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Richtersveld-2

27. August 2015, Von der Pojiespram Campsite zur Kokerboomskloof Campsite (90 Km)


Eine betörende Vollmondnacht in einer Traumlandschaft

Wir teilen unser Frühstück (French Toast!) mit einem zahmen Kapfrankolin, der uns buchstäblich aus der Hand frisst und fahren dann tiefer hinein in das Richtersveld. Schon kurz nach unserem Start entdecken wir am Wegesrand eine Ghoap (Hoodia grodonii), eine Sukkulente mit einer farbenfrohen Blüte, die an eine Satellitenschüssel erinnert. Die Blüten verströmen einen „Duft“ nach verwesendem Fleisch und sind dadurch äußerst attraktiv für Fliegen.


„Nomen est Omen“, am Bergrücken des Halfmen-Passes kleben die endemischen Halfmen Trees. Jede Pflanze hat eine einzigartige Form. Die Blüten am Kopf der Stämme beginnen gerade an zu blühen – es ist Frühjahr im südlichen Afrika!



 




Wir passieren die „Hand Gottes“, ein zwei Meter großer Abdruck einer Hand in einem Felsblock, von dem die Einheimischen glauben, er sei von der Hand Gottes entstanden.



Am Akkedis Pass müssen wir erstmals Allrad dazu schalten, da der Pfad steinig und steil wird. Immer wieder kommen wir an kleinen Kraals von Nama-Familien vorbei, die im Richtersveld bis heute halbnomadisch von Ziegenzucht leben. Dabei geht es im Wesentlichen um das Ziegenfleisch - Milchgewinnung spielt bei den Namas dagegen eine eher untergeordnete Rolle.


Die karge Berglandschaft des Richtersveld Parks ist faszinierend. Kurz vor Kokerboomskloof passieren wir in einem langgestreckten Tal einen perfekt geformten Köcherbaum und steuern noch zwei View Points an, die uns atemberaubende Blicke eröffnen.

Wir sind auf der Campsite die einzigen Gäste und sind froh, uns für dieses Camp entschieden zu haben. Die vier Campsites sind perfekt eingefügt in die Felslandschaft und verfügen seit neuestem über einen kleinen Abolution Block mit Toilette und Wasserhahn, Duschvorrichtungen sind bereits angelegt, funktionieren aber noch nicht. Nur zu dumm, dass sich unsere Solardusche als „Schweizer Käse“ erweist – wir werden versuchen, sie in der nächsten Stadt auszutauschen, bevor wir in den KTP fahren.




Wir richten uns ein und wärmen erst einmal die Reste des gestrigen Abendessens auf, bevor wir uns zu einer ersten Erkundung der Umgebung aufmachen. Es macht viel Spaß, in den flachen Felsen herum zu klettern und sich am Gipfel angekommen vom Ausblick berauschen zu lassen. Unter uns in einem Trockenflussbett wachsen zahlreiche Köcherbäume, wenig überraschend für die „Kokerbloomskloof“.

Diese durchstreifen wir als nächstes – die bizarren Köcherbäume geben fantastische Fotomotive ab. Schließlich gelangen wir an einen Bergrücken, an dem sich scheinbar Riesen mit überdimensionalen Felskugeln beworfen haben. Wie kommen diese fast kreisrunden Felsen nur an diesen Platz?

Es ist Zeit zum Camp zurück zu kehren, um noch ein wenig das Farbspiel der Abendsonne zu genießen. Um uns herum herrscht nichts als Stille – kein anderes menschliches Wesen ist weit und breit zu sehen oder zu hören. Der Vollmond taucht die rötlich schimmernden Felsen und die Köcherbäume in ein atemberaubendes Licht – leider ist dadurch die südliche Milchstraße nicht optimal sichtbar, sehr wohl aber das Kreuz des Südens. Noch lange sitzen wir am Lagerfeuer und lassen die Gedanken schweifen. Kokerbloomskloof ist wieder einmal einer dieser magischen Orte, die sich in unser Gedächtnis brennen und weiteres Suchtpotential nach Afrika auslösen wird!

 

28. August 2015, Vom Richtersveld National Park (Kokerboomskloof) zur Naruthsama River Lodge (170 Km)

Begegnung mit einer „Hummeldumm“-Reisegruppe
Wir haben eine recht frische Nacht hinter uns – das Thermometer fällt auf 8 °C. Sowie die Sonne über den Bergen erscheint, wird es schlagartig warm und angenehm. Nach einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstück bei wolkenlosem Himmel brechen wir unser Lager ab und sind um 9.30 Uhr startklar. Seit gestern klappert unser vorderer Dachgepäckträger und ich stelle fest, dass eine Verankerung am Dach gebrochen ist. Mit Kabelbindern, einem Stück Stoff zum Dämpfen sowie Panzerklebeband versuche ich das metallische Schlagen auf dem Dach ein wenig einzudämmen, was auch zunächst gut funktioniert.
Auf gleicher Strecke wie gestern fahren wir die ersten Kilometer zurück. Ab der Kreuzung zum Domorogh Pass, der als „kleiner Van-Zyl´s-Pass“ in den Beschreibungen dargestellt wird, präsentiert sich die Wegstrecke als unwegsam, steinig und steil und wir kommen nur im Schritttempo voran. Der Prozentsatz der Besucher, die im Richtersveld eine Reifenpanne erleben, ist sehr hoch, kein Wunder bei diesen Passstraßen. Die Landschaft ist einmal mehr atemberaubend. Am Helskloof sind auch erstmals wieder Wildblumen zu entdecken, hier sind auch in großer Anzahl Botterbooms (Tylecodon paniculatus), eine dickstämmige Sukkulente, zu finden. Auch finden wir noch einige weitere typische Richtersveld-Pflanzen, wie zum Beispiel die Pearson´s Aloe (Aloe pearsonii), die ganze Bergrücken rot einfärben. Nach zwei Stunden reiner Fahrzeit erreichen wir den Parkausgang und fahren auf der Gravelroad bis Sendelingsdrift.


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