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Chimborazo

01. Mai 2018 – Von Chugchilán zum Chimborazo
Am Morgen ahnen wir noch nicht, dass uns ein echter Stresstag bevorsteht. Die Sonne lacht und es scheint ein richtig schöner Tag zu werden. Beim Frühstück beschließen wir, nochmals zum Quilotoa-Krater zu fahren, da das Licht heute sicher besser sein wird.

Am Mirador schießen wir einige Fotos und eine Timelapse von den schnell ziehenden Wolken über dem Krater. Unser Plan ist, uns mitten durch die Anden über kleine Passstraßen zum Chimborazo durchzuschlagen. Wir haben eine Route in unserem Garmin-GPS eingegeben. Bis Zumbahua ist die Straße sogar noch asphaltiert, danach beginnt eine gut zu befahrende Gravel-Road bis Angarmarca. Die Aussicht auf die grüne und hügelige Andenlandschaft ist grandios. Immer wieder durchfahren wir kleine Dörfer, in denen Indios uns freundlich zuwinken.


Bei einer kurzen Pause in Angamarca werde ich von einem Einheimischen angesprochen, der die Gopro auf unserer Kühlerhaube begutachtet, während Corinna in einem Mini-Lädchen Wasser, Kekse und Empanadas einkauft. „Nebenan sei ein kleiner Imbiss“, meint er, „und sein Kumpel könne uns „Pollo con Papas“ machen“! Es sei die letzte Chance, etwas zu essen, bis zum Chimborazo! Gesagt, getan - wir lassen uns darauf ein und sitzen wenig später in einem skurrilen, fast fensterlosen Raum mit drei Tischen und Holzbänken. Von Außen ist das „Lokal“ nicht als Imbiss auszumachen. Das versprochene Gericht kommt wie bestellt und wir zahlen am Ende zusammen mit je einem Glas Eistee 5 USD.



Nachdem wir den Ort verlassen haben, leitet uns das GPS auf eine abenteuerliche steile Bergpiste. „Solche Wege sollen wir rund 100 Kilometer bis zum Chimborazo fahren“, erkundigt sich Corinna und hinterfragt damit meine Routenplanung. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist, und so einigen wir uns auf eine Strecke über El Corazon, die zwar einen ziemlichen Umweg darstellt, aber sogar auf unserer Papierkarte verzeichnet ist.

Schon nach wenigen Kilometern stecken wir in dichtem Nebel, so dass aus unserer aussichtsreichen Fahrt durch die Anden nichts wird, im Gegenteil, die Fahrt erfordert höchste Konzentration und ist extrem anstrengend. Es geht zudem stetig bergab und schon bald haben wir eine Art Nebelwald-Vegetation auf unter 2.000 Höhenmetern um uns herum.


Bis El Corazon kommen wir dennoch halbwegs gut durch, müssen jetzt aber auf einen kleineren Bergpfad abbiegen in Richtung Facunda Vela, eigentlich auf meiner GPS-Karte eine nicht ganz so kleine Straße und sogar als dünner Strich auf unserer Papierkarte verzeichnet. Die Realität sieht jedoch anders aus und später werden wir resümieren, sich besser vorher immer bei Einheimischen nach dem Straßenzustand zu erkundigen. Der Pfad ist mehr und mehr überwachsen und nachdem wir ein Tal mit einem rauschenden Bach überquert haben, fahren wir auf eine extrem schmale Wegstelle zu, bei der rechts neben uns der senkrechte Abgrund klafft. „Augen zu und durch“, denke ich noch und versuche mich so weit wie möglich am Berg zu halten. Corinna schreit noch „Stopp, nicht weiter“, dabei hat sie allerdings mehr das Wegstück 100 Meter im Voraus fokussiert, während ich mich komplett darauf konzentriere, nicht zu nahe an den Abgrund zu geraten. Es knallt einmal laut und der linke Außenspiegel verabschiedet sich an einem Ast, dem ich an der Felswand zu nahe gekommen bin. Mit zitternden Knien schaue ich mir die Bescherung an. Der Spiegel hängt am seidenen Faden, aber erst jetzt sehe ich, was Corinna zu ihrem spontanen Schrei veranlasst hat: Der Pfad vor uns ist einfach nicht mehr vorhanden und ist von einem Erdrutsch in den gähnenden Abgrund gezogen worden. Nach kurzer Beratung der prekären Situation, beschließen wir, langsam rückwärts durch die schmale Passage zurück zu fahren, da es keinerlei Wendemöglichkeit gibt. Corinna steigt aus und dirigiert mich Meter für Meter und mit Schweißperlen auf der Stirn, stehen wir nach einigen Minuten wieder auf der „sicheren Seite“. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zurück nach El Corazon zu fahren und hier einen Plan B auszuarbeiten. Dieser Plan bedeutet letzendlich, in Richtung E 25 zu fahren und einen weiteren Umweg von ungefähr 200 Kilometern in Kauf zu nehmen. Wenigstens finden wir in El Corazon noch eine Tankstelle und stellen zufrieden fest, dass selbst die Zubringertraße zur E 25 gut ausgebaut und asphaltiert ist. Wir sind inzwischen auf 200 Metern Meereshöhe angelangt und die Außentemperatur beträgt tropische 31 °C! Nach weiteren 3 ½ Stunden Autofahrt durch die Dunkelheit und gut zu befahrende, aber kurvenreiche Passstraßen, erreichen wir schließlich um 21.30 Uhr die Chimborazo Lodge.

Kein Auto steht vor der Tür, kein einziges Licht brennt in der Lodge. Wir holen den Verwalter mit Hilfe einer Glocke aus dem Bett, erklären ihm unsere missliche Situation, und er bringt uns zu unserem Zimmer. Die ganze Lodge ist liebevoll mit alten Bergsteiger Utensilien dekoriert. Wir erhalten (als Deutsche) natürlich die „Reinhold Messner Suite“, für unseren Geschmack das beste Zimmer mit dem genialsten Blick in der gesamten Chimborazo Lodge. Es verfügt über zwei superbequeme Betten mit echten Federbettdecken und ein geradezu luxuriöses Badezimmer. Im Untergeschoss gibt es noch eine Art Wohnzimmer mit Panoramafenster, das auf den Chimborazo ausgerichtet ist. Alle Suite-Zimmer sind nach berühmten Bergsteigern benannt, nicht zuletzt weil sich die Lodge im Besitz des Bergsteigers Marco Cruz befindet. Mit einem Glas Rotwein beenden wir diesen Horrortag und beschließen, nicht weiter über unsere furchtbare Autofahrt nachzudenken.




02. Mai 2018 – Chimborazo
Wir erwachen am frühen Morgen und haben von der Lodge aus direkt den imposanten Berg vor Augen, dessen Spitze soeben von den ersten Sonnenstrahlen beschienen wird. Heute lassen wir es nach dem anstrengenden gestrigen Tag ruhiger angehen und frühstücken erst um 8 Uhr. Bei Tageslicht erkennt man die einfach atemberaubende und einzigartige Lage der Chimborazo Lodge.

Danach machen wir uns auf den Weg in Richtung Chimborazo Nationalpark. Zahlreiche Vikunjas grasen malerisch auf der steppengleichen, weitläufigen Hochebene, die man fast mit dem bolivianischen Altiplano vergleichen kann. Wir fühlen uns auch sehr stark an Wüsten-Landschaften in Namibia erinnert. Die wilden und feingliedrigen Vikunjas sind erst in den Achtziger Jahren aus Chile und Bolivien am Chimborazo wieder eingeführt worden, nachdem sie nahezu ausgerottet waren.





Am Eingang des Parks registrieren wir uns. Die Gravel-Road ist bei vorsichtiger Fahrweise auch mit 2x4 Fahrzeugen machbar. Nachdem wir dicke Nebelschichten durchstoßen haben, liegt der imposante Vulkan in voller Schönheit in gleißendem Sonnenlicht vor uns.


Im Prinzip ist der Chimborazo der höchste Berg der Welt, da er von allen Bergspitzen am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt liegt. Das liegt daran, dass der Erddurchmesser am Äquator größer ist als am Mount Everest, dem eigentlichen höchsten Berg der Erde. Den Ecuadorianern bedeutet der Chimborazo eine ganze Menge, nicht umsonst haben sie seine Silhouette auf ihr Wappen verweigt.


In Serpentinen bewegen wir uns langsam aufwärts bis zum Parkplatz beim Refugio Carrel, das auf 4.800 Metern Höhe liegt. Wir haben morgens noch einen Coca-Tee getrunken, eine kleine Hilfe gegen Symptome der Höhenkrankheit. Ein schmaler Pfad windet sich mit mäßiger Steigung hinauf zum Refugio Whymper, benannt nach dem gleichnamigen Bergsteiger, der den Chimborazo als erster Mensch bezwungen hat. Corinna geht es nach dem gestrigen Tag unterwegs nicht so gut, und sie klagt über beginnende Kopfschmerzen. Daher setze ich alleine den Weg fort. Schritt für Schritt komme ich dem Ziel auf 5.000 Metern näher. Mir geht es dabei überraschend gut, was ich nicht erwartet hätte. Oben an der Hütte werden natürlich die obligatorischen Beweisfotos vor dem Schild des Refugios geschossen. Noch nie habe ich in meinem Leben in einer Höhe von über 5.000 Metern gestanden!

Nach einer kurzen Pause mache ich mich an den Abstieg und siehe da, nach der ersten Serpentine kommt mir Corinna langsam aber sicheren Schrittes entgegen. Diese Schmach wollte sie dann doch nicht auf sich nehmen, den Aufstieg nicht geschafft zu haben. Langsamen Schrittes hat auch sie sich den Berg hochgequält – ich begleite sie natürlich noch einmal zurück zur Whymper-Hütte, um auch noch ein gemeinsames Foto von unserem „Triumph“ zu schießen. Ein kleines bisschen stolz sind wir schon, den Weg geschafft zu haben.


Nach dem Abstieg, der natürlich vergleichsweise einfach ist, essen wir im Refugio Carrel eine leckere Gemüsesuppe und trinken dazu einen Coca-Tee. Auf dem Rückweg fahren wir mitten durch die trockene, aber wunderschöne Hochebene in Richtung Bosque de Polylepis. Die Wanderung zum Bosque, die laut Hinweistafel drei Stunden hin und zurück dauern soll, ersparen wir uns allerdings, es soll allerdings sehr lohnenswert sein. Unter anderem kann man dort endemische Kolibris beobachten.

Am Nachmittag genießen wir die berauschende Stille in unserer Lodge. Die Sonne meint es noch einmal richtig gut und auch der Chimborazo lässt sich zwischen den Wolken hier und da noch einmal blicken. Ansonsten regenerieren wir eine ganze Weile in unserem traumhaften und aussichtsreichen Zimmer. Das Mondlicht legt gegen Abend ein magisches Licht über die Lodge und beleuchtet die weiße Kuppe des Chimborazos.




03. Mai 2018 – Vom Chimborazo nach Guayaquil
Was für ein Abschied vom Wahrzeichen Ecuadors: Der Chimborazo präsentiert sich für uns früh morgens noch einmal in seiner vollsten Schönheit. Angestrahlt vom Morgenlicht wirkt er von unserem Panoramafenster aus geradeso, als könne man ihn auf einem kleinen morgendlichen Spaziergang bezwingen!



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