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Haina Kalahari Lodge

Wir haben eine lange Fahrstrecke, davon über 70 Kilometer im Tiefsand, zu fahren. Bis Letlhakane benötigen wir gerade einmal 1:45 Stunden. Schnell verliert die Tiefsandpiste ihren Schrecken, da unser Toyota Hilux durch sie hindurch schnurrt wie ein Kätzchen! Beim Choppies lassen wir uns vier Pakete Rinderfilet vakuumverpacken. Eigentlich wollten wir Einheiten von je 500 Gramm, bekommen aber 1 Kilo Pakete! Was soll´s, angeblich hält sich das Fleisch bis zu zwei Wochen und es kostet ein Zehntel vom Preis in Deutschland (4 Kilo für ganze 20 €!!!). Bei der botswanischen Bevölkerung ist Rinderfilet gar nicht so beliebt, da sie lieber für ihre Eintöpfe Stücke mit Knochen und Fett verwenden, ein Grund für den niedrigen Preis.

Nachdem wir noch einmal vollgetankt haben – wir stellen fest, dass unser Hilux ungefähr 11 – 12 Liter verbraucht hat -, fahren wir auf der B300 bis nach Rakops durch eine relativ eintönige Landschaft. Ein paar Weißrückengeier tuen sich am Straßenrand am Kadaver eines Rinds gütlich. 18 Kilometer hinter Rakops geht die schnurgerade Sandpiste zur Haina Lodge ab. Ich will zunächst einmal versuchen, die Piste zu bewältigen, ohne den Reifendruck zu reduzieren. Das klappt auch problemlos - lediglich am Anfang gibt es ein paar tiefsandige Passagen, danach lässt sich der Weg sehr gut befahren.

Erstaunt betrachten wir unterwegs die Vorboten des Frühlings, die selbst in dieser unglaublichen Trockenheit unverkennbar sind. Die Akazien beginnen zu treiben und satt-gelb zu blühen und man fragt sich, woher die Pflanzen aus der um diese Jahrezeit unwirltichen Umgebung ohne Wasser und Nährstoffe die Kraft dafür beziehen!

 

„Eigentlich könnte ich heute einmal meine erst Offroad-Erfahrung machen, die Piste ist nicht so schwierig“, meint Corinna. Gesagt, getan – ich stoppe den Toyota und wir tauschen die Plätze. Es ist für sie nicht nur die erste Offroad-Fahrt, sondern auch die erste in einem Fahrzeug mit Steuer auf der rechten Seite! Corinna schlägt sich hervorragend, sie hat lediglich einen leichten Linksdrall und gerät dadurch hier und da aus der vorgegebenen Sandspur. In den sogenannten „Two-Spoor-Sandroads“ sollte man das Lenkrad sich selbst überlassen und nicht gegensteuern, das Fahrzeug findet die richtige Spur sozusagen von alleine!

Kuke Corner ist die nordöstliche Ecke der Central Kalahari. Ebenso wie das ganze Land ist auch die Kalahari komplett von sogenannten Veterinary Fences eingezäunt. Überall auf den Straßen befinden sich zudem Veterinärkontrollen, die den Inhalt der Kühlschränke von 4x4 Fahrzeugen kontrollieren und unter Umständen mitgeführtes Frischfleisch konfiszieren. 


Die Rinderzucht spielt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in Botswana eine übergeordnete Rolle – sehr zum Leidwesen des Naturschutzes. 3 Millionen Rinder in einem Land mit 1,9 Millionen Einwohnern hat bereits das ökologische Gleichgewicht der Kalahariböden durch Überweidung nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Zudem werden die „Killerzäune“ in Dürrejahren zu einer tödlichen Falle für Wildtiere. Auf ihrer instinktiven Migration zu den Wasserquellen im Okavangodelta werden die Zäune zu einer tödlichen Falle. Hunderttausende Gnus und Antilopen verendeten in den 1970er und 80er Jahren qualvoll!

Die Veterinärkontrolle an der Kuke Corner lässt uns glücklicherweise ohne weiteres passieren – nicht auszudenken, wenn wir hier unser schönes Rinderfilet eingebüßt hätten! Wir wissen aber, dass an den Veterinärzäunen ausschließlich in umgekehrter Richtung kontrolliert wird. Schließlich erreichen wir die Haina Kalahari Lodge. Wir werden von Wanda und Adrian, den Managern der Lodge, sehr herzlich empfangen.

Das private Game Reserve ist 11 Hektar groß und es beherbergt alle Wildtiere, die hier in ihrem natürlichen Habitat leben, diverse Antilopenarten wie Kudus, Elen, Oryx und viele mehr, alle Raubkatzen wie Löwen, Leoparden, Geparden sowie Schakale, braune Hyänen und Tüpfelhyänen. Die Raubtiere passieren mühelos die engmaschigen Zäune – das Reserve ist lediglich ein kleiner Bestandteil ihrer riesigen Territorien.

Bei einem kühlen Drink an der Bar besprechen wir die geplanten Aktivitäten mit Adrian. Zunächst entscheiden wir, beide Abende in der Lodge uns mit einem Dreigangmenü verwöhnen zu lassen. Da wir natürlich nicht jeden Abend unser Dachzelt abbauen wollen, um zur Lodge zu fahren – die Brakah Campsites sind sieben Kilometer von der Lodge entfernt -, bietet uns Alan an, uns zum Dinner abzuholen und auch wieder anschließend zurück zu bringen. Außerdem planen wir einen Bushman-Walk sowie einen nächtlichen Gamedrive. Obwohl wir als Camper nur einen Bruchteil der anderen Lodgegäste zahlen (150 Pula p.P./Nacht), werden wir extrem zuvorkommend behandelt – das wissen wir sehr wohl zu schätzen. Wir dürfen sogar den Pool morgen nutzen, da die Lodgegäste, eine Gruppe von vier älteren englischen Paaren mit ihren beiden Guides, einen Tagesausflug in die Central-Kalahari machen.


Auf unserem Weg zur Brakah-Campsite sehen wir noch jede Menge Wildlife, Springböcke, Kudus, aber auch ein paar süße Steinböckchen mit ihren großen Kulleraugen. Das Camp ist ausgestattet mit Duschen und Toiletten mit Wasserspülung – das Wasser wird aus 100 Metern Tiefe aus dem Grundwasser nach oben befördert uns ist sehr salzhaltig und daher nicht trinkbar. Wir schlagen unser Camp unter hohen Thorn-Trees auf.

Nach einer erfrischenden Dusche fahren wir mit Adrian zum Dinner in die Lodge. Dort treffen wir an der Bar auf Nick, dem 75 jährigen Guide der englischen Gruppe. Bei einem Gläschen Savignon Blanc plaudern wir eine ganze Weile sehr nett mit ihm, später gesellen sich noch Wanda und Adrian dazu. Das Dinner ist stilvoll und schmackhaft. Am lodernden Campfire gibt es überbackene Pilze, danach eine in einem dünnen Teigmantel eingeschlagene Hühnchen-Pie sowie zum Dessert einen typisch botswanischen Kuchen. Auf so viel Luxus werden wir in den kommenden Tagen in der Kalahari sicher nicht mehr stoßen. Erneut geht ein schöner Abend zu Ende und wir schlafen den Schlaf der Gerechten, zumal es nachts doch angenehm abkühlt.

18. September 2013, Haina Kalahari Lodge

Beeindruckende Begegnung mit Kalahari-Buschmännern und Löwen
Das eindeutige Gebrüll zum Sonnenaufgang in nicht allzu großer Entfernung signalisiert uns in aller Deutlichkeit, dass wir nun mitten in einem Löwengebiet nächtigen, ohne Elektrozaun und mutterseelenalleine auf unserer idyllisch gelegenen Campsite. Es ist noch recht kühl am Morgen und wir lauschen fasziniert den Geräuschen des erwachenden Busches.

Zum Frühstück wird ein Campfire entfacht, um ein paar Toastbrote zu rösten. Zahlreiche Vögel umschwirren das Camp, wir machen unter anderem zahlreiche Gelbschnabel-Tokos, Schildraben und Webervögel aus. Um 11 Uhr holt uns Adrian zur Lodge ab und wir verbringen ein paar unerwartet komfortable Stunden am Pool. Wir erfreuen uns an den Bildern der ersten Tage und laden sie auf eine Festplatte herunter.

Gegen Nachmittag startet der Bushman-Walk von der Campsite aus. Die Haina Lodge befindet sich in einem Gebiet, das von Buschmännern seit 6.000 Jahren bewohnt wird. Sie haben sich dieses lebensfeindliche Gebiet ausgesucht, da sie hier sicher waren vor Übergriffen feindlich gesonnener Stämme und in der Neuzeit auch keinerlei Berührungspunkt mit kriegerischen Handlungen im Land hatten. In den 1980er Jahren wurden in der Kalahari Diamanten entdeckt und damit begann die rücksichtslose Zwangsvertreibung – nicht gerade ein Ruhmeskapitel für die demokratische Republik Botswana!

Eine kleine Gruppe von Buschmännern lebt heute auf dem Gebiet der Haina Lodge, dort pflegen sie noch heute ihre alten Traditionen, wenn sie auch nicht mehr dauerhaft ihre primitiven Strohhütten bewohnen. Barfuß und mit traditionellen aus Tierleder gefertigten Shorts führen uns zwei Buschmänner durch den Busch und erklären uns in ihrer faszinierenden, aber extrem komplizierten Sprache, die aus merkwürdigen Klicklauten besteht, mit welch raffinierten Techniken die Buschmänner über Jahrtausende ihr Überleben in der Kalahari bewerkstelligt haben. Sie zeigen uns unter anderem wie mit einfachen Mitteln eine extrem wirksame Vogelfalle aus einem biegsamen Ast eines Busches gefertigt wird oder wie das wenige Wasser durch das Zusammenbinden von Grasbüscheln aufgefangen und in Straußeneiern, den damals einzig möglichen Auffangbehältern im Busch, gelagert wird. Kinderspielzeug wird aus den Materialien gebastelt, die der Busch her gibt, z.B. eine Giraffe mit den Beinen eines Thorn Trees – Mütter in Deutschland würden hysterische Anfälle bekommen, wenn ihre Kleinkinder mit solchen gefährlichen Gegenständen hantieren würden!

Auf dem weiteren Weg entdecken wir ein süßes kleines Chamäleon - wenn sie größer werden sind sie allerdings nicht immer ganz so süß, da sie ganz heftig zubeißen können!



Wir gelangen zu zwei Grashütten, genau in der Art, wie sie in der Kalahari von den Buschmännern bewohnt wurden. Mit einem Feuerholz erzeugen sie binnen weniger Sekunden ein Feuer – mein „Selbstversuch“ dauert schon ein bisschen länger, aber schließlich brennt auch mein kleines Feuerchen!

Schließlich zeigen die Buschmänner uns noch, wie sie aus einer dicken Wurzel, die in der Kalahari zu finden ist, Wasser gewonnen werden kann. Späne werden von der feuchten Wurzel abgeschält und zu einer Kugel geformt, die man auspresst und sich direkt in den Mund träufelt. Die Flüssigkeit hat allerdings mit Wasser wenig zu tun, sie schmeckt ziemlich bitter. Schließlich zeigen und die Buschmänner, wie sie sich den lieben langen Tag die Zeit vertrieben haben, mit einem „Sortierspiel“, in dem Steine nach einem bestimmten System von Sandkuhle zu Sandkuhle befördert werden. Die Spielidee erschließt sich uns allerdings nicht wirklich. Begeistert kehren wir zum Camp zurück, der Bushman Walk ist ein echtes „Must Do“, wenn man in der Haina Kalahari Lodge absteigt (150 Pula p.P.)!

 
Nach einer kurzen Dusche machen wir uns auf zu einem Night-Gamedrive. Bei Nacht werden alle Raubtiere aktiv. Adrian hat in der Nähe der Lodge Löwen brüllen gehört und fährt mit uns auf direktem Weg in Richtung Airstrip, wo sich eine Gruppe von Löwen bereits gestern aufgehalten hat. Als wir dort nichts entdecken, fahren wir weiter zum Zaun, der von den Löwen häufig passiert wird. Wir sind auf der Suche nach frischen Löwenspuren, die uns mehr über den aktuellen Aufenthaltsort der Tiere verraten sollen. Am Zaun sind zahlreiche frische „In and Out“ Spuren zu finden, aber keine gibt endgültigen Aufschluss darüber, ob sich die Löwen noch im Reserve befinden. Plötzlich funkt Wanda Adrian an und berichtet aufgeregt, dass die Löwen soeben am Wasserloch der Lodge getrunken haben! Mit Affenzahn steuert Adrian sein 4x4 Vehikel zurück zur Lodge und tatsächlich liegt dort ein Prachtexemplar von einer Löwin und schaut uns interessiert an. „Sie sieht so aus als könne man auf der Stelle aussteigen, um sie zu streicheln“, meint Corinna, so friedlich liegt das majestätische Tier sozusagen vor unseren Füßen. Sie ist von unserem offenen Gamedrive Fahrzeug lediglich einen Sprung weit entfernt. Niemals zuvor waren wir einem Löwen so nahe ohne schützendes Gitter davor – ein Kribbeln im Bauch verbleibt alle Male! Im Licht des Suchscheinwerfers gelingen mir trotz der schwierigen Lichtverhältnisse ein paar nette Schnappschüsse. Schließlich tut uns die Löwin sogar noch den Gefallen, mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll nach ihrer Familie zu rufen. Damit ist die Szenerie perfekt!


Löwen sind nachtaktiv, tagsüber verbringen sie die meiste Zeit dösend und schlafend. Insofern bekommt man nur selten jagende Löwen zu sehen. Männchen können bis zu  250 Kilogramm schwer werden, Weibchen wiegen nur ungefähr gut die Hälfte. Im Gegensatz zu allen anderen Großkatzen leben Löwen in sozialen Verbänden mit einer starken Bindung. Ein Rudel besteht zumeist aus einem geschlechtsreifen männlichen Löwen sowie einer Vielzahl weiblicher Tiere. Jungtiere werden mit Einsetzen der Geschlechtsreife aus dem Rudel vertrieben, zugleich eine Verbeugung gegen Inzucht. Löwen haben keine natürlichen Feinde, dennoch verlieren sie immer wieder ihre Beute zum Beispiel an große Hyänenrudel, wie wir im Verlauf unserer Reise noch hautnah erleben werden. Beutetiere sind sämtliche Antilopen, Giraffen, Büffel und sogar Elefanten, sogar Aas wird nicht verschmäht.

Später vor dem Dinner erhört die komplette Löwenfamilie das Brüllen der Löwin und gibt ein Stelldichein am Wasserloch der Lodge. Wir können dem bunten Treiben bei einem Gläschen Wein folgen – welch unerwarteter Luxus! Das Dinner besteht aus einer Sweet Potatoe-Soup, einem Kudu-Potjie sowie Pancakes mit Orangenfüllung – lecker!!! Wir sind heute an den Tisch der englischen Gruppe eingeladen worden und haben sehr interessante Gespräche insbesondere mit Nick, dem Guide aus Maun. Er gibt uns abends noch echte Insider-Tipps, welche Strecken wir bei unserer Fahrt durch das Okavangodelta wählen sollten.

 






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