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Tallinn

24. August 2017 – Von der Insel Hiiumaa nach Tallinn (175 Kilometer)
Die Nacht ist extrem stürmisch, so dass sich alle Camper in die hinteren, geschützteren Bereiche des Platzes flüchten – nur wir trotzen dem Wetter und lassen uns an der rauen „Waterfront“ vom Sturm durchschütteln. An ein Outdoor-Frühstück ist bei Temperaturen um 10 ° C am heutigen Morgen kaum zu denken. So machen wir es uns im Camper gemütlich. Um 10 Uhr geht die Fähre von Hiiumaa zurück auf das Festland (16,80 €), eine gute Stunde dauert die Überfahrt.

Je näher wir unserem nächsten nächsten Ziel, dem Schloss Fall, kommen, desto mehr klart der Himmel auf. Wir hatten schon befürchtet, die namensgebenden und benachbarten Keila Joe Wasserfälle mit einem grauen Himmel fotografieren zu müssen. Tatsächlich ziehen die Wasserfälle mehr Besucher an, als das Schloss selbst – zu Unrecht, wie wir finden, denn das neugotische Bauwerk, das in einem gepflegt angelegten Park steht, ist durchaus sehenswert.


Das Wasser des Flusses Keila schwappt vor dem Schloss über eine rund zwei Meter hohe Stufe abwärts. Vom Schlosspark aus gelangt man über zwei Hängebrücken auf die andere Uferseite. Foto-Tipp: Am Nachmittag hat man die Sonne an den Wasserfällen im Rücken!





Wir haben die Stadtbesichtigung von Tallinn bewusst auf den Nachmittag verlegt. Tagsüber wird die Stadt von den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe übervölkert. Dann strömen scharenweise riesige Menschengruppen kopflos hinter nummerierten, farbigen Schildern hinterher, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuhaken. Diesem Aufeinandertreffen wollen wir in dem beschaulichen Tallinn unbedingt aus dem Weg gehen! Fast alle Kreuzfahrtschiffe kommen morgens im Hafen an und verlassen ihn wieder am frühen Abend.

Tatsächlich stehen zwei große Kreuzfahrtschiffe im Hafen, als wir auf unserem Stellplatz Pirita Harbour Camping einfahren. Der Stellplatz liegt direkt am Meer in der Bucht von Tallinn, ca sechs Kilometer von der Innenstadt entfernt. Hier haben die Segelwettbewerbe der olympischen Spiele in Moskau 1980 stattgefunden und das ehemalige olympische Dorf steht noch immer direkt nebenan (inzwischen ein Hotel).



Sogleich machen wir uns mit unseren Fahrrädern auf den Weg in die Altstadt von Tallinn. Die kleine Fahrradtour in die Innenstadt ist selbst schon ein wahres Sightseeing-Erlebnis, denn sie führt direkt am Meer entlang über die aussichtsreiche Uferpromenade, die Silhouette Tallinns immer vor Augen. Tatsächlich strömen uns, als wir uns der Innenstadt nähern, die letzten Kreuzfahrer in Richtung Hafen entgegen. Da wir keine Lust haben, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt nach unserem Reiseführer zu erschließen, lassen wir uns anstatt dessen einfach treiben.

Gleich zu Beginn unseres Rundganges entdecken wir „Die Drei Schwestern“, das Pendant zu „Den Drei Brüdern“ in Riga. Charakteristisch sind bei diesen Häusern ebenso wie in Riga die unterschiedlichen architektonischen Baustile! Durch kleine Kopfstein-bepflasterte Gassen kommen wir an unzähligen pittoresken alten Wohnhäusern und Bauwerken vorbei.

 

Wir besteigen den Turm der Olai-Kirche, glänzend geeignet, um einen Überblick über die Stadt zu erlangen. Bei seiner Erbauung um 1500 war er mit 159 Metern Höhe das höchste Bauwerk der Welt. Schweißtreibend geht es über 258 steile Treppenstufen hoch hinauf auf die enge Plattform, die rund um die Kirchturmspitze angelegt ist. Wie viele Türme wir in diesem Urlaub schon bestiegen haben!?


Entlang der malerischen und gut erhaltenen Stadtmauer mit seinen zahlreichen Türmen laufen wir in Richtung Oberstadt, dem Domberg. Von dort aus eröffnet sich wieder ein schöner Blick auf die Unterstadt.





Markantestes Bauwerk ist dort die orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale mit seinen Zwiebeltürmen. Rings herum befinden sich prachtvolle Botschaftsgebäude, auch die Deutsche Botschaft unmittelbar gegenüber der Kathedrale, aber auch das Parlament von Estland. In der Oberstadt sind gegen Abend nur noch wenige Touristen (und keine Kreuzfahrer!) anzutreffen, so dass wir herrlich durch die prachtvollen und nahezu menschenleeren Gassen schlendern können.



Zurück in der Unterstadt werfen wir natürlich auch noch einen Blick auf Raekoja plats, den Rathausplatz. Er stellt heute wie vor hundert Jahren das Zentrum der Stadt dar und ist natürlich Touristenanziehungspunkt Nummer 1! Taenschenmassen, um diese Zeit ist der schöne Platz nahezu menschenleer. Lediglich die Restaurants und Cafés ziehen Touristen zum Verweilen an.



Unser Abendessen genießen wir im Pörgu, einem Restaurant in einem Kellergewölbe, das für seine zahlreichen verschiedenen Biersorten bekannt ist. Wir ordern unter anderem Beef Tartar (8,50 €) und Rinder Sirloin (18,50 €) – alle Gerichte sind sehr lecker.

Entlang des Hafenpromenade fahren wir zum Sonnenuntergang zurück zu unserem Stellplatz.



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