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Pompeij

 

27. Mai 2012
Es heißt Abschied nehmen vom I Fornari, vom patenten Koch und Manager des Hauses, Gianluca, und von Irene, die jederzeit äußerst aufmerksam und hilfsbereit war. Über die Varianta 18 fahren wir über Salerno nach Pomeji. Bevor wir unser Hotel ansteuern, wollen wir noch schnell eine Tankstelle finden – gar nicht so einfach in dem Verkehrschaos rund um Pompeji. Prompt tuschiert uns ein kleines italienisches Elektroauto von hinten. Zum Glück ist an unserem Auto nichts zu sehen, so dass wir unsere Fahrt ohne größeren Stress fortsetzen können. 

Wir checken in dem vorgebuchten Pompei Resort Hotel ein - über Expedia kostet das Doppelzimmer inklusive Frühstück lediglich 58,-- € - ein hervorragender Preis für das Gebotene. Das Hotel liegt ca. zwei Kilometer vom Eingang der Ausgrabungsstätten entfernt und ist komfortabel eingerichtet. Da unser Zimmer noch nicht fertig ist, stellen wir unser Gepäck erst einmal an der Rezeption ab und lassen uns mit dem kostenlosen Hotel-Shuttlebus zum Eingang Pompejis fahren. Wir kaufen die Tickets (11,-- €) und besorgen uns am Infopoint einen kostenlosen Lageplan mit informativen Erklärungen zu den Hauptsehenswürdigkeiten Pompejis. Die Nummerierungen und Erklärungen entsprechen den Erläuterungen der Audio-Guides, die man ebenfalls am Eingang mieten kann.
 



Um Pompeji auch nur ansatzweise verstehen zu können, sollte man sich vor einem Besuch über die historischen Eckpfeiler der Stadt informiert haben. Zunächst nahm die Stadt eine ähnliche Entwicklung wie viele andere antike Städte Süditaliens. Die Blüte und der umfangreiche Ausbau der Stadt erfolgte unter römischem Einfluss ab ca. 300 v.Chr. Die unmittelbar unterhalb des Vesuvs gelegene Stadt zählte damals rund 15.000 Einwohner. Im Jahre 62 v.Chr. kam es zu der ersten Katastrophe für die Bürger Pompejis: Ein heftiges Erdbeben erschütterte die Stadt und zerstörte große Teile. Die Überlebenden machten sich alsbald an den Wiederaufbau und die öffentlichen Gebäude wurden teilweise schöner wiederhergestellt als je zuvor. Am 24. August 79 v.Chr. ging Pompeji dann durch einen bombastischen Vulkanausbruch des Vesuvs unter. Erdstöße brachten zunächst Dächer zum Einsturz, kurze Zeit später stieg eine riesige schwarze Wolke aus dem Vulkankegel des Vesuvs und große Lavamassen flossen talwärts. Es gab so gut wie kein Entkommen aus dem Inferno, die meisten Bewohner starben an den tödlichen Phosphordämpfen. Erst nach zwei Tagen beruhigte sich der Vesuv wieder, hatte allerdings die Stadt unter einer sieben Meter hohen Ascheschicht begraben. Pompeji war nun auch keine Hafenstadt mehr, die Küste hatte sich nach dem Ausbruch 1,5 Kilometer weit entfernt.
 Die meterdicke Ascheschicht hat die Reste Pompejis über Jahrhunderte regelrecht konserviert. Im 18. Jahrhundert fanden die ersten wissenschaftlichen Grabungen statt, aber erst ab 1860 wurden die Ausgrabungen systematisiert. Insbesondere die wundervollen farbenfrohen Fresken an den Wänden der Häuser waren zu diesem Zeitpunkt noch wundervoll erhalten und von einer großartigen Farbbrillianz. Durch die Ausgrabungen ging die Stadt geradezu ein zweites Mal unter. Insbesondere die kunstvollen Fresken verblassten durch Witterungseinflüsse innerhalb kürzester Zeit. Studenten der Kunstuniversität Neapel malten daraufhin die wundervollen Fresken originalgetreu ab. Diese Kopien sind heute im Museum in Neapel zu bewundern. Die Millionen von Besuchern, die jährlich durch die Ausgrabungsstätten pilgern, haben im Laufe der Jahre zudem dazu beigetragen, dass unersetzliche Wandgemälde durch dumme Kritzeleien verstümmelt“ worden sind.

Wir beginnen unseren Rundgang an der Porta Marina. Über die Via Marina gelangen wir zunächst zur Basilika, das der Rechtsprechung sowie auch kaufmännischer Verhandlungen diente.

Direkt dahinter befindet sich das Forum, Mittelpunkt des antiken Lebens Pompejis. Hier gab es neben zahlreicher Kultstätten auch Läden, Stadtverwaltungsgebäude und Handelshäuser. Der ehemalige Kornspeicher des Forums wird heute als Lager für archäologische Funde, wie Amphoren oder architektonische Fragmente genutzt. Auch sind dort Gipsabdrücke von Opfern in einer Art Schutzhaltung zu sehen, die vom Vulkanausbruch überrascht und von der Ascheschicht konserviert worden sind. Am Nordende des Forums befinden sich die Reste des Jupitertempels in direkter Sichtachse zum Vesuv. Besonders an dieser Stelle kann man sich gut vorstellen, wie sich die giftige Vulkanasche über die Stadt ergoss. Unmittelbar hinter dem Forum befinden sich die Forumsthermen, mit wundervoll erhaltenen Deckengewölben ausgestattet.

 

 

Besonders beeindruckend ist für uns das Menander-Haus, das sich vermutlich im Besitz der Familie Poppoei, der auch die zweite Frau Kaiser Neros angehörte, befand. Der für seine Grausamkeiten berühmt, berüchtigte Herrscher hat seine Frau übrigens zu Tode misshandelt! Wundervolle und ausdrucksstarke Fresken mit kräftigen Farben zieren die Wände der Räume des Palastes. Auch ein Thermalbereich ist im Haus enthalten.

 

 

Das älteste Heiligtum Pompejis ist der Apollotempel. Die beiden Statuen zu beiden Seiten des Portikus stellen Apoll und Diana als Bogenschützen dar. Es handelt sich bei den Statuen allerdings um Kopien – die Originale stehen im Museum von Neapel.

Das Haus des Fauns ist mit fast 3.000 Quadratmetern das größte Anwesen Pompejis. Wie in den meisten anderen Häusern des römischen Adels auch gibt es im Atrium ein Auffangbecken für Regen (Impluvium), das mit einer unterirdischen Zisterne verbunden war, in dem das Regenwasser gesammelt wurde. Im Impluvium steht die Bronzestatue des Hausbesitzers, ebenfalls ein Replikat. Im Wohnbereich unter Säulen befindet sich ein fantastisches Bodenmosaik bestehend aus winzigen Steinchen.

 

Als besonders großartig empfinden wir auch die Stabiae-Thermen. Die Gewölbe der Baderäume, unterteilt für Frauen und Männer, sind nahezu vollständig erhalten. Insbesondere das mit Stuck verzierte Eingangsportal ist beeindruckend. Es wurde erst unmittelbar vor dem Vulkanausbruch fertiggestellt. Auch hier sind zwei Gipsabrücke von Opfern der Vulkan-Katastrophe unter Glasvitrinen zu bestaunen.

Das große und das kleine Theater sind in direkter Nachbarschaft erbaut worden. Das große Theater, in dem volkstümliche Lustspiele sowie Musik und Tanz dargeboten wurde, bot Platz für 5.000 Menschen. Es gab bereits, ähnlich wie bei heutigen Theatern, eine Aufteilung in Ränge, wobei die Sitzreihen des untersten Ranges mit Marmor verkleidet war und ausschließlich den angesehenen Bürgern der Stadt vorbehalten war. 

Auch ein riesiges Amphitheater mit Platz für über 20.000 Menschen besaß Pompeji. Schon in der Antike gab es „Fanausschreitungen“. Drei Jahre vor dem Erdbeben lieferten sich pompejanische und nucerische „Fans“ eine blutige Auseinandersetzung, woraufhin die Arena vom Kaiser für zehn Jahre gesperrt wurde – für die Bewohner der Stadt fast die Höchststrafe, denn eine Stadt ohne die „blutigen Kämpfe“ der Gladiatoren verlor in der Antike erheblich an Ansehen.

 

Außerhalb der eigentlichen Stadt befindet sich die Nekropole, eine Art altertümliche Totengedenkstätte. In den hochgelegenen Nischen befinden sich Büsten. Auch sind Grabkammern zu finden, vor denen lebensgroße Statuen der Verstorbenen stehen.

 

Häuser von Händlern und Schänken erkennt man an den in Tresen eingearbeiteten Amphoren, in denen die angebotenen Waren oder Speisen lagerten. Ein besonders eindrucksvolles Exemplar ist das Thermopolium (= antike Snackbar) Vetutius Placidus, mit einem freskenverzierten Hausaltar. 

Gegen Abend wird es in Pompeji ruhiger und beschaulicher. Die lärmenden Gruppen, die blind hinter ihrem mit einem Nummernschild ausgestatteten Guide herlaufen, haben sich zu diesem Zeitpunkt in Ihre Hotels, Reisebusse oder Kreuzfahrtschiffe verzogen. Das rötliche Abendlicht wirft jetzt ein warmes Licht auf die Ruinen. Nach rund sieben spannenden und ereignisreichen Stunden in Pompeji haben wir nur einen Bruchteil der zur Besichtigung freigegebenen Ausgrabungen gesehen – der Anteil der derzeit zu besichtigenden Gebäude liegt ohnehin lediglich bei 14 %. Wir verlassen diesen magischen Ort mit dem festen Vorsatz, in absehbarer Zeit zurückzukehren. Selten hat uns eine touristisch erschlossene Sehenswürdigkeit so derartig gefesselt wie das in Pompeji der Fall war – und sicher gibt es in der Ausgrabungsstätte noch jede Menge spannende Details, die nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. Außerdem werden fortlaufend neue Areale der Ausgrabungsstätte freigelegt bzw. zur Besichtigung nach Restaurierung freigegeben, so dass es permanent neue Dinge zu bewundern gibt. Interessante weitergehende Informationen zu Pompeji sind auch auf der Homepage des Cilento Nationalparks zu finden.
 

Am Ausgang erwerben wir noch eine Hochglanzbroschüre über Pompeji zum stolzen Preis von 22,-- € von einem der zahlreichen fliegenden Händler. Leider hat der Bookstore am Eingang schon geschlossen, so dass es für uns die einzige Möglichkeit ist, weitergehendes Informationsmaterial zu erwerben. Wir rufen im Hotel an, um den Bus-Shuttle zu bestellen. Dieser ist für andere Gäste ohnehin gerade unterwegs und so dauert es nur wenige Minuten, bis der Bus eintrifft. Im Hotel angekommen, machen wir uns kurz frisch und sind sehr froh, dass es im Pompeji Resort ein Restaurant gibt. Wir hätten heute Abend keine Lust mehr gehabt, uns auf die Suche nach einem Lokal zu machen. Ohne große Erwartungen betreten wir das Hotelrestaurant und werden angenehm überrascht. Der sehr zuvorkommende Ober bemüht sich um uns wie in einem Luxushotel und kann uns bestens Auskunft über die angebotenen Speisen und die umfangreiche Weinkarte geben. Wir ordern ein ausgesprochen leckeres Fisch Capacchio, bestehend aus Lachs, Thunfisch, Schwertfisch und Pulpo (10,-- €) sowie ein Bressaola Capacchio (9,-- €), danach als Hauptgericht Seezunge auf hauchdünnen Kartoffelscheiben (15,-- €) und Pasta mit Auberginen (9,-- €). Dazu gibt es standesgemäß einen frischen Weißwein vom Vesuv.
 

Am nächsten Morgen nehmen wir in der Hotelbar noch schnell einen Cappuccino ein und starten gegen 6.30 Uhr in Richtung Flughafen. Die frühe Uhrzeit hat den großen Vorteil, dass wir dem neapolitanischen Verkehrschaos entgehen, das ungefähr eine Stunde später einsetzen soll. Der Flug enthält eine Zwischenlandung in München, wo wir uns herzlich von Kirsten und Ole, die zufällig ebenfalls diesen Flug gebucht haben, verabschieden. Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal ein Wiedersehen in Dänemark oder Hannover?


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