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Okavango Panhandle

20. November 2016 – Bwabwata Nationalpark bis Guma Lagoon Lodge/ Okavango-Panhandle (350 Kilometer)

"No Diesel today"
Der Morgen beginnt wie der gestrige Tag geendet hat: Stürmisch und regnerisch. Hoffentlich kommt jetzt endlich der dringend benötigte Regen in der Kwando-Region an. Wir bleiben noch eine Weile im Bett liegen und machen dann einen letzten Game-Drive zum Horse Shoe. Die meisten Tiere verstecken sich unter Bäumen und suchen so Schutz vor dem Regen – nur eine süße Baby-Giraffe trotzt dem Wetter – sein kleiner Hals reicht gerade einmal an die Spitzen der niedrigen Mopane-Bäume heran.

Bei der Ausfahrt zum Gate nehmen wir noch die Riverside-Loops und einige Viewpoints an den Floodplains mit, landschaftlich sehr reizvolle Abstecher, jedoch aufgrund des regnerischen Wetters leergefegt. Am Gate erhöhen wir unseren Reifendruck wieder auf 3,0 bar. Die Rangerin berichtet, dass gerade ein Löwe auf der Asphaltstraße vor dem Gate gewesen sein soll – schade, das haben wir um wenige Augenblicke verpasst! Die nun folgenden 180 Kilometer quer durch den Caprivi-Streifen sind eintönig. Schnurgerade führt die Straße bis nach Divundu, wo wir in einem kleinen Supermarkt ein paar Dinge einkaufen.

Wir stellen mit Freude fest, dass bei der fünften Grenzüberschreitung unserer diesjährigen Reise an der Mohembo Border die ersten freundlichen Grenzbeamten arbeiten. In Shakawe wollen wir noch einmal volltanken – bei beiden Tankstellen heißt es jedoch „no Diesel today“! Es gibt zwar noch zwei weitere Tankstellen bis Ghanzi, jedoch werden wir etwas nervös - bis Ghanzi könnte es mit unserem Tank knapp werden. Immerhin funktioniert der ATM in Shakawe und auch der Choppies Supermarkt ist überraschend gut sortiert. Die Straße in Richtung Sehitwa ist in miserablem Zustand – ein Pothole jagt das nächste! Dreizehn Kilometer sind es von der Abzweigung an der A35 noch einmal zur Guma Lagoon Lodge. Die Piste ist extrem tiefsandig und führt durch kleine Villages und landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Die Guma Lagoon Lodge ist traumhaft gelegen an der Nguma Lagoon des Panhandles, den permanent wasserführenden Unterlauf des Okavangos. Wir erhalten die einzige Campsite mit direktem Zugang zum Wasser. Alle Campsites verfügen über einen „Private-Bathroom“. Bei einem ersten Rundgang über das Gelände stoßen wir auf die handzahme African Wood Owl von Guma Lagoon, die bereitwillig Modell steht – Birding leicht gemacht! Danach sitzen wir auf der Holzterrasse vor dem Restaurant und lassen die Abendstimmung über dem Okavango auf uns wirken - wieder einmal eine Landschaft mit endloser Weite, die wir so lieben!



Dinner haben wir in der Lodge bestellt. Es gibt eine Butternut-Kürbissuppe, Schweineschnitzel mit Gemüse und einen Schokokuchen (180 Pula). Mit uns ist eine 14-köpfige Reisegruppe in der Lodge, die mit einem Overlander eine „Südliches-Afrika Light-Tour“ von Windhoek nach Victoria-Falls unternehmen. Der Guide wirkt bei seinen Erläuterungen für den nächsten Tag nicht gerade kompetent und vertrauenseinflößend! Insbesondere als der Sohn des Hauses mit einer zwei Meter langen harmlosen Python das Restaurant betritt, die er soeben entdeckt hat und den Gästen zeigen will. Statt begeistert über die Sichtung zu sein, die er seinen Kunden ermöglicht, sucht er als Erster das Weite! Auf dem Rückweg zu unserer Campsite entdecke ich auch eine Schlange (die ich nicht identifizieren kann), wenn auch eine relativ kleine und unscheinbare!



21. November 2016 – Guma Lagoon Lodge

Naturkundlicher Bootstripp auf dem Okavango-Panhandle
Wir haben heute ein Boot mit Guide gebucht und wollen die Channels des Okavangos entdecken. James begleitet uns den ganzen Tag und navigiert uns zunächst aus der Lagoon heraus in einen Channel, in dem wir die ersten Wasservögel sichten. Überall schießen African Darter (Schlangenhalsvögel) ins Wasser und tauchen nach Beute oder trocknen ihr Federkleid auf erhabenen Baumstämmen sitzend.

 
                                                                                                                                                   Schlangenhalsvogel (African Darter)

James hält an einer Fläche, die von Water Lillies bedeckt ist, an und erläutert den vielfältigen Nutzen dieser Pflanzen für die „Locals“. Die Einheimischen essen die Blüten wie Artischocken, in dem sie sie vierteln und kochen. Ein Teil der Wurzeln dient, ebenso wie die roten, reifen Kerne, als Nahrung. Letztere fügen sie als schmackhaftes Gemüse Fischgerichten hinzu. Die Stile der Water Lillies werden als lange Strohhalme zum Trinken genutzt, um zum einen der Gefahr von Krokodilen beim Trinken zu entgehen, zum anderen wird das Wasser wie bei einem Filter von Dreckpartikeln gereinigt. Wenn die Stengel aus dem Boden gezogen werden, kann zudem exakt die jeweilige Wassertiefe bestimmt werden, da sie exakt an der Wurzel im Erdreich abreißen. Blätter und Blüten dienen außerdem als Antiseptikum für die Behandlung von Blasen, die großen Blätter als Sonnenschutz und die wundervollen Blüten schließlich als Dekoration für die Frauen.



Die Channels sind hoch bewachsen von Papyrus-Gräsern. Auch diese Pflanzen haben einen vielfachen Nutzen, erklärt James. Das weiße Innenleben der Stile ist süß wie Zuckerrohr und wird wie Kaugummi gekaut. Aus den Fasern werden Teppiche, Körbe und Seile geflochten. Die Fischer nutzen Papyrus als Auftriebsmittel für ihre Netze und schließlich werden die gefächerten Blattenden abends am Lagerfeuer benutzt, um Moskitos zu vertreiben. „Peaceful Sleep können sich die Local People nicht leisten“, meint James schmunzelnd! Immer wieder huschen riesige Krokodile, vier bis fünf Meter lang, aufgeschreckt durch den Motor unseres Bootes, in die sicheren Fluten der Channels.

Wir erreichen eine idyllische kleine Insel, auf der mächtige Sycamorenfeigen gedeihen. Die ca. drei Zentimeter großen Früchte wachsen an Trauben am Hauptstamm. Noch sind die Früchte nicht reif – dann werden sie gelblich bis orange und können verzehrt werden. Die Rinde des Feigenbaumes wurde in früheren Zeiten von den Einheimischen angeritzt, so dass ein Latex-ähnlicher Saft austritt, mit dem Vögel angelockt werden. Sie treten in den klebrigen Sud und können sich nicht mehr eigenständig befreien. Auf diese Weise wurden kleinere Vögel, wie zum Beispiel Webervögel, gefangen, gebraten und anschließend verspeist – heutzutage ist es den Einheimischen allerdings grundsätzlich verboten, Vögel zu töten.

Auf der idyllischen Isatsa Island machen wir einen kleinen Stopp und erkunden die Insel. Viele Elefanten halten sich normalerweise auf der Insel auf. James erklärt, dass die Elefanten zwar vieles zerstören, wie man unschwer erkennen kann, aber auf der anderen Seite sorgen sie durch ihren Dung, in dem sich viele unverdaute Samen befinden, auch für die Verbreitung und Fortpflanzung von Bäumen! Die Einheimischen sammeln den Dung und nutzen ihn als Insekten-Repellent, indem sie ihn auf glühende Kohlen legen und verrauchen lassen.



Wir kommen an einem Leberwurstbaum vorbei. Der Saft der Früchte wird zur Behandlung von Hautkrebs genutzt. Aufgrund ihrer Form glauben die Männer an eine Potenzsteigerung bzw. eine Penisverlängerung, wenn sie die Phallusartigen Früchte anritzen und später abschneiden, wenn ihr bestes Stück dann die gewünschte Größe erreicht hat - in jedem Falle eine bessere Methode, als an die Wirksamkeit von pulverisiertem Rhino-Horn zu glauben, wie es in China der Fall ist und wo Phantasiepreise für gewilderte Rhinohörner gezahlt werden.

Den ganzen Tag über entdecken wir Wasservögel, unterschiedliche Reiher, Moorhühner und Jarcanas. Immer wieder bewundern wir den riesigen Goliath-Heron, der majestätisch, lautlos und mit enormer Spannweite durch die engen Kanäle schwebt.


Goliathreiher (Goliath Heron)


Rallenreiher (Squacco Heron)              /               Teichhuhn (Common Moorhen)            /             Mohrenralle (Black Crake)

Purpurhuhn (African Swamphen)              /               Blaustirn-Blatthühnchen (African Jarcana)

Es ist ein unheimlich interessanter und vor allem auch lehrreicher Tag auf dem Okavangos Panhandle. Abends sitzen wir am lodernden Lagerfeuer und lassen den Tag Revue passieren. Auch ist es höchste Zeit, Bilanz über unsere spannende und abwechslungsreiche Reise, die sich dem Ende zu neigt, zu ziehen.


22. November 2016 - Guma Lagoon Lodge

Vom gescheiterten Vorsatz, niemals in ein Mokoro zu steigen ...
Der erste Mokoro-Tripp unseres Lebens! Eigentlich wollten wir uns nie in ein solches Boot setzen! Dan von Mashi River Safaris hat uns schon vor zwei Jahren davor gewarnt! Viel zu unberechenbar seien Hippos, auf die man immer und überall unverhofft stoßen könne! Nun gibt es kein zurück mehr, um 7.30 Uhr ist Aufbruch mit dem Motorboot zur Mokoro Basisstation. Im Boot sitzt ein französisches Paar mit einem zweiten Poler. Sie berichten, dass auch sie sich auf einer achtmonatigen Weltreise befinden –nach Audrey und Matthieu bereits das zweite französische Pärchen auf einer Sabbatical-Tour, die wir auf unserer Reise treffen! Wir sind sehr erfreut darüber, dass James uns heute erneut begleitet und auch unser Poler sein wird.

Natürlich sind die Mokoros für Touristen nicht mehr aus Holz gefertigt sondern aus Fiberglas - wackelig sind sie jedoch allemal! Das bekommen wir spätestens beim Einsteigen zu spüren. Leise gleitet das Boot, angetrieben vom Poler durch die extrem schmalen und durch Papyrus zugewachsenen Channels. „Wenn jetzt ein Hippo im Kanal liegt, sind wir verloren“, raunze ich Corinna aus Spaß zu.
 

Die Sumpfflächen des Panhandles führen im Gegensatz zur Peripherie des Deltas dauerhaft Wasser. James erzählt auf unserem zweiten gemeinsamen Tripp auch etwas aus seinem privaten Leben. Noch immer ist es Tradition, dass Männer ihre auserwählten Frauen den jeweiligen Vätern mit „Lobola“ abkaufen müssen. Je besser die Frauen ausgebildet sind, je besser sie aussehen, desto höher ist das Lobola. Im Durchschnitt beträgt die Summe den Gegenwert von acht Kühen (pro Stück etwa 4.000 Pula) – ein Heidengeld, das kaum ein botswanischer Mann aufbringen kann. Hinzu kommt dann noch das Geld für die Hochzeitsfeier, zu der die gesamte Community eingeladen ist. Das ist der Grund, dass James zwar mit seiner Freundin, mit der bereits neun Jahre leiert ist, bereits zwei Kinder von acht und drei Jahren hat, aber noch nicht geheiratet hat. Für das erste Schwängern seiner Freundin ohne verheiratet zu sein, musste James bereits 3.500 Pula bezahlen! Er ist blass erstaunt, dass in Deutschland Frauen nichts kosten, wenn man sie heiraten möchte!


Während eines Nature Walks auf Marula Island – die Inseln werden häufig nach den hier häufig vorkommenden Bäumen benannt -, trägt James wieder einige interessante Geschichten aus dem Leben der Einheimischen bei. Wir sehen Ilala-Palmen, deren Herzen Elefanten wie „Local People“ gleichermaßen lieben - die Palmherzen sind zuckersüß. Auch wird aus dem Rindensaft Palmwein und Palmhonig gewonnen.


Er zeigt uns einen Wildsalbei, deren Wurzeln zusammen mit denen des Camelthorn-Trees in einem Sud gekocht werden, der gegen Gonorrhoe helfen soll. Für ihn ist es kaum nachvollziehbar, dass es diese Geschlechtskrankheit in Deutschland so gut wie gar nicht gibt!

Die Insel ist durchzogen von breiten Elefanten- und weniger breiten Hippo-Pfaden. Und kaum erläutert James die Entstehung der Pfade, da sehen wir auch bereits einen Elefantenbullen gemächlich in unsere Richtung schlendern. Er hat uns noch nicht entdeckt und damit das so bleibt, dirigiert uns James abseits des vermuteten Pfades, den der Elefant einschlagen wird. In früheren Zeiten haben die Einheimischen an Hippo-Pfaden gewartet, um das Tier dort mit Gift getränkten Pfeilen und Speeren zu jagen. Heute ist das Jagen von Hippos natürlich strengstens verboten. Poaching wird so streng wie in keinem anderen afrikanischen Land geahndet. Mit drakonischen Strafen hat die botswanische Regierung die Wilderei mittlerweile einigermaßen in den Griff bekommen!


James erklärt auf der Insel auch den Unterschied zwischen Hippo- und Elefantendung. Da Hippos ausschließlich Gras fressen, ist ihr Dung weich, während der Elefantendung faserig und voller Kerne ist. Auf dem Rückweg zu unserem Ausgangspunkt ist James extrem vorsichtig, da der Elefant genau in diese Richtung marschiert ist. Offenbar ist der Bulle aber bereits weitergezogen, so dass wir unter einem schattigen Marulabaum ungestört unseren Lunch einnehmen können.

Wir begeben uns auf die Rückfahrt und sind noch keine halbe Stunde gefahren, als wir das typische Grummeln, das Elefanten mit ihrem Magen erzeugen können, im Schilf neben uns vernehmen. Jetzt ist höchste Vorsicht geboten! Treffen wir unvermittelt auf die Elefanten, könnte es gefährlich werden. Als wir langsam und leise in eine Lichtung hineinfahren sehen wir sie plötzlich: Eine Herde von gut und gerne fünfzehn Tieren, darunter auch einige Jungtiere, grast friedlich unmittelbar im Kanal, den wir gerade im Begriff sind zu durchfahren. „That´s a Roadblock“, meint James, „don´t worry, just be quiet and relax...“! Er steuert das Makoro ein gutes Stück zurück und meint, wir sollen aussteigen. Gemeinsam umgehen wir ein kleines undurchsichtiges Papyrusgebiet und dann sehen wir die gesamte Herde direkt vor uns. Sie wirken sehr entspannt, haben uns offensichtlich noch nicht entdeckt und ziehen nur langsam weiter. James sagt, wir sollen hier auf ihn warten und er würde das Mokoro schnell alleine um das Schilfgebiet herumsteuern. Ein Teil der Herde ist noch im Schilf verborgen und wir stellen uns vor, was passiert, wenn Elefanten jetzt aus dem Schilf herausbrechen würden. Nichts von dem passiert und nach einem kurzen Moment des Herzklopfens taucht James am Ende des Schilfs auf und nimmt uns wieder in seinem Mokoro auf. Er klopft mit seinem Poler-Stick auf den Rand seines Bootes, um auch die letzten Elefanten aus dem Channel zu vertreiben. Die ganze Herde kommt prompt in Bewegung – nur ein renitenter großer Bulle mit mächtigen Stoßzähnen denkt gar nicht daran, Platz zu machen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten. Nach einer ganzen Weile bequemt er sich schließlich, seinen Weg fortzusetzen.

Zurück an der Mokoro-Basisstation beladen wir das Motorboot und fahren zurück zur Guma Lagoon Lodge, wo wir uns abends unser Abschiedsdinner servieren lassen. Morgen haben wir eine weite Fahrt bis hinter Gobabis vor uns und werden somit früh aufbrechen.







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