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Los Quetzales NP

28. Februar 2017 – Von San Vito zur Paraiso Quetzal Lodge

Schräge Profi-Ornithologen und unsportliche Vogel-Fotografen
Unmittelbar nach dem Frühstück brechen wir auf zu unserer letzten Station, dem Parque Nacional Los Quetzales. Unterwegs machen wir einen Abstecher ins Reservat der Guaymi Indianer in der Nähe von Limoncito. Auch hier tragen die Frauen ausschließlich die traditionellen Nagua Kleider – auch hoch zu Ross! Touristisch ist das Reservat gänzlich unerschlossen, keine Gift-Shops, kein Kunsthandwerk. Die Menschen in der Gegend leben überwiegend vom Kaffeeanbau.

Wir fahren weiter nach Borucas, ebenfalls ein Indio-Reservat, das sich allerdings im Gegensatz zum Guayami Reservat in bescheidenem Maße dem Tourismus geöffnet hat. Die Boruca Indios leben bis zum heutigen Tag in enger Verbindung mit den Traditionen ihrer Vorfahren. Sichtbar wird dies insbesondere in ihren lebhaften Legenden sowie ihren Tänzen mit den bunt bemalten Masken. Bekannt ist die “Fiesta de los Diablitos”, ein dreitägiges Fest, das seit der Kolonisation jedes Jahr vom 30. Dezember bis zum 2. Januar stattfindet. Während der “Fiesta” werden Kämpfe nachgestellt, die sich vor Jahrhunderten  zwischen Ureinwohnern und den spanischen Conquistadores abgespielt haben. Als die Spanier an der Pazifikküste Costa Ricas ankamen, zogen sich die Indios nach geringer Gegenwehr ins Hochland zurück.

Die Boruca fertigen die Masken mit Tiermotiven aus Balsa- oder Zedernholz an. Die Masken sind
bei Touristen wie Costa Ricanern gleichermaßen als Deko-Gegenstände beliebt und werden in kleinen Shops im Dorf zusammen mit gewebten Taschen und Kalebassen angeboten. Wir erwerben eine besonders schöne Maske zum Preis von 35.000 Colones (ungefähr 60 €).



Über die Panamericana geht es weiter nach San Isidoro, einer lebhaften, aber völlig farblosen Großstadt. Danach geht nur noch bergauf in die Talamanca-Berge. An einem aussichtsreichen Restaurant machen wir eine kurze Mittagspause und bekommen dabei ein paar bunte Vögel vor die Linse. Wir sind bei über 30 °C in San Vito losgefahren, jetzt sinkt das Thermometer drastisch. Beim höchsten Punkt des Passes auf 3.400 Meter sind es gerade noch 10 °C.


Die Paraiso Quetzal Lodge, die mitten im Parque Nacional Los Quetzales liegt, erreichen wir am frühen Nachmittag. Wir bekommen eine gemütliche Holz-Cabina (Standard-Cabina mit Halbpension 140 $). Nicht umsonst liegen auf dem Bett Wärmflaschen, es wird hier nachts empfindlich kalt. Es gibt zwar einen winzigen Heizlüfter, der sich aber kaum gegen die nächtliche Kälte durchsetzen kann. Man muss sich schon auf ungemütliche Nachttemperaturen um 10°C in der Cabina einstellen. Wir sind vorbereitet und haben lange Unterhosen und Fleece-Pullover für die Nacht im Gepäck. Ansonsten ist die Cabina urgemütlich, mit einem Panoramafenster, durch das man auf die hügelige Landschaft schauen kann.

Auf dem Gelände schwirren überall bunte Kolibris und weitere interessante Vögel herum. In der Lodge befinden sich mehr oder weniger ausschließlich Vogelliebhaber und Fotografen, die mit Spektiven und Kameras bewaffnet auf der Suche nach seltenen Vögeln, allen voran natürlich den Quetzal, sind. Wir beobachten ein deutsches Ehepaar mit ihrem Guide bei der völlig unsportlichen Variante, Kolibris mit an Stativen aufgehängten Blüten sowie Gefäßen mit Zuckerlösung anzulocken. Dahinter ist ein Landschaftspanorama und ringsherum Blitzapperaturen aufgebaut. Mir persönlich geht das in einem Vogelparadies wie Costa Rica gegen die Fotografenehre! Hier benötigt man wahrlich kein „Studio-Setup“ - wir bekommen eher einen Adrenalin-Kick, wenn wir in der freien Natur einen tollen Vogel entdecken und uns dann eine optimale Position zum Fotografieren „erarbeiten“. Erst dann haben wir das befriedigende Gefühl, die Einzigartigkeit der Natur selbst entdeckt und auch festgehalten zu haben - aber jedem das Seine!
 


Fleckentangare (Speckled Tanager)                 /                  Mönchswaldsänger (Wilson´s Warbler)


Einfarb-Hakenschnabel (Slaty Flowerpiercer)                                                                                                                  

 
Anschließend wandern wir den Dante-Trail ab, ein vier Kilometer langer Pfad, der durch den Nebelwald führt. Es ist nicht gerade ein Spaziergang, da der Trail steil abwärts und anschließend wieder ebenso aufwärts führt. Einen Quetzal bekommen wir leider nicht wie erhofft zu Gesicht, aber dennoch ist die Wanderung durch den urwüchsigen Primärwald wunderschön.


Zurück an der Lodge steigen wir auf den Aussichtsturm. Über dem Talamanca Gebirge geht soeben die Sonne unter, während dichte Nebelschwaden über die Berge wabern – ein faszinierendes Bild.



Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkel eine Bewegung: Und tatsächlich, ein männlicher Quetzal fliegt unmittelbar am Turm vorbei in Richtung Wald! Was für ein Glück, auch wenn wir noch kein Foto von dem legendären Vogel machen können. Wir steigen vom Turm herab und folgen dem Quetzal – leider ohne ihn erneut zu Gesicht zu bekommen. In der Cabina sitzen wir später vor unserem Panoramafenster bei einem Gläschen Cabernet Sauvignon und beobachten den sich rot einfärbenden Abendhimmel.


Spezialität des Hauses zum Dinner ist in der Paraiso Quetzal Lodge Forelle, die frisch aus dem Hausteich kommt; dazu gibt es Gemüse, Salat und Pommes. Das Restaurant ist ausgestattet mit einem gemütlichen Ofen, in dem ein Feuerchen lodert. Am Nachbartisch gehen vier amerikanische „Profi-Birder“ eine vorbereitete Liste durch und tragen ein, welche Vögel sie am heutigen Tag abhaken können. Es hält sich schon ein etwas schräges Völkchen hier oben in der Lodge auf!



01. - 03. März 2017 - Paraiso Quetzal Lodge; Flug von San Jose über Panama und Amsterdam nach Hannover

Auf der Suche nach dem legendären Göttervogel

Um 5.30 Uhr in der Frühe startet die Quetzal-Tour (35 $ p.P.). Das deutsche Ehepaar, das gestern mit ihrem High-Tech-Equipment Kolibris in einer gestellten Szenerie fotografiert hat, ist ebenfalls mit von der Partie. Unser Guide Alonzo erklärt, dass in der Gegend einige Bauern am Quetzal-Conservation Project partizipieren. Sie haben gelernt, dass der Erhalt des Quetzals für sie profitabler ist, als das Land landwirtschaftlich zu nutzen. Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Bestand des Quetzals und seiner Hauptnahrungsquelle – den Früchten des Avocado-Trees. Daher sei es extrem wichtig, Aufklärungsarbeit bei den Bauern zu leisten, damit sie die Avocado-Bäume auf ihren Grundstücken erhalten und nicht abholzen, erklärt Alonzo. Jeden Morgen melden die Bauern, wenn sie Quetzals auf ihren Grundstücken gesehen haben und erhalten für diese Arbeit von der Lodge einen Obolus. Die jeweiligen Spots werden dann morgens von den Guides der Lodge angefahren. Somit besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit, Quetzals während der gebuchten Tour auch zu sichten.

Wir fahren mit dem Auto ungefähr zehn Kilometer zu einem Gehöft. Der Bauer erwartet uns bereits und signalisiert, dass die Quetzals noch da seien. Wir sichten schon aus der Entfernung die knallgrüne Färbung eines Quetzals in einem Avocado-Tree. Es handelt sich um ein Männchen. Das Licht ist nicht optimal, so dass wir anfangs kaum zu guten Fotos kommen. Ein Weibchen und ein weiteres Männchen gesellen sich nach einer Weile dazu. Welch grandioses Erlebnis, diese sagenhaften Vögel in freier Natur erleben zu dürfen! Es beginnt gerade die Paarungszeit, in der die Männchen um ihr Weibchen werben und anschließend Nester bauen. Nach einer Weile fliegen die Quetzals in den dichten Wald, so dass wir sie aus den Augen verlieren. Sozusagen als Nachhut folgt ihnen kurze Zeit später noch ein weiteres Weibchen. Das Ergebnis am heutigen Morgen kann sich vorläufig sehen lassen: Vier Quetzals am allerersten Spot!

Wir fahren noch ein kleines Stück weiter und versuchen an einer anderen Stelle unser Glück. Der Junior-Inhaber der Paraiso Quetzal Lodge, Jorge, ist an diesem Spot bereits mit einem anderen englischen Pärchen in Position. In einem Avocado-Baum haben sie ein weiteres Männchen ausgemacht. Er hat sich jedoch im Blattwerk so gut versteckt, dass an brauchbare Fotos auch hier zunächst nicht zu denken ist. Plötzlich fliegt ein juveniles Männchen in den Nachbarbaum und endlich präsentiert sich ein Quetzal im optimalen Licht. Die langen Schwanzfedern sind bei diesem jungen Männchen noch nicht ausgebildet, sie haben erst ungefähr nach drei Lebensjahren ihre volle Länge erreicht.


Resplendent Quetzal, male


Die ganze Fotosession wird ein wenig gestört durch unsere „Fotoexperten mit der superteuren Ausrüstung“. Wir stellen fest, dass beide keine Ahnung von Vögeln und auch nicht vom Fotografieren haben. Schon am ersten Spot haben sie kein einziges Foto auf die Reihe bekommen, da sie solange mit dem Aufbau ihrer Stative beschäftigt waren, bis alle Quetzals verschwunden waren. Ich habe in der Zwischenzeit ohne Stativ fast einhundert Fotos im Kasten, darunter auch durchaus brauchbare! Corinna hat mit Hilfe eines Spektivs und unserem I-Phone ebenfalls tolle Nahaufnahmen und auch eine kurze Videosequenz geschossen. Eine teure Foto-Ausrüstung garantiert halt noch lange nicht gute Fotos, wie wir heute wieder einmal sehr eindrucksvoll resümieren können!

Am zweiten Spot ruft nun die nervige „Fotoexpertin“ fortlaufend nach ihrem Göttergatten Dieter, der ihr etwas an der Einstellung der Kamera erklären soll. Wenn ich schon hinter einer großen Vollformatkamera mit Riesen-Tele stehe, sollte ich schon wissen, wie sie funktioniert! Ein Wunder, dass die Quetzals bei dem ganzen Gezeter nicht das Weite suchen! Unser Guide scheint auch schon genervt zu sein! Wir sind am Ende dennoch restlos begeistert, an unserem allerletzten Urlaubstag die vielleicht schönsten Vögel dieser Erde gesichtet zu haben – mit Sicherheit eines der Highlights unserer Reise.

Zurück in der Lodge gibt es erst einmal ein passables Frühstück. Das Personal in der Paraiso Quetzal Lodge besteht fast ausschließlich aus jungen Ticos und gibt sich den Gästen gegenüber stets zuvorkommend. Wir versuchen noch ein paar Schnappschüsse von Kolibris im Hummingbird-Garden zu machen - gar nicht so einfach, da die hektischen Gesellen sich selten länger als einen Wimpernschlag an ein und dem selben Platz befinden.

 


Veilchenohrkolibri (Lesser Violet-Ear)         /          Violettkron-Brillantkolibri (Magnificent Hummingbird) 


Feuerkehlkolibri (Fiery-throated Hummingbird)


Auf einem weiteren Trail, dem Los Gigantes, haben wir später erneut großes Fotografenglück: Die endemischen Amigos del Hombres, zu deutsch Menschenfreund, wollten wir unbedingt sehen und fotografieren. Das gelingt uns heute vortrefflich, denn die niedlichen und fotogenen Wood-Warbler sind wenig scheu und kommen nahe an uns heran, da wir und absolut ruhig verhalten.



Halsband-Waldsänger (Collared Redstart) auch genannt "Amigo del Hombre" (Menschenfreund)

Auf dem Rückweg zur Lodge sichten wir einen weiteren fliegenden Quetzal, können seinen „Landeplatz“ aber anschließend leider wieder nicht ausmachen. Das nahe gelegene San Gerardo, das wir uns am frühen Nachmittag anschauen, lebt touristisch ebenfalls ausschließlich vom Quetzal.

Unsere französische Reisebekanntschaft, Frederik und Valerie, haben uns ein kleines Restaurant im Tal empfohlen, das Café Kahawa, wo sie direkt vor der Terrasse ebenfalls Quetzals beobachten konnten. Die Fahrt hinab in das Tal von San Gerardo ist nahezu abenteuerlich. Über eine schlechte und teilweise notdürftig geflickte Piste geht es rund 1.000 Höhenmeter steil abwärts. Unser Toyota bewältigt das Gefälle fast ausschließlich im ersten Gang. Das Kahawa Café ist tatsächlich landschaftlich wunderschön, in einem lieblichen Tal an einem Bach gelegen. Vor der Terrasse stehen lauter Avocado-Bäume, beste Voraussetzungen also für Quetzal-Sichtungen. Wir haben einen leckeren Lunch - natürlich wieder Forelle - und relaxen anschließend unten am Bach, in der Hoffnung, weitere Quetzals zu sichten. Vielleicht wäre es auch heute ein bisschen zu viel des Guten, denn wir bekommen keine weiteren Vögel mehr zu sehen.

Unser Abschlussdinner in der Paraiso-Quetzal Lodge ist jetzt gerade nicht ein kulinarisches Highlight – aber dennoch stoßen wir mit einem Gläschen Sauvignon Blanc auf einen ereignisreichen und richtig tollen Urlaub an.

Am nächsten Tag fahren wir über die Panamericana, deren Zustand sich seit unserem letzten Costa Rica Trip deutlich verbessert hat, nach San Jose. Zwei Stunden muss man für die Fahrt einplanen, da der Verkehr rund um San Jose in der Regel chaotisch ist. Wir geben unseren Toyota bei Europcar ab und werden mit dem Shuttle zum Flughafen gefahren. Über Panama und Amsterdam geht unser Flug planmäßig nach Hannover.

Diese Reise hat Geschmack auf mehr gemacht. Sicherlich werden wir uns in den nächsten Jahren weitere Destinationen in Mittel- und Südamerika erschließen.



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