolino ab und beginnen mit dem Aufstieg auf der linken Seite des Flusses. Überall sind Tafeln aufgestellt, die Flora und Fauna der Gola del Calore erklären. Den seltenen Fischotter, der die Begegnung mit Menschen scheut, bekommen wir zwar nicht zu sehen, dafür aber eine faustgroße Riesenkröte sowie zahlreiche bunte Blumen, die sich überall durch den feuchten Waldboden schieben. Durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit sind die Baumstämme dicht bewachsen mit Moosen, Efeu und Farnen – die europäische Variante des süd- und mittelamerikanischen Regenwaldes, den wir ja im vergangenen Herbst in Costa Rica erforscht haben.

  

 

 

 

Nach einer guten halben Stunde treffen wir auf die Ponte Petretta, eine aus Felsen gebildete Naturbrücke, über die man die Flussseite wechseln kann. Eine abenteuerliche Naturholzleiter führt hinauf zu den Felsen der Naturbücke. Wir beobachten eine Weile zwei bildschöne Smaragdeidechsen Männchen, die gerade um die Gunst eines Weibchens werben. Wie sooft im Tierreich fällt die Farbe der Weibchen nicht annähernd so prachtvoll aus, wie das bei den schillernd blau-grünen Männchen der Fall ist.

 

Wir setzen unseren Weg fort und gelangen zur Ghiann Re Vaddi. Hier steigen wir zum Fluss hinab und legen auf einem ausgewaschenen Felsen eine Rast ein. Von diesem Punkt wird der Pfad nun deutlichund steigt steil an. Immer wieder ist der felsige Pfad stark ausgesetzt und wir müssen höllisch aufpassen, da die Felsen glitschig sind und der Pfad unmittelbar neben uns senkrecht in die Schlucht abfällt. Wir können diese Tour aufgrund dieses Teilstücks nur absolut erfahrenen Wanderern empfehlen. Die Beschreibung im Rother Wanderführer sind unserer Erfahrung nach unzutreffend - eine Klassifizierung zu einer schwarzen Wanderung wäre mehr als angemessen, zumal wir in Internetforen gelesen haben, dass an dieser Stelle bereits Wanderer tödlich verunglückt sind. Oben kommen wir aus dem Wald heraus und stehen unmittelbar auf einer mit bunten Blumen übersäten Wiese, die zu einer rot leuchtenden Steilwand ansteigt. Tief unter uns rauscht der Fluss – eine wahrhaft großartige Kulisse!

 

Nochmals ist ein felsiger, auswärts führender schmaler Steig zu bewältigen und dann öffnet sich auch schon der Blick auf die mittelalterliche Brücke Ponte Magliano, zu der wir über eine felsige steile Rinne absteigen. Natürlich lassen wir es uns nicht entgehen, einmal über die historische Brücke zu wandeln, um tief hinab in die Calore Schlucht zu schauen. Direkt hinter der Brücke gabelt sich der Weg. Wir wählen den Weg nach rechts, da der im Rother Wanderführer beschriebene Weg nach links durch ein Stacheldrahtgatter versperrt ist. Der Weg beschreibt eine weite Linkskurve und endet nach einer Weile ebenfalls vor einem Gatter, das man jedoch bedenkenlos öffnen und durchschreiten kann. Eine ganze Weile geht es unspektakulär auf einem Schotterweg aufwärts, bis wir auf eine asphaltierte Straße treffen. Dieser folgen wir nach links und durchqueren Weinberge, andere Landwirtschaftsflächen sowie Olivenhaine, die übersäht sind von rot leuchtenden Blumenwiesen. Der Weg führt jetzt nur noch abwärts und wir sehen in der Ferne bereits den Einstieg in die Calore-Schlucht, zugleich unser Endpunkt. Nach 1:45 Stunden ab Ponte Magliano gerechnet erreichen wir erschöpft unseren Ausgangspunkt und verweilen noch eine Zeitlang auf einem idyllischen Bänkchen am Schluchteingang.



Auf gleichem Weg fahren wir zurück nach Stella Cilento und freuen uns auf unser Abendmenü, das wir uns heute redlich verdient haben! Das Menü besteht heute aus:


Antipasti: Salami, Formaggio und ein warmes Törtchen
Primo Piatto: Pasta mit Fasan-Sauce
Segundo Piatto: Gebackener Hähnchenschenkel mit Kartoffeln
Dulci: Honigmelone


25. Mai 2012
Am heutigen Tag holen wir die Besichtigung des mittelalterlichen Vorzeigestädtchens des Cilentos, Castellabate, nach. Wir parken das Auto am Ortseingang und schlendern hinauf zum Piazza Belvedere, von dem man einen tollen Blick über den Golf von Salerno genießen kann. Wie schon zuvor am Dom in Amalfi beobachtet, haben sich auch hier zwei Paare eingefunden, die an diesem besonders aussichtsreichen Ort kurz vor ihrer Hochzeit von einem mehr oder weniger professionellen Team Filmaufnahmen machen lassen. Die Szenerie wirkt grotesk bis kitschig: Der „Regisseur“ gibt zunächst den Paaren Anweisungen, wie sie sich vor dieser romantischen Kulisse bewegen, umarmen oder küssen sollen – dann fällt die „gedachte Klappe“ und das Paar spielt die vorgegebene Szene nach, ebenfalls mehr oder weniger professionell! Leicht kann man sich vorstellen, welches Niveau diese Filme später haben werden.


Auf der Spitze des Städtchens thront das Castello dell´Abarte, dessen Grundmauern aus dem 12. Jahrhundert stammen. Wir lassen uns ein wenig durch die malerischen kleinen Treppengässchen treiben, verweilen kurz auf dem Piazza 10 Ottobre 1123 (= Gründungsdatum des Städtchens). Auch die Basilica Santa Maria di Giulia scheint in die engen Gässchen „hinein gequetscht“ worden zu sein. Kein großzügiger Kirchplatz, nicht einmal ausreichend Raum, um das Gesamtensemble zusammen mit dem romanischen Kirchturm auf einem Foto zu verewigen, ist vorhanden. Wir haben Glück, denn die Kirche ist offen, so dass wir einen Blick hinein werfen können. Besonders prachtvoll ist der Seitenaltar, mit einer Kupferbüste unter einem farbenfrohen Gewölbe sowie ein altes Renaissance Altarbild des Erzengels Gabriel, der „Satan“, symbolisiert durch eine lasziv am Boden liegende, nackte Dame, mit einer Lanze durchbohrt – eine sicherlich interessante und mehrdeutige Symbolik!

Unterhalb von Castellabate liegen die zumindest in den Sommermonaten trubeligen Badeorte Santa Maria und San Marco.

 

Wir fahren nach San Marco und stellen unser Auto an einem kleinen Parkplatz südlich des Spiaggia Pozillos ab. Wir laufen den Strand in Richtung Santa Maria auf der Suche nach einem geöffneten Lido mit einem Restaurant. Ziemlich mittig zwischen San Marco befindet sich der Lido La Tartagura, der einzige Lido, der bereits geöffnet hat und zugleich der wohl ansprechendste am ganzen Strand. Besitzer Mauro heißt uns herzlich willkommen und zählt die derzeit möglichen Speisen auf. Wir entscheiden uns für Pasta mit Spargel bzw. mit Gambas, dazu gibt es ein Glas Vino Bianco und Wasser (zusammen 28,--€). Beide Gerichte sind vorzüglich. Mauro lädt uns dazu ein, den Nachmittag in seinem Lido zu verbringen und bereitet uns direkt zwei Liegen mit dem dazu gehörigen Sonnenschirm vor. Da der Lido eigentlich um diese Zeit noch nicht geöffnet hat, müssen wir nicht einmal eine Mietgebühr entrichten. Für uns eine Premiere: Erstmals verbringen wir einen Strandtag in einem italienischen Lido / Bagno!



Am späten Nachmittag laufen wir am Strand entlang bis nach Santa Maria. Man trifft am Ende des Spiaggio Pozillos direkt auf den Torre della Pagliarola aus dem 16. Jahrhundert, der direkt an den Palais Perotti anschließt. In dem Palais werden auch Appartements vermietet. Davor befindet sich der sehr schöne Stadtstrand Lungomare mit der Chiessa di Santa Maria a Mare und diversen alten Palazzi im Hintergrund. Wir kaufen in der Gelateria Baffo in der Nähe des Palais ein köstliches Eis, das wir am Strand genießen. Anschließend schlendern wir durch die gepflegte Fußgängerzone von Santa Maria und gelangen an die bildschöne Uferpromenade, ebenfalls umsäumt von alten Palazzi. Am alten Fischerhafen Porto delle Gatte ziehen gerade einige Fischerboote ihre Netze ein. Santa Maria ist um diese Jahreszeit ein wahrhaft idyllisches Plätzchen, an dem es sich aushalten lässt.
 

Beim Abendessen kommen wir mit zwei dänischen Paaren ins Gespräch und werden eingeladen, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Es entwickeln sich sehr interessante Gespräche und wir genießen den Abend in vollen Zügen. Besonders intensiv ist der Austausch mit einem der Paare. Kirsten ist professionelle Künstlerin, die sich insbesondere auf Reisen zu ihren Werken inspirieren lässt, Ole ist Ingenieur und arbeitet für die Firma Danfoss.


Das Menü besteht heute aus:

Antipasti: Salami, Formaggio und ein warmes Törtchen
Primo Piatto: Pasta mit Fasan-Sauce
Segundo Piatto: Gebackener Hähnchenschenkel mit Kartoffeln
Dulci: Honigmelone


26. Mai 2012
Leider verwöhnt uns das Wetter an unserem letzten Tag im Cilento zunächst nicht. Dennoch brechen wir zu einer letzten Wanderung auf. Wir wollen den Weg von San Marco über die Punta Licosa zur Marina d´Oligastro in Angriff nehmen (Rother Wanderung Nr. 36). Einen Parkplatz finden wir am Port di San Marco unterhalb des Hotels L´Approdo. Zunächst verharren wir noch einige Minuten im Auto, da es gerade wieder angefangen hat zu regnen. Schließlich raffen wir uns dennoch auf – was sollen uns diese paar Nieseltropfen schon anhaben! Oberhalb des Hotels beginnt eine kleine aufwärts führende asphaltierte Straße, Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung. Wir passieren einige schmucke Anwesen mit phantastischem Blick auf die Steilküste von San Marco und folgen dem Fahrweg, der mittlerweile zu einer Schotterstraße geworden ist, bis zur Punta Licosa, dem westlichsten Punkt des 
Cilentos. Auf der vorgelagerten kleinen Insel mit Leuchtturm hat der Legende nach die Sirene Licosa versucht, Odysseus zu betören. Er widerstand jedoch den Gesängen, in dem er sich an den Mast seines Schiffes binden ließ und seiner Besatzung die Ohren mit Wachs verschloss. Die verschmähte Sirene wählte daraufhin den Freitod!

An der Punta Licosa verwehrt ein protziges Anwesen mit eigener Kapelle und Weinberg den Weg. Wir müssen somit das Grundstück über eine geteerte Straße vor dem idyllischen B & B „Villa Leucosia“ umgehen. Entlang einer begrenzenden Steinmauer gelangen wir über einen Pfad zurück zur Küste. Hier beginnt der schönste Teil der Wanderung. Der schmale Pfad windet sich entlang der zerklüfteten Küste mal auf, mal ab, an einigen Stellen müssen wir auch in den benachbarten Pinienwald ausweichen, um unseren Weg fortzusetzen. Teilweise verliert sich der Pfad auch im dichten Gestrüpp und ist dann etwas unangenehm zu gehen. Einziges Manko an dem aussichtsreichen Pfad ist der angeschwemmte Müll, der das Gesamtambiente stört. Kurz vor der Marina d´Ogliastro versperrt ein Tor auf der parallel verlaufenden Asphaltstraße den Weg, was schon dazu geführt haben soll, dass Wanderern das Passieren verwehrt wurde. Hier ist es wohl in der Vergangenheit zu Rechtsstreitigkeiten gekommen, die scheinbar noch immer nicht ausgeräumt sind. Man kann jedoch die Konfrontation am Tor vermeiden, indem man an der Küste bis zu einem alten Torre geht, dann in Richtung des verfallenen Gutshauses, an dem man bequem über ein kleines Tor steigen kann, um die Straße zu erreichen.

Zwischen Marina d´Oligastro und San Marco pendelt ein Bus, mit dem wir zurück zum Ausgangspunkt fahren wollen. Da wir noch eine Stunde Zeit haben, schauen wir uns noch in Marina d´Oligastro um, einem sehr ruhigen kleinen Ferienort mit kleinem Strand. Die Busfahrt nach San Marco kostet ganze 1,20 €, die Haltestelle ist unmittelbar am Porto. Oberhalb des Hafens befindet sich die Bar Gelateria „Il Gabbiano“. Spezialität des Hauses und auch des gesamten Cilentos ist ein Gericht namens „L´Acquasale“, ein einfaches Gericht, das von Fischern auf See zubereitet wurde. Hartes Brot wird in Salzwasser eingeweicht (L´Acquasale). Dazu gibt man Tomaten, frischen Oregano und gutes Olivenöl – einfach aber extrem lecker!

Über den schönen Promenadenweg Il Grotto laufen wir bis nach Santa Maria und genießen am Strand noch ein herrliches Sonnenbad samt Erfrischung im Meer. Auf dem Rückweg durch San Marco stellen wir fest, dass der kleine Badeort durchaus seinen Charme hat und uns fast noch besser gefällt als das benachbarte Santa Maria, sicher im Sommer längst nicht so trubelig wie der bekanntere Nachbar und ausgestatte mit vielen kleinen netten B&B Pensionen, Hotels und Restaurants.


Wir verbringen das Abendessen erneut mit Kirsten und Ole und haben wieder anregende Gespräche. Es gibt zunächst als Antipasti Schinken, Käse und eine überbackene Aubergine, als Primo Piatto Pasta mit einer Fleischsauce, als Segundo Piatto eine für Italien ungewöhnlich üppige Grillplatte mit verschiedenen Fleischstücken - leider ist das Fleisch etwas trocken - sowie einem Bohnensalat und schließlich als Dulci eine Tarta aus Ricotta und Birnen.


 


< Amalfi                                                          Pompeij >



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