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Tirasberge

30. August 2015, Vom Fish River Canyon über Garub zu den Tirasbergen (500 Kilometer)

„Lebende Steine“ und legendäre Wildpferde
Wir beschließen im Morgengrauen aufzubrechen, da wir heute eine lange Fahrstrecke zu bewältigen haben. Um 6.10 Uhr (nach namibischer Zeit, die gegenüber Südafrika eine Stunde zurück ist) sind wir startklar und fahren zunächst bis Seeheim in Richtung Norden, dann schnurgeradeaus in Richtung Westen. Die Strecke ist langweilig und ohne jegliche Höhepunkte, so dass wir uns die Zeit mit unserem Hörbuch vertreiben.

Corinna verspürt gerade unbändige Lust auf ein gutes Frühstück, als sie am Straßenrand ein Hinweisschild auf die „Alte Kalköfen Lodge“ erspäht. „Hier, in the middle of nowhere, soll es ein gutes Frühstück geben“, zweifele ich an der Sinnhaftigkeit ihres Vorschlages! Doch schnell verfliegen meine Zweifel, als wir das alte Farmhaus betreten und von den Besitzern Hilda und Frekki willkommen geheißen werden. Wir nehmen sogleich auf der schönen Veranda Platz. Das Frühstück gleicht dann eher einem Brunch mit frischem Obst und Joghurt, einer Käse-, Wurstauswahl, selbst gemachten Marmeladen sowie Eiern mit Speck. Der Name der Lodge stammt von der ehemaligen Funktion der Lodge zu Beginn des 20. Jahrhunderts: In den Öfen der Kalksteinfabrik wurden Ziegel für Häuser (unter anderem für die Häuser der heutigen Geisterstadt Kolmanskop) produziert. Man kann hier auch kleine Chalets mieten, sicher einmal ein toller Geheimtipp für einen weiteren Aufenthalt in Namibia. Wie uns Frekki versichert, sei die Kalköfen Lodge ein fantastischer Spot für „Stargazing“!

Nach dem Frühstück laden uns die Besitzer ein, Hildas „Living Stone“ Züchtung zu bewundern. In einem Gewächshaus wachsen in kleinen Töpfen diese kleinen unscheinbaren und faszinierenden Sukkulenten, die es weltweit nur im Richtersveld und im Namaqualand gibt. Hildas ältester Living Stone ist 25 Jahre alt, die Pflanzen können gar bis zu 80 Jahre alt werden.

Westlich des kleinen Nestes Aus beginnt die Namib-Wüste. Wir nehmen einen zwanzig Kilometer langen Umweg in Kauf, um die Wildpferde von Garub zu sehen. Bei der einzigen Wasserstelle weit und breit in Garub ist ein überdachter Viewpoint eingerichtet worden, wo man die außergewöhnlichen Tiere, die sich an die unwirtlichen Lebensbedingungen in der Wüste mit Temperaturen von 45 °C und mehr adaptiert haben, beobachten kann. Die Pferde können im Gegensatz zu ihren Artgenossen mehrere Tage ohne Wasser auskommen. Sie zögern den kräftezehrenden Gang zwischen der Tränke in Garub und den viele Kilometer entfernten Weidegründen so weit wie möglich hinaus. Heute zählt die Herde rund 170 Tiere, sie wurde aber schon einige Male, zuletzt in den Neunziger Jahren, während extremer Dürreperioden arg dezimiert.

Die Vorfahren der heutigen Wildpferde entstammen der südafrikanischen Kavallerie, die für den Kampf gegen Deutsche Kolonialtruppe hier rund 1.700 Tiere hielt. Nach einem feindlichen Fliegerangriff flohen damals die Pferde panisch bis tief hinein in die Namib-Wüste. Heute erscheinen die Pferde domestiziert, da sie sich ohne Scheu an Menschen und Autos heranwagen. Viele Touristen füttern sicher aus reiner Unwissenheit die Tiere mit „Leckerlis“ und verändern damit die natürlichen Verhaltensweisen nachhaltig.

Nach weiteren 60 Kilometern Gravelroad, biegen wir ab in eine der schönsten Straßen Namibias, die D 707. Heute erschließt sich uns die Schönheit allerdings nicht so ganz, da die Sicht sehr schlecht ist und es über den Tirasbergen zu regnen scheint. Von der Abzweigung an der 707 sind es noch einmal 20 Kilometer über eine private Sandpiste zur Ranch Koiimasis. Schon die Anfahrt ist ein Hochgenuss. Die Namib-Wüste präsentiert sich uns von ihrer besten Seite und endlich wird auch das Wetter besser.

Wir haben diese Unterkunft vorher reserviert, da sie sehr beliebt und häufig ausgebucht ist. Alle vier Campsites schmiegen sich in die Felslandschaft harmonisch ein, wobei unser Platz (Campsite 4) der mit Abstand schönste ist! Er verfügt im Gegensatz zu den anderen Campsites über eine eigene Toilette und Dusche, die jeweils in die Felsen eingebaut worden sind, sowie einen aussichtsreichen Platz rund um eine Feuerstelle. Auf Koiimasis kann man sich auch Chalets sowie Zimmer in der „Fest-Inn Felslodge“ mieten.

Über den Bergen zieht ein kräftiges Gewitter auf. Es kracht ein paar Mal ganz heftig, so dass ein paar niedliche Klippspringern zitternd vor Furcht am nahen Felsen erstarren, auch ein paar Regentropfen fallen. Nach einigen Minuten ist der Spuk jedoch vorüber und wir erkunden erst einmal die nähere Umgebung. Die rötlich schimmernde Felslandschaft ist phänomenal.

Bei Vollmond lauschen wir abends am prasselnden Lagerfeuer, eingekuschelt in einen wärmenden Schlafsack, abermals der betörenden Stille und grillen Lammkoteletts, dazu gibt es Gemsquash Kürbis und gebackene Kartoffeln. Die Nacht ist sehr frisch mit Temperaturen um höchstens 6°C.

 

31. August 2015, Tirasberge, Koiimasis Ranch

Ein angriffslustiger Strauß

Es ist bedeckt und sehr kühl heute Morgen. Wir packen uns erst einmal in sämtliche warme Klamotten, die wir dabei haben und warten, bis die Sonne ein wenig über dem Berg hervorlugt. Mehr als 12 °C kommen aber zunächst nicht dabei heraus – nicht gerade unsere Wohlfühltemperatur! Während des Frühstücks werden wir umschwirrt von zahlreichen Vögeln, die auf ein paar Brotkrumen lauern. Wir bestimmen unter anderem Rotschwingen-Stare, Bokmakiris, Namibschmätzer und die schön gefärbten Rotstirn-Bartvögel.


Rotstirn-Bartvogel (Acacia Pied Barbet)


Bokmakiri


Namibschmätzer (Tractrac Chat)

Auf Koiimasis gibt es einen kleinen Spazierweg von fünf Kilometern, der von der Rezeption aus startet. Hier ist ein in voller Blüte stehender Leberwurstbaum zu bewundern, den wir bislang immer nur mit reifen Früchten gesehen haben. In einer Akazie entdecken wir farbenfrohe Lovebirds, die sich an den prallen gelben Blüten gütlich tun.


Rosenköpfchen (Rosy faced lovebird)

Das Wetter wird immer sonniger und die Schäfchenwolken am türkisfarbenen Himmel verschaffen dem pastelligen Landschaftsbild der Namib-Wüste den perfekten Foto-Hintergrund. Am Sunset-Viewpoint klettern wir auf einen Felsen und relaxen in einer geschützten Steinmulde einen Augenblick in der Sonne. Es ist hier oben auf den Felsen ein sehr schönes Plätzchen, das einen weiten Blick auf die Wüsten-Dünenlandschaft eröffnet.

Auf dem Rückweg „begrüßt“ uns kurz vor der Lodge ein hektischer Straußenmann, indem er mit seinen nicht funktionsfähigen Flügeln hin und her wackelt. Immer wieder initiiert er kleine Scheinangriffe und stoppt erst wenige Zentimeter direkt vor unserer Nase. Bei Straußenmännchen bedeutet diese Gebärde, „Stopp, keinen Schritt weiter!“, während die gleiche Pose bei den Weibchen als Balzritual zu verstehen ist. Wir haben schon des Öfteren gehört, dass Strauße die allerbesten „Wachhunde“ sein sollen, das wird hier bestätigt! So aus unmittelbarer der Nähe betrachtet wird einem erst einmal bewusst, wie groß und respekteinflößend diese Tiere überhaupt sind! Wir bestellen noch in der Lodge Dinner für heute Abend, da wir keine Lust haben, wieder in der Kälte Essen zuzubereiten. Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf unserer Campsite und lassen uns von der Sonne wärmen.

Zum Sonnenuntergang fahren wir hinunter zum Sunset-Viewpoint, bewaffnet mit einem Sundowner, ein südafrikanischer Chenin Blanc. Nahezu wolkenlos verschwindet die rotleuchtende Sonne hinter den Bergen am Horizont und wieder einmal sind wir begeistert vom pastellfarbenen Licht des afrikanischen Abendhimmels.

Das Dinner am Abend in der Lodge ist hervorragend und wir genießen es mit unseren Campnachbarn, Heike und Holger aus Schweinfurt. Es ist ein sehr unterhaltsamer Abend, das Dinner besteht aus einer Butternut-Kürbissuppe, Oryxfilet mit Gemüse und Reis sowie einer Schokoladen-Mousse mit Früchten. Ein großartiger afrikanischer Sternenhimmel begleitet uns zur Nachtruhe.



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