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Peipus See

25. August 2017 – Von Tallinn zum Peipus See (210 Kilometer)
12 ° C und Dauerregen – so haben wir uns den August in Estland nicht vorgestellt! Das Wetter verändert unsere heutigen Pläne. Eigentlich wollten wir zum Lahemaa Nationalpark fahren, jedoch haben wir keine rechte Lust, bei diesem Wetter durch die Wälder zu streifen.

Wir sehen auf der Wetterkarte, dass das Regengebiet beharrlich im Norden Estlands verweilt, so dass wir beschließen, Laheema zu überspringen und direkt unser nächstes Ziel anzufahren, den Peipus See. Nach zwei Stunden Autofahrt erreichen wir den See, eines der größten Binnengewässer Europas: Er ist fünf Mal so groß wie der Bodensee und zumal das fischreichste Gewässer Europas. Die Grenze zu Russland verläuft in der Mitte des Sees, jedoch kann man das andere Ufer aufgrund seiner Größe nicht sehen. Natürlich ist der Peipus See auch ein Paradies für Wasservögel: Sofort entdecken wir auf dem See Schellenten, Mittelsäger und Silberreiher.

In den Dörfern, die wir durchfahren, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Hier leben noch viele „Altgläubige“ – sie fühlen sich allerdings nicht als  Orthodoxe, auch wenn ihre Kirchen mit den Zwiebeltürmen den Eindruck vermitteln mögen.

Eine Gemeinde von sehr traditionalistisch lebenden Menschen, die landläufig „Zwiebelrussen“ genannt werden, bewohnen nach wie vor die Dörfer rund um den Peipus See. Wir steuern auf direktem Weg den Campingplatz Willipu hinter Kallaste an, der direkt am See liegt. Die großzügige Wiese des Stellplatzes reicht bis ans Seeufer heran, das ansonsten idyllische Ambiente wird ein bisschen gestört durch eine Batterie Solar-Pannels auf dem Gelände. Weiteres Manko: Es gibt nur eine einzige Dusche (im Saunahaus) und jeweils eine Toilette für Männer und Frauen, die zudem etwas ungepflegt erscheinen! Wenn es mal voller wird, auf dem Platz, könnten deutliche Engpässe entstehen! Für uns wird es gehen, da lediglich ein weiteres Wohnmobil auf dem Platz steht! Das Wetter lädt dazu ein, heute der Lieblingsbeschäftigung der Esten nachzugehen – dem Saunieren! Willipu verfügt, wie viele andere Campingplätze auch, über eine eigene Sauna (15 €/Stunde), leider keine Fasssauna, wie sie ansonsten in Estland üblich sind. Mit drei Saunagängen und anschließender Abkühlung im eiskalten See verbringen wir den Nachmittag.

Am Abend sitzen wir im Wohnmobil und kochen einen leckeren Wrap mit Hackfleischfüllung. Erstmals müssen wir sogar für kurze Zeit die Standheizung aktivieren.


26. August 2017 – Peipus See
Erfreulicher Weise überrascht uns der Morgen mit strahlendem Sonnenschein, wenn auch von sommerlicher Wärme nicht im Entferntesten die Rede sein kann! 9 ° C zeigt das Thermometer frühmorgens an – viel zu kalt für diese Jahreszeit und auch zu kalt für ein Frühstück vor dem Wohnmobil! Anstatt dessen schmeißen wir wieder einmal die Standheizung an!

Heute wollen wir die Dörfer der Altgläubigen mit dem Fahrrad erkunden. Über Alatskivi fahren wir hinunter nach Nina. Hier führt die sogenannte Zwiebelstraße entlang. Überall leuchten die Zwiebeln golden in der Sonne, die von zumeist uralten Mütterchen am Wegesrand den wenigen vorbeifahrenden Fremden feilgeboten werden. Wir halten an einem Stand an und Corinna versucht sich mit der alten Zwiebelverkäuferin irgendwie verständlich zu machen. Die alte Dame gehört zu den im Volksmund sogenannten Zwiebelrussen, die zu Tausenden seit Mitte des 17. Jahrhunderts als russische Glaubensflüchtlinge aus der Gegend um Nowgorod und Pskow in kilometerlangen Straßendörfern am Westufer des Peipus-Sees leben. Corinna  darf sich die schönsten Exemplare aus einem hölzernen Speicher aussuchen, in dem Hunderte Kilo von Zwiebeln gelagert sind. Wofür in aller Welt braucht man nur solche Mengen an Zwiebeln, zumal nahezu jedes zweite Bauernhaus das „güldenen Gemüse“ vor seiner Haustür feilbietet!? Corinna zahlt drei Euro für das Kilo Zwiebeln, dann setzen wir unseren Weg fort.



In den  Dörfern beobachten wir eine ganze Zeit lang das kulturelle Miteinander der Bewohner. Es sind überwiegend ältere Menschen zu sehen, immer mehr junge Leute treibt es mangels einer Perspektive in ihren Heimatdörfern in die Städte wie Tartu oder Tallinn zum Arbeiten oder gar zum Studium.







Ein älterer und sehr beleibter Zwiebelbauer winkt mich heran und lädt mich ein, seinen Gemüsegarten hinter seinem Haus zu begutachten. Offensichtlich ist er stolz auf sein kleines Hab und Gut und erklärt gestenreich, wie er Zwiebeln auf seinem Land anbaut. Nur zu schade, dass wir kaum die Hälfte verstehen, da er ausschließlich auf russisch palavert. Die Zwiebelfelder sind durchzogen von Bewässerungskanälen und sehen fast so aus wie Spargelanpflanzungen, wie wir sie aus der Heimat kennen.



Touristisch ist der Peipus See kaum erschlossen. Es gibt wenige Einrichtungen, weder Einkaufsläden noch Restaurants - erstaunlich, zumal die Gegend eine außergewöhnlich schöne Landschaft und sehr viel Ruhe zu bieten hat! In Kolkja befindet sich aber immerhin das „Peipsimaa Visitor Center“ direkt an der Hauptstraße. Der Name ist vielleicht etwas hochtrabend, jedoch kann man in dem alten Gebäude eine traditionelle Wohnstube der Altgläubigen aus vergangenen Zeiten besichtigen. Es gibt außerdem einen kleinen Shop mit Textilien, die hier in Workshops handbedruckt werden. Im kleinen angeschlossenen Café lassen wir uns von der freundlichen Inhaberin selbstgebackene Zwiebel-Piroggen sowie eine süße und oberleckere Karotten-Porree Torte servieren. Die superfrischen Piroggen kann man auch außer Haus kaufen.


Auf der Rückfahrt geraten wir dann doch noch in einen Regenschauer, den wir uns heute eigentlich ersparen wollten. Wir genießen die 55 Kilometer lange Radtour dennoch in vollen Zügen. Sogar eine Kröte, die soeben über den Weg stolziert und der wir gerade soeben noch ausweichen können, bekommen wir noch vor die Linse.



An das Abendessen im Wohnmobil - es gibt einen Eintopf mit Rindfleisch und Gemüse (unter anderem mit frischen Zwiebeln von den Zwiebelrussen) - haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Am Abend wird überall an der Ostsee, so auch hier auf unserem Platz das Sommerende mit einem großen Feuer gefeiert – es ist der letzte Samstag im August.








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