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Umfolozi Park 2

30.10.2012
Zum Frühstück gibt es erst einmal einen heißen Nescafe, hmmmm... wie lecker! Das Wasser dazu wird natürlich auf dem Campfire erhitzt. Sicelo erkennt die missliche Situation, in der sich insbesondere Corinna mit ihrem nassen Schlafsack befindet und schlägt vor, die nassen Schlafsäcke zunächst einmal im Camp zum Trocknen aufzuhängen. „Falls im Laufe des Tages die Sonne herauskommt und die Schlafsäcke abends trocken sind“, schlägt er vor, „verbringen wir eine weitere Nacht im selben Camp, falls nicht, kehren wir abends zurück ins Mndindini Bushcamp und schlafen in den Safari Tents“. Alle Teilnehmer sind mit diesem Vorschlag einverstanden – niemand hat offenbar große Lust, eine weitere Nacht bei Unwetter hier draußen zu verbringen.


So brechen wir vom Lager aus auf und lassen Sack und Pack zurück im Camp. Während unseres heutigen Bushwalks gibt uns Sicelo einige Einblicke in die Zulu Kultur. Für immer wird uns seine spannende Erzählung rund um ein Ritual der Zulus haften bleiben, wenn ein Mensch fern der Heimat stirbt. Die Angehörigen brechen dann ein Stück des legendären Umphafa Baumes
(= Buffalo Thorn Tree) ab, den die Zulus mit der Geisterwelt in Verbindung bringen.  Mit Hilfe des Zweiges holen sie die Seele des Verstorbenen  heim. Der Umphafa Baum, der im Busch überall zu finden ist, verfügt über Dornen, die sowohl zum Himmel als auch zur Erde weisen – ein Symbol gleichermaßen für Leben und Tod. Wenn der Angehörige in einem fremden Land gestorben ist, fahren sie zu dem Leichnam, kaufen ein Flugticket auch für ihn und sagen zu dem Verstorbenen: „Steig ein, Freund, bleib nicht zurück, ich bin gekommen, dich heim zu holen.“ Der Zweig belegt während des Fluges den Platz im Flugzeug. Das Ganze wiederholt sich auf dem Weg in die Heimat solange, bis der Angehörige mit seiner Seele zu Hause angekommen ist. Die Art und Weise, wie Sicelo von diesem Ritual erzählt, ist so bewegend, dass einigen Teilnehmern die Tränen in den Augen stehen. Er berichtet auch davon, dass viele Zulus bei der teilweise kompromisslosen Christianisierung und Missionarisierung in ihrer religiösen Kultur ziemlich verunsichert worden sind und dabei ein Stück weit ihre Orientierung verloren haben – wieder einmal kein Ruhmeskapitel für die christlichen Kirchen und das Selbstverständnis westlicher Kulturen, die wie selbstverständlich die eigenen Lebensphilosophien und -weisheiten für die einzig reichtigen halten und sie anderen Kulturen aufzwängen - sicher in den meisten Fällen nicht die beste Lösung! 

Auf einem Hochplateau, auf das wir nach einiger Zeit stoßen, befand sich vor 200 Jahren ein altes Homestead. Sicelo zeigt uns Artefakte aus dieser Zeit, die überall verstreut herumliegen, zum Beispiel Keramikstücke, die auf einer Seite durch die Feuerstelle deutlich verrußt sind oder geschliffene Steine, die als Klingen eingesetzt wurden. Der berühmte Zulu König Shaka hat alle Bewohner damals vertrieben, da er das Hochplateau als Jagdrevier beanspruchte. Lediglich die Zunft der Schmiede durfte bleiben und musste für die Anfertigung der Jagdwaffen sorgen.


Im dichten Busch sichtet Sicelo plötzlich ein White Rhino. Er weist uns an, auf schnellstem Wege hinter einem Busch zu verschwinden. Rhinos können ebenso wie Elefanten schlecht sehen, aber hervorragend riechen. Daher ist es bei diesen Tieren immer extrem wichtig, sich gegen den Wind zu nähern. Wenn man sich sehr leise anschleicht, kann man dann den Tieren recht nahe kommen. Die Rhinos scheinen uns bemerkt zu haben, zumal wir mit dem Wind gelaufen sind, denn sie verschwinden wie aus dem Nichts im Busch. Es ist immer wieder höchst erstaunlich, wie lautlos sich diese Kolosse im scheinbar undurchdringlichen Dickicht bewegen.

Das Laufen durch den Busch hinterlässt zahlreiche Spuren an unseren Beinen. Viele Büsche und Sträucher sind bewehrt mit spitzen Stacheln und Dornen. Sie schützen sich damit vor Fressfeinden, zum Beispiel Giraffen, die mit ihren empfindlichen Zungen beim Blätter abfressen an die Stacheln geraten und von dem entsprechenden Strauch ablassen. Einer der häufig zu findenden, stacheligen Büsche trägt den treffenden Namen "Wait-a-bit-Bush". Die Dornen dieser Akazienart sind mit Widerhaken ausgestattet, die sich bei Berührung in Stoff und Haut bohren und so den Wanderer zu einer kurzen Pause zwingen.

Wir kommen erneut an den Fluss und sichten unten auf einer Sandbank ein großes Krokodil. Sicelo berichtet von einem Trail, bei dem eine Teilnehmerin bei der Flussüberquerung auf den Schwanz eines Krokodils getreten ist. Das Krokodil schoss vor Schreck aus dem Wasser, machte mehr oder weniger einen Überschlag und schlug rücklings auf der Wasseroberfläche auf. Der begleitende Ranger legte bereits das Gewehr an, um das Ungetüm zu erschießen, doch Teilnehmerin schrie nur, „nicht schießen, es hat mich doch gar nicht gebissen“! Unbeschadet gelang die Teilnehmerin ans Ufer und auch das Krokodil kam mit dem Schrecken davon. Eine auch für Sicelo bemerkenswerte Anekdote aus seinem erlebnisreichen Rangerleben.

Bei einem seiner Freunde ist die Begegnung mit einem Krokodil deutlich schmerzhafter ausgegangen. Bei einer Flussüberquerung schnappte ein ungefähr zwei Meter langes Krokodil nach seinem Fuß und das Tier begann damit, sein Opfer mit großer Kraft ins tiefere Wasser zu ziehen. Krokodile pflegen ihre Opfer auf diese Weise zu ertränken! Der Freund trat mit dem freien Fuß gegen den Kopf des Krokodils, mit dem Ergebnis, dass das Krokodil vom einem Fuß abließ und nach dem anderen schnappte. Mit Hilfe von Begleitern gelang es im letzten Moment, das bedauernswerte Opfer ans Ufer zu ziehen. Er zog sich erheblich Verletzungen an beiden Beinen zu. Die Erzählungen machen so richtig Mut für die bevorstehenden Überquerungen des Flusses!


Den ganzen Tag ist es heute trocken geblieben, wenn sich auch die Sonne kaum einmal gezeigt hat. Die Chance, unsere im Camp aufgehängten Schlafsäcke in getrocknetem Zustand vorzufinden, so dass wir eine weitere Nacht hier draußen verbringen können, ist somit äußerst gering. Unsere Hoffnungen schwinden gänzlich, als am Horizont erneut ein heftiges Gewitter aufzieht. Noch haben wir bis zu unserem Basislager einen längeren Fußmarsch hinter uns zu bringen. Es sieht nicht so aus, dass wir unser Ziel noch trockenen Fußes erreichen. Über uns braut sich erneut ein heftiger Thunderstorm zusammen. Die Gewitter im afrikanischen Busch sind furchteinflößend, so dass man meinen könnte, das Ende der Welt naht. Gleißend helle Blitze tosen im Wechsel mit krachenden Donnerschlägen rings um uns herum. Lehrt man in Deutschland nicht schon den jüngsten Schülern, dass man bei Gewitter den Unterstand unter Bäumen dringend vermeiden soll? Leichter gesagt als getan, wenn im Umkreis der nächsten Kilometer nichts als Bäume und Sträucher zu finden ist! Wie bereits gestern Nacht zieht das Gewitter schließlich weiter und der Himmel öffnet erneut alle Schleusen. Unsere Regencapes halten uns einigermaßen trocken. Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch im Starkregen erreichen wir endlich unserer Camp und brechen es in Windeseile ab. Wir haben noch ein gutes Stück Wegstrecke vor uns, denn wir müssen das Mndindini Bushcamp vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.

Der Schlafsack und auch andere Dinge in unserem Rucksack haben sich vollgesogen mit Wasser und wiegen jetzt dreimal so viel wie zuvor. Bei diesem permanenten Regen ist es unglaublich schwierig, Fotos zu schießen, da man ununterbrochen damit beschäftigt ist, seine Kamera vor Feuchtigkeit zu schützen.

Auf dem Rückweg müssen wir zweimal den Fluss überqueren. Die Alternative wäre, entlang der ausladenden Flussschleife zu laufen, dann würden wir es aber im Hellen nicht mehr bis ins Camp schaffen. Unten am Fluss, exakt an der Stelle, wo wir gestern Abend noch gebadet haben, sind frische Löwenspuren auszumachen, die mit ziemlich großer Sicherheit von heute Morgen stammen. Die Löwen haben sich also während unseres Frühstücks keine fünfzig Meter von uns entfernt aufgehalten! Löwen fürchten sich im Übrigen ebenfalls sehr vor Krokodilen und versuchen Flussüberquerungen tunlichst zu vermeiden. Haben die Tiere den Fluss tatsächlich überquert? Die Antwort werden wir spätestens auf der anderen Uferseite erhalten.

Dieses Mal ziehen wir unsere Hiking Boots erst gar nicht aus – sie sind ohnehin klatschnass. Wir bleiben dicht beieinander und suchen nach Passagen im Wasser, die möglichst nicht so tief sind. Am anderen Flussufer finden wir tatsächlich erneut die Löwenspuren – sie haben also tatsächlich die Überquerung des Flusses gewagt. Alle Tiere haben sich während des Gewitters Schutz im dichten Dickicht gesucht, so dass wir bei unserem Weg zurück zum Camp kaum etwas sichten. Auch die zweite Flussüberquerung verläuft reibungslos und wir erreichen schließlich das Mndindini Bushcamp kurz nach Sonnenuntergang. Alles in Allem waren wir heute mindestens neun Stunden auf den Beinen, davon eine gutes Stück mit der schweren Last des vollgesogenen Gepäcks – dementsprechend kaputt sind alle Teilnehmer!
 

Im Camp hängen wir erst einmal unsere nassen Sachen zum Trocknen auf. Die heiße Dusche ist eine echte Wohltat, ebenso der heiße Tee, den wir anschließend genießen. Da der Regen mehr oder weniger unsere sämtlichen Klamotten aufgeweicht hat, bin ich heil froh, dass mir Tor eine warme lange Hose leihen kann, Keara kann Corinna zudem für den kühleren Abend eine Fleecejacke überlassen.

Das Abendessen müssen wir aus den Beständen des Trails zaubern, Köchin Constance ist für heute ja nicht eingeplant gewesen und bringt erst morgen wieder neue Lebensmittel ins Camp. Es gibt Chakalaka mit Reis, wir trinken noch gemeinsam eine Flasche Wein und genießen dann das herrlich warme und vor allem trockene Bett in unserem Safari Tent.


 

31.10.2012
Diese Nacht war nach der anstrengenden vorherigen geradezu himmlisch! Gleich nach dem Morgengrauen (gegen 5.30 Uhr) werden wir von Sicelo geweckt. Zum Frühstück gibt es Müsli und Nescafe und sogleich geht es wieder auf in den Busch. Die Hiking Boots sind erwartungsgemäß über Nacht nicht wesentlich getrocknet, so dass wir auch am heutigen Tag mit nassen Schuhen vorlieb nehmen müssen. Es weht ein starker Südwind und Sicelo orakelt, dass dies kein gutes Zeichen sei. Südwind bringen oft heftigen Regen vom Meer mit. So startet der Morgen dann auch durchwachsen, mit Sonne und kurzen Schauern im Wechsel.

Für Tiersichtungen steht der Wind hingegen günstig, da er uns entgegen bläst und wir somit nicht gewittert werden können. Zunächst läuft uns einer Pavianherde über den Weg, die ihre morgendliche Runde dreht. Kurze Zeit darauf haben wir erneut eine hautnahe Begegnung mit zwei White Rhinos, die jedoch umgehend das Weite suchen, als wir uns nähern. Zwei größere Elefantenbullen entdecken wir erst aufgrund knackender Äste, als wir uns ihnen schon auf wenige Schritte genähert haben.

Sie lassen sich aber glücklicherweise nicht von uns stören und setzen ihr Frühstück ungerührt fort. Dennoch müssen wir auf schnellstem Wege unsere Position ändern, damit die Tiere uns nicht wittern. Wir schleichen uns gegen den Wind auf dreißig Meter heran an die mächtigen Tiere. Bei Elefantenbeobachtungen ist höchste Vorsicht geboten, sie können sehr ungemütlich werden, wenn sie sich gestört fühlen. Sicelo flüstert uns noch einmal exakte Anweisungen zu, wie wir uns im Fall der Fälle verhalten sollen.

Gegen Mittag wird das Wetter immer sonniger und die Regenschauer hören endlich auf. Wir gelangen zu einer Lichtung auf der anderen Seite eines seichten Taleinschnittes. Dort hatten wir zuvor mit dem
Fernglas zahlreiche Giraffen und auch White Rhinos ausgemacht.

Kurze Zeit später entdecken wir sie hundert Meter vor uns friedlich grasend. Es handelt sich um ein Muttertier mit einem jugendlichen Jungtier und einem Kalb. Unfassbar, dass die Tiere uns nicht wahrnehmen, obwohl wir ohne jegliche Deckung keine dreißig Meter entfernt sind! Mindestens eine viertel Stunde kauern wir uns ins Gras und beobachten fasziniert die grasenden Rhinos. Irgendetwas scheint das Kalb plötzlich misstrauisch zu machen, denn es läuft einige Schritte auf uns zu, bremst aber sogleich wieder ab. Sicelo ordnet den sofortigen Rückzug hinter einen Strauch an. Nashörner können ebenfalls überaus gefährlich werden und Weglaufen nutzt dann auch nicht mehr viel, da die monströsen Tiere vierzig Stundenkilometer schnell werden können. Einzige Rettung ist dann das sofortige Aufsuchen eines Baumes! Soweit kommt es heute aber glücklicherweise nicht, das Jungtier beruhigt sich schnell wieder und setzt sein friedliches Grasen fort.



Im Gegensatz zu den Rhinos können Giraffen hervorragend sehen. Häufig sieht man andere Tiere in der Nähe von Giraffen, da diese aufgrund ihrer Körpergröße von bis zu fünf Metern die gesamte Savanne überblicken und somit perfekte Wächter sind. Wir beobachten sie eine Weile, aber sie haben uns längst bemerkt, werden nervös und galoppieren schließlich davon! Für uns ist eine galoppierende Giraffe eines der wundervollsten Bilder Afrikas überhaupt!



Unsere Mittagspause verbringen wir auf einer aussichtsreichen Ebene mit herrlichem Blick auf die afrikanische Savanne. Das Grün ist noch sehr frisch, da die Regenzeit und somit der afrikanische Sommer gerade erst begonnen hat. Noch vor wenigen Wochen war es an dieser Stelle ausgedörrt und die Landschaft ringsum karg und braun. Wir breiten die Reste unseres Proviants auf einem Felsen aus, Äpfel, Nüsse, einen Rest Salami, Weißbrot, Erdnussbutter und einige getrocknete Aprikosen und verspeisen diese genüsslich. Auf dem Rückweg zum Camp treffen wir noch auf zahlreiche weitere Tiere. Ein überaus erfolgreicher und erlebnisreicher Tag neigt sich dem Ende zu.

Constance hat für uns abends ein Bushbread gebacken, ein quadratisches großes Weißbrot, das aus einem Teig mit Mehl, Hefe, Buttermilch, Cheddar Käse, Salz und Zucker hergestellt wird. Dazu gibt es Aprikosenmarmelade und heißen Tee. Freundlich geht der Tag zu Ende, die Abendsonne taucht den vor uns liegenden White Umfolozi River in ein warmes, pastelliges Licht.

Das Campfire wird entfacht und Mphile hat endlich einmal die Gelegenheit, aus ihrem Leben zu erzählen. Wir haben das Gefühl, das sie sich in Anwesenheit von Sicelo sehr stark zurückhält bzw. zurückhalten muss! Ihr Vater hat die Familie verlassen und ist zu seiner zweiten Frau gezogen. Mphile muss nunmehr für den Lebensunterhalt der ganzen Familie sorgen, auch für die Kosten des Studiums ihrer beiden jüngeren Schwestern. Sie berichtet stolz, wie schlau ihre beiden Schwestern sind! In ihrem Dorf, das ungefähr zwanzig Kilometer vom Hluhluwe Park Gate entfernt liegt, gibt es bis heute keinen Strom und kein fließendes Wasser. Es gibt in dem Familienclan noch ein traditionelles Rondavell, in dem am Abend ein Feuer entfacht wird und sich die ganze Familie trifft. Die anderen Hütten zum Schlafen sind rund um das Rondavell angeordnet und unbeheizt.

Die Regierung um ANC-Päsident Zuma hat angekündigt, das allen Menschen in Südafrika in absehbarer Zeit der Zugang zu Strom und Wasser eingerichtet werden soll. Die Realität sieht leider anders aus: Zuma steht in den südafrikanischen Medien schwer unter Beschuss, da er nicht nur fünf Frauen und mehr als 40 Kinder hat, sondern auch jüngst Steuergelder in Höhe von rund 300 Millionen Rand in den luxuriösen Ausbau seiner privaten Residenz verpulvert hat. Dieses Geld wäre als Investition in die Infrastruktur des Landes sicherlich deutlich besser angelegt gewesen! Der größte Teil der schwarzen Bevölkerung hofft nun inständig, dass bei der nächsten internen Wahl des ANC Zuma als Parteivorsitzender abgelöst wird, andernfalls hätte man bei den kommenden Regierungswahlen die Wahl zwischen Pest und Cholera: Auf der einen Seite hat die schwarze Bevölkerung berechtigte Angst vor der Machtergreifung einer Partei, die von Weißen beherrscht wird, die unter Umständen das Land in eine neue Form der Apartheit zurückführen könnte. Auf der anderen Seite möchte die Bevölkerung aber auch keine ANC mit dem korupten Zuma an der Spitze. Die ANC ist die von Ex-Präsident Nelson Mandela gegründete Partei, die vor noch nicht allzu langer Zeit im Jahr 1994 die Apartheit abgeschafft hat.



Constance hat ein wunderbares Abendessen zubereitet mit gebratenem Rindfleisch und Wurst, Baked Beans, Zwiebeln, Maismehl sowie Salat. Wir teilen uns mit den anderen Teilnehmern unsere letzte Flasche Wein – die Ranger trinken während des gesamten Aufenthaltes in der Wildnis, also auch hier im Base Camp, keinen Tropfen Alkohol, da sie für unsere Sicherheit zuständig sind.

Sicelo erzählt am Campfire von einer früheren Begegnung mit Löwen im Mndindini Camp. Als er mit einer Gruppe hier übernachtete, haben sieben Löwen in der Nähe des Camps ein Gnu gerissen und dann in den frühen Morgenstunden unmittelbar vor den Zelten genüsslich verspeist! Die Teilnehmer mussten in ihren Zelten solange ausharren, bis die Löwen ihr „Frühstück“ beendet hatten und weiterzogen! Man vergisst nach einigen Tagen sehr schnell, dass sich auch das Mndindini Camp letztlich mitten in der Wildnis befindet und Begegnungen mit wilden Tieren jederzeit möglich sind!

Es entwickelt sich ein überaus unterhaltsamer Abend mit interessanten Gesprächen. Keara berichtet von ihrer Zeit als Studentin, in der sie in Heidelberg als Zimmermädchen arbeitete. Befremdlich waren für sie als Irin viele „deutsche Gewohnheiten“, wie zum Beispiel die Ausstattung von Doppelbetten mit zwei verschiedenen Bettdecken oder aber das morgendliche Heraushängen von Bettdecken aus Fenstern zum Lüften! Die Krönung sei aber ihre erste Begegnung mit einer Kuckucksuhr gewesen, die sie später als Souvenir mit nach Hause genommen hat und vermutlich zu der Zeit die einzige Kuckucksuhr in ganz Irland gewesen ist! Sicelo hört den Schilderungen ganz genau zu und fragt mehrfach amüsiert nach, hört er heute doch zum ersten Mal in seinem Leben von einer Kuckucksuhr!


Außerdem gibt uns Keara noch einen tollen Musiktipp für Südafrika von einem Sänger namens Rodriguez. Dieser hatte Südafrika in den 70er Jahren verlassen und sich in den USA mehr schlecht als recht und ohne jeglichen Erfolg durchgeschlagen. In der Zwischenzeit wurde seine Musik jedoch in seinem Heimatland äußerst populär und erzielte Spitzenplätze in den heimischen Charts. Rodriguez bekam hiervon allerdings in den Staaten nichts mit, da das Management ihm den Erfolg verheimlichte und die satten Gewinne selbst einstrich. Die Geschichte wurde dann zu einem Märchen, als der Sänger nach vielen Jahren völlig verarmt sein Heimatland besuchte. Er wurde schließlich auf der Straße erkannt, zahlreiche Menschen wollten Autogramme, was ihn unglaublich verwundert. Er wusste nach wie vor nichts von seiner immensen Popularität in Südafrika. So wurde ihm letztlich doch noch der verdiente Lohn seiner Arbeit zu Teil und er feierte anschließend unglaubliche Erfolge mit seiner Musik. Das sehr empfehlenswerte Werk "Searching for Sugarman" kann hier direkt über Amazon bestellt werden.


1.11.2012
Sicelo hat uns für heute Morgen noch einen kleine Walk angeboten, was alle Teilnehmer begeistert annehmen. So kriechen wir erneut in aller Herrgotsfrühe aus den Federn und nehmen ein erstes kleines Frühstück ein. Heute haben wir nicht so viel Glück mit unseren Tierbeobachtungen wie am Vortag, dennoch werden Walks mit Sicelo nie langweilig. Seine Erklärungen zu den kleinen Dingen des Busches sind ebenso spannend, wie die über Krokodile, Elefanten oder Löwen! Ein „Millepiet“ (Tausendfüßler) kreuzt unseren Weg und er erläutert, dass diese kleine Kreatur eine ausgeklügelte Verteidigungsstrategie entwickelt hat. Zum Weglaufen vor Fressfeinden ist er viel zu langsam, daher imitiert er zunächst die schlängelnde Bewegung einer Schlange, um seine Feinde zu irritieren. Danach stößt er Sekrete aus, zunächst ein stinkendes in der Nähe seines Kopfes. Wenn der Fressfeind dann noch nicht immer nicht von ihm ablässt, hüllt er seinen kompletten Körper mit einem weiteren übel schmeckenden Sekret ein. Dies sollte seinem Gegner endgültig den Appetit verderben! Abermals eine faszinierende Verteidigungsstrategie einer ansonsten wehrlosen Kreatur!

Das Symbol Afrikas ist die Schirmakazie. Als wir an einem dieser schattenspendenden Bäume vorbeikommen, erzählt Sicelo, dass ein solcher Baum sein Leben entscheidend beeinflusst hat. In mitten des Dorfes, in dem er aufgewachsen ist, stand eine riesige prachtvolle Schirmakazie. Hier saßen die Kinder nach der Schule zusammen und erzählten sich gegenseitig Geschichten. Eines Tages begannen andere Jugendliche, den Baum abzusägen, um daraus Zäune für ihre Gemüsegärten zu bauen. Sicelo und andere Kinder stürzten hinzu und versuchten die Jugendlichen davon abzuhalten, jedoch zu spät: Der Baum war nicht mehr zu retten. Er war damals neun Jahre alt und hat den ganzen Tag über geweint. Das war genau der Tag, an dem er beschloss, ein Ranger zu werden und die Natur zu schützen und sie anderen Menschen zugänglich zu machen.


An einem Wasserloch gibt uns Sicelo noch einmal die Gelegenheit zur Besinnung auf die vielfältigen Erlebnisse der letzten Tage hier draußen im Busch. Wir sitzen unter einem Marula Tree (Sclerocarya Birrea), aus dessen Früchten das südafrikanische Nationalgetränk Amarula hergestellt wird, ein Creme-Likör, der so ähnlich wie Baileys schmeckt.

Weißstirnspint (White-fronted Bee-Eater)

Überall schwirren bunte bunte Bienenfresser (Bee-Eater) emsig von Baum zu Baum, während uns ein beeindruckend getarnter Agame misstrauisch von einem Baum aus beäugt.

In diesem Moment werden wir regelrecht andächtig und auch ziemlich wehmütig, wird doch allen Teilnehmern klar, dass das Ende unseres kleinen Abenteuers naht. Sicelo erzählt uns, dass dies sein Lieblingsplatz im Umfolozi Park sei und er hierher häufig mit seiner Frau kommt, um die Stille, Einsamkeit und die Natur mit allen Sinnen bei einer guten Flasche Wein zu genießen. Er liest uns einen Codex von Jeff Watson vor, der von der Erhaltung und Schutz des Wildlifes und der Natur im afrikanischen Busch handelt. Es ist ein wahrhaft ein bewegender und sehr emotionaler Moment.

Zurück im Camp beginnen wir damit, unser Safari Tent aufzuräumen, unsere Betten abzuziehen und schmeißen das geliehene Equipment auf Sicelos Pick Up. Im Mpila Camp werden die Sachen für die nächsten Teilnehmer eines Trails gereinigt. Es wird noch ein Abschiedsfoto geschossen und dann zieht ein Jedermann seines Weges.


Wir wollen noch den Rest des Tages im Umfolozi Park verbingen. Vom Mpila Camp aus fahren wir in Richtung des Black Umfolozi Rivers. Wir beobachten aus nächster Nähe eine Gruppe von Impalas, die immer wieder sehr fotogen sind. Mehrere Rotschnabelmadenhacker tanzen den Impalas auf den Köpfen herum. Diese kleinen Vögel bilden eine nützliche Symbiose mit vielen Säugetieren, indem sie zum einen nach Zecken und Fliegenlarven vom Fell der Wirtstiere aufpicken, zum anderen aber auch vor Räubern warnen, indem sie schrille Warnrufe ausstoßen, wenn Feinde in Sicht kommt. Später beobachten wir diese Vögel auch noch auf Giraffen und Nashörnern.

Rotschnabel-Madenhacker (Red-billed Ocpecker) auf Impala-Männchen

Bei unserer Rundfahrt treffen wir im weiteren Verlauf noch auf Warthogs (das Warzenschwein, das eine gewisse Berühmtheit im Film "König der Löwen" mit der Figur "Pumbas" erlangt hat), White Rhinos und Elefanten und stellen schnell fest, dass die Tiere merkwürdigerweise von Menschen, die in Autos sitzen, kaum Notiz nehmen und diese sehr nah an sich heranlassen. Nach den fünf Tagen im Busch, in denen wir ausschließlich zu Fuß unterwegs waren, stellen wir auf der anderen Seite aber auch schnell fest, dass Tierbeobachtungen aus dem Auto heraus nicht annähernd so eindrucksvoll sind. Beispielsweise gehen die meisten Geräusche des Busches bei einer Auto Safari unter und zudem rauschen viele Dinge aufgrund der höheren Geschwindigkeit ungesehen an einem vorbei. Auch entdecken wir noch zahlreiche bunte Vögel, wie zum Beispiel den Wiedehopf mit seiner auffäliigen Haube.

Bei der Ausfahrt aus dem Park haben wir dann endlich unsere erste Begegnung mit einem Raubtier. Am Wegesrand haben sich sieben Löwen zur Nachtruhe eingefunden. Auch ein männliches Tier, erkennbar an der markanten Mähne, befindet sich unter ihnen. Leider ist es schon so spät, so dass wir nicht sehr lange die Löwenfamilie beobachten können, wollen wir doch die Rückfahrt nach St. Lucia noch im Hellen hinter uns bringen.

Im Santa Lucia Gusthouse werden wir herzlich von Rika und Francoise empfangen. Wir beziehen ein anderes Zimmer als noch vor einigen Tagen, als wir das Santa Lucia Guesthouse als Ausgangsstation für den Besuch im Umfolozi Park genutzt haben, auch um einen Teil unseres Gepäcks hier deponieren zu können. Dieses wartet bereits auf uns in unserem neuen Zimmer. Wir nehmen eine herrlich heiße Dusche und spülen gründlich den Dreck der letzten fünf Tage herunter.

Unsere Gastgeber werden morgen in aller Herrgottsfrühe zu einer Hochzeitsfeier nach Kapstadt fahren, insofern verabschieden sie sich am Abend in der „guten Stube“ von uns bei einem Glas Weißwein. Wir berichten ihnen noch eine Weile von unseren Abenteuern im Umfolozi und begeben uns dann in ein Restaurant, um unser Dinner einzunehmen. Unsere Wahl fällt dieses Mal auf das Reef & Dune. Wir bestellen eine Butternut Soup (30 Rand) und ein großes T-Bone Steak (90 Rand) und sind mit unserer Wahl und der zuvorkommenden Bedienung hoch zufrieden.

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