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Okonjima

29. April 2014 – Mount Etjo – Okonjima, 70 Kilometer, 1:15 Stunden



T4Africa Karte: Mount Etjo - Okonjima

Leoparden und Geparden "zum Anfassen"
Wir werden wie jeden Morgen vom ohrenbetäubenden Gebrüll der Pavian-Bande, die oben auf dem Felsen erwacht, geweckt. Die Nächte werden nun immer kälter, heute Morgen zeigt unser Thermometer gerade einmal noch 6 ° Grad. Längst haben wir unsere dicken Schlafsäcke ausgepackt, ohne die wir in der Nacht nicht mehr auskommen.

Die Morgensonne führt schnell zu einer deutlichen Erwärmung, so dass wir beim Frühstück bereits angenehme Temperaturen haben. Nachdem wir unser Camp abgebrochen haben, fahren wir hinüber zur Lodge, um unsere Rechnung zu bezahlen. Wir haben einen kleinen Dankesbrief an Annette sowie die beiden guten Seelen der Lodge, Renate und Malinda, verfasst, in den wir eine Lindt-Schokolade und ein Trinkgeld einfügen. Soviel Gastfreundschaft wie an diesem Ort erlebt man nicht alle Tage! In dem gut sortierten Curio-Shop, der gleichzeitig ein Museum ist, und Momentaufnahmen aus dem Leben Jan Oelofses zeigt, erwerben wir noch ein Geburtstagsgeschenk für mein Patenkind Sophie - ein „echtes Afrikakleid“ - und brechen dann auf zu unserer letzten Station, der
Africat-Stiftung in Okonjima.

Es ist nur eine kurze Fahrt von einer guten Stunde. Von Okonjima aus können wir übermorgen in aller Ruhe nach Windhoek fahren. Die 1993 gegründete Africat-Stiftung beschäftigt  sich mit dem Schutz von Raubkatzen, insbesondere Geparden und Leoparden, die von den Rinder-Farmern Namibias gnadenlos gejagt werden. Aber auch Tüpfelhyänen, braune Hyänen und sogar Wildhunde halten sich in dem Reservat auf. Wir werden von Simon, einem der Supervisor der vier Campsites, in Empfang genommen. Er gibt uns einige Informationen zu den möglichen Aktivitäten in Okonjima. Wir wollen am Nachmittag zunächst einmal eine Führung durch die Africat-Einrichtungen machen, in der man einiges über die Arbeit des Projektes erfahren kann.


Wir richten uns kurz auf der „Kendi-Campsite“ ein – Kendi heißt auf Meru (einer traditionellen Sprache in Kenia) „die Geliebte“. Die Campsite ist mehr als großzügig, mit eigenen Toiletten, Duschen und Abwaschbecken. Wir fühlen uns auf Anhieb heimisch. Die Campsites verfügen sogar über einen von einem Kraal umgebenen Pool, den wir ausgiebig nutzen, auch wenn das Wasser eisig ist!
Um 14.30 Uhr werden wir zur „Africat“-Tour von unserem Guide Charles abgeholt. Außer uns nehmen noch ein junges deutsches Pärchen sowie eine italienische Overlander-Gruppe von sieben Personen teil. Im ersten Teil werden wir zu einer Beobachtungsstation gefahren, in der ein Leopard namens Wahu lebt. Dieser Leopard hat eine ganz besondere Historie: Er wurde von der Inhaberfamilie Hansen als Baby „adoptiert“, nachdem seine Mutter von Farmern getötet worden ist. Mit der Flasche (alle zwei Stunden!!!) ist Wahu aufgepeppelt worden und durfte sogar im Bett der Hansens schlafen! Als der Leopard erwachsen wurde, kam jedoch schnell die Zeit, in der er seine Zieheltern nicht mehr als seine Eltern erkannte und ein Zusammenleben mit ihm gefährlich wurde. So wurde für Wahu ein eigenes kleines Areal geschaffen wurde, in dem er nun seinen Lebensabend verbringen kann. Er kann auch nicht im Reservat ausgesetzt werden, da er aufgrund seiner Geschichte keinerlei natürliche Scheu vor Menschen hat und somit leicht zur Gefahr werden könnte. Leoparden werden in freier Wildbahn ca. 12 Jahre alt, während sie in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre alt werden können - Wahu ist jetzt 16 Jahre alt. Ok, es ist sicher nicht das Gleiche, einen Leoparden in Gefangenschaft zu erleben, wie wir es im vergangenen Jahr in Botswana mehrfach erlebt haben. Dennoch ist es für uns ein großes Erlebnis, dieses prachtvolle Tier aus allernächster Nähe beobachten zu können und tolle Schnappschüsse schießen zu können.


Zweite Station ist das Informationszentrum der Africat-Foundation. Unser Guide erzählt uns zunächst einiges aus der Historie von Okonjima. Die Familie Hansen waren selbst Farmer und verloren pro Jahr zwischen 20 und 30 Rinder und Ziegen durch Raubkatzen. Es folgte eine unrühmliche Zeit, in der Okonjima in eine Hunting-Farm umgewandelt wurde und intensiv Trophy-Hunting betrieben wurde, jedoch erkannten die Hansens schnell, dass das Problem mit dem Abschießen von Leoparden nicht gelöst werden konnte. Im Gegenteil: In das „frei gewordene Revier“ abgeschossener Leoparden rückten zum Teil drei bis vier Leoparden nach und rissen noch mehr Nutztiere. Die Hansens erkannten, dass die Raubkatzen auch für „Öko-Touristen“ äußerst attraktiv sind und so begann der Aufbau des Reservats und gleichzeitig auch der Africat-Foundation.

Charles berichtet eindrucksvoll von den heutigen Konflikten zwischen Mensch und Raubkatze in Namibia. Ein großes Ziel des Projektes ist, die Lebensweise der Raubkatzen der Bevölkerung, insbesondere der jungen Generation, verständlich zu machen, um sie dadurch nachhaltig zu schützen. „Ein Farmer, der jedes Jahr zahlreiche Tiere durch Leoparden oder Geparden verliert, wird nicht dazu zu bewegen sein, den Naturschutz-Gedanken für Raubkatzen zu verinnerlichen, aber vielleicht können es deren Kinder!?“

Charles erklärt, „Africat“ bedeute nicht nur, „Katzen in Afrika“ sondern sei zudem ein Wortspiel, das die Philosophie des Projektes deutlich macht: „A-free-Cat“ soll signalisieren, dass sich alle in Okonjima lebenden Katzen mehr oder weniger in Freiheit bewegen können. Wir erfahren eine Menge über die Lebensweise von Geparden und Leoparden, aber auch über die brutalen Methoden der Farmer, die Tiere zu fangen und/oder zu töten. Angeschlossen ist eine von der Stiftung finanzierte moderne Klinik, in der Raubkatzen behandelt werden können. Jedes Tier des Reservats wird einmal pro Jahr eingefangen und in der Klinik untersucht. Alle Besucher können das Projekt unterstützen, in dem sie zum Beispiel Paten eines Tieres in Okonjima für ein Jahr werden.

Die meisten Teilnehmer der italienischen Gruppe sind wieder einmal der englischen Sprache nicht mächtig, so dass sie schnell das Interesse an der interessanten und mitreißenden Darstellung unseres Guides verlieren. Es ist immer wieder erstaunlich, dass junge Menschen, die aus dem südlichen Europa kommen, kaum englisch sprechen oder wenigstens verstehen können!


Da die Sonne langsam untergeht, möchte Charles uns unbedingt noch Geparden in einem vier Hektar großen Areal zeigen. Die vier Geparden haben ihre Mutter im Alter von unter einem Jahr verloren. Dennoch hofft man, dass sie bereits zu Jagen gelernt haben – eine Grundvoraussetzung dafür, sie irgendwann auswildern zu können. Insbesondere müssen sie aber ein Gefühl für die Hierarchie im Tierreich verinnerlicht haben: Wenn sie in freier Wildbahn ihre Beute gegenüber Löwen oder Hyänen verteidigen und nicht das Feld räumen, hat in der Regel ihr letztes Stündchen geschlagen. Obwohl das Areal nicht besonders groß ist, brauchen wir eine gewisse Zeit, die vier Geparden aufzuspüren. Schließlich gelingt es uns aber doch noch und wir kommen in den Genuss, die prachtvollen Tiere eine ganze Weile aus nächster Nähe beobachten zu dürfen. Bei dem Anblick dieser Tiere, ist es uns immer wieder ein Rätsel, wie Menschen in der Lage sein können, diese fantastischen Kreaturen aus welchem Grund auch immer zu jagen.



Am Abend wird zunächst Bushbread im Potjie auf Holzkohle gebacken und anschließend Buschpizza! Corinna meint, „wenn das die Italiener nebenan wüssten, dann würden sie bei uns Schlange stehen“! Einen Teil unserer restlichen Lebensmittel können wir bei der Zubereitung verarbeiten - wie immer schmeckt sie einfach umwerfend!

30. April 2014 - Okonjima

Hyena-Tracking im Bush
Um 6 Uhr in der Frühe werden wir zum „Hyena- und Wilddog Tracking“ abgeholt (480 NAM $ p.P.). Die Raubtiere in Okonjima sind alle mit einem Peilsender ausgestattet. So kann man exakt ihren Bewegungsradius aufzeichnen und feststellen, wie sich die Tiere verhalten, ob sie jagen und ob sie dabei erfolgreich sind - eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Auswilderung. Auf Okonjima ist dies die „Rehabilitationsphase“, die ausschließlich in dem 22.000 Hektar großen Reservat stattfindet. Wenn festgestellt wird, dass die Tiere nicht jagen und abmagern, werden sie zurück in die kleineren Areale geholt und von Africat versorgt. 85 % der Tiere schaffen aber den dauerhaften Sprung in das große Reservat oder gar zurück in die Wildnis. Letzteres ist allerding nie ganz problemlos möglich, da immer ein geeignetes Areal für das Tier gefunden werden muss. Ein Farmer wird kaum freiwillig zustimmen, dass ein Leopard oder Gepard auf seinem Grundstück ausgesetzt wird!

Die Bemühungen, ein Signal zu empfangen, sind zunächst nicht von Erfolg gekrönt. Immer wieder steigt einer der beiden Guides auf die Motorhaube, um eine erhöhte Position zu erhalten. Die Peilsender können auf einer Entfernung von fünf bis sieben Kilometern Signale empfangen, je nachdem wie hoch das Gras steht und wie eben das Gelände ist. Im Reservat gibt es einen hohen stählernen Turm, den unsere Guides ansteuern. Sie besteigen den Turm und empfangen tatsächlich von dort aus ein schwaches Signal einer Hyäne.

 

Wir folgen dem Signal durch unebenes Gelände. Das „Klicken“ des Peilsenders wird allmählich deutlicher. In der Nähe der Parkgrenze müssen wir unseren Weg zu Fuß fortsetzen. Unser Guide gibt uns einige Sicherheitshinweise zu etwaigen Begegnungen mit Leoparden und Schlangen. Im „Gänsemarsch“ bewegen wir uns nun hinein in den dichten Busch. Auch hier gibt es die sogenannten „Wait a bit“ Büsche, Akazien, die mit fiesen Widerhaken-Dornen versehen sind und den Wanderer zum anhalten zwingen, wenn man sich darin verfängt – eine schmerzhafte Angelegenheit, wenn sich die Dornen in die nackte Haut bohren! Die Signalstärke nimmt jetzt hörbar zu. Unter einem Busch finden wir frischen Hyänen-Dung – irgendwo in der Nähe muss sich die Hyäne aufhalten. Kaum sichtbar nimmt unser Guide in einem dichten Gebüsch eine Bewegung wahr. Da ist sie, ein Prachtexemplar einer Tüpfelhyäne. Unser Guide erklärt, das sei „Pooh“, ein 15 jähriges Männchen. Nur für einen Wimpernschlag ist Pooh zu sehen, nicht einmal lange genug für einen schnellen Schnappschuss! Wir nehmen die Suche erneut auf. Zehn Minuten später spüren wir Pooh dann doch noch auf. Er ist extrem scheu und von der nächtlichen Jagd sicher erschöpft. Dieses Mal gelingen uns einige schöne Schnappschüsse – unsere „Jagd“ war heute erfolgreich!


Schließlich lassen wir Pooh zu seinem wohl verdienten Schläfchen kommen und machen uns auf den Rückweg zum Auto. Wieder einmal stellen wir fest, dass eine Pirschtour zu Fuß durch den Busch ein unwiderstehliches Erlebnis ist und eine ganz andere Dimension eröffnet, als wenn man sich in einem Safari-Fahrzeug auf Game-Drive befindet.

Zurück im Camp frühstücken wir zunächst und treffen dann einige Vorkehrungen für den morgigen Rückflug, wie zum Beispiel Taschen packen, Reifendruck anpassen für die Fahrt auf Asphalt (2,5 Atü) etc. Direkt oberhalb des Pools befindet sich das Day-Visitor-Center, wo wir unsere Rechnung begleichen, Frühstück für Morgen früh im Main-Camp ordern und zudem uns nach der Möglichkeit erkundigen, die Bordkarten auszudrucken. Die hilfsbereite Angestellte organisiert für uns alles Notwendige – wir können die Bordkarten zum Main-Camp mailen lassen, wo wir sie dann morgen früh in Empfang nehmen können.


Unseren letzten Nachmittag in Namibia verbringen wir am schönen Pool. Paviane oben auf dem Felsen machen ein Heidenspektakel und kommen dem Pool-Kraal langsam aber sicher immer näher. Wahrscheinlich nehmen sie hier um diese Zeit immer ein kleines Bad, da sich alle Gäste in der Regel auf Game-Drive befinden. Daraus wird heute nichts – heute besetzen wir den Pool!

Was wäre ein letzter Abend in Afrika ohne einen Sonnenuntergang? Zunächst erledigen wir unser Online-Check-In am Day-Visitor-Center – unterwegs begegnet uns eine winzige Baby-Schlange, die sogar Corinna süß findet - und besteigen dann den „kleinen“ Aussichtsberg. Der Pfad ist ziemlich steil und unwegsam. Kurz vor dem Gipfel müssen wir uns gar unseren Weg durch dorniges Gestrüpp bahnen. Oben warten bereits zwei Game-Drive Fahrzeuge, deren Kunden die bequeme Variante gewählt haben. Der afrikanische Abendhimmel präsentiert sich in einem würdigen Licht und insgeheim schwelgen unsere Gedanken in diesem Moment bereits der nächsten Destination in Afrika entgegen – derzeit stehen bei uns Zambia oder Zimbabwe hoch im Kurs!


Den Abend beschließen wir mit einem Braai an unserem Campfire und stoßen mit einem Gläschen südafrikanischen Chardonnay auf unsere tolle Namibia-Reise an!




1./2. Mai 2014 - Von Okonjima nach Windhoek und Rückflug


T4Africa Karte: Okonjima - Windhoek

Abschied aus Afrika
Wir haben unser letztes Frühstück im Main-Camp von Okonjima gebucht (150 NAM $). Es gibt Eierspeisen nach Wahl, Joghurt mit Früchten, sowie eine Käse- und Wurstauswahl. Das Main-Camp ist geschmackvoll eingerichtet und auch die Chalets liegen sehr idyllisch – sie haben allerdings auch einen stolzen Preis. Vereinbarungsgemäß bekommen wir vom Camp-Manager unsere Bordkarten ausgehändigt. Dann geht es auch schon auf unsere letzte Etappe. Zwei sehr relaxte junge Schabrackenschakale am Wegesrand schauen zu uns hoch, als wollten sie sagen: „See you soon in Africa“!

Überpünktlich treffen wir am Flughafen nach knapp dreistündiger Fahrt ein und übergeben unser Fahrzeug Gavin von Bushlore. Unsere kleine Delle an der Stoßstange, die wir uns bei einer Durchquerung eines Trockenriviers eingehandelt haben, ist durch unsere Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung abgedeckt und somit ist die Abwicklung erneut völlig stressfrei. Wir können immer wieder nur betonen, dass für uns keine andere Autovermietung als Bushlore in Afrika in Frage kommt! Alle Flüge verlaufen planmäßig, so dass wir am nächsten Morgen um 7 Uhr in Hannover landen.


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