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Tortuguero

23. April 2011
Um 5.45 Uhr brechen wir auf zur Bushaltestelle in Puerto Viejo. Das erste Mal in diesem Urlaub überkommt uns kein wehmütiges Gefühl bei der Abreise. Weder das Blue Conga Hotel noch der Ort Puerto Viejo werden uns als unsere persönlichen Highlight in Erinnerung bleiben. Ehrlicherweise muss hinzugefügt werden, dass die Osterwoche sicherlich nicht für Puerto Viejo repräsentativ ist. Zu anderen Zeiten sieht es hier sicher deutlich beschaulicher aus. Der Bus ist pünktlich – anders haben wir das in Costa Rica niemals erlebt. Die 1,5 stündige Fahrt in dem unkomfortablen „Nahverkehrsbus“ schüttelt uns kräftig durch. Um kurz vor 8 Uhr rollt der Bus am Busterminal in Limon ein. Wir sind noch nicht ausgestiegen, da werden wir auch schon von einem Taxifahrer angesprochen. Offenbar sieht man es uns an der Nasenspitze an, dass wir zum Hafen von Moin wollen, dem Anleger aller Boote nach Tortuguero. Da wir offenbar etwas misstrauisch wirken, fügt der farbige Taxifahrer hinzu: „Don´t be afraid, I´m a good guy“! Also handeln wir mit ihm den Preis für die Fahrt aus, 2.000 Colones (3 €) pro Nase für die sieben Kilometer lange Fahrt. Er erzählt uns während der Fahrt einiges über Limon und zeigt uns das ehemalige Korallenriff von Limon, das vor einigen Jahren durch ein Erdbeben angehoben und dadurch zerstört wurde.

Am Anleger werden wir sofort bestürmt von diversen Wassertaxi-Betreibern, die uns nach Tortuguero befördern wollen. Wir lehnen dankend ab, denn Daryl, der Betreiber des Casa Marbella, hat für uns die Buchung bei Tropical Wind Boats vorgenommen.

Ein Mitarbeiter der Company nimmt unsere Daten inklusive der Passnummern auf, offenbar Vorschrift aufgrund der Nähe zur Grenze von Nicaragua. Auf den Kanälen kann auch die Grenze überfahren werden. Knapp zwei Stunden lang müssen wir nun die Zeit totschlagen, da das Boot erst um 10 Uhr abfährt. An einem kleinen Obststand erwerben wir eine Tüte voll geschälter Mangoscheiben, da wir keine Gelegenheit hatten, zu frühstücken – wir haben schon bessere Früchte in Costa Rica gegessen. Vor uns im Containerhafen liegt ein riesiges Schiff aus Nairobi, befüllt mit Hunderten von Containern. Ein großer Teil der Container hat als Bestimmungshafen Hamburg. Nach und nach trudelt eine Handvoll weiterer Fahrgäste an der Mole ein, die zumeist aber über einen anderes Bootstaxi gebucht haben. Die meisten von ihnen machen eine organisierte Tour mit einem „Rundumsorglos-Paket“, die von unzähligen Büros an der ganzen Karibikküste offeriert werden.

Um 10.15 Uhr starten wir mit einer kleinen Verspätung, da wir noch auf vier Fahrgäste warten müssen. In der ersten halben Stunde stoppt unser Bootsführer alle Nase lang, um uns das Wildlife rund um die Kanäle zu zeigen. Dieser erste Teil des Kanalsystems nordöstlich von Limon ist der einzige, der von Menschenhand gebaut wurde. Damit konnte nach dem Bau in den sechziger Jahren die gefahrvolle Fahrt über das offene Meer verhindert werden. Zwischen Moin und dem Beginn des Nationalparks Tortuguero kann man die Lebensweise der Einwohner beobachten. Hier wurde der größte Teil des ursprünglichen Regenwaldes gerodet. Unzählige Wasservögel, wie zum Beispiel diverse Reiherarten, Snow Egrets, Eisvögel, Königsseeschwalben, Anhingas, Kormorane, aber auch Habichte und Fledermäuse bekommen wir zu sehen.


Anhinga    /     Fledermäuse

 

Ringed Kingfisher     /       Black-collared Hawk


Königsseeschwalbe (Royal Tern)

An einer „Wassertankstelle“ im Kanal machen wir erst einmal einen Boxenstopp, um zu tanken. Später sichten wir auch ein kleines Baby-Krokodil, das sich auf einer Sandbank sonnt sowie diverse Kaimane, die sich von den Krokodilen in Größe und Färbung unterscheiden. Auch einen sehr schönen grünen Lizard entdecken wir, ein Männchen, was unschwer an dem ausgeprägten Kamm am Rücken festzstellen ist. An einem Baum am Fluss turnen Spider Monkeys in den Wipfeln von Ast zu Ast und wir schauen eine Weile dem bunten Treiben zu. Bei der Beobachtung der Affen vernehmen wir plötzlich den typischen Tukan-Schrei, der fast wie Froschquaken klingt. Und dann sichten wir zuerst ein Aracari-Tukan Pärchen und kurz darauf den Chestnut-mandibled Tukan, den größten Tukan Costa Ricas. Leider gelingt uns kein Foto, da er in einem dichten Baum verschwindet, bevor wir die Kamera in Stellung bringen können.

Zwischendurch halten wir an einem kleinen Restaurant am Kanal, was uns sehr gelegen kommt. Wir haben mittlerweile heftigen Hunger, da wir außer zwei Mangospalten und einiger Yucca-Chips noch nichts gegessen haben. Es gibt ein Casado mit einem undefinierbaren Fisch – kein Gourmetessen, aber mehr hatten wir an dieser Stelle auch nicht erwartet. Es ist überhaupt erstaunlich, wie viele Menschen hier am Rande der Kanäle wohnen. Überall
tauchen mitten aus dem Urwald bescheidene Behausungen auf und hier und da sind spielende Kinder am Ufer der Kanäle zu sehen. Eine Verbindung mit Straßen besteht hier nirgendwo – die einzige Möglichkeit sich fortubewegen ist das Motorboot! Viele der Behausungen liegen dabei über drei Bootsstunden von der nächsten Einkaufsmöglichkeit entfernt!

Nach 4,5 Stunden und 84 Kilometern Wasserstraße erreichen wir endlich Tortuguero, das mitten im Schutzugebiet des Nationalparks liegt. Der Park Tortuguero wurde 1975 gegründet, um die wertvolle Tier-und Pflanzenwelt zu schützen. Insbesondere ist der zum Nationalpark gehörende Küstenstreifen ein wichtiger Eiablageplatz für einige vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten. Auch die seltene Lederschildkröte, die eine Länge von bis zu zwei Metern erreichen kann und mehr als 700 Kilogramm wiegen kann, vergräbt hier ihre Eier in den Sand.
Gebucht haben wir ein Zimmer im
Casa Marbella, 45 USD pro Nacht inklusive Frühstück. Das Zimmer ist zum Kanal ausgerichtet, wo man auf einem kleinen Steg herrlich sitzen und dem bunten Treiben auf dem Kanal zuschauen kann. Die Zimmer sind einfach und funktional, mit einem Decken und Standventilator ausgestattet, aber absolut sauber. Theoretisch können in unserem Zimmer vier Personen schlafen, es sind ein Queensize Bett und zwei Einzelbetten vorhanden.

Wir machen einen kleinen Erkundungsgang durch das Dorf und schlendern auch am Strand entlang. Anschließend machen wir Pläne für den Aufenthalt in Tortuguero bei einer Tasse Kaffee und einem leckeren „Banana Bread“ aus der benachbarten Bäckerei. Daryl gibt uns wertvolle Tipps und wir entscheiden, auf jeden Fall die Tour auf den Mount Tortuguero, einer kleinen Erhebung in der Nähe, zu machen. Eigentlich ist der Weg von der Betreibergesellschaft gesperrt worden, da kein Geld für notwendige Aufbereitungen des Pfades vorhanden ist. Daryl bietet die Tour dennoch gerne an, da es in dem Gebiet einige Bewohner nicht so genau nehmen mit dem Umweltschutz nehmen und ohne Erlaubnis wertvolle Bäume fällen oder wildern. Auf diese Weise kann diesen Bewohnern signalisiert werden, dass sie unter Beobachtung stehen und im Ernstfall kann auch Anzeige erstattet werden. Daryl bemängelt sehr, dass die Regierung nichts unternimmt gegen Wilderer und Leute, die noch immer den Wald abholzt. Selbstverständlich werden wir auch eine Turtle Tour machen – wenn man schon einmal in Tortuguero ist! Natürlich gibt es keine Garantie, dass man Schildkröten zu Gesicht bekommt. In den letzten sechs Tagen war die Erfolgsquote jedoch relativ gut. Den Rest der Zeit werden wir sicher mit selbst organisierten Touren verbringen.

Am Abend essen wir im Buddha Cafe, nachdem unsere Erstwahl, das Miss Junie´s leider keinen Tisch für uns hat. Wir bestellen Pizza und Salat, alles ganz ok. Man sitzt in traumhafter Lage auf einem Steg direkt am Kanal und kann das nächtliche Treiben auf dem Wasser beobachten. Einzig störend die dumpfen Bässe einer entfernteren Diskothek im Ortskern von Tortuguero. Es ist mehr als fraglich, ob solche Einrichtungen in einem Naturparadies wie Tortuguero wirklich sein müssen. Hier kommen sicher überweigend Naturliebhaber her, die sicher die Stille und ungestörte Beobachtungen der grandiosen Fauna erleben wollen. Wahrscheinlich ist die Anreise mittlerweile durch die vielen organisierten Touren so einfach geworden, dass sich mittlerweile auch ein anderes Klientel hierher verirrt.

 


24. April 2011

Wir haben in den bequemen Betten wunderbar geschlafen und frühstücken auf der schönen Terrasse unmittlebar an der Laguna Tortuguero. Es gibt den obligatorischen Obstteller sowie Pancakes mit Ahornsirup und Banane – ein „sweet Brakfast“, für und nicht unbedingt die bevorzugte Eröffnung des Tages. Das Casa Marbella verfügt über ein Kayak, das von den Gästen kostenlos genutzt werden kann. Leider sind heute in aller Herrgottsfrühe andere Gäste zu einer Birdwatching Tour mit dem Kayak aufgebrochen, so dass wir eine Weile warten müssen. Gegen 9 Uhr steuern wir den von Daryl empfohlenen Kanal gegenüber an. Für intensives Birdwatching ist es jetzt natürlich schon zu spät, dennoch sichten wir auf unserer Kanutour einen Chestnut-mandibled Tukan, Northern Jacanas und diverse Reiherarten. Glücklicherweise ist es heute Morgen relativ bedeckt, so dass die Sonne nicht so brät!

 

Wir wollen heute Mittag eine geführte Tour auf die höchste Erhebung in der Region machen, den Cerro Tortuguero, etwa sechs Kilometer in nördliche Richtung vom Village gelegen. Unser kanadischer Guide Ross stellt sich als ein überaus versierter Botaniker heraus, der die Flora und Fauna Costa Ricas wie seine Westentasche kennt. Wir können diese Tour mit Ross nur allen Tortuguero Reisenden wärmstens ans Herz legen (Kosten 10.000 Colones, ca. 15 €). Am Strand zeigt uns Ross eine Reihe verschiedener riesiger Kerne. Die Verbreitung vieler tropischer Bäume erfolgt auf dem Wasserweg, auch zum Beispiel die der Kokospalme, deren Nüsse Hunderte von Kilometern über das Meer schippern und sich dann an einem fernen Strand ansiedeln.

 

Kaum im Wald angekommen sichten wir Dutzende von Strawberry Frogs. Über 50 verschiedene Froscharten sind hier bekannt, davon nur zwei, die nicht nachtaktiv sind. Unter anderem ist dies der Strawberry Frog, der es sich leisten kann, am hellichten Tag durch das Unterholz zu hüpfen. Das Gift, welches er über seine Haut ausscheidet, macht ihn für Fressfeinde uninteressant und dies signalisiert er eindrucksvoll mit seiner knallroten Färbung. Ross erklärt, dass die Pigmentierung der Strawberry Frogs völlig unterschiedlich ausfallen kann. Bei einigen Exemplaren ist die Grundfarbe eher bräunlich oder gar grün-gelblich (z.B. in Bocas del Torre/Panama), während andere wiederum in der Originalfarbe signalrot ausfallen. Ebenso weisen einige Frösche im Gegensatz zu ihren Artgenossen eine Vielzahl dunkler Spots auf. Dies ist auch das Geheimnis des „Jeans-Frogs“, der scheinbar eine blaue Hose trägt – auch diese Färbung ist Ausdruck einer unterschieldich ausfallenden Pigmentierung der gleichen Spezies. Einige Pfeilgiftfrösche betreiben sogar Brutpflege - ein bei Amphibien nicht sehr häufig anzutreffendes Verhalten. Dabei tragen die Mütter die Kaulquappen auf dem Rücken hoch in die Baumwipfel und setzen sie in einem kleinen "Swimming-Pool" einer Bromelie ab. Hoch oben ist die Gefahr für die Jungtiere, gefressen zu werden, nicht annähernd so hoch wie unten auf dem Waldboden. Danach besucht das Muttertier die Brut täglich und füttert sie mit jeweils einem unbefruchteten Ei.




Ein relativ seltenes Ereignis ist, drei verschieden Affenarten auf einem einzigen Baum zu beobachten. Dieses Glück haben wir heute: Je eine Gruppe von Spider- und Howler-Monkeys sowie Kapuzineräffchen toben in Eintracht in unmittelarer Nähe herum. Die verschiedenen Arten tolerieren einander, da die Nahrung aller Arten unterschiedlich ist. Währenddessen kann das Aufeinandertreffen zweier artgleicher Howler-Monkey Männchen schon einmal tödlich enden, da sie sich in einem grausamen Kampf bekriegen können.  Auf einem sehr steilen Pfad gelangen wir auf eine natürliche „Aussichtsplattform“ auf dem Cerro. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die Laguna Tortuguero.


Ross zeigt uns viele Pflanzen des Waldes, die eine medizinische Bedeutung aufweisen, unter anderem eine Lianenart, die bis ins 19. Jahrhundert als Anästethika eingesetzt wurde. Pflanzen des tropischen Dschungels haben die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um sich zu schützen. Während die einen mechanische Mechanismen aufweisen, wie zum Beispiel die robusten Dornen einer am Boden wachsenden Bromelia Art, sondern andere wiederum chemische Toxine ab, die Tiere davon abhalten sollen, Pflanzenteile abzufressen. Viele Menschen, die den tropischen Wald das erste Mal besuchen, äußern, „wie friedlich es an diesem Ort sei“! Ross stellt klar: „Mit nichten ist der Dschungel ein Ort des Friedens, er ist ein permanentes Schlachtfeld, ein Ort des Todes“. Überall lauern Gefahren, Fressfeinde und das gefahrvolle Spiel von Fressen und gefressen werden ist für alle Lebewesen allgegenwärtig! Tortuguero weist einen nicht klassichen tropischen Regenwald auf, da es hier aufgrund von zwei Trockenzeiten im Jahr (April und Mitte Oktober) zeitweise zu trocken ist. Dennoch ist Tortuguero im Jahresdurchschnitt eines der feuchtesten Regionen Costa Ricas insgesamt. Aus diesem Grund ist hier eine andere Flora und Fauna anzutreffen, als besipielsweise im Regenwald der Peninsula Osa.

In unserer kleinen Gruppe ist ein sehr nettes Paar aus Holland, Nienke und Jordy, mit dem wir ins Gespräch kommen. Auch sie lieben individuelles Reisen abseits der Touristenströme, so dass wir schnell eine Seelenverwandtschaft feststellen. Lange sitzen wir nach der Tour noch auf unserem romantischen Bootssteg vor dem Casa Marbella und tauschen Reiseerlebnisse aus Costa Rica und von anderen fernen Reisezielen aus. Am Abend setzen wir unseren kleinen Talk mit den Beiden im Buddha Cafe fort. Bei einem Gläschen Sauvignon Blanc auf dem Steg beenden wir den Abend, da wir morgen früh eine Birdwatchingtour mit Daryl machen wollen.


25. April 2011

Um 6 Uhr startet die Tour. Zuvor trinken wir noch eine Tasse Kaffee auf dem Steg des Casa Marbella. Um in den Nationalpark zu fahren oder zu gehen, muss ein Tagesticket in der Station am Ortseingang gelöst werden. Daryl steuert das Boot dorthin und wir zahlen 5.000 Colones pro Nase. Die Eintrittsgelder sind wichtig, da damit ein Beitrag zur Erhaltung des Nationalparks geleistet wird. Zu Beginn der Bootstour scherzt Daryl: „I don´t have my sixth sense for Wildlife today“, meint damit aber lediglich, dass kaum Boote am heutigen Tag auf dem Wasser sind und man sich nicht an den Beobachtungsbooten am Ufer orientieren kann, um Tiere zu sichten! Ein Anhinga steht malerisch am Ufer und trocknet seine Flügel. Dieses Tier ist ein glänzender Taucher und harpuniert mit seinem spitzen Schnabel unter der Wasseroberfläche Fische - eine sehr erfolgreiche Jagdstrategie! Das geübte Auge von Daryl entdeckt permanent neue Tiere am Uferrand, unter anderem Amazon Kingfishers, Great Egrets sowie einen um ein Weibchen buhlenden Tiger-Heron, der im Schilf ein herzzerreißendes „Liebeslied“ schmettert.

 

Im Vorbeifahren erklärt uns Daryl auch die artenreiche Flora. Über 2.000 verschiedene Pflanzenarten leben in der „grünen Hölle“ Tortugueros, auch die Raffia-Palme, aus deren über 10 Meter lang werdenden Palmwedeln, die bekannten „Körbe“ mancher Chiantiflaschen geflochten werden. Außerdem sehen wir hohe Mimosen, Mahagonybäume sowie Pachira Trees mit ihren wundervoll filigranen Blüten. Oder aber der Broach Dropping Tree, der mit seiner ausladenden Baumkrone die Äste anderer Bäume einfach zur Seite drängt, um ans Licht zu kommen - eine weit verbreitete Technik im Kampf ums Überleben im Regenwald.

Immer wieder fischt Daryl Plastikflaschen aus dem Wasser, die zumeist durch die Hände der wenig umweltbewussten nicaraguanischen Anwohner in die Kanäle geworfen werden. Viele Laute von Vögeln sind aus dem Wald heraus vernehmbar, wie zum Beispiel vom Squirrel Cuckoo oder dem Chestnut backed Antbird, dessen markanten Ruf wir häufig bereits bei unseren Wanderungen im Regenwald gehört haben. Danach folgen einige echte Highlights: Zunächst sehen wir einen Collared Aracari Tukan malerisch auf einer Baumkrone sitzend und wir schießen aus der Entfernung einige Fotos. Plötzlich gerät Daryl in helle Aufregung. In einiger Entfernung hat er den Ruf der sehr seltenen grünen Aras, der Great Green Macaws, geortet. Er versucht diese wundervollen mit dem Fernglas Tiere zu finden, und tatsächlich tuen sie uns den Gefallen und fliegen in eine Baumkrone in nicht allzu großer Entfernung. Leider ist uns die Sicht durch andere Bäume versperrt, so dass ein Foto zu einem „Suchbild“ geraten würde! Es gibt in Costa Rica nur noch 100 bis maximal 200 Green Macaw Pärchen (Update 2017: Die Anzahl der Green Macaws ist mittlerweile auf 40-50 Pärchen geschrumpft). Somit sind diese Tiere extrem vom Aussterben bedroht - es ist höchste Zeit, dem skrupellosem Handel mit diesen wundervollen Vögeln endlich Einhalt zu bieten. Häufig sind sie in Tropical Almond Trees (Mandelbäumen) zu finden, ihrer absoluten Lieblingsspeise. Daryl steuert das Boot, das im Nationalpark übrigens ausschließlich mit Elektromotor betrieben wird, um das Wildlife möglichst wenig zu beeinträchtigen, in einen schmalen Seitenkanal hinein. Über uns erschallt erneut der krächzende Ruf der Macaws und sie platzieren sich malerisch in einiger Entfernung, jedoch nunmehr für jeden von uns gut sichtbar, in einen nahezu kahlen Mandelbaum. Es sind drei Pärchen und Daryl kann dieses sagenhafte Glück kaum fassen!

 

Später sehen wir im Kanal noch wunderschöne grüne Jesus Christ Lizards und Leguane sowie eine ca. 35 Zentimeter große Schildkröte. Auch zwei Baby Kaimane entdecken wir. Kaimane werden lediglich bis zu zwei Meter lang, während die hier lebenden Krokodile eine Länge von bis zu fünf Metern erreichen können. Normalerweise sind auch diese Raubtiere eher defensiv und für den Menschen weitgehend ungefährlich. Vor einiger Zeit hat es hier allerdings einen tragischen Unfall mit einem 13-jährigen Tico Jungen gegeben, der von einem Krokodil vor den Augen seiner Familie getötet wurde. Aus Rache wurden am nächsten Tag vier Krokodile von der Familie erschossen. Die Naturschützer mutmaßen jedoch, dass sich der Junge einem Nest der Krokodile genähert hat, ein Junges herausgeholt hat und es so zu dem Angriff gekommen ist. Niemand weiß jedoch mit Bestimmtheit um den tatsächlichen Hergang des Unfalls.


Die Bootstour mit Daryl gehört eindeutig zu den Highlights unserer Reise. Mit soviel Kompetenz und Fachwissen und seinem spürbaren Enthusiasmus, mit dem er die grandiosen Naturerlebnisse im Tortuguero Nationalpark vermittelt, ist in uns ein regelrechtes Fieber für diese Landschaft entfacht worden. Nach diesem unglaublichen und erlebnisreichen Tripp haben wir uns das Frühstück redlich verdient. Heute gibt es zum Glück keinen Pancake, sondern Rührei und Toast. Nach dem Frühstück plaudern wir noch eine Weile mit Nienke und Jordy und verbringen den ganzen Morgen auf dem Steg an der Laguna.

 

Mittags ordern wir uns in der Bäckerei nebenan ein leckeres überbackenes Sandwich, bevor wir noch mit Nienke und Jordy in den Nationalpark Tortuguero hineinlaufen. Die Entrance-Fee haben wir heute Morgen bereits entrichtet. Gummisitiefel sind im Park obligatorisch. Dies soll verhindern, dass die Touristen in der Rainy Season ihr „teures Schuhwerk“, z.B. die Trekkingstiefel, vor dem tiefen Matsch auf den Wegen schonen wollen und neben dem Pfad wandern. Auf diese Art und Weise würde der Pfad immer weiter ausgetreten werden. Von dem ohnehin nur knapp zwei Kilometer langen Wanderweg ist mehr als die Hälfte wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Nach alledem, was wir in Costa Rica und insbesondere auch hier zu sehen bekommen haben, fällt das Urteil über den Wanderpfad im Nationalpark eher bescheiden aus. Außer ein paar Spider-Monkeys sehen wir recht wenig während der kurzen Tour. Interessant sind allerdings die an Bäumen klebenden Zikadenlarvenhüllen. Die Larven leben zunächst im Erdboden und ernähren sich von den Säften der Baumwurzeln. Wenn sie zur Umwandlung in das "Erwachsenen-Stadium" bereit sind, klettern sie den Stamm empor, häuten sich, entfalten ihre Flügel und fliegen schließlich davon. Übrig bleiben lediglich die klebrigen Hüllen, die an der Borke kleben bleiben.

 

Am Abend essen wir im Miss Miriam´s, einer sehr einfachen und alteingesessenen Soda. Es gibt Hühnchenschenkel mit Gallo Pinto, Salat und frittierten Platanen (mit zwei Imperial Bier zahlen wir zusammen 12.000 Colones, gerade einmal 17 €).

Zum Abschluss unseres Tortuguero Aufenthaltes machen wir heute Abend eine Tour, um Schildkröten bei der Eiablage am Strand zu beobachten. Die Tour wird durchgeführt von einer Angestellten des Casa Marbella, Kosten 15 USD. Daryl hat uns zuvor darüber informiert, dass die Chancen 50 : 50 stehen, heute Nacht eine der riesigen Leder Schildkröten bei der Eiablage zu beobachten. Vor zwei Nächten waren Nienke und Jordy schon einmal erfolglos, daher wollen sie es heute noch einmal gemeinsam mit uns probieren. Die Lederrücken Schildkröten sind die größten Meeresschildkröten überhaupt und können bis zu zwei Meter groß und 700 Kilogramm schwer werden. Das Kuriose ist, dass viele Schildkrötenarten nach 25 Jahren geschlechtsreif werden und exakt an den Ort ihrer Geburt zurückkehren, um dort die Eiablage zu vollziehen. Das ganze Prozedere dauert ungefähr zwei Stunden, angefangen von der Besteigung des Strandes, über das Graben eines tiefen Loches sowie der Eiablage selbst. Über 100 Eier können bei einer Ablage vergraben werden. Anschließend wird das Nest getarnt, so dass Vögel und diverse andere Tiere keinerlei Spuren von dem nächtlichen Geschehen entdecken. Häufig graben die Weibchen sogar noch ein kleines Schein-Nest in der Umgebung, um Nesträuber zu täuschen. Das gleiche Spiel weiderholt sich dann in den kommenden Wochen noch mehrere Male. Nach zwei Monaten schlüpfen die Jungen und krabbeln in Scharen in Richtung schützendes Meer. Dort warten schon überall Möwen und andere Vögel auf die kleinen Leckerbissen. Nur wenige überleben den gefahrvollen Weg.

Die Schildkröten stehen heutzutage unter strengem Schutz, jedoch werden auch hier immer wieder Nester von Einheimischen geplündert, um an die scheinbar delikaten Eier zu kommen. Unsere Führerin erklärt, dass die Menschen früher nichts zu essen in dieser Region hatten und daher gezwungen waren, sich Nahrung zu beschaffen, unter anderem eben Schildkröten und deren Eier. Heute gibt es Supermärkte in Tortuguero, so dass niemand mehr die stark gefährdeten Tiere verfolgen müsste. Jedoch fehlt einem Großteil der einheimischen Bevölkerung jegliches ökologisches Verständnis. Sie sagt, dass sie vor 18 Jahren an diesen Ort gekommen sei, und dass man in einer Nacht alle Stadien der Eiablage bei gleich meheren Exemplaren verfolgen konnte. Heute ist es ein besonderes Erlebnis, wenn man in der Eiablage Saison überhaupt eine Leder-Schildkröte ausmacht.

Wir laufen ungefähr drei Kilometer in südlicher Richtung am Strand entlang und werden angewiesen, unsere Augen offen zu halten. Wenn die riesigen Tiere erst einmal auf dem Strand sind, seien sie nicht mehr zu übersehen. Häufig sähe man aber auch Bewegung in der Brandung, kurz bevor die Tiere den Strand betreten. Um es kurz zu machen: Auch heute sind wir leider erfolglos und sehen keine Schildkröte. Dennoch sollte jeder Besucher Tortugueros in der Schildkrötensaison es zumindest versucht haben, die beeindruckenden Tiere zu beobachten – schließlich heißt Tortuguero übersetzt, „Schildkrötenplatz“ und viele Besucher kommen ausschließlich deswegen hierher!


26. April 2011
Heute müssen wir leider diesen magischen Ort verlassen. Tortuguero ist definitv ein Ort, den man ein zweites Mal besuchen kann. Wir haben uns für das 6 Uhr Boot entschieden. Der Weg nach La Pavona ist deutlich kürzer als nach Moin, aufgrund des niedrigen Wasserstandes in der Dry Season muss das Boot jedoch die schmalen Kanäle mehr oder weniger im Schritttempo passieren. Wir verabschieden uns von Daryl und bedanken uns für diese überaus interessanten drei Tage. Das Boot des einheimischen Anbieters Clic Clic ist pünktlich und wir starten unsere letzte Fahrt durch die Wasserstraßen Tortugueros (Foto links). Die Fahrt nach La Pavona (Fahrpreis schwankt von Saison zu Saison, zur Zeit 1.600 Colones) ist nicht annähernd so spektakulär, wie die von Moin. Es gibt natürlich auch keine Stopps, um Wildlife zu beobachten.

Immer wieder setzt das Boot auf dem Grund auf, einige Male müssen die Clic Clic Mitarbeiter aussteigen, um das auf Grund gelaufene Boot wieder frei zu ziehen. La Pavona erreichen wir nach über zwei Stunden Fahrzeit,
in der Regenzeit dauert die Fahrt gerade einmal 45 Minuten! Ein Bus wartet bereits, um die Fahrgäste nach Cariari zu transportieren (1.200 Colones). Nach einer guten Stunde kommen wir in der Kleinstadt Cariari an. Dort müssen wir den Busterminal wechseln, da die Busse nach San Jose nur vom Gran Terminal Cariari mit den Bussen von Guapilino starten. Man kann die Wartezeit auch verkürzen und zunächst bis nach Guapiles fahren – von dort verkehren dann Busse im 45 Minuten Takt. Wir entscheiden uns jedoch für die gemütliche Variante und frühstücken erst einmal in einer winzigen Soda direkt neben dem Busterminal. Das Gallo Pinto kostet hier gerade einmal 800 Col. (etwas über 1 €). An den nicht touristischen Plätzen gibt es sie noch, die günstigen Preise aus früheren Zeiten! Zum Gallo Pinto gibt es Rührei sowie gebackenen Käse und Kaffee. Um 11.30 Uhr startet der Bus zur zweieinhalbstündigen Fahrt in die Hauptstadt (1.400 Colones).

In San Jose warten wie üblich die „Taxischlepper“ auf touristische Kundschaft. Wir sind die einzigen nicht einheimischen Fahrgäste und somit erster Anziehungspunkt für die Taxifahrer. Wir einigen uns mit einem einigermaßen vertrauensvoll aussehenden Fahrer auf einen Fahrpreis von 30 USD und sind uns vorher bereits darüber im Klaren, dass dies nicht das letzte Wort sein wird. Da wir nicht zum Flughafen und auch nicht ins Zentrum von Alajuela wollen, wird sich der Preis sicher noch erhöhen. Am Ende zahlen wir den völlig überhöhten Preis von 50 USD. Wir lernen daraus, dass man besser den Taxifahrer auffordern sollte, das Taxameter zu aktivieren. Auf der Fahrt kommunizieren wir mit dem Fahrer in „Spenglisch“ und erklären ihm den Weg zur Tacacori Lodge, die ihm unbekannt ist. Hierher zu kommen, ist fast so, wie nach Hause zu kommen! Nadine gibt uns die schöne Parajero Cabina von unserem ersten Aufenthalt, wo wir uns erst einmal von der langen Boots- und Busfahrt auf der Terrasse mit Blick in den schönen Garten regenerieren.

Unser Abschlussdinner nehmen wir in der benachbarten Xandari Lodge ein. Die Anlage verfügt über einen großen eigenen Wald und hat sogar einen Wasserfall. Das Ambiente ist edel, was sich natürlich auf den Übernachtungspreis auswirkt. Ab 290 USD kosten hier die Casitas in der Hauptsaison. Vom Restaurant hat man einen tollen Blick auf den davorliegenden Wald und die Lichter von San Jose. Wir ordern als Vorspeise eine Platte mit verschiedenen Cremes sowie Gemüsestreifen zum Dippen (5 USD). Als Hauptgericht wählen wir Mahi Mahi, ein Fisch mit sehr festem und aromatischem Fleisch, auf zwei verschiedenen Salsas (15 USD). Dazu genießen wir einen italienischen Chardonnay aus Verona. Die Preise des Restaurants sind im Gegensatz zu denen des Hotels moderat.


27. April 2011
Wir „schlafen aus“ bis 7.00 Uhr, was nach den beiden letzten anstrengenden Tagen auch bitter nötig ist. Das Frühstück ist wie üblich großartig, neben dem Obstteller gibt es wieder die fantastische, von Patrick selbst gekochte Bananen-Schoko-Marmelade. Anschließend verpacken wir unsere sieben Sachen für den Flug und machen es uns danach ein letztes Mal auf der Terasse gemütlich. Ein heftiges tropisches Gewitter geht über Alajuela nieder, das erste dieser Stärke in diesem Jahr. Die Regenzeit startet dieses Jahr gut zwei Wochen später als gewöhnlich. Normalerweise ist der Beginn bereits Mitte April. Pünktlich um 14 Uhr fährt das von Nadine bestellte Taxi vor. Die Fahrt zum Flughafen dauert knapp 20 Minuten, da der Fahrer den Staus auf der Umgehung von Alajuela ausweicht und mitten durch die Stadt kurvt.

Bei der Ausreise ist eine Gebühr von 26 USD zu entrichten und ein Ausreiseformular auszufüllen. Danach checken wir unser Gepäck ein. Über das Online Check-In am Vortag haben wir für beide Flüge erneut Notausgangsplätze ergattern können, was insbesondere den langen Flug von San Jose nach Madrid durch die Nacht komfortabler machen wird. Der Iberia Flieger ist erneut pünktlich und so heben wir um 17 Uhr ab gen Heimat. Tatsächlich schaffen wir es, auf unseren Plätzen mit großer Beinfreiheit ein bisschen zu schlafen. Auch unser Anschlussflug ab Madrid verläuft nahzu planmäßig. Wir schlafen noch eine Nacht in Berlin, im Ellington Hotel und genießen in einer kleinen Bodega gegenüber des Hotels ein paar Tapas und einem feinen Rotwein. Am nächsten Tag fahren wir schließlich mit dem Zug zurück nach Hannover.

Ein fantastischer und unvergesslicher Urlaub ist zu Ende. Die Landschaften, Naturerlebnisse und insbesondere der Regenwald haben in uns ein Fieber entfacht. Unser Dank gilt einigen Menschen, denen wir auf unserer Reise begegnet sind und die durch ihren Enthusiasmus und ihre geradezu charismatischen Erklärungen zu den Naturwundern Costa Ricas dazu beigetragen haben, dass eine Leidenschaft in uns geweckt worden ist. Namentlich sind in diesem Zusammenhang insbesondere Eugenio in Durika sowie Daryl und Ross in Tortuguero zu nennen.

Ein nächster Tripp nach Costa Rica kann geplant werden, vielleicht mit einem Schwerpunkt auf den Norden, jedoch nicht ohne dem unwiderstehlichem Regenwald auf der Peninsula Osa einen zweiten Besuch abzustatten!


Zunächst heißt es allerdings "Adios Costa Rica, hasta mañana ...".






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