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Kubu Island

15. September 2013, Matamba Bush Camp – Letlhakane, 520 km, 5:30 Stunden reine Fahrzeit

Ein korrupter Grenzpolizist und 520 Kilometer durch trockene Ödnis
Ein Tag, den wir ausschließlich zum Fahren eingerichtet haben. Über 500 Kilometer liegen vor uns zu unserem ersten Etappenziel in Botswana, Letlhakane, Ausgangspunkt für unsere Tour nach Kubu Island. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, draußen ertönt bereits seit einer halben Stunde das allmorgendliche Vogelkonzert. Corinna kümmert sich um die Zubereitung des Frühstücks, während ich das Dachzelt verstaue. Um 7.30 Uhr kommt Alan an unserer Campsite vorbei, um sich zu verabschieden und die Campinggebühr zu kassieren (300 Rand / Nacht).


Wir sind startklar für unsere erste 160 Kilometer lange Etappe, die uns nach Lephalale führt. Hier wollen wir die letzten Einkäufe im Pick´n Pay Supermarkt erledigen, insbesondere uns mit Wein bevorraten, den es sowohl in Südafrika als auch in Botswana ausschließlich in separaten Liquor Stores gibt (öffnen erst um 10 Uhr und gar nicht an Sonn- und Feiertagen!). Von Lephalale aus sind es noch 120 Kilometer bis zur Grenze von Botswana, Grobler´s Bridge, bzw. Martin´s Drift auf botswanischer Seite. Alle Straßen sind in einem tadellosen Zustand, so dass man ohne weiteres mit einem Schnitt von 100 km/h kalkulieren kann. Die Straße ist beidseitig gesäumt von eingezäunten Game Drive Farmen, die sich in der Region angesiedelt haben. Das hat zu Folge, dass kaum Rinder, Ziegen oder Esel unvermutet die Straße queren, so wie wir es im vergangenen Jahr in Kwazulu Natal erlebt haben.

Wir haben schon wahre Horrormärchen über das Procedere beim Grenzübertritt nach Botswana gehört, der sich bisweilen schon einmal bis zu vier Stunden hinziehen kann. Die Formalitäten auf südafrikanischer Seite sind innerhalb von 5 Minuten erledigt. Corinna meint noch, „das habe ich mir aber weitaus schwieriger vorgestellt“, da werden wir auch schon auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wir haben bereits die Brücke über den Grenzfluss, den Limpopo, überquert, als uns ein südafrikanischer Polizist mit auffälligen Goldkronen im Frontzahnbereich anhält und uns zunächst befragt, woher wir kommen. Dann möchte er plötzlich einen 5 € Schein haben, den er angeblich einrahmen und seinem Sohn schenken wolle! Als ob wir die ersten Europäer mit Euro-Währung wären, die hier die Grenze nach Botswana passieren! Da wir nicht so recht einschätzen können, ob der dreiste Kerl unsere Einreise verzögern könnte, zücken wir zähneknirschend den Schein und ernten ein süffisantes vielsagendes Lächeln. Aber immerhin dürfen wir jetzt passieren! Man kommt sich vor wie im falschen Film, wenn man wenig später an der botswanischen Grenzstation das Schild „Let us join hands in fight against Corruption“ liest!

Gespannt betreten wir das Office der botswanischen Grenzstation. Zunächst werden wir aufgefordert, ein Formular auszufüllen. Nachdem wir einige Fragen beantwortet haben, müssen wir einen zweiten Schalter des Zolls wenige Meter weiter aufzusuchen. Da wir nichts zu verzollen haben, folgt Schalter Nummer drei, wo wir den Einreise-Obolus von 190 Pula entrichten müssen. Dazwischen liegen Fragen, weitere Formulare – kurz und gut, ein personalintensiver bürokratischer Akt, dessen Sinn sich uns nicht wirklich erschließt! Alle Beamten wirken unfreundlich bis gelangweilt und nuscheln sich die Fragen in ihren Bart, so dass wir immer wieder nachfragen müssen, um sie überhaupt zu verstehen. Am Ende stellen wir fest, dass wir mehrfach versehentlich die falsche Fahrzeug ID angegeben haben, ohne dass dies am Ende irgendjemanden interessiert hätte! Immerhin haben wir lediglich 40 Minuten für die gesamte Einreiseprozedur benötigt – das hatten wir uns sehr viel schlimmer vorgestellt.


Auf den letzten Part an der Grenze sind wir vorbereitet: Es wird noch einmal kontrolliert, ob wir Gemüse oder Frischfleisch nach Botswana befördern. Die Beamtin filzt unseren Kühlschrank, in dem sich allerdings außer einigen Dosen mit Softdrinks und Weißweinflaschen nichts weiter befindet. Die botswanische Regierung hat eine panische Angst vor der Maul- und Klauenseuche, die in der Vergangenheit schon öfter einen starken Wirtschaftszweig, die Rindfleischproduktion, stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Diverse wissenschaftliche Abhandlungen beteuern die Unsinnigkeit der Maßnahmen, jedoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass sich jeder Individualreisende irgendwie mit den lästigen Kontrollen arrangieren muss!

Die verbleibenden 250 Kilometer bis Letlhakane sind landschaftlich langweilig und unspektakulär, die Straße ist allerdings in einem unerwartet sehr guten Zustand, so dass wir schnell vorankommen. In Letlhakane tauschen wir erst einmal Pula an einem ATM und kaufen im örtlichen Spar-Supermarkt Frischwaren für die nächsten zwei Tage ein. Auf der Straße zwischen Letlhakane und Orapa befindet sich ein neuer Campingplatz, die Tuuthebe Campsites. Wir haben im Namibia-Forum von dem Platz gelesen und ihn daher gezielt angesteuert – wir sind wieder einmal die einzigen Gäste auf dem Platz. Der Besitzer erklärt uns, dass er erst vor zwei Monaten eröffnet habe und dass wir überhaupt erst die dritten Europäer seien, die hier ihr Lager aufschlagen! Der Platz ist sicher die beste Alternative in der Gegend für eine Zwischenstation auf dem Weg nach Kubu Island, nach der Idylle der letzten Tage wirkt er jedoch aufgrund des unüberhörbaren Straßenlärms der A14 etwas ernüchternd. Der Platz ist indes funktionell eingerichtet – es gibt ein niegelnagelneues Waschhaus, Stromversorgung sowie ein Waschbecken an jedem Stellplatz. Für eine Nacht ist der Platz allemal in Ordnung (70 Pula p.P./Nacht).

Am Abend gibt es erneut ein Braai, dieses Mal ist das T-Bone Steak aus dem Spar in Letlhakane allerdings nicht annährend von der Qualität in Südafrika. Angeblich wird das Fleisch mit der besten Qualität ausschließlich nach Europa importiert während in den heimischen Supermärkten die Ware von überwiegend altersschwachen Tieren über die Ladentresen geht! Dafür ist der in der Holzkohle gegarte Butternut-Kürbis, angemacht mit Butter, Salz und Pfeffer extrem lecker.


16. September 2013, Letlhakane – Kubu Island, 80 km, 1:45 Stunden reine Fahrzeit

Majestätische Baobabs in einer unwirklich pittoresken Kulisse
Wir haben gestern Abend die dicken Schlafsäcke gegen unsere von zu Hause mitgebrachten dünnen Decken getauscht und sehr viel besser geschlafen als die Nacht zuvor. Nach dem Frühstück telefonieren wir mit der Haina Kalahari Lodge (Brakah Campsite), um die zwei Übernachtungen nach Kubu Island zu reservieren. Das Hainaveld, in dem sich die Lodge befindet, ist unmittelbar benachbart zum Deception Valley in der Central Kalahari und das Gebiet liegt inmitten des Territoriums vieler Kalahari Löwen. Eine hautnahe Begegnung mit den schwarzmähnigen imposanten Tieren erscheint daher möglich!

Heute haben wir alle Zeit der Welt, da wir nur eine kurze Fahrt von gerade einmal 80 Kilometern vor uns haben. Der Choppies Supermarkt in Letlhakane ist deutlich besser sortiert als der Spar Markt – insbesondere ist das Fleisch dort von einer deutlich besseren Qualität. Wir kaufen noch einige Grundnahrungsmittel ein, da wir am morgigen Tag auf dem Rückweg keine Zeit verlieren wollen. Wir haben dann eine lange Fahrt vor uns und es geht dann in den Tiefsand der Kalahari. 

 


Auf dem Weg nach Kubu Island komme ich schon einmal zu einer ersten Übungseinheit im Tiefsandpistefahren. Auf den ersten Kilometer bis Mmatshume gibt es noch eine asphaltierte Straße, danach beginnt die Offroad-Piste. Da sich sandige und steinige Passagen stetig abwechseln, verzichten wir darauf, Luft aus den Reifen abzulassen. Durch das Verringern des Luftdrucks wird die Oberfläche des Reifens im Tiefsand vergrößert, wodurch man nicht so leicht steckenbleibt und tiefsandige Streckenabschnitte leichter bewältigen kann. Corinna krallt sich zwar bei einigen kniffligen Situationen ein ums andere Mal am Armaturenbrett fest, jedoch stellt die Piste letztendlich noch keine größere Offroad-Herausforderung dar.



Wie aus dem Nichts taucht plötzlich vor uns die gleißend weiß leuchtende Sua-Pan auf. Sie gehört zu den Makhadigadi Pans, den größten Salzpfannen der Welt! Sie weisen insgesamt die Größe Belgiens auf. Die Salzpfannen sind zu dieser Jahreszeit steinhart und gut befahrbar. Zur Regenzeit verwandeln sich die Pans allerdings in tückische Schlammlöcher mit harter Oberfläche, in der schon so manch leichtsinniger Fahrer eingebrochen ist!

Wir stoppen für einen kurzen Videodreh, der unsere Fahrt über die Salzpfannen dokumentieren soll, und Corinna übernimmt das Steuer. Für einen kurzen Augenblick denke ich darüber danach, wie das wohl wäre, wenn sie jetzt einfach weiterführe und mich in dieser Einöde meinem Schicksal überließe! Die Gedanken sind jedoch schnell verworfen, da sie wie verabredet wendet und souverän unser Vehikel für den kurzen Dreh über die Salzpiste zurück zu mir steuert.

Schließich passieren wir einen Veterinärzaun und bringen die letzten Kilometer bis Kubu Island hinter uns. Spätestens heute wird uns klar, wie sich ein dürstender Wanderer in der Wüste fühlen muss: Am Horizont wirken die Luftspiegelungen wie reichhaltige Wasserreservoirs – auch hier lediglich eine Fata Morgana. Die kleinen baumbestandenen Inseln der Salzpfannen in der Entfernung scheinen über der Oberfläche zu schweben und sich in dem vermeintlichen Wasser zu spiegeln – ein irreales, aber gleichzeitig faszinierendes Schauspiel!


Kubu Island ist eine etwa einen Kilometer lange und zwanzig Meter hohe Erhebung mit fossilen Stränden im Südwesten der Sowa Pan. Das Bild der „Insel“ bestimmen mehrere Tausend Jahre alte Baobab-Bäume (= Affenbrotbäume) sowie afrikanische Sterkulien und Kastanien. Die Granit-Felsen dazwischen leuchten weiß durch den Guano von Vogelschwärmen aus einer längst vergangenen Zeit. Kubu wird abgeleitet von dem Setswana-Ausdruck für Flusspferd.



Die staatlich betriebenen Campsites befinden sich allesamt auf der Westseite von Kubu Island und sind stimmungsvoll in die bizarre Landschaft integriert worden. Wir suchen uns ein idyllisches Plätzchen unter einer mächtigen Kastanie, das „GPS Camp 3“. Die Campsites sind ausgestattet mit Plumpsklos, fließend Wasser gibt es auf Kubu Island nicht. Die Eintrittsgebühren inklusive Übernachtung sind wie an anderen Orten Botswanas auch hier geradezu explodiert: Ist in der aktuellen Auflage des Ilona Hupe Reiseführers von 2013 noch von 110 Pula p.P. die Rede, müssen wir stolze 210 Pula p.P. berappen – eine Steigerung von fast 100 Prozent!
Eine Vorausbuchung ist im Gegensatz zu den anderen Campsites in Botswana für Kubu Island nicht notwendig.

Wir richten uns erst einmal ein, stellen Tisch und Stühle auf. Es herrscht zur Mittagszeit eine ziemliche Hitze von deutlich über 30 ° Grad, unzählige Fliegen piesacken uns bei unserer kurzen Siesta im Schatten unserer Kastanie. Ich mache mich auf zu einer ersten Erkundungstour über die „Insel“ während Corinna noch eine Weile relaxed.

Welch magischer Ort – man steht staunend vor dieser unwirklich pittoresken Kulisse und kann es kaum glauben, das hier und jetzt erleben zu dürfen. Die majestätischen Baobabs vor den weißen Salzpfannen rauben mir den Atem. Die Kamera läuft heiß und ich tauche ein in diese einzigartige Märchenwelt. Spätestens wenn man im Nachmittagslicht auf dem höchsten Felsen Kubu Islands steht und um sich herum schaut, hat man sein Herz an diese atemberaubende Landschaft verloren!


Zu der trockenen Jahreszeit halten sich nicht all zu viele Tiere in den Salzpfannen auf – auf meiner ersten kleinen Erkundungstour entdecke ich lediglich einige Kaninchen, sowie eine davon huschende Schlange. Schakale, Hyänen und Impalas sind regelmäßige Besucher Kubu Islands, manchmal sind sogar Elefanten anzutreffen.

Gegen Nachmittag wird die Insel durch das Licht der tiefstehenden Sonne in ein softes Rot getaucht, was das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen lässt. Auch die Baobabs nehmen nun eine noch intensivere rötliche Färbung an und wenn man genau hinschaut, so entdeckt man sogar bei einigen von ihnen in den Borken menschliche Züge! „So habe ich mir immer Lummerland aus Jim Knopf vorgestellt“, meint Corinna spontan – es ist an diesem Ort wahrlich nicht schwer, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. In vergangenen Zeiten ist Kubu wohl auch ein geheimer Ort ritueller Zeremonien und Opferungen gewesen – man sieht die Buschmänner geradezu unter den mächtigen Baobabs vor seinem inneren Auge tanzen.




 


Zum Sonnenuntergang suchen wir uns ein schönes Plätzchen an einem der größten Baobabs. Der Himmel wird in das typische pastellige Licht gehüllt, für das Afrika bekannt ist. Lange sitzen wir da und betrachten schweigend das Farbspektakel und fühlen uns in diesem Augenblick sehr privilegiert, dass wir dies hier erleben dürfen!



Da Kubu Island über keinerlei Sanitäranlagen außer Plumpsklos verfügt, kommt heute erstmals unsere Solardusche, die wir am Ast eines Kastanienbaumes befestigt haben, zum Einsatz. Ich entzünde ein Campfire, um für die Zubereitung unseres Essens Holzkohle zu erzeugen. Corinna kocht heute zum ersten Mal auf typisch afrikanische Art und Weise - am offenen Feuer in einem Potjie, einem schweren, gusseisernen und feuerfesten Topf. Sie zaubert eine sagenhaft leckere Bolognese Sauce. Irgendwie habe ich das Gefühl, niemals eine bessere gegessen zu haben! Nichts gegen Corinnas Kochkünste – sie kocht wirklich fantastisch - aber könnten vielleicht die Begleitumständen dieses romantischen Dinners, in Mitten von Baobabs, bei Vollmond und Sternenhimmel sowie einem lodernden Campfire, an diesem Gefühl nicht ganz unschuldig sein?



17. September 2013 – Kubu Island – Haina Kalahari Lodge, 5:50 Stunden, 335 Kilometer

Unerwarteter Luxus am Rande der Kalahari

Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr, da wir den Sonnenaufgang nicht verpassen wollen. Wir laufen hinüber zur Ostseite von Kubu Island und kommen gerade recht! Das perfekte Foto wird allerdings verhindert durch eine dicke Dunstschicht am Horizont, die dafür sorgt, dass die Sonne erst einige Minuten nach Aufgang sichtbar wird. Dennoch sind wir auch heute Morgen vom Farbenspielen des Himmels begeistert.

Zurück an unserer Campsite nehmen wir noch ein schnelles Frühstück ein und packen dann unsere sieben Sachen zusammen.








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