Grand Canyon15.7.2007 - Von Page zum Grand Canyon Nun heißt es Abschied nehmen von unsere Honeymoon Cabin, um ins nächste Abenteuer durchzustarten. Wir haben uns in diesem recht einsamen Ort in der Vermillion Cliff Wildernes sehr wohl gefühlt, aber der Grand Canyon ruft. Wir sagen Cornelia und Easton Lebewohl, lassen uns vor der amerikanischen Flagge fotografieren (Bild rechts) und auf geht es mit unserem Highlander auf den Highway. Die Fahrt entpuppt sich als landschaftlich wenig reizvoll. Man fährt durch Ödland und vielen heruntergekommenen Indianersiedlungen, kein Scenic By Way oder ähnlich abwechslungsrecihe Strecken, erst am Tor zum Grand Canyon National Park wird es wieder interessanter. Dreißig Meilen vor dem Visitor Center passieren wir den Eingang des Parks. Der Parkranger meint, dass wir das Essen in der Ranch wohl nicht vorreservieren müssen. Ein Blick in eine Informationsbroschüre belehrt ihn dann aber eines Besseren. Reservierungen sind tatsächlich für jegliche Mahlzeit obligatorisch. Wir schreiben uns eine Telefonnummer auf, um weitere Erkundigungen einzuholen. Die Transportfrage dagegen ist schnell geklärt. Es gibt mehrere Varianten, mehr dazu später. Weiter geht es zur Market Plaza, einem kleinen Einkaufszentrum mit mehreren kleinen Shops, Restaurants und einem Supermarkt. Während Wolfram im Supermarkt Bier besorgt, versuche ich eine Briefmarke zu erstehen. Zudem kauft er noch einige Beutel mit einer Elektrolytlösung, was wir auf dem bevorstehenden anstrengenden Weg sicher gut gebrauchen können. Da heute Sonntag ist, hat die Post leider geschlossen, der Briefmarkenautomat im Postamt ist zu allem Überfluss defekt. Es ist eine mühselige Angelegenheit, in den USA Briefmarken zu erstehen, da sie zumeist ausschließlich auf Postämtern zu haben sind. In der Nähe der Post befindet sich ein Münzfernsprecher. Da unser Handy auch im Grand Canyon keinen Empfang hat, versuchen wir von hier aus über eine Toll-free Number die Agentur der Phantom Ranch zwecks Reservierung unserer Mahlzeiten im Canyon zu erreichen. Wir landen aber lediglich bei einem Callcenter, welches uns so kurzfristig nicht weiterhelfen kann. Dort verweist man uns allerdings auf den Transportation Desk in der Bright Angel Lodge. Inzwischen hat es auch noch angefangen zu regnen, der erste Regen in dieser Region seit März. Wir fahren zur Bright Angel Lodge, wo wir zunächst einmal im Auto ausharren müssen, da es mittlerweile wie aus Kübeln schüttet. Nachdem der Regen etwas abgeklungen ist, betreten wir die Lodge durch den Hintereingang. Hier haben sich Menschenmassen versammelt, die allesamt Unterschlupf vor dem starken Regen gesucht haben. Der Bright Angel Transportation Desk befindet sich in der Eingangshalle. Eine äußerst nette Dame nimmt die Bestellung für unser Stew Dinner am morgigen Tag in der Phantom Ranch (je 22,90 USD) auf. Außerdem buchen wir auch noch das „Early Breakfast“ (um 5:00 Uhr für 17 USD). Das bedeutet für uns, dass wir wesentlich weniger Material mit-schleppen müssen. Nachdem für unsere Tour alles geregelt ist, fahren wir zum Mather Campground, wo wir für vier Nächte einen Stellplatz reserviert und auch schon bezahlt haben (Bild rechts). Zum Tagesausklang wollen wir noch einen Abstecher nach Hermits Rest machen, dem äußersten Punkt des Parkes. Wiederum stellen wir unser Auto an der Bright Angel Lodge ab und besteigen den Shuttle Bus, eine der drei kostenlosen Linien in diesem Park. Schon beim ersten Stopp steigen wir aus und laufen über den gut begehbaren „Rim-Trail“ zu weiteren Viewpoints. Von diesem Weg aus hat man außergewöhnlich schöne Ausblicke in den Canyon. Ein bisschen Bewegung tut uns gut und dient uns zugleich als kleines „Einlaufen“ für den morgigen Tag. ![]() Bei unserer Rückkehr zum Campground duschen wir für 1,75 USD in den öffentlichen Sanitäranlagen vor dem Platz. Es ist inzwischen stockdunkel und wir müssen unsere Steaks aufgrund des Feuerverbots auf dem Campground in der Pfanne braten. Die Steaks schmecken trotzdem zusammen mit gekochten Kartoffeln und einem superscharfen Artischocken Dipp – der „Henkersmahlzeit“ vor unserem großen Hike in den Grand Canyon – sehr gut. Gegen 22.00 Uhr fallen wir in unser Airbed in gespannter Erwartung dessen, was in den nächsten beiden Tagen auf uns zukommt. 16.7.2007 - Grand Canyon Es ist so weit: Die Grand Canyon Bezwingung kann beginnen. Um 4.20 Uhr klingelt der Wecker. Schnell werden die restlichen Sachen zusammengepackt, eine Katzenwäsche absolviert und schon geht es los. Die freundliche Dame am Transportation Desk in der Bright Angel Lodge hat uns empfohlen, den Hiker-Express um 5.00 Uhr von hier aus zu nehmen. Das Auto kann an der Lodge problemlos über Nacht abgestellt werden. An der Bushaltestelle gibt es erst einmal zur Stärkung einen Trinkjoghurt. Zuvor haben wir uns am Zelt bereits einen „Vitamin- und Mineralien Cocktail“ gemixt. Mit uns besteigen zwei weitere Paare den Hiker-Express. Bei den Stops am Back Country Office und beim Visitor Center steigen noch weitere Wanderer zu. Beim Trailhead am Yaki-Point angekommen (Bild unten), essen wir noch eine letzte Banane und beginnen schließlich unseren Abstieg über den South Kaibab Trail. ![]() ![]() Bei unserer ersten größeren Frühstückspause – wir sind mittlerweile zwei Stunden stramm abwärts gelaufen – stellen wir fest, dass ich vergessen habe, die beiden Salamis einzupacken. Sehr ärgerlich, da salzhaltige Kost schon sehr wichtig wäre. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Oliven Ciabatta trocken zu verzehren.
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Wir stellen unser Minizelt auf und entrollen unsere Isomatten. Jetzt ist es Zeit für eine Abkühlung. Unsere strapazierten Waden reagieren mehr als dankbar auf das kühle Nass. Mittlerweile ist es mit 118 Grad Fahrenheit (rund 45° Grad Celsius) hier unten extrem heiß geworden. Ein kühler Drink in der klimatisierten Phantom Ranch ist nun genau das richtige. Die Ranch liegt einige Meter aufwärts auf der anderen Seite des Baches, die Cabins sind eingebettet in einer grünen Oase. Alles wirkt unheimlich beruhigend und friedlich.
In der Ranch genießen wir im Gastraum (Bild oben links) einen kühlen Eistee sowie ein Sandwich mit Philadelphia und Marmelade. Fast eine Stunde beobachten wir das bunte Treiben in der Phantom Ranch und regenerieren ein bisschen. Anschließend suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen am Wasser. Direkt gegenüber unseres Zeltplatzes ist ein schattiger Rasenplatz. Dort dösen wir nach einer herrlich erfrischenden Abkühlung ein wenig vor uns hin (Bild rechts), bis uns ein Grummeln in der Ferne wachrüttelt. Mit Spannung beobachten wir den sich verdunkelnden Himmel. Wir haben nur unser Unterzelt eingepackt, um Gewicht zu sparen, so dass unsere Unterkunft nicht wasserdicht ist. Bis die ersten Regentropfen fallen warten wir noch ab, dann wird uns die Sache doch zu heikel, und wir eilen hinüber zu unserem Zelt. Der aufziehende Sturm hat inzwischen ein unzureichend befestigtes Zelt losgerissen, das uns entgegenfliegt. In Windeseile packen wir unser Zelt und unsere Isomatten wieder ein und begeben uns sodann mit Sack und Pack zur Ranch. Mittlerweile donnert und blitzt es heftig. Gegen 16.00 Uhr müssen wir den Gastraum verlassen, da für das Steakdinner um 17.00 Uhr eingedeckt wird. Es gibt zwei feste Essenszeiten in der Phantom Ranch (17.00 Uhr und 18.30 Uhr), zu denen alle angemeldeten Gäste gemeinsam an langen Tischen speisen. Wir begeben uns zurück zum Zeltplatz und bauen erneut unser kleines Wanderzelt auf, in der Hoffnung, dass es nun trocken bleibt. Es bleibt gerade noch Zeit für ein kleines Fußbad im Creek, bevor wir uns aufmachen zu unserem vorgebuchten Stew-Dinner. Mit uns isst auch eine 15-köpfige Boyscout Gruppe, mit deren Betreuern wir ebenfalls schon ein paar Worte gewechselt haben. Sie sind mit der ganzen Truppe (Jungen im Alter von 10 – 14 Jahren) den Bright Angel Trail heruntergelaufen und werden morgen in aller Herr-gottsfrühe (um 3.00 Uhr) wieder auf dem selben Weg hinaufgehen. Danach möchte die Gruppe die Havasupai Falls besuchen, fantastische Wasserfälle in der Nähe des Grand Canyons, die für uns ebenfalls ein sehr interessantes Ziel bei einer weiteren Reise in die USA wären. Das Stew-Dinner genießen wir in vollen Zügen. Neben dem Stew gibt es einen gemischten Salat, selbstgebackenes Maisbrot und Schokokuchen zum Dessert. Leider sitzen wir an einem sehr unkommunikativen Tisch. Die Essmanieren unserer amerikanischen Tischnachbarn lassen, wie bereits mehrfach zuvor erlebt, sehr zu wünschen übrig. Zunächst wird alles kleingeschnitten, dann wandert eine Tisch unter den Tisch, während das Essen mit der anderen Hand – aufgestützt auf dem Ellenbogen – hineingeschaufelt wird. Nach dem Essen genießen wir noch ein kühles Bier draußen vor der Tür und führen noch einen kleinen Smalltalk mit Pat und Mark über Gott und die Welt. Mir steigt das eine Bier bei diesen Temperaturen derartig zu Kopf, dass mir die leichtesten englischen Wörter nicht einfallen. Langsam werden alle müde, und jedermann macht sich auf zu seinem Schlafplatz. Das Thermometer zeigt immer noch satte 98° Grad Fahrenheit (ca. 38 ° Grad Celsius) an – mit einer Abkühlung wird in dieser Nacht kaum zu rechnen sein. Wolfram „erlegt“ kurz vor dem Zubettgehen noch einen Skorpion, den er glücklicherweise entdeckt, bevor er barfuss in das Zelt kriecht. Unsere Wanderschuhe haben wir aus eben diesem Grund auf den Tisch gestellt. An Schlaf ist bei diesen Temperaturen nicht zu denken – wir „ölen“ auf unseren Isomatten wie die Weltmeister! Schließlich dämmern wir doch noch ein – der Wecker ist auf 4.20 Uhr gestellt. 17.7.2007 - Grand Canyon Der Weg führt uns zunächst 2,4 Kilometer entlang des Flusses. Dieser Abschnitt ist sehr einfach zu gehen mit keinerlei nennenswerter Steigung. An der River-Trail Junction beginnt schließlich der Aufstieg entlang eines malerischen Bachlaufes mit einigen Wasserfällen. Die 5,1 Kilometer bis zum Indians Garden sind sicherlich die schönste Etappe der gesamten Wanderung. Langsam gewinnen wir an Höhe. Der idyllische Garden Creek ist unser permanenter Begleiter. Tatsächlich ist dieser Trail weitaus einfacher zu begehen als der South Kaibab Trail – so viel steht bereits jetzt fest.
Bereits nach zweieinviertel Stunden erreichen wir die kleine Oase Indians Garden. Dank seiner Quelle hatten hier die Havasupai Indianer einen Garten, der vom 13. bis 19. Jahrhundert ununterbrochen genutzt wurde. Aus diesem Grund wurde auch der Bright Angel Trail ausgehend vom South Rim angelegt.
Die Zeit drängt, und wir machen uns auf den Weg zur zweiten Hälfte des Weges. Bislang sind wir fast ausschließlich im Schatten gelaufen, das soll sich jetzt ändern. Vor dem Abmarsch halten Am 3-Mile-Resthouse treffen wir zum wiederholten Mal Pat und Mark. Wir suchen Schatten im Resthouse und gönnen uns ein zweites Bagle-Frühstück sowie trockenes Brot von gestern. Auch hier findet wieder ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Hikern statt. Ein „bisschen stolz“ erzählen wir von unserer Zweitagestour und heimsen zumindest bei den Eintages-Hobby-Spaziergängern ein Stückchen Bewunderung ein. Nachdem wir erneut unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, geht es weiter. Der nächste Punkt, den wir anpeilen, ist das 1,5-Mile-Resthouse. Eigentlich braucht man auf diesem Trail keine großen Wasservorräte, da insgesamt drei Wasserquellen im Wegverlauf zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund - und natürlich weil der Weg bei weitem nicht so steil ist wie der South Kaibab Trail - ist der Bright Angel Trail deutlich stärker frequentiert, besonders im oberen Abschnitt. Nun kommen uns auch einige Mulikarawanen von oben entgegen. Wir können es uns nicht vorstellen, den ganzen Weg bis hinunter zum Colorado auf dem Rücken eines Maultieres zu verbingen, zumal der ganze Spaß relativ teuer ist (rund 360 USD). Die meisten Reiter sehen auch nicht besonders glücklich aus. Am 1,5-Mile-Resthouse verschnaufen wir noch einmal kurz für den Endspurt. Hier ist es richtig voll und es sind auch die obligatorischen Hobby-Spaziergänger mit sehr leichtem Schuhwerk vertreten. Wir vollausgestatteten Hiker, ausgerüstet mit Wanderstiefeln und schwerem Rucksack, müssen diesen Menschen vermutlich wie Außerirdische vorkom Nach einer erfrischenden Dusche kochen wir uns auf dem Campingplatz unsere letzte Mahlzeit, Nudeln mit Pesto. Leider fängt es gerade wieder an zu regnen, als wir mit dem Essen beginnen wollen. Wir genießen unser Mahl im Auto und legen uns anschließend zu einem Regenerationsnickerchen ins Zelt – herrlich, vor allem die sehr mäßigen Temperaturen! Ein lauter Knall reißt uns aus den Träumen. Wieder zieht ein heftiges, wenn auch kurzes Gewitter auf. Nach dem kräftigen Schauer hört es alsbald auf zu regnen, und wir wagen einen letzen kleinen Ausflug zu Hermits Rest. Jedes Aufstehen bereitet Schmerzen in den geplagten Waden, am Anfang mag man sich gar nicht mehr bewegen. Dennoch raffen wir uns auf, stellen das Auto an der Bright Angel Lodge ab und fahren mit dem Shuttle bis zum Pima Point, der letzten Station vor Hermits Rest. Von hier aus ist der Rim Trail sehr reizvoll. Natürlich sind wir wieder mutterseelenallein auf dem Weg, der parallel zur Shuttle-Route am Canyon-Rim entlang führt. Die knapp zwei Kilometer bis Hermits Rest nutzen wir sozusagen zum „Auslaufen“. Hermits Rest ist erneut ziemlich überlaufen, so dass wir auch heute hier nicht lange verweilen. Den recht spektakulären Sonnenuntergang mit interessanten Wolkenformationen sehen wir vom Shuttle aus (Bild unten). ![]() Zurück an der Bright Angel Lodge suchen wir noch die sehr romantisch gelegene Bar im exklusivsten und teuersten Hotel des Grand Canyon Villages, dem El Tovar, auf. Auf der Terrasse sitzen wir mit einem Glas Chardonnay und einer kleinen Nacho-Platte mit Dipps und lassen diesen schönen Tag gemütlich ausklingen. Einen weiteren Höhepunkt unserer Reise, die Grand Canyon Tour, lassen wir noch einmal Revue passieren. Die letzte Nacht im Zelt steht bevor – morgen fahren wir zurück nach Las Vegas. |