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Kaokoland-1

19. April 2014 – Epupa Falls – Okandjambo (Wildes Camp)


T4Africa Karte: Epupa Falls - Okandjambo

Romantische Übernachtung in einem trockenen Flussbett
Früh morgens kommen wir ins Gespräch mit der Gruppe aus Südafrika, die unseren Nachbarplatz eingenommen hat. Sie wollen den berüchtigten Van Zyl´s Pass im Norden des Kaokovelds befahren. An diesen Pass sollte man sich definitiv mit mindestens zwei, besser drei 4x4 Fahrzeugen mit hoher Bodenfreiheit heran wagen. Er ist zudem ausschließlich von Ost nach West befahrbar. Unsere diesbezüglichen Ambitionen sind eher gering, da es uns nicht in erster Linie um ein „Offroad-Abenteuer“ geht. Das 4x4 Fahrzeug bleibt für uns Mittel zum Zweck, unberührte Landschaften zu erkunden und hautnahe Tierbegegnungen zu haben.

Um 7.30 Uhr sind wir startklar. Die Bedienung aus dem Restaurant unserer Campsite fragt uns, ob wir ihren Freund mit nach Opuwo nehmen können. Steven kommt aus der Nähe von Oshakati und hat dort eine Art Taxiunternehmen mit drei Fahrzeugen. Er ist Ovambo, Katholik und nicht polygam wie die Himbas, wie er berichtet. Er möchte seine Freundin im nächsten Jahr heiraten – eine Feier mit über Tausend Gästen – acht Ochsen werden geschachtet! Das nenne ich mal eine Hochzeitsparty!!!

Wir benötigen nur 2,5 Stunden bis nach Opuwo. Steven bedankt sich für den „Lift“, und wir tanken erst einmal unser Auto bei der winzigen Shell-Tankstelle voll – eine deutliche sympathischere Gas-Station als die große Total Tankstelle auf dem Hinweg. Anschließend kaufen wir in einer winzigen Bäckerei ganz frisches Brot und erledigen unseren Einkauf im OK-Supermarkt, der einigermaßen gut sortiert ist. Selbst Frischfleisch kann man hier bekommen. Es ist schon ein sehr ungewöhnlicher Anblick für Europäer, wenn im Supermarkt halbnackte Himba-Frauen zwischen den Einkaufsregalen herumlaufen und sich Cola-Flaschen in ihre Einkaufswagen laden! Vor dem Supermarkt lauern wieder zahlreiche Verkäufer und bettelnde Kinder und belagern Corinna, die unser Auto während des Einkaufs bewacht. Das Kontrastbild hierzu bilden dann wiederum adrett gekleidete junge Mädels mit hochhackigen Schuhen, die vor dem Laden flanieren. Opuwo ist wirklich ein zwar schmuckloses, aber aufgrund der hier aufeinander prallenden unterschiedlichsten Kulturen, ein höchst interessantes kleines Städtchen. Wir bedauern sehr, dass wir keine Zeit haben, uns einfach einmal ein oder zwei Stunden in eine Bar zu setzen und dem Treiben zuzuschauen. Beim ATM der FNB Bank direkt nebenan besorgen wir dann noch etwas Bargeld.

Auf der D 3707 fahren wir tiefer hinein ins Kaokoveld. Die Gravelroad ist in einem verhältnismäßig guten Zustand und lässt sich problemlos befahren. Hier und da sind steil abfallende Flussbetten zu durchqueren. Wir passieren immer wieder kleine Siedlungen, in denen überwiegend Herero-Frauen, aber auch ein paar Himbas im Schatten eines großen Baumes sitzen. Die unendliche Weite mit sanften Berghängen gibt  uns einen weiteren Vorgeschmack auf die grandiosen Landschaften des Kaokovelds. In Otjiu treffen wir auf den mehr oder weniger ausgetrockneten Hoarusib River, bereits von weitem an den ihn säumenden Makalani Palmen zu erkennen. Eine Zeitlang folgen wir dem Flusslauf auf einer weiterhin gut zu befahrenen Pad. Die Landschaft mit den in der Sonne weiß schimmernden Gräsern und den sanften Berghängen am Horizont ist berauschend.


Rund 40 Kilometer hinter Otjiu muss die Entscheidung fallen, ob wir dem Riverbed 4wd-Trail folgen können, oder aber weiterhin auf der D 3707 verbleiben. Tatsächlich führt eine Spur in das Flussbett hinein, der wir folgen. Schon auf den ersten Metern werden wir heftig durchgeschüttelt. Unvermittelt führt die Two-Spoor Pad aus dem Flussbett hinaus und wieder zurück zur 3707. Weiterführende Spuren sind nicht zu finden. Da wir nicht die ersten sein wollen, die im Flussbett eine Spur legen, entscheiden wir uns, einen anderen Einstieg in den Riverbed-4wd-Trail zu suchen. Aber auch ein paar Hundert Meter weiter sind wir nicht erfolgreich. Ich laufe einmal quer durch das Flussbett, um eine Fahrspur zu entdecken – vergeblich! Somit ist die Entscheidung für die D 3707 gefallen – wir werden sie am Ende nicht bereuen! 
Die nun folgenden Kilometer durch eine Schlucht sind spektakulär und landschaftlich wunderschön.


Wir machen uns langsam auf die Suche nach einem Nachtlager. Einige Kilometer vor Okandjambo treffen wir auf ein breites ausgetrocknetes Flussbett, in das wir hineinfahren und unter einem weit verzweigten Anna-Tree ein idyllisch gelegenes Camp finden. Corinna bastelt noch eine Dusche unter dem Baum und schon ist unser Camp perfekt!

 

Wir lieben einfach diese einsamen Orte, an denen außer den natürlichen Geräuschen der Natur rein gar nichts zu vernehmen ist. Leider verdirbt uns eine fette dunkle Wolke den großartigen African Sky! Eine Time-Lapse Aufnahme unter dem Anna-Tree mit der Milchstraße fällt somit leider aus. Wir haben bereits gestern aus dem übrigen Stück Rinderfilet ein leckere Bolognese Soße gekocht, so dass die Kochprozedur heute Abend mit wenig Aufwand verbunden ist. Wie gewohnt leuchten wir die Umgebung rings um uns ab – wir haben ein Gebiet in der Nähe des Hoarusib Rivers erreicht, in dem Löwen vorkommen können. Außer zwei eng aneinander liegenden leuchtenden Augen im nahen Gestrüpp, die schnell verschwinden als sie in den Lichtkegel geraten, kann ich am heutigen Abend jedoch nichts ausmachen. „Wahrscheinlich ein Schakal“, versuche ich zu deuten, ohne mir meiner Sache sicher zu sein. Einige Nachtfalter umschwirren uns, angezogen vom Licht unserer Kerzen und der Solarleuchte. Am Campfire besprechen wir unsere morgige Route  – wir werden den Plan spontan über den Haufen werfen – soviel vorweg!


20. April 2014 – Wildes Camp im Riverbed bei Okandjombo – Marienfluss Valley (Otjinhungwa)– 5 Stunden, 170 Kilometer 



T4Africa Karte: Okandjambo - Marienfluss Valley

„Das große Krabbeln“ im Marienfluss Tal
Wir erwachen wie immer in aller Herrgottsfrühe und genießen schweigend den Sonnenaufgang. „Ich habe in der Nacht ein entferntes Brüllen gehört, möglicherweise von Löwen?“, gebe ich zum Besten. Corinna hat aufgrund ihrer Ohrstöpsel wie immer nichts gehört. Zum Frühstück gibt es erneut French Toast. Ich bastele eine „Luxus-Bush-Toilette“ mit Hilfe eines liegenden Stammes – es gibt sogar einen Toilettenpapierhalter, ein abstehender Ast am Stamm!

Den Fahrspuren folgend fahren wir noch ein gutes Stück ins Riverbed hinein. Vier Straußenmänner nehmen schnell Reißaus, als wir uns nähern. Nach und nach verliert sich die Spur, so dass wir uns entscheiden, umzudrehen und zurück zur D 3707 zu fahren. Unterwegs kommt uns ein Jeep entgegen. Wir stoppen und der Fahrer erklärt, er sei der Inhaber des Syncro-Camps am Marienfluss-Tal. Ich erkundige mich nach den Straßenbedingungen und er erwidert lapidar: „Very easy“, dann fahren beide Fahrzeuge ihres Weges. Wir haben schon viele begeisternde Berichte über den Marienfluss gelesen und großartige Bilder gesehen. Ich schlage vor, „warum sollen wir nicht einfach unseren Plan ändern und zum Marienfluss fahren“? Corinna ist zunächst zögerlich, willigt kurze Zeit später jedoch ein. Über die Routen zum Marienfluss werden ebenfalls reinste Horrormärchen erzählt. Wir werden feststellen, dass die Strecke - ausgenommen einer kleinen Passage - wieder einmal halb so wild ist!

Wir fahren an einigen malerischen Tafelbergen vorbei – die Szenerie erinnert uns stark an das Monument  Valley. Zahlreiche kleine Himba-Kraals liegen auf der Strecke, Kinder kommen an die Straße, winken oder fordern uns auf, anzuhalten, um „Sweeties“ abzustauben. Es folgt eine etwas schwierig zu fahrende Passage über den Rooidrom-Pass. „Das ist ja der Van-Zyl´s Pass in Miniaturausgabe“, versuche ich zu scherzen. Corinna krallt sich am Amaturenbrett fest und findet die Passage alles andere als witzig! Extrem steile und steinige Auf- und Abfahrten wechseln sich ab – einmal muss ich gar die Differenzialsperre dazu schalten. Wenn man den Pass langsam und vorsichtig fährt, ist auch dieser kein Problem, auch wenn in dem Kaokoland-Führer von Johan Snyman die Route mit dem Schwierigkeitsgrad 3 (von 4) eingestuft ist. Hinter dem Pass öffnet sich eine weite Ebene, auf der zahlreiche Springböcke friedlich grasen.
 


Schließlich erreichen wir das Jan Joubert Memorial. Der im Jahre 2006 ermordete Jan Joubert hat die Pionierarbeit für die Erschließung des Kaokolands geleistet und großen Anteil daran, dass wir uns heute an dieser überwältigenden Landschaft erfreuen können. Der Blick zurück zur Bergkette raubt uns schier den Atem. Ein Meer von weißen Gräsern, die sich im heißen Wüstenwind sanft wiegen, vor einer kesselförmigen Berglandschaft, garniert mit einem strahlend blauen Schäfchenwölkchen-Himmel. „Davon kann man definitiv süchtig werden“, gerate ich ins Schwärmen! Unter einem Baum beim Memorial rasten wir für eine Weile und Corinna bereitet uns ein leckeres Sandwich zu, während ich das Naturschauspiel mit einer Timelapse festhalte.

Nach wenigen Kilometern hinter dem Memorial öffnet sich der Blick in das zehn bis fünfzehn Kilometer breite Marienfluss-Tal. Es ist eingerahmt von den Otjihipa Mountains im Osten und den Hartmann Mountains im Westen. Die rote Sand-Pad im Tal ist problemlos zu befahren und führt zu dieser Jahreszeit durch einen grünen Grasteppich, so weit das Auge reicht. Besonders die Pastellfarben von Gras, Himmel und Bergkette begeistern uns. Es ist Mittagszeit, so dass wir nicht allzu viele Tiere zu sehen bekommen – sie verstecken sich lieber im kühleren Schatten der Bäume.

 

Im Marienflusstal (aber auch in anderen Teilen des Kaokovelds) kann man Feenkreise bewundern. Lange Zeit war unklar, wie diese merkwürdigen kreisrunden Gebilde entstehen. Erst im Jahr 2013 ist ein deutscher Naturwissenschaftler dem Phänomen auf die Spur gekommen: Sandtermitenvölker, die hier ihre Bauten in acht Metern Tiefe haben, sind die Verursacher. Die kleinen Insekten fressen die Wurzeln der einjährigen Gräser an, so dass diese absterben. An der Oberfläche bilden sich kreisrunde, völlig vegetationslose Bereiche. Gewünschter Effekt für die Termiten: Das wenige Niederschlagswasser wird nicht durch Wurzeln von Gräsern aufgenommen sondern versickert im Erdreich. So entsteht in den Gängen des Baus trotz der kargen und trockenen Umgebung eine Luftfeuchtigkeit von über 85 Prozent.

Nach fünfstündiger Fahrt erreichen wir endlich den Kunene River. Im Syncro-Camp ist soeben die südafrikanische Truppe eingefallen, die über den Van Zyl´s Pass gefahren ist und bereits bei den Epupa Falls unsere Nachbarn waren. Das ist uns definitiv zu viel Rummel an diesem abgeschiedenen Ort, so dass wir drei Kilometer weiter zum Okarohombo Community Camp, welches von Himbas geführt wird, fahren. Wir sind die einzigen Gäste und wählen eine schöne Campsite (80 NAM $ p.P.) unter einem riesigen, ausladenden Anna-Tree aus.

Ein abgemagerter Hund, bei dem man jede Rippe zählen kann, setzt sich direkt zu uns an den Platz. Er hat in seinem Leben sicher schon allerlei Prügel einstecken müssen, bei jeder kleinsten Bewegung schreckt er auf. Wir haben noch altes Gemüse, das wir eigentlich entsorgen wollten. Wir kochen ihm einen ganzen Topf voll, jedoch rührt er zu unserer Überraschung unser Festmahl nicht an! Trotz allergrößten Hungers werden einige Hunde halt dann doch nicht zu Vegetariern!

Der Abend steht unter dem Motto „Das große Krabbeln“. Überall kriechen rot-schwarz gestreifte Dickbens-Grillen (auf Afrikaans "Dicker Bauch) aus ihren Löchern - Corinna nennt sie „Killer-Heuschrecken“ - und überfallen uns bei unserem Braai. Diese unangenehmen Zeitgenossen sind schon in dem dokumentarischen Roman von Henno Martin, „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“, der in der Namib-Naukluft Wüste zu Zeiten des 2. Weltkrieges spielt, sehr treffend beschrieben:

„Kleine Hornschrecken, zuerst kaum sichtbar, entwickelten sich zu schwarzen, fünf Zentimeter großen Ungeheuern, die alles fraßen, was ihnen vor die Kiefer kam, selbst ihren eigenen Leib, wenn er verletzt war. Wenn man sie störte, richteten sie ihren langen Fühler auf und zirpten böse. Berührte man sie, gaben sie einen ekligen gelben Saft von sich. Sie krochen in Scharen überall umher; mit Vorliebe besuchten sie uns nachts in den Betten und krabbelten uns mit ihren harten, langen Beinen über Ohren und Nasen.“

Wir fühlen uns nicht allzu weit entfernt von dieser Schilderung!

Die Nacht ist extrem heiß, über 30 °Grad. Wir schwitzen uns in unserem Dachzelt halb tot, obwohl wir alle Fenster geöffnet haben. Erst der Morgen bringt ein wenig Abkühlung und ermöglicht uns doch noch einige Stündchen Schlaf.


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