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Kreta Teil 1

28.05.2010
Unser Nachtflug mit TUI-Fly ab Hannover (ca. 250,-- € p.P.) landet planmäßig um 7.00 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen von Heraklion. Wir haben einen Mietwagen über billiger-mietwagen.de gebucht (416,-- € für 16 Tage) und erhalten einen nagelneuen Suzuki Alto. Sogleich machen wir uns in Richtung Osten auf den Weg. Die Landschaft bis Agios Nikolaos ist wenig attraktiv. Das Gebiet ist mittlerweile stark zersiedelt, eine Touristen Bettenburg jagt die nächste. Höhepunkt ist sicherlich das ehemals unscheinbare Straßendorf Malia, das wegen seines schönen Strandes und der Nähe zu Heraklion eines der Touristenzentren Kretas darstellt. Immerhin kommt man auf der gut ausgebauten Küstenstraße schnell voran, so dass wir diese für uns ungastliche Region schnell hinter uns lassen können.

Hinter Agios Nikolaos beginnt die Kretische Riviera. Die Panoramastrecke mit Ausblicken auf das türkisfarbene Meer und üppig sprießenden Oleander, strahlend gelben Ginster sowie bildschön gewachsenen Zypressen am Straßenrand, dazwischen immer wieder sattgrüne Olivenplantagen und Weinberge, bietet ein großartiges Farbenspektakel. Östlich der weiten Bucht von Agios Nikolaos stoppen wir in einem kleinen verschlafenen Nest direkt am Meer, Pachia  Ammos. Im Cafe Aephaes genießen wir ein kleines Frühstück, bestehend aus einem Sandwich und einem Cappuccino. Den herrlichen Ausblick auf das Meer mit kleinen vorgelagerten Inseln gibt es gratis dazu.




Einziger Wermutstropfen: Die Bucht von Pachia Ammos gilt als die „Kloake“ von Agios Nikolaos, da der Unrat der Stadt permanent an den Strand des Örtchens gespült wird. Trotz der Bemühungen der Einwohner ist der Müll am Strand allgegenwärtig. Am östlichen Ende der Bucht befindet sich eine bildschöne kleine Kapelle.

 

Unterbrochen von einigen Fotostopps auf der Panoramastrecke, u.a. an einem bizzarren Steinbruch, fahren wir weiter nach Sitia, einer scheinbar touristisch aufstrebenden Kleinstadt, in der möglicherweise demnächst ein weiterer internationaler Flughafen für den Osten der Insel eröffnen soll. Bislang landen hier lediglich einige Inlandsflüge pro Woche. Die Landschaft um Sitia profitiert offenbar nicht gerade von den Plänen – überall wird gebaut und es werden leer stehende seelenlose Siedlungen hochgezogen. Höhepunkt ist die wohl größte Fehlplanung der Region, Dyonisos Village, 1993 von einem Investor mit großen Ambitionen als Time Sharing Projekt erbaut und nach dessen Pleite bis zum heutigen Tag nahezu leer stehend! In Sitia erledigen wir so lediglich für einen Einkauf der notwendigsten Lebensmittel in einem Spar Supermarkt.

Hinter Sitia wird die Landschaft karg – die Region gilt als die regenärmste auf ganz Kreta. Über kahle Bergrücken gelangen wir nach Kato Zakros, einer wunderschönen Badebucht mit idyllischen Tavernen am Strand. Wir haben uns oberhalb des Örtchens im Yiannis Retreat für die erste Woche unseres Kreta Aufenthaltes eingebucht (40,-- € pro Nacht). Die Anlage ist liebevoll angelegt mit fünf zu vermietenden Studios.



Besitzerin Katerina und ihr Mann Yannis sind nicht anwesend, da sie früher als erwartet am heutigen Tag im Krankenhaus von Agios Nikolaos einen gesunden Sohn (Nikos) zur Welt gebracht hat. So werden wir von ihrer Schwester Stella, die nebenan ebenfalls sehr hübsche Studios vermietet, freundlich empfangen. Da wir in dieser Nacht nur sehr wenig Schlaf bekommen ha
ben, relaxen wir zunächst auf unserer wunderbaren blumenumrankten Terrasse. Der Garten der Anlage ist Balsam für das Auge, überall wuchern Wandelröschen, Oleander, Minzebüsche und Rosen, die von bunten Schmetterlingen umschwirrt werden. Von den kleinen schattigen Sitzplätzen im Garten hat man einen sagenhaften Ausblick auf die Bucht von Kato Zakros, mit einer davor liegenden, fast bis zum Strand reichenden Olivenplantage. Neben Yiannis Retreat gibt es auf dieser Seite des Tals einige weitere nette kleinere Apartment Anlagen, wie z.B. Katerina Apartments, vermietet durch den Wirt der Taverne Akrogiali, George Villas.

Am Abend laufen wir hinunter zum schönen Kiesstrand. Das Wasser leuchtet wie auf Postkarten in verschiedenen hellblauen Farbtönen. Unten vermietet fast jedes Haus Zimmer, z.B. das Coral, das Athena und das Poseidon (ebenfalls im Besitz des Akrigiali Wirtes), die bereits ab 20 € zu haben sein sollen. Kato Zakros besteht nur aus wenigen Häusern, die Hälfte davon sind Tavernen, die alle nebeneinander am Strand stehen. Wir entscheiden uns für das Akrogiali, das von allen am schönsten gelegen ist. Wir ordern griechischen Salat und Saganaki (gebackener Schafskäse) sowie Lamm mit Kartoffeln bzw. geschmortes Gemüse – alle Gerichte sind lecker und werden mit bekannt griechischer Gastfreundschaft von dem maximal 1,50 m großen „Kellner“ serviert. Mit Wasser und einem Liter Hauswein zahlen wir am Ende rund 35,-- €, ein akzeptabler, wenn auch nicht mehr wie in früheren Zeiten sensationell günstiger Preis.


29.5.2010
Wir frühstücken auf einer der uns zur Verfügung stehenden schattigen Sitzplätze unterhalb unseres Studios. Die Zubereitung ist etwas improvisiert, da es nur einen sehr kleinen Herd mit einer großen und einer sehr kleinen Herdplatte gibt. Das Brot kann in einem Sandwich-Maker getoastet werden. Zutaten zum Frühstück wie Butter, Marmelade, Obst, Tee und Kaffee werden kostenlos bereitgestellt.


Nach einem ausgedehnten Frühstück fahren wir hinunter zum Strand. Am nördlichen Ende der Bucht gibt es einen kleinen einsamen idyllischen Kiesstrand, wo wir unseren ersten Strandtag bei einer guten Lektüre genießen. Natürlich nehmen wir auch unser erstes Bad im schon recht warmen Mittelmeer.

In der Nähe unseres Strandes am nördlichen Ende der Bucht beginnt eine Wanderung zur Pelekitas Tropfsteinhöhle, die wir heute in Angriff nehmen wollen. Die Wandertouren auf Kreta entnehmen wir wie zumeist bei unseren Reisen in Europa dem Rother Wanderführer. Der malerisch gelegene steinige Pfad ist mit roten Punkten und Steinmännchen bestens markiert. Er führt entlang der schroffen Küstenlinie durch eine aromatisch duftende Macchia Landschaft, die durch lila blühende Thymian Büsche bestimmt wird.

Nach einer guten Stunde erreichen wir die Tropfsteinhöhle. Bewaffnet mit einer Taschenlampe erkunden wir das Innere und entdecken zahlreiche Stalaktiten. Von der Höhle aus führt über den Bergkamm ein weiterer Wanderweg nach Kato Zakros, der allerdings ca. drei Stunden in Anspruch nimmt. Alle Wanderwege in der Nähe von Zakros sind gut markiert. Es gibt zudem an den Ausgangspunkten Tafeln mit Wanderkarten. Eine ausführliche Wanderkarte des Gebietes mit einem Maßstab von 1:25.000 kann z.B. bei Stella, die auch als Wanderführerin arbeitet, erworben werden. Wir gehen nach einer kurzen Rast vor der Höhle auf gleichem Weg wieder zurück.

Zurück bei Yiannis Retreat treffen wir endlich auf unseren Vermieter, den wir zunächst herzlich zur Geburt seines Sohnes beglückwünschen. Er begrüßt uns herzlich mit einem Willkommenskorb, gefüllt mit Raki, Wein, Oliven etc. Heute Abend entscheiden wir uns für die Taverne Kato Zakros Bay. Es gibt Tsatsiki und Auberginen Mus als Vorspeise, danach einen gemischten Grillteller mit Gemüse aus eigenem Anbau und Moussaká.


30.05.2010
Heute legen wir einen geruhsamen Strandtag in Xerokambos ein. Über Zakros geht es durch ein mit Olivenbäumen bewachsenes Tal in das verschlafen wirkende Örtchen. Früher war der Ort eher eine Sommersiedlung für Bauern, heute leben die Bewohner mehr und mehr vom allerdings noch sehr beschaulichen Tourismus. Überall werden an der Straße „Rooms“ und „Apartments“ angeboten, wahrscheinlich hofft man auch hier bereits auf den geplanten Ausbau des Flughafens in Sitia!? Zur Zeit ist die komplette Ostküste glücklicherweise vom Massen- und Pauschaltourismus verschont geblieben, wahrscheinlich auch deswegen, da hier archäologische Fundstätten vermutet werden, die geschützt werden sollen und daher die Behörden keine Baugenehmigungen erteilen. Wir fahren an das südliche Ende des Strandes zu einer kleinen Kapelle und einer völlig unspektakulären Ausgrabungsstätte. Xerokambos verfügt über eine Vielzahl idyllischer Strände, die auch am heutigen Sonntag fast menschenleer sind. Unterhalb der Ausgrabungsstätte lassen wir uns in einer kleinen Sandbucht nieder.


Gegen Mittag nehmen wir in einer Taverne am Strand, die den gleichen Namen trägt, wie eine der Tavernen in Kato Zakros Akrogiali, einen kleinen Snack ein, Moussaká (6,50 €) und Grüne Bohnen mit Tomaten und Kartoffeln (5,50 €) – insgesamt sind die Speisen hier nicht gerade eine Offenbarung. Den zweiten Teil des Tages verbringen wir in einer wundervollen Bucht, dem Katsounaki Strand, den man über eine üble Schotterpiste, ausgehend vom nördlichen Ortsrand, erreicht. Das Auto stellen wir am Ende der Piste ab und laufen noch ca. gut fünf Minuten in Richtung der Sanddünen. Die ca. 100 Meter lange Bucht mit feinstem Sand ist eingerahmt von Felsen, das Wasser ist kristallklar.

Am Abend  besichtigen wir die Hauptattraktion von Kato Zakros, den minoischen Palast (Bild unten), der neben den Ausgrabungsstätten in Knossos und Phestos zu den wichtigsten Funden der minoischen Kultur zählt (Eintrittspreis 3,-- €). Der Palast von Zakros wurde erst 1961 entdeckt. Da er im Gegensatz zu den anderen Ausgrabungsstätten nie geplündert wurde, konnten hier die wichtigsten Fundstücke der minoischen Kultur entdeckt werden. Für Archäologie-Laien ist der Besuch der Ausgrabungsanlage nicht sehr spektakulär. Man muss ein wenig seine Phantasie spielen lassen, um sich das Leben der Minoer im Palast vorstellen zu können. Es sind lediglich einige Steinhaufen und Mauern auszumachen. Ein Flyer informiert über die Anordnung der Räumlichkeiten im Palast. Es gibt auf dem Gelände damals wie heute einige Brunnen und Wasserstellen, in denen Sumpfschildkröten leben. Der violette Boden in und um die Palastanlage ist wie im gesamten Tal von Kato Zakros allgegenwärtig. Bemerkenswert ist die runde Zisterne, die wahrscheinlich als privates Schwimmbecken oder als Aquarium für exotische Fische diente - …und das vor 3400 Jahren! Bei unserem Rundgang  haben wir die ganze Anlage für uns alleine. Am Hang oberhalb der Ausgrabungsstätte hat man einen wunderschönen Überblick. Im Schatten eines alten Olivenbaumes genießen wir die Beschaulichkeit dieses Ortes. Zu guter Letzt schauen wir uns noch den wahrscheinlich ersten Metall Schmelzofen der Weltgeschichte an.



Abends gibt es in der Akrogiali Taverne unten am Meer leckere warme Weinblätter (4 €) sowie Kaninchen (9 €) und Bifteki (5,50 €).


31.05.2010
Wir werden wohl unser geplantes Programm für heute ein wenig umstellen müssen. Bereits morgens ist es sehr warm, so dass an eine ausgedehnte Wanderung kaum zu denken ist. Heute wollen wir zum berühmten Palmenstrand Vai fahren. In Paleokastro kaufen wir in einem netten kleinen Shop, Art & Lumiere, ein paar Postkarten sowie ein Buch über Schluchten auf Kreta. Hier kann man außerdem diverse Wanderkarten sowie allerlei (nicht kitschige) Souvenirs erwerben. Wir entscheiden uns zunächst nicht am Touristenanziehungspunkt Nummer 1 an der Ostküste, dem Palmenstrand Vai, zu stoppen, sondern zwei Kilometer weiter nördlich zu den einsameren Stränden von Itanos, dem Vai in Kleinformat, zu fahren. Auch hier stehen einige Palmen direkt am Strand, vor allem am Südstrand, den man über die historische Ausgrabungsstätte erreicht. Hier gibt es eine frühchristliche Basilika mit zahlreichen umgestürzten Säulenstümpfen. Wir laufen durch die alten Steine hinauf auf den vor uns liegenden Berg. Von hier hat man eine gute Aussicht auf die drei aneinander grenzenden Strände, die im Gegensatz zu Vai nicht überfüllt sind. Wir beschließen von hier aus nach Vai zu wandern. Wir queren den kleinen Palmenstrand, gehen durch ein Ziegengatter hinauf den Felsen und folgen einem unmarkierten Trampelpfad der Küstenlinie entlang. Unter uns entdecken wir weitere traumhafte Strände, die völlig menschenleer sind. Unterwegs sind sogar einige Wegmarkierungen mit roten Punkten auszumachen.

Nach ca. 30 Minuten kommt der Strand von Vai in Sicht, allerdings aus einer anderen und viel schöneren Perspektive, als ihn die meisten anderen Bustouristen erleben. Wir suchen uns einen Weg durch die Macchia nach unten zur Bucht. Der Strand ist für Vai-Verhältmisse verhältnismäßig leer, zur Hauptsaison werden die Pauschaltouristen aus den Hotelanlagen von Malia & Co gleich scharenweise hierher gekarrt! Heute finden wir sogar einen Platz unter Schatten spendenden Palmen in erster Reihe.

Vai ist einer der wenigen Palmenstrände in Europa - man fühlt sich fast wie in der Karibik. Die Palmenart von Vai ist sehr selten. Hier gibt es Hunderte von Phoenix-Theophrastii-Palmen, die ansonsten nur an wenigen anderen Stränden Kretas vorkommen. In den 70er Jahren war Vai ein einziges Hippie Paradies. Der Müll der wild kampierenden „Blumenkinder“ stapelte sich, in die Stämme der Palmen wurden Sprüche und Initialien eingeritzt, Palmblätter abgerissen - die Palmen waren schließlich vom Aussterben bedroht. Die kretische Naturschutzbehörde reagierte und vertrieb die Hippies und die meisten Palmen  wurden eingezäunt. Am Strand sind mittlerweile Sonnenschirme und Liegen aufgestellt, die gemietet werden können (4,50 € pro Person). Ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz befindet sich hinter dem Strand (4,-- € pro PKW).

Nach einer kleinen Siesta unter Palmen essen wir in der Snackbar am Strand ein pappiges  Sandwich mit Feta bzw. Thunfisch (3,-- €). Oberhalb der Bar befindet sich zudem eine Taverne, die aber laut  Reiseführer ebenfalls mit einer eher mäßigen Qualität aufwartet. Für den Rückweg entschließen wir uns, einen Weg entlang des Strandes zu finden. Diese Variante ist ebenfalls möglich, erfordert aber einige Kletterpartien über Felsen. Belohnt werden wir durch einen völlig menschenleeren Traumstrand zwischen Vai und Itanos, den wir bereits von oben ausgemacht hatten und der uns sicher immer in Erinnerung bleiben wird.



Auf der Rückfahrt besichtigen wir noch das Kloster Toplou, das mit seinen meterdicken Mauern wie eine mittelalterliche Burg daherkommt. Es gilt aufgrund seiner großen Ländereien als eines der reichsten Klöster Kretas, auch der Strand von Vai gehört zu den Besitztümern. In der Kirche sind eine Reihe wertvoller Ikonen ausgestellt, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammen. Heute lebt nur noch ein einziger Mönch hier. Nach der Besichtigung kaufen wir noch zwei Liter Olivenöl, das neben Wein hier produziert wird. Mit einem Gläschen Weißwein aus eigenem Anbau stoßen wir im klostereigenen Kafenion auf einen wunderschönen Tag an.

Unser Abendessen nehmen wir in der kleinen Glaros Taverne unten am Strand von Kato Zakros ein. Es gibt gefüllte Weinblätter bzw. Zucchiniblüten sowie Kaninchen in Weinsauce (8,--€) und Pastitio (6,--€), ein griechischer Nudelauflauf.


01.06.2010
Da wir heute die Todesschlucht durchwandern wollen, stehen wir bereits sehr früh auf, frühstücken auf unserer oberen Terrasse in aller Ruhe und sind um 8.00 Uhr bereit zum Aufbruch. Wir haben uns gestern für eine ungewöhnliche Variante der Schlucht Durchwanderung entschlossen, die nicht in dem ansonsten sehr zu empfehlenden Rother Wanderführer aufgeführt ist. Wenige Meter unterhalb des Einstiegs in den Dead´s Gorge führt ein steiler steiniger Pfad nach oben, das Hinweisschild nach Traostalos Mountain unten an der Old Road ist nicht zu übersehen. Wir folgen den gut sichtbaren roten Markierungen bzw. Steinmännchen durch unwegsames Gelände. Nach einem kurzen steilen Aufstieg folgen wir dem Pfad, der zunächst parallel zur nördlichen Kante des Dead´s Gorge führt. Von hier kann man schon einmal tief hinab blicken auf das vom Oleander rosa eingefärbte Bachbett. Nach einer guten halben Stunde durch betörend duftenden Thymian erreichen wir die erste Weggabelung, gekennzeichnet mit hölzernen Hinweisschildern. Wir halten uns links in Richtung Azokeramos. Der Pfad führt mit mäßiger Steigung hinauf zu einem Hochplateau. Die Wanderstöcke erweisen uns in dem gerölligen Gelände gute Dienste. Die beiden Örtchen Zakros und Klissidi kommen nun in Sicht.



Auf der leicht abfallenden Ebene führt der Pfad immer gerade aus, durch ein Ziegengatter hindurch und parallel zu einem Zaun bis links unter uns eine kleinere Nebenschlucht erkennbar wird. Hier lassen wir uns für kurze Zeit verwirren durch eine große rote Markierung auf der Spitze eines Felsens jenseits des Zauns, die steil hinab in die Schlucht führt. Wahrscheinlich hat irgendein „Witzbold“ an dieser Stelle rote Irrwege markiert. Wir halten uns hingegen weiterhin parallel zu dem Ziegenzaun und gelangen schließlich zur Abzweigung, ebenfalls mit Holzschildern markiert, an der wir den Pfad nach Azokeramos verlassen und auf den Dead´s Gorge zuhalten. Erneut müssen wir ein Ziegengatter passieren und steigen dann auf einem schmalen steinigen Pfad in Serpentinen hinunter in eine Nebenschlucht des Dead´s Gorge. Unten blühen die Oleanderbüsche prachtvoll im trockenen Bachbett. Umrahmt von einem rosa Blütenmeer legen wir eine kurze Rast an einem schattigen Plätzchen ein. Der Weg durch das unwegsame Gelände oben auf dem Plateau hat uns doch ein wenig Kraft gekostet.

Schließlich setzen wir unseren Weg den Markierungen folgend fort und gelangen in eine weitere Nebenschlucht. Ein Wegweiser findet sich an der Kreuzung auf einem Felsen im Bachbett. Es folgt eine kleine Kletterpartie an einer Felswand. Hier sind Haken in die Felswand eingeschlagen, die dem Wanderer den Abstieg ermöglichen.

Nach insgesamt mehr als drei Stunden reiner Wanderzeit gelangen wir schließlich in die Todesschlucht. Der Name der Schlucht stammt aus der minoischen Zeit Kretas. Die Einwohner des Palastes in Kato Zakros begruben hier ihre Toten in Felsnischen. Neben der rosa Blütenpracht des Oleanders wird die Schlucht bestimmt durch lila gefärbte Erde und Felswände. Die Färbung wird verursacht durch eine Schicht aus Rotkupfererz, die von der Erosion aus den Tiefen der Erde zum Vorschein gebracht wurde, so dass sich dem Wanderer ein lila farbener Teppich bis zum Palast von Kato Zakros ausbreitet.

 

Der Weg ist nun nicht mehr unwegsam, Klettereien sind nicht mehr erforderlich. Nach einem weiteren kurzen Stück öffnet sich auf der rechten Seite die Felswand. Hier ist der erste Einstieg in die Schlucht, von der neuen Straße zwischen Zakros und Kato Zakros ausgehend. Die Wanderer, die sich für diese Variante entscheiden, verpassen dabei jedoch den spektakulären oberen Teil des Canyons. Ab hier verbreitert sich der Grund der Schlucht, überall sind in den Felswänden Höhlen zu erkennen. Nach insgesamt fünf Stunden gelangen wir schließlich zurück an unseren Ausgangspunkt.

Oben bei unserem Studio angekommen, bietet uns Yiannis erst einmal einen erfrischen Eiskaffee an – langsam kehren die Lebensgeister nach der anstrengenden Tour wieder zurück. Den Nachmittag verbringen wir in der nördlichen Bucht von Kato Zakros. Über den Bergen ziehen gegen Abend dunkle Wolken auf, Yiannis versichert uns allerdings, dass es wohl keinen Regen gäbe. Es handelt sich um Ausläufer des ansonsten gefürchteten Sciroccos, einem Südwind aus der Sahara, der im schlimmsten Fall ganze Landstriche mit feinem Wüstensand überzieht.

Wir haben in diesen Tagen unseren Vermieter Yiannis als einen liebenswürdigen und unglaublich großzügigen Gastgeber kennen gelernt. Heute hat er uns unaufgefordert eine kleine Kommode in das Zimmer gestellt, da ihm beim Reinigen aufgefallen war, dass wir kleinere Probleme hatten, unsere Taschen abzustellen. Abendessen gibt es wieder im Akrogiali, dieses Mal entscheiden wir uns für frittierte Auberginen (4,--€), Lammkoteletts (8,-- €) und gegrilltes Huhn (6,50 €).



2.6.2010
Kato Zakros, vor allem aber auch die himmlisch friedliche Anlage sowie die ehrliche Gastfreundschaft von Yiannis haben uns dazu bewogen, unseren Aufenthalt hier um drei Tage zu verlängern. Wir sind wahrlich weit gereiste Menschen, dieser Ort jedoch sucht seines Gleichen! Heute steht eine Rundfahrt im Südosten der Insel auf dem Programm. Wir fahren zunächst nach Xerokambos und genießen, nachdem wir die abenteuerlichen Serpentinen hinauf zu einer Aussichtsplattform hinter uns gebracht haben, den Blick auf die Bucht von Ambelos. Unsere erste Station ist Voila, ein verlassenes mittelalterliches Dorf, das einst von einer venezianischen Sippe bewohnt wurde. Markant ist der festungsartige Wohnturm mit Ornamenten über dem Eingang und einem hervorragend erhaltenen Tonnengewölbe. Unterhalb des Wohnturms befindet sich ein reich verzierter Brunnen unter einem Schatten spendenden Oleanderbusch, dessen Ornamente leider stark verwittert sind – ein geradezu magisches Plätzchen! Oberhalb der verfallenen Gemäuer thront die doppelschiffige Kapelle Agios Georgios, mit Resten sehr alter Wandmalereien.



Von Voila fahren wir hinab in die Bucht von Analipsi und Makrigialos. Die den Berghängen vorgelagerte Ebene ist übersäht von unattraktiven Gewächshäusern, in denen Tomaten gepflanzt werden. Auch haben sich hier größere Touristenanlagen angesiedelt, viele „Betonskelette“ an der Straße zeugen zudem von erhöhter Bauaktivität. An der Durchgangsstraße der beiden direkt ineinander übergehenden Ortschaften sind die touristischen Aktivitäten, anders als an der gesamten Ostküste, unübersehbar. Hier reihen sich zu beiden Seiten der Straße Hotels, Shops und Tavernen aneinander.

Oberhalb der Ebene liegt auf 340 Metern Höhe das Örtchen Pefki. Zahlreiche verfallene Häuschen zeugen davon, dass sich die Bewohner mittlerweile dem Leben in dem einsamen Bergdörfchen abgewandt haben. Mittlerweile leben nur noch 70 Menschen hier. Unseren ursprünglichen Plan in der Taverne namens „Zur Weinlaube“ (der Wirt hat jahrelang in München gelebt) eine Kleinigkeit zu essen, verwerfen wir, da ein Generator oben im Dorf einen Höllenlärm verursacht. So fahren wir in das Nachbardorf Agios Stefanos und nehmen in einem unscheinbaren Cafenion gegenüber der Kirche mehr schlecht als recht einen kleinen Snack ein.


Anschließend lassen wir uns noch durch die kleinen Gassen von Pefki treiben – dies
könnte sicher ein sehr charmantes Örtchen sein, wenn man dem Verfall Einhalt gebieten und die Bausubstanz erhalten würde. Überall sind als Grundstücksbegrenzung allerlei Behälter mit Blumen und blühenden Artischocken zu finden.

Über eine abenteuerliche Piste fahren wir hinunter nach Analipsi an den wenig besuchten Strand von Diaskari. Hier befindet sich eine nette kleine Taverne, in der man unter Tamarisken verweilen kann. Es herrscht eine relativ starke Brandung mit einem starken Sog, so dass man beim Baden Vorsicht walten lassen muss. Nächste Station ist das Kloster Kapsa, das am Eingang zur Perivolakia Schlucht auf einem Felsvorsprung klebt. Wir werden herzlich von dem hier lebenden Mönch begrüßt und bekommen ein Stück Gebäck angeboten. Erbaut wurde Kapsa im 15. Jahrhundert, es gibt sogar zwei Ikonen, die aus dieser Zeit stammen. Nachdem wir auf einer steilen Treppe zu einer Höhle oberhalb des Klosters aufgestiegen sind, in der ein Mönch namens Jerontojannis Mitte des 19. Jahrhunderts siebzehn Jahre lang gelebt haben soll, besichtigen wir die sehenswerte Kapelle. Der Mönch schließt uns die Tür auf und gibt uns mit seinen wenigen Brocken Englisch Auskunft über den Bau und die wertvollen Ikonen.



Für die Rückfahrt haben wir eine andere Route ausgewählt. Über Ziros fahren wir nach Chandras und von dort über eine wunderschöne Hochebene in Richtung Sitanos. Saftig grüne Wein Rebstöcke, üppig wuchernde Oleanderbüsche in einem kleinen ausgetrockneten Bachlauf verleihen der Ebene besonders im ersten Teil der Strecke einen lieblichen Reiz. Auch die bunt getünchten Bienenkästen, die überall in der Gegend zu finden sind, liefern farbenfrohe Fotomotive.

Hinunter führt eine kurvenreiche Straße nach Zakros, wo wir in einem Internetcafe Unterkünfte für den zweiten Teil unseres Kretaurlaubes recherchieren. Wir interessieren uns für den zentralen Süden der Insel, wobei die Orte Kamilari und Pitsidia unsere Favoriten sind. Ein im Internet traumhaft wirkendes – wenn auch nicht ganz preisgünstigen - Bed & Breakfast bei Lagolio, „
The Old Kafenion“, das unser Favorit in der Vorauswahl war, ist leider voll belegt.

Abends essen wir in der Kato Zakros Bay Taverne „Kulukopsomo“, geröstetes Tomatenbrot mit Schafskäse und Oliven, eingelegt in Olivenöl und Gewürzen – die griechische Antwort auf italienisches Bruschetta. Bald haben wir die Speisekarten der Lokale unten am Meer komplett durchprobiert. Die Küche liefert zwar in allen Tavernen keine kulinarische Überraschung, jedoch lockt uns die einmalige Atmosphäre am Strand bei kostenlosem Meeresrauschen immer wieder hierher.


3.6.2010
Ein Tag zum Relaxen! Wir wollen am heutigen Tag etwas länger den Traumstrand zwischen Vai und Itanos genießen. Den ganzen Tag verläuft sich am Strand außer uns keine Menschenseele! Um uns herum sind nur der helle Sandstrand und das in satten Blautönen leuchtende Meer. Wir genießen dort unsere Lektüre, u.a. den Bestseller „Die Kathedrale des Meeres“ von Ildefonso Falcones, ein großartiger Mittelalter Roman, sowie „Postlagernd Floreana“ von Luise Marie Dreßler, ein Bericht über die deutsche Familie Wittmer, die in den 30er Jahren auf eine unbewohnte Galapagos Insel ausgewandert ist und ihr gesamtes Leben dort verbracht hat.


Auf der Rückfahrt erkunden wir noch den Kouremenos Strand von Paleokastro – ebenfalls ein sehr idyllisches Örtchen. Der zwei Kilometer lange von Tamarisken umsäumte Sandstrand gilt als einer der besten Windsurfreviere Kretas – heute herrscht allerdings Flaute, so dass von den Surfern nichts zu sehen ist. Hier werden nett gelegene Zimmer direkt am Meer vermietet - von Massentourismus auch hier keine Spur! Zudem gibt es ein paar angeschlossene Tavernen, von denen man einen schönen Blick auf den markanten Tafelberg Kastri hat.

Jeden Abend genießen wir die Fahrt in das Tal von Kato Zakros. Auf der hinunter führenden Straße hat man beinahe das Gefühl, am Ende ins Meer einzutauchen. Dann folgt der Blick auf die atemberaubend schöne Bucht.

Am Abend plaudern wir mit Yiannis und er phylosophiert mit uns über Gott und die Welt. Dazu gibt es sehr leckere garantiert unbehandelte Bio Gurken – ein Genuss, wenn man an die teilweise schlechte Qualität denkt, die man in Deutschland zumeist aus holländischer Massenproduktion erhält. Yiannis lädt uns ein zu einem Bootstrip, den wir in den nächsten Tagen unternehmen könnten. Dieses nette Angebot werden wir dankbar annehmen! Abends in der Kato Zakros Bay Taverne schauen wir, ob weitere Mietangebote per E-Mail gekommen sind. Tatsächlich sind viele der von uns angefragten Pensionen ausgebucht. Kato Zakros ist uns inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Da wir uns ohnehin nur halbherzig und bereits mit weinendem Auge um eine andere Unterkunft für unsere zweite Woche bemüht haben,  entscheiden wir uns am heutigen Abend, auch den Rest unseres Urlaubes hier zu verbringen, sofern unser Studio frei ist.

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