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Kreta Teil 2

4.6.2010
Am Morgen werden erst einmal Orangen und Zitronen für einen leckeren frisch ausgepressten Frühstückssaft gesammelt. Die Früchte liegen massenweise auf der Erde herum. Außerdem gönnen wir uns heute den berühmten griechischen Joghurt (mit 10 % Fett!!!) mit Honig – lecker!
Heute werden wir durch die Chochlakies Schlucht zur Karoumes Bucht wandern. Wir stellen unser Auto an der kleinen Dorfkapelle ab und laufen einen staubigen Schotterweg mitten durch eine Olivenplantage hinunter. Bis zum Eingang der Schlucht sind es ungefähr zwanzig Minuten. Dort befindet sich das obligatorische Ziegengatter, welches wir brav wieder hinter uns verschließen. Die Wände des Canyons werden nun immer höher und steiler, in den Steilhängen stehend beäugen uns überall neugierige Ziegen. Wir fragen uns, wie diese Tiere die teilweise senkrechten Felswände bewältigen können!
 

Der Weg ist wiederum bestens markiert mit roten Punkten und Steinmännchen. Nach einer weiteren halben Stunde Kraxelei durch die Felsblöcke im trockenen Bachbett erreichen wir die Ebene, in der sich der Bach – zumindest im Winter – ins Meer ergießt. Ein phantastisches Farbenspiel von üppigen Oleanderbüschen, den allseits präsenten lilafarbenen Thymianbüschen sowie knorrigen,  silbrig schimmernden Olivenbäumen und dem türkisen Meer öffnet sich uns.


Auf der Rückfahrt kaufen wir in dem winzig kleinen Lädchen in Zakros auf der Straße nach Kato Zakros (es ist der zweite der beiden nahezu nebeneinander liegenden Minimärkte) hervorragend hausgemachten Schafskäse, den uns die freundliche und gut englisch sprechende Inhaberin zuvor zum Probieren anbietet. Auch kann man hier frische Eier aus Zakros sowie sehr gutes Bio-Gemüse einkaufen, welches nebenan in einem anderen „Verkaufsraum“ auf Kunden wartet. Abends bestätigt uns Yiannis, dass das Studio für die kommende Woche frei ist. Somit ist es beschlossene Sache, dass wir auch die zweite Woche unseres Urlaubes an diesem zauberhaften Ort verbringen werden.

Am Abend verweilen wir einmal mehr in der Kato Zakros Bay Taverne, die sich für uns als der Favorit der Tavernen am Strand heraus kristallisiert hat. Hier gibt es das mit Abstand beste Gemüse („Organic Vegetable“ aus dem Garten hinter der Taverne). Zudem bedient uns zumeist Kiki, die Frau von Taverneninhaber Kostas. Sie lernt gerade in Sitia Deutsch und ist eine wirklich interessante Gesprächspartnerin. Jeden Abend genießen wir zudem den unglaublichen Duft eines „Dama die Noche“ Busches aus dem Gemüsegarten der Taverne, der auf unserem all abendlichen Rückweg vom Strand schon aus 100 Meter Entfernung entgegen strömt. Der Duft der kleinen unscheinbaren weißen Blüten ist allerdings nur nachts in dieser Intensität wahrnehmbar – ein Wunder der Natur! Nach unserem Abendessen setzen wir uns in unmittelbarer Nähe dieses betörend duftenden Busches auf einen alten Mühlstein und betrachten den Sternenhimmel. So einfach, günstig und wunderschön kann Urlaub sein!


5.6.2010
Wir treffen uns mit Yiannis wie vereinbart um 11.00 Uhr und fahren hinunter zum Strand zu seinem Boot.

Heute Morgen hat es etwas geregnet und auch jetzt noch ist es ziemlich bewölkt. Das Boot prescht mit 45 mph die Küstenlinie entlang und schlägt immer wieder hart auf den Wellenkämmen auf. Nach 20 Minuten kommt die Bucht von Ambelos in Sicht. Wir lassen uns südlich von Xerokambos an einem kleinen Strand absetzen und vereinbaren, um 17.00 Uhr am Hauptstand an der Taverne abgeholt zu werden. So verbringen wir einige schöne Stunden am Strand mit Lesen und Baden und laufen dann in rund 30 Minuten zur Akrogiali Taverne, in der wir vor einigen Tagen schon mittags gegessen haben. Das Essen ist nicht annähernd so gut wie in den Tavernen von Kato Zakros, ganz zu schweigen von der Lage.

 

Pünktlich werden wir am Strand aufgelesen, und schon rauschen wir auf dem Meer zurück nach Kato Zakros. Wir bedanken uns herzlich bei Yiannis für den netten Bootstrip und fahren anschließend nach Zakros. Oberhalb des Ortes ist die Quelle, die den Bach Zakros speist und für die Entstehung der Zakros Schlucht verantwortlich ist. Selbst im Hochsommer sprudelt das Wasser aus dem Berg. Wenn man sich durch das obere Dörfchen treiben lässt, hat man fast den Eindruck, dass jedes Haus seine eigene kleine Landwirtschaft betreibt. Es gibt Weinstöcke, Gemüseanbau, Ziegen, Schafe, Hühner, sogar einige Puten bekommen wir zu Gesicht. Unten im kleinen Laden kaufen wir ein biss
chen hausgemachten Schafs-/Ziegenfrischkäse und auch Limonade aus der ortseigenen Limonadenfabrik, die von der Zakros Quelle mit Wasser versorgt wird. Tatsächlich schmeckt die Limonade hervorragend. Nach einem kleinen Plausch mit der freundlichen Ladenbesitzerin – erstmals erzählt uns dabei ein Grieche etwas über die derzeitige extreme Wirtschaftskrise in Griechenland - schenkt sie uns aus lauter Sympathie sogar noch eine Flasche Limonade! Wo gibt es denn noch so viel ehrlich gemeinte Gastfreundschaft  in Touristenregionen?

Am Abend machen wir uns unseren eigenen „Kretischen Abend“ vor unserem Studio. Es gibt lokal produzierten Schafskäse, eingelegt in Yiannis Olivenöl und selbst gesammeltem frischen Thymian, Tsatziki, Ziegenfrischkäse, ebenfalls aus Zakros sowie Tomaten, Gurken und Zwiebeln mit Olivenöl. Am Ende stoßen wir natürlich mit einem Gläschen Raki auf den Tag an – „Yammas“!

6.6.2010
Obwohl wir angesichts unserer Wanderung durch die Schlucht von Pervolakia eigentlich früh losfahren wollten, wird es am Ende doch fast neun Uhr. Nach eineinhalb Stunden kurvenreicher Autofahrt erreichen wir den Eingang der Schlucht. Es gibt in den Wander- und Reiseführern die unterschiedlichsten Angaben über Länge und Schwierigkeitsgrad der Wanderung. Gut gerüstet machen wir uns auf den Weg, insgesamt sind rund 400 Höhenmeter zu überwinden. Auch auf dieser Wanderung werden wir wieder keiner Menschenseele begegnen. Der Weg windet sich mal links mal rechts an den Schluchtenwänden entlang, selten geht man im Flussbett. Permanent müssen Manns hohe Felsbrocken überwunden werden, bei denen die Hände zu Hilfe genommen werden müssen. Der Weg in die Schlucht aufwärts ist nicht immer optimal gekennzeichnet - man muss auf rote und blaue Punkte achten, sowie auf gelbe quadratische Schilder mit rotem Punkt, die an markanten Positionen stehen. Auch sollen Steinmännchen bei der Orientierung helfen, jedoch weisen sie nicht immer den optimalen Wegverlauf.


Die Flora in der Schlucht wird erneut bestimmt durch üppige rosafarbene Oleanderbüsche und den leider noch nicht blühenden Mönchspfeffer. Außerdem wuchern aromatisch duftende Kräuter wie der fast verblühte Oregano, Thymian und Salbei entlang des Weges. Dem Mönchspfeffer wird nachgesagt, dass er den Mönchen helfen sollte, keusch zu bleiben. Nach ca. 45 Minuten müssen wir eine Holzleiter erklimmen, um einen senkrechten Felsen zu überwinden - alles jedoch recht einfach.

 

Steil ragen die durch unzählige Höhlen durchlöcherten Felswände links und rechts des Weges empor. Nach 1,5 Stunden erreichen wir einen herunter getrampelten Ziegenzaun. Danach sind es noch knapp 45 Minuten bis zum Ende der Schlucht. Dort wird man mittels eines auf Europaletten gekritzelten Schriftzuges „Village“ ins winzige Dörfchen Pervolakia geleitet, überquert noch eine Betonbrücke und geht geradewegs auf das Kafenion Aposperiho zu.

Es stehen ein paar Tische vor der Tür. Wir gehen hinein und scheinen die Besitzer beim Mittagsessen zu „stören“. Schnell werden wir jedoch sehr herzlich hereingebeten. Der gut englisch sprechenden  Taverneninhaber Manolis stellt uns kurz die Speisekarte vor. Wir entscheiden uns für Artischocken mit Saubohnen, Kartoffelsalat, Hühnchen mit Gemüse und kretischen Ziegenkäse. Dazu trinken wir sehr leckere Limonade aus Sitia. Später erhalten wir noch ohne Berechnung Kuchen, Früchte, Wasser und Wein dazu. Wolfram wird außerdem „genötigt“,  die von Ehefrau Antonia hausgemachten Schnecken zu probieren, die die Gastleute ebenfalls gerade genüsslich (und geräuschvoll) verspeisen. Tapfer isst er seinen Teller auf – tatsächlich sind die in einer leckeren Tomatensoße zubereiteten Schnecken richtig gut!

 

Schnell kommen wir mit Besitzer Manolis ins Gespräch. Er erzählt uns, dass er früher in der griechischen Navi zur See gefahren ist und nun mit seiner Ehefrau, die aus Athen stammt, in sein Heimatdorf zurückgekehrt ist. Gerade einmal 22 Bewohner zählt Pervolakia heute noch, die meisten davon sind über 70 Jahre alt. Auch wird die miserable griechische Wirtschaftslage kurz thematisiert. Scheinbar haben die griechischen Medien darüber berichtet, dass die Deutschen aufgrund der Krise nicht gut auf die Griechen zu sprechen seien. Manolis beteuert, dass „nicht alle Griechen schlecht seien, lediglich einige hohe korrupte Politiker aus der Regierung die prekäre Situation ausgelöst haben“. Wir bestätigen, dass wir dies genau so sähen. Später betritt noch der Schafhirte des Ortes das Cafenion, zusammen mit seinem wie ein Mafia-Patron aussehenden alten Vater, mit einer riesigen dunklen Sonnenbrille auf der Nase. Nach einer sehr interessanten Stunde zahlen wir unsere Zeche, gerade einmal 20 Euro, und machen uns auf den Rückweg.

Manolis beschreibt uns einen alternativen Weg zurück zum Kloster Kapsa. So ersparen wir uns den Abstieg durch die Schlucht. Abwärts wären die steilen Geröllfelder, die wir durchqueren mussten, sicher kein Zuckerschlecken. Im Dorf ist bereits die erste Markierung auf einer Mauer zu finden. Zunächst läuft man aus dem Dorf hinaus, entlang einer Wasserleitung in Richtung des letzten Olivenbaumes, den man bereits vom Dorf aus oben auf der Bergkuppe ausmachen kann. Rote und blaue Markierungspunkte helfen uns bei der Orientierung. Oberhalb des Olivenbaumes gelangen wir auf einen breiten Karrenweg. Nach 20 Minuten erreichen wir ein Ziegengatter, das wir durchqueren müssen. Malerisch kommt bald das türkis schimmernde Meer hinter der nächsten Bergkuppe in Sicht. Weitere 15 Minuten später biegen wir von dem breiten Pfad ab und folgen den Markierungen über einen steinigen schmalen Pfad in Richtung Schlucht. Der Pfad windet sich in Serpentinen abwärts ins Tal und endet schließlich unmittelbar am Kloster. Direkt neben dem Hühnerstall, bei dem zwei angekettete bedauernswerte Hunde alle Besucher des Klosters bedrohlich ankläffen, enden die roten Markierungen des Pfades. Insgesamt haben wir für den Rückweg durch ausschließlich landschaftlich lohnendes Terrain 1,5 Stunden benötigt.


Nach einer kurzen Verschnaufpause im schattigen Innenhof des Klosters fahren wir zum Ambelos Strand und halten dort ein kleines Schläfchen. Ein kurzes Bad im Meer wirkt ungemein erfrischend. Abends essen wir im Akrogiali. Es weht ein kräftiger Wind aus den Bergen, der Meltemi Wind, der im Hochsommer angenehme Abkühlung nach Kreta bringt.

 

7.6.2010
Der Meltemi-Wind hat morgens noch nicht nachgelassen. Wir beschließen nach Sitia zu fahren, einer Kleinstadt am Meer, in der Touristen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch säumen die Schilder „Rooms“ und „Apartments“ die Straße, entlang des 1,5 Kilometer langen sichelförmigen schmalen Sandstrandes, der aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zur Straße nicht sonderlich attraktiv ist. Wir parken in der Nähe des Hafens und schlendern die kleine Einkaufsstraße hinauf. An der mit Palmen umsäumten Hafenpromenade buhlen Tavernen und Cafes um Kundschaft. Oberhalb des Hafens thront das venezianische Kastell Kasarma, das allerdings zu unserem Leidwesen geschlossen hat. So haben wir die Treppenstufen hinauf umsonst auf uns genommen. In einem Cafenion am Hafen nehmen wir einen kleinen Snack ein und fahren dann weiter nach Paleokastro.

An der traumhaft gelegenen Taverne Chiona am Fuße des Tafelberges Kastri stellen wir unser Auto ab und besteigen anschließend den Kastri. Zunächst geht es durch ein Ziegengatter und danach durch unwegsames Gelände immer bergauf. Man muss sich selbst seinen eigenen Weg nach oben suchen, Markierungen sind nicht vorhanden. Schmarren an den Beinen, verursacht durch die kratzige und stachelige Macchia, sind unausweichlich. Von oben hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Buchten links- und rechtsseitig des Kastri. Der Wind bläst hier oben so kräftig, dass wir aufpassen müssen, nicht von einer Böe von den Klippen geweht zu werden. 







Den Nachmittag verbringen wir an einer der schönen kleinen Buchten in der Nähe des Kaps Plaka, die man über eine Staubpiste erreicht. Auf der Rückfahrt entdecken wir in Paleokastro einen kleinen Metzger, in dem man auch leckere lokale Produkte wie Olivenöl, Käse, Oliven und vieles mehr erwerben kann.

Abends lernen wir endlich Katerina, Yiannis Frau, kennen und plaudern eine ganze Zeit mit den beiden über die aktuelle griechische Politik. Sie berichten von dem korrupten Gesundheitssystem in Griechenland. So erfahren Patienten in Krankenhäusern (wie zum Beispiel bei Katerinas Entbindung vor einigen Tagen) nur eine angemessene medizinische Versorgung mit Medikamenten und entsprechender Betreuung durch das Krankenhauspersonal, wenn der behandelnde Arzt zuvor mit 250,-- € bestochen wurde. Danach wird uns einiges klarer, warum dieses System wirtschaftlich zusammenbrechen musste.


8.6.2010
Heute werden wir beide zufällig gemeinsam zum Sonnenaufgang wach und setzen uns in aller Herrgottsfrühe still auf unsere kleine Terrasse. Die Sonne geht unmittelbar vor unserer Palme in der Bucht von Kato Zakros auf. Rings um uns herrscht himmlische Ruhe, lediglich das Gemecker einiger Bergziegen sowie das Gezwitscher der erwachenden Vögel sind zu vernehmen. 



Wir wollen eine Wanderung nach Xerokambos entlang der Küste machen. Der wiederum gut mit roten Punkten gekennzeichnete Pfad beginnt unten in der Bucht, wo die Boote ins Wasser gelassen werden. Zunächst passiert man das obligatorische Ziegengatter, dann windet sich der geröllige schmale Pfad einen kleinen Hang hinauf. Einige teils tiefere Schluchten sind zu durchqueren.

 

Das Wandern über den steinigen Untergrund ist auf Dauer Kräfte zehrend. Nach einer knappen Stunde erreichen wir eine traumhafte Felsbucht, zu der wir hinabsteigen und ein erfrischendes Bad nehmen. Kurz vor Erreichen des Katsounaki Strandes nördlich von Xerokambos, passieren wir eine sehr schöne Kiesbucht, bei der der Pfad einen spektakulären Verlauf nimmt: Unmittelbar an der Kante einer Steilwand, die an den meisten Stellen zehn bis fünfzehn Meter senkrecht ins Meer abfällt, setzt sich der Weg fort.

In der Katsounaki Bucht machen wir dann eine lange Badepause. Wir wollen zurück per Anhalter nach Zakros fahren. Oben an der Straße fahren nicht allzu viele Autos, so dass wir darauf hoffen, nicht zu lange warten zu müssen. Nach nicht einmal fünf Minuten hält das erste Auto, das überhaupt in Richtung Zakros fährt, ein Berliner, der auf dem Weg nach Paleokastro ist. Er macht für uns sogar noch einen kleinen Umweg und setzt uns an der Einmündung der Old Road auf der Straße nach Kato Zakros ab. Wir laufen die Old Road hinunter bis zu Yiannis Retreat. Unterwegs hat man einen tollen Blick in den tief eingeschnittenen Zakros Gorge, den man auch den „kleinen Grand Canyon“ nennt.



9.6.2010
Nach dem gestrigen Aktivtag gibt es heute „Relaxing Pur“! Wir verbringen den ganzen Tag am Strand von Paleokastro, unterbrochen von einem kleinen Snack, den wir am Nachmittag in der Chiona Taverne einnehmen. Wir können uns nicht erinnern, jemals an einem idyllischeren Ort gespeist zu haben. Unter einer schattigen Tamariske sitzt man auf einer Plattform, die direkt auf einem Felsvorsprung im Meer gebaut wurde. 


Heute wollen wir in unserem kleinen Idyll grillen. Wir kaufen in Paleokastro Lammkoteletts und Rinder Hackfleisch ein, dazu gibt es griechischen Salat mit Schafskäse und Oliven. Yiannis hat den Grill bereits für uns präpariert, so dass wir ihn nur noch entflammen müssen. Diese Gastfreundschaft ist wirklich sagenhaft! Unser Vermieter Yiannis liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab! In unserem Studio finden wir heute erneut kleine Leckereien vor – eine kalte Gemüse Pie sowie eine Marmelade, beides selbstverständlich selbst gemacht von Katerina.



Am Abend sinnieren wir über all die Unterkünfte, die wir während unserer Reisen bislang genossen haben. Keine ist uns jemals so ans Herz gewachsen wie diese!


10.6.2010
Heute wollen wir eine Streckenwanderung von Agathia bei Paleokastro nach Hohlakies machen. Wir haben gestern Yiannis nach einer Busverbindung gefragt. Nach einem kurzen Telefonat berichtete er, dass morgen jedoch kein Bus zwischen Zakros und Sitia verkehre. Da er aber ohnehin morgens nach Sitia fahren müsse, bietet er uns an, uns mitzunehmen. So treffen wir uns um 9.30 Uhr an seinem Haus, das ungefähr bei der Einmündung der Old Road in die neue Straße liegt. Wir fahren mit zwei Autos nach Hohlakies, parken dort unser Auto wie vor einigen Tagen an der kleinen Kirche oberhalb der Schlucht und lassen uns dann von Yiannis bis Paleokastro mitnehmen.

Auf der Straße laufen wir bis nach Agathia, einem idyllischen verschlafenen Nest, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. Zum ersten Mal ist uns der Rother Wanderführer nützlich, da die erste Wegstrecke ohne Beschreibung schwer zu finden gewesen wäre. Am Ortsausgang an einem abgezäunten
Grundstück fristen wieder einmal zwei armselige Hunde, die an einem Olivenbaum angekettet sind, ihr Dasein. Sie sind derartig verschreckt als sie uns sehen, so dass diese Hunde sicher ohnehin nicht als Wachhunde taugen können. „Wozu dann diese Tierquälerei“, fragen wir uns zum wiederholten Mal. Wir lassen ihnen aus Mitleid je ein hart gekochtes Ei aus unserem Proviant zukommen und setzen dann unseren Weg fort. Das krasse Gegenbeispiel von Hundefehlverhalten war uns nur wenige Meter zuvor begegnet: Einer der zahlreichen wilden Hunde hatte ein wild flatterndes und um sein Leben kämpfendes Huhn gerissen.

Über einen üblen steilen Geröllpfad müssen wir einige Höhenmeter bewältigen bis zu einer Zisterne und dann auf einem Pfad weiter aufwärts zu einem weißen Kirchlein wandern. Kurz hinter der Kirche stehen auf dem Pfad einige Bienenkästen. Da wir uns zuvor bereits mehrfach nahe an die Kästen herangewagt haben, setzen wir arglos unseren Weg fort. Schnell bemerken wir, dass sich die Bienen anders verhalten. Einige fliegen ungebremst auf uns zu, teilweise ins Gesicht, so dass wir schnell einen kleinen Schlenker um die Bienenkästen herum machen, um ein wenig Abstand zu halten. Corinna trägt zu guter Letzt doch noch einen Stich an der Hand davon. Sicher rührt die Aggressivität daher, dass die „Wächter“ des Stockes sich von uns bedroht fühlten. Die Arbeiterinnen, die den Pollen auf den Thymianblüten sammeln und die uns auf unseren Wanderungen regelmäßig in großen Mengen umschwirren, sind überhaupt nicht angriffslustig.

Auf einem breiten Fahrweg geht es nun hinauf zu einem Sattel zwischen zwei Schluchten. Ab hier wird der Wegverlauf nunmehr grandios. Oben öffnet sich ein Wahnsinnblick auf die Bucht von Skinias, zu der wir auf einem Fahrweg abwärts wandern. Auf halber Strecke sind einige blau gekennzeichnete Abschneider hinunter zur Bucht markiert.


Unten in der Skinias Bucht – wir haben bis hierher gut zwei Stunden benötigt - suchen wir uns ein Plätzchen auf einem flach abfallenden Felsen. Das Wasser ist glasklar und türkis wie in einem Swimmingpool! Wir lassen uns von diesem Ambiente nicht lange bitten und nehmen ein erfrischendes Bad. Beim Herauskommen müssen wir Vorsicht walten lassen, da sich zahlreiche Seeigel an den Felsen festklammern.

 


Das außerordentliche Idyll wird beim anschließenden Sonnenbad durch beißende Fliegen getrübt, die uns penetrant piesacken. So beschließen wir, unseren Weg fortzusetzen über den schönen Pfad, der nun fast eine Stunde lang parallel zur Küstenlinie führt. Kurz vor der Karoumes Bucht entdecken wir einen winzigen, ebenso idyllischen kleinen Sandstrand, der von roten Felswänden umgeben ist. Hier legen wir eine zweite Badepause ein.




Danach führt der Pfad zur Karoumes Bucht und hinauf in die Schlucht von Hohlakies, auf gleichem Weg, den wir vor einigen Tagen bereits begangen sind. Unterwegs in dem nunmehr noch prächtiger blühenden Bachbett – sogar der Mönchspfeffer fängt mittlerweile an zu blühen – entnehmen wir einige Oleander Ableger, die wir zu Hause in unserem Garten (natürlich in einem Topf) anpflanzen wollen. Schauen wir einmal, ob das gelingt!



In der Hohlakies Schlucht findet ein „Höllenspektakel“ durch massenhafte Bienenschwärme statt, die angelockt durch die betörend duftenden Thymianfelder am Bachdelta am Meer, nunmehr zurück zu ihren Stöcken am Eingang der Schlucht fliegen. Am Auto angekommen, sind wir doch etwas platt, der Weg über die steinigen Pfade ist ziemlich ermüdend gewesen. Inklusive der ausgedehnten Badepausen haben wir für die Strecke gut vier Stunden zuzüglich der Badepausen benötigt.


11.6.2010

Ein Strandtag! Wir fahren an den Chiona Beach bei Paleokastro und verbringen dort fast den ganzen Tag. Auf dem Weg nach Paleokastro nehmen wir einen abenteuerlich aussehenden Anhalter mit langen Rastalocken und Gitarre mit. Er heißt David, kommt aus Brisbane/Australien und ist seit sage und schreibe 22 Jahren in der ganzen Welt unterwegs. Sein ganzes Hab und Gut passt in einen kleinen Beutel, dazu kommt seine Gitarre. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich durch seine Musik (Bob Dylan & Co), die er in Kneipen und Tavernen oder auf der Straße zum Besten gibt. Über manche Lebenskünstler kann man einfach nur staunen!

Am frühen Nachmittag möchten wir einen kleinen Snack an einer der schön gelegenen Tavernen am Fuße des Tafelberges Kastri einnehmen. Wir entscheiden und für die Fischtaverne Batis, nahezu ebenso schön gelegen wie die benachbarte Chiona Taverne, in der wir vor einigen Tagen waren. Leider machen wir hier am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes an der Ostküste Kretas die ersten schlechten Erfahrungen überhaupt. Das Essen ist geradezu ungenießbar. Wir haben einen Octopus-Salat bestellt – mit 10,50 € nicht gerade ein Schnäppchen. Der Tintenfisch ist zäh wie Leder und schwimmt in einem fiesen, stechend schmeckenden Essigdressing. Die Tavernenwirtin hat sich derweil in Luft aufgelöst, so dass wir unsere Beschwerde nicht einmal loswerden können. Beim Bezahlen hört sie sich dann unsere Beanstandung fast teilnahmslos an und verschwindet anschließend wieder in ihren Katakomben. Um diesen Laden sollte man trotz der schönen Lage tunlichst einen großen Bogen machen!

Abends verbringen wir noch eine Weile am nördlichen Kiesstrand von Kato Zakros und beobachten die Fischer, die ihre Boote vertäuen. Der Wind hat sich noch immer nicht beruhigt, so dass alle Boote im windgeschützten nördlichen Teil der Bucht ankern. Ein sicheres Hafenbecken gibt es ja hier nicht! Bei extrem starken Stürmen werden alle Boote halt aus dem Wasser gezogen.

Heute hat die Fußball WM in Südafrika begonnen. Mal sehen, ob man in den Tavernen unten am Strand davon Notiz nimmt!? Da wir hier oben kein TV und auch keinen Internetempfang haben, sind wir diesbezüglich komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

In der Kato Zakros Bay Taverne gibt es heute Live-Musik. Ein Grieche mit einer Bouzoúki und seine deutschstämmige Frau spielen sehr schöne griechische Folklore. Einige Passagen sind uns sogar geläufig (das klassische „Syrtaki-Thema“ und der durch die griechische Volksheldin Nana Mouskouri um alle Welt gegangene Hit „Weiße Rosen aus Athen“).
 

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