Über uns
A - Mühlbach 2010 - 2012
CR - Costa Rica 2011
CR - Costa Rica 2017
D - Amrum 2010
D - Daarß 2000 ff.
D - Hannover-Hamburg per Bike 2009
D - Havelland 2017
D - Rügen 2011
D - Sehlendorf 2012
E - Galizien 2006
E - Gomera 2008
E - Gomera 2010
E - Gomera 2011
E - La Palma 2014
E - Mallorca 2006
EC - Ecuador-Galapagos 2018
GR - Kreta 2010
I - Amalfi & Cilento 2012
I - Elba 2008
I - Sardinien 2009
I - Südtirol 2013
I - Südtirol 2016
I - Toskana 2007
I - Toskana 2008
I - Toskana 2015
LT-LV-EST - Baltikum 2017
Ma - Marokko - 2015
NAM - Kaokoveld-Caprivi 2014
NAM-RB-ZA - KTP-Namaqualand u.a. 2015
P - Algarve 2013
P - Madeira 2017
RB - Botswana 2013
RB-NAM - Okawango-Sambesi-Kwando 2016
USA - Florida 2009
USA - Südwest 2007
=> Las Vegas
=> Zion Nationalpark
=> Grand Staircase Escalante National Monument (GSENM)
=> Arches Nationalpark und Canyonlands Nationalpark
=> Vermillion Cliffs National Monument-Coyote Buttes South
=> Antelope Canyon, Horseshoe Bend
=> Vermillion Cliffs National Monument: Coyote Buttes North
=> Grand Canyon
=> Las Vegas und Rückflug
ZA - Südafrika 2012
ZA - Western Cape 2016
Newsletter bestellen
Foto-Equipment
Foto-Tipps
Foto-Verwertung
Literatur
Packlisten
Reisen schlau planen
Videos
Kontakt
Impressum
 

Grand Canyon

15.7.2007 - Von Page zum Grand Canyon
Nun heißt es Abschied nehmen von unsere Honeymoon Cabin, um ins nächste Abenteuer durchzustarten. Wir haben uns in diesem recht einsamen Ort in der Vermillion Cliff Wildernes sehr wohl gefühlt, aber der Grand Canyon ruft. Wir sagen Cornelia und Easton Lebewohl, lassen uns vor der amerikanischen Flagge fotografieren und auf geht es mit unserem Highlander auf den Highway.
 
In Page kaufen wir ein letztes Mal ein für die beiden noch verbleibenden Abendmahle. Diesmal entscheiden wir uns wieder für Safeway, der ein wesentlich hochwertigeres (insbesondere Frischwaren-) Angebot bietet als der Wal-Mart, allerdings auch etwas teurer ist. Es ist Sonntag Morgen gegen 9:00 Uhr und uns wird der Erwerb von ein paar Flaschen Bier mit der Begründung verweigert, dass es noch zu früh sei – manchmal ist die amerikanische Logik für uns Europäer schwer zu verstehen. Nun ja, es gibt hoffentlich noch andere Läden entlang unsere Fahrstrecke zum Grand Canyon.

Die Fahrt entpuppt sich als landschaftlich wenig reizvoll. Man fährt durch Ödland und vielen heruntergekommenen Indianersiedlungen, kein Scenic By Way oder ähnlich abwechslungsreiche Strecken, erst am Tor zum Grand Canyon National Park wird es wieder interessanter. Dreißig Meilen vor dem Visitor Center  passieren wir den Eingang des Parks.
Unser erster Stop ist Desert View, kurz hinter der ersten Ranger Station gelegen. Hier wird man mit dem ersten beeindruckenden Blick in den Canyon und den Colorado konfrontiert. Auch bei unserem zweiten Besuch blicken wir wieder andächtig in die Tiefe auf dieses Wunder der Natur. Den Grand Canyon kann man nicht beschreiben, man muss ihn mit allen Sinnen erfassen und erleben. Es ist einfach großartig, was die Natur hier erschaffen hat. Da heute Sonntag ist, sind viele Tagesausflügler und andere Touristen unterwegs. Auch die Anzahl der Dicken nimmt wieder zu, da die Viewpoints am Grand Canyon ohne große Anstrengung mit dem Auto oder aber einem Bus-Shuttle zu erreichen sind. Wir suchen uns am Rim abseits der Viewpoints ein ruhiges Plätzchen und genießen bei einem Mittagssnack die Aussicht.

Anschließend steuern wir weitere Aussichtspunkte an. Leider ist die Sicht nicht allzu gut, und Wolfram meckert schon wegen der schlechten Fotografierbedingungen. Aber wir sind ja nicht ausschließlich zum Fotografieren hierher gekommen. Ein Abstecher beim Visitor Center soll uns dann Klarheit darüber verschaffen, ob wir unten in der Phantom Ranch noch ein Dinner reservieren können und damit nicht gezwungen sind, Kochutensilien mit in den Canyon schleppen zu müssen. Außerdem wollen wir in Erfahrung bringen, wie der Transfer zum Ausgangspunkt unserer Grand Canyon Wanderung, dem South Kaibab Trailhead, welcher einige Kilometer vom Grand Canyon Village entfernt liegt, erfolgen kann.




Der Parkranger meint, dass wir das Essen in der Ranch wohl nicht vorreservieren müssen. Ein Blick in eine Informationsbroschüre belehrt ihn dann aber eines Besseren. Reservierungen sind tatsächlich für jegliche Mahlzeit obligatorisch. Wir schreiben uns eine Telefonnummer auf, um weitere Erkundigungen einzuholen. Die Transportfrage dagegen ist schnell geklärt. Es gibt mehrere Varianten, mehr dazu später.

Weiter geht es zur Market Plaza, einem kleinen Einkaufszentrum mit mehreren kleinen Shops, Restaurants und einem Supermarkt. Während Wolfram im Supermarkt Bier besorgt, versuche ich eine Briefmarke zu erstehen. Zudem kauft er noch einige Beutel mit einer Elektrolytlösung, was wir auf dem bevorstehenden anstrengenden Weg sicher gut gebrauchen können. Da heute Sonntag ist, hat die Post leider geschlossen, der Briefmarkenautomat im Postamt ist zu allem Überfluss defekt. Es ist eine mühselige Angelegenheit, in den USA Briefmarken zu erstehen, da sie zumeist ausschließlich auf Postämtern zu haben sind. In der Nähe der Post befindet sich ein Münzfernsprecher. Da unser Handy auch im Grand Canyon keinen Empfang hat, versuchen wir von hier aus über eine Toll-free Number die Agentur der Phantom Ranch zwecks Reservierung unserer Mahlzeiten im Canyon zu erreichen. Wir landen aber lediglich bei einem Callcenter, welches uns so kurzfristig nicht weiterhelfen kann. Dort verweist man uns allerdings auf den Transportation Desk in der Bright Angel Lodge.

Inzwischen hat es auch noch angefangen zu regnen, der erste Regen in dieser Region seit März. Wir fahren zur Bright Angel Lodge, wo wir zunächst einmal im Auto ausharren müssen, da es mittlerweile wie aus Kübeln schüttet. Nachdem der Regen etwas abgeklungen ist, betreten wir die Lodge durch den Hintereingang. Hier haben sich Menschenmassen versammelt, die allesamt Unterschlupf vor dem starken Regen gesucht haben.

Der Bright Angel Transportation Desk befindet sich in der Eingangshalle. Eine äußerst nette Dame nimmt die Bestellung für unser Stew Dinner am morgigen Tag in der Phantom Ranch (je 22,90 USD) auf. Außerdem buchen wir auch noch das „Early Breakfast“ (um 5:00 Uhr für 17 USD). Das bedeutet für uns, dass wir wesentlich weniger Material mit-schleppen müssen. Nachdem für unsere Tour alles geregelt ist, fahren wir zum Mather Campground, wo wir für vier Nächte einen Stellplatz reserviert und auch schon bezahlt haben.

Mittlerweile haben wir uns entschieden, nur drei Nächte am Grand Canyon zu bleiben und bereits am Vortag unseres Abfluges nach Las Vegas zurück zu kehren. Anstandslos erstattet uns die Rangerin am Campground per Kreditkarten Rückbuchung die 18 USD zurück - damit haben wir gar nicht gerechnet. Am Stellplatz warten wir noch die letzten Regentropfen ab und bauen dann unser großes Zelt auf, dieses Mal aufgrund des unbeständigen Wetters komplett mit Überzelt. Die Rucksäcke werden für unsere bevorstehende Wanderung auch schon gepackt und das Trinkwasser in die Beutel gefüllt.

Zum Tagesausklang wollen wir noch einen Abstecher nach Hermits Rest machen, dem äußersten Punkt des Parkes. Wiederum stellen wir unser Auto an der Bright Angel Lodge ab und besteigen den Shuttle Bus, eine der drei kostenlosen Linien in diesem Park. Schon beim ersten Stopp steigen wir aus und laufen über den gut begehbaren „Rim-Trail“ zu weiteren Viewpoints. Von diesem Weg aus hat man außergewöhnlich schöne Ausblicke in den Canyon. Ein bisschen Bewegung tut uns gut und dient uns zugleich als kleines „Einlaufen“ für den morgigen Tag.

Leider hat sich der Himmel nach dem Regenguss nicht wieder aufgeklärt. In diesem Abschnitt des Canyons kann man den Sonnenuntergang sehr schön verfolgen, wenn dann die Wolken mitspielen. Der Fahrer des Shuttlebusses, in den wir mittlerweile wieder eingestiegen sind, gibt Hinweise zu den besten Sunset Points der Route und spekuliert für den heutigen Abend auf ein wolkenfreies kleines Band am Horizont, wo die Sonne letzten Endes doch noch zum Vorschein kommen könnte. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Hermits-Rest, der Endstation des Shuttles, fahren wir zum Hopi-Point, wo bereits zahlreiche andere Touristen den nahenden Sonnenuntergang erwarten. Tatsächlich taucht die Sonne noch einmal auf, und am Horizont sind einige Blitze des abziehenden Gewitters zu beobachten. So gibt es also für alle Hobbyfotografen doch noch etwas zu tun.



Bei unserer Rückkehr zum Campground duschen wir für 1,75 USD in den öffentlichen Sanitäranlagen vor dem Platz. Es ist inzwischen stockdunkel und wir müssen unsere Steaks aufgrund des Feuerverbots auf dem Campground in der Pfanne braten. Die Steaks schmecken trotzdem zusammen mit gekochten Kartoffeln und einem superscharfen Artischocken Dipp – der „Henkersmahlzeit“ vor unserem großen Hike in den Grand Canyon – sehr gut. Gegen 22.00 Uhr fallen wir in unser Airbed in gespannter Erwartung dessen, was in den nächsten beiden Tagen auf uns zukommt.


16.7.2007 - Grand Canyon

Es ist so weit: Die Grand Canyon Bezwingung kann beginnen. Um 4.20 Uhr klingelt der Wecker. Schnell werden die restlichen Sachen zusammengepackt, eine Katzenwäsche absolviert und schon geht es los. Die freundliche Dame am Transportation Desk in der Bright Angel Lodge hat uns empfohlen, den Hiker-Express um 5.00 Uhr von hier aus zu nehmen. Das Auto kann an der Lodge problemlos über Nacht abgestellt werden. An der Bushaltestelle gibt es erst einmal zur Stärkung einen Trinkjoghurt. Zuvor haben wir uns am Zelt bereits einen „Vitamin- und Mineralien Cocktail“ gemixt. Mit uns besteigen zwei weitere Paare den Hiker-Express. Bei den Stops am Back Country Office und beim Visitor Center steigen noch weitere Wanderer zu. Beim Trailhead am Yaki-Point angekommen, essen wir noch eine letzte Banane und beginnen schließlich unseren Abstieg über den South Kaibab Trail.

Stetig geht es über einen steilen, treppenförmig gestalteten Pfad in Serpentinen bergab. Den Canyon hat man jederzeit vor Augen. Kurz darauf geht die Sonne auf. Man muss sehr konzentriert laufen, um nicht zu stolpern. Schnell bemerken wir, dass gleichzeitiges Laufen und Landschaft anschauen aufgrund des steilen unebenen Pfades nicht ratsam ist. Wiederum sind unsere Wanderstöcke beim Abstieg sehr hilfreich. Inzwischen kommen wir auch mit anderen Hikern ins Gespräch, da man sich permanent bei Pausen gegenseitig überholt.

Bei unserer ersten  größeren Frühstückspause – wir sind mittlerweile zwei Stunden stramm abwärts gelaufen – stellen wir fest, dass ich vergessen habe, die beiden Salamis einzupacken. Sehr ärgerlich, da salzhaltige Kost schon sehr wichtig wäre. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Oliven Ciabatta trocken zu verzehren.


Der South Kaibab Trail ist 10,9 Kilometer lang und deutlich steiler als der Bright Angel Trail. Dabei ist eine Höhendifferenz von 1.450 Metern zu bewältigen. Die durchschnittliche Steigung beträgt 13,4 %. Dieser Trail bietet gegenüber dem Bright Angel Trail einige Vorteile. Er ist zum einen weitaus geringer frequentiert, auch hinsichtlich der Muli Trecks, denen der Wanderer grundsätzlich seitlich ausweichen muss. Außerdem öffnen sich im Gegensatz zum Bright Angel Trail permanent wunderbare Ausblicke in den Canyon. Nachteilig ist hingegen, dass es auf dem gesamten Trail keine Wasserstelle gibt, so dass der gesamte Wasserbedarf im Rucksack mitgeführt werden muss. Hinweisschilder, die davor warnen, den Grand Canyon an einem Tag zu bewältigen, sind aus diesem Grund allgegenwärtig.

  





Nach knapp fünf Stunden erreichen wir den Colorado nach einer reinen Gehzeit von 3:40 Stunden und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 km/h (wir haben die Strecke mit unserem GPS-Gerät aufgezeichnet). Wir überqueren den Fluss auf der nach unten hin geschlossenen Black Bridge und wandern das letzte Stück hinauf zur Phantom Ranch entlang des gleichnamigen Creeks am Bright Angel Campground. Während am Colorado Hinweisschilder auf das Badeverbot im Colorado hinweisen – die Strömung ist hier viel zu gefährlich -, wird der ermüdete Wanderer am Creek entlang des Campgrounds zu einem erfrischenden Bad aufgefordert. Auf dem Weg zur Phantom Ranch treffen wir auf einen Ranger, der uns erklärt, dass wir einfach einen der freien Zeltplätze auswählen können und unser Permit am Zelt gut sichtbar aufhängen sollen. Wir entscheiden uns für ein schönes schattiges Plätzchen direkt am Wasser.



Den Campground haben wir gemeinsam mit dem Backcountry Permit für insgesamt 20 USD (5 USD für das Permit p.P. 10 USD für den Stellplatz) bereits vor Monaten über das Internet gebucht. Infotafeln am Stellplatz fordern dazu auf, sämtliche essbaren Vorräte in einem verschließbaren Case zu deponieren, damit die Wildtiere sich nicht bedienen können. Die ersten Squirls liegen bereits auf der Lauer.

Wir stellen unser Minizelt auf und entrollen unsere Isomatten. Jetzt ist es Zeit für eine Abkühlung. Unsere strapazierten Waden reagieren mehr als dankbar auf das kühle Nass. Mittlerweile ist es mit 118 Grad Fahrenheit (rund  45° Grad Celsius) hier unten extrem heiß geworden. Ein kühler Drink in der klimatisierten Phantom Ranch ist nun genau das richtige. Die Ranch liegt einige Meter aufwärts auf der anderen Seite des Baches, die Cabins sind eingebettet in einer grünen Oase. Alles wirkt unheimlich beruhigend und friedlich.

Die
Phantom Ranch bietet zwei Übernachtungsvarianten, Cabins für zwei bis vier Personen, welche 92 USD kostet, sowie sogenannte Dormitories – eine Massenunterkunft mit Stockbetten ähnlich einer Jugendherberge für 32 USD pro Person. Leider sind diese Schlafmöglichkeiten über Monate im Voraus ausgebucht. Natürlich versuchen die meisten Grand Canyon Wanderer einen dieser Schlafplätze zu ergattern, um sich das Zelt und die Isomatte im Wandergepäck zu ersparen. Jedes Kilo ist bei dieser Höhendifferenz und bei diesen Temperaturen entscheidend! Wir haben Anfang Mai versucht, einen Schlafplatz zu reservieren – vergeblich. Von anderen Hikern erfahren wir, dass in der Regel auch kurzfristig noch Betten reserviert werden können. Sogar für die heutige Nacht wären noch Plätze in den nach Geschlechtern getrennten Dormitories frei gewesen. Hätten wir das vorher gewusst, wäre uns einige Schlepperei erspart geblieben.

 

In der Ranch genießen wir im Gastraum einen kühlen Eistee sowie ein Sandwich mit Philadelphia und Marmelade. Fast eine Stunde beobachten wir das bunte Treiben in der Phantom Ranch und regenerieren ein bisschen.

Anschließend suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen am Wasser. Direkt gegenüber unseres Zeltplatzes ist ein schattiger Rasenplatz. Dort dösen wir nach einer herrlich erfrischenden Abkühlung ein wenig vor uns hin, bis uns ein Grummeln in der Ferne wachrüttelt. Mit Spannung beobachten wir den sich verdunkelnden Himmel. Wir haben nur unser Unterzelt eingepackt, um Gewicht zu sparen, so dass unsere Unterkunft nicht wasserdicht ist. Bis die ersten Regentropfen fallen warten wir noch ab, dann wird uns die Sache doch zu heikel, und wir eilen hinüber zu unserem Zelt. Der aufziehende Sturm hat inzwischen ein unzureichend befestigtes Zelt losgerissen, das uns entgegenfliegt. In Windeseile packen wir unser Zelt und unsere Isomatten wieder ein und begeben uns sodann mit Sack und Pack zur Ranch. Mittlerweile donnert und blitzt es heftig.

Ein Ranger, den wir in der Nähe der Ranch treffen, erklärt, dass man die Thunderstorms hier unten nicht fürchten muss – diese sind eher eine Gefahr an den Rims, wo es häufig zu Blitzeinschlägen kommt. Vom Canyonrand sollte man sich bei Gewittern also unbedingt fernhalten. Regen kommt in der Regel zu dieser Jahreszeit aufgrund der extremen Verdunstung kaum im Canyon an. Im Gastraum der Ranch treffen wir auf Pat und Mark, einem Paar aus Indiana mittleren Alters, mit dem wir schon auf dem Weg nach unten sehr interessante Gespräche geführt haben. Pat und Mark sind wahrhaftig die ersten Amerikaner in diesem Urlaub, denen die Wave bekannt ist, und die diese Wanderung sogar schon gemacht haben. Sie bekräftigen auch noch einmal unsere Vermutung, dass die Wave aufgrund der vielfältigen deutschsprachigen Berichte im Internet bei Deutschen und anderen Europäern bekannter ist als bei den eigenen Landsleuten. In einem erneut äußerst interessanten Gespräch stellen sich Pat und Mark als große Wanderfreunde heraus, die sogar schon den kompletten Jacobsweg in Portugal bezwungen haben.

Gegen 16.00 Uhr müssen wir den Gastraum verlassen, da für das Steakdinner um 17.00 Uhr eingedeckt wird. Es gibt zwei feste Essenszeiten in der Phantom Ranch (17.00 Uhr und 18.30 Uhr), zu denen alle angemeldeten Gäste gemeinsam an langen Tischen speisen. Wir begeben uns zurück zum Zeltplatz und bauen erneut unser kleines Wanderzelt auf, in der Hoffnung, dass es nun trocken bleibt. Es bleibt gerade noch Zeit für ein kleines Fußbad im Creek, bevor wir uns aufmachen zu unserem vorgebuchten Stew-Dinner.

Mit uns isst auch eine 15-köpfige Boyscout Gruppe, mit deren Betreuern wir ebenfalls schon ein paar Worte gewechselt haben. Sie sind mit der ganzen Truppe (Jungen im Alter von 10 – 14 Jahren) den Bright Angel Trail heruntergelaufen und werden morgen in aller Herr-gottsfrühe (um 3.00 Uhr) wieder auf dem selben Weg hinaufgehen. Danach möchte die Gruppe die Havasupai Falls besuchen, fantastische Wasserfälle in der  Nähe des Grand Canyons, die für uns ebenfalls ein sehr interessantes Ziel bei einer weiteren Reise in die USA wären.

Das Stew-Dinner genießen wir in vollen Zügen. Neben dem Stew gibt es einen gemischten Salat, selbstgebackenes Maisbrot und Schokokuchen zum Dessert. Leider sitzen wir an einem sehr unkommunikativen Tisch. Die Essmanieren unserer amerikanischen Tischnachbarn lassen, wie bereits mehrfach zuvor erlebt, sehr zu wünschen übrig. Zunächst wird alles kleingeschnitten, dann wandert eine Tisch unter den Tisch, während das Essen mit der anderen Hand – aufgestützt auf dem Ellenbogen – hineingeschaufelt wird.

Nach dem Essen genießen wir noch ein kühles Bier draußen vor der Tür und führen noch einen kleinen Smalltalk mit Pat und Mark über Gott und die Welt. Mir steigt das eine Bier bei diesen Temperaturen derartig zu Kopf, dass mir die leichtesten englischen Wörter nicht einfallen. Langsam werden alle müde, und jedermann macht sich auf zu seinem Schlafplatz. Das Thermometer zeigt immer noch satte 98° Grad Fahrenheit (ca. 38 ° Grad Celsius) an – mit einer Abkühlung wird in dieser Nacht kaum zu rechnen sein. Wolfram „erlegt“ kurz vor dem Zubettgehen noch einen Skorpion, den er glücklicherweise entdeckt, bevor er barfuss in das Zelt kriecht. Unsere Wanderschuhe haben wir aus eben diesem Grund auf den Tisch gestellt. An Schlaf ist bei diesen Temperaturen nicht zu denken – wir „ölen“ auf unseren Isomatten wie die Weltmeister! Schließlich dämmern wir doch noch ein – der Wecker ist auf 4.20 Uhr gestellt.


17.7.2007 - Grand Canyon

Pünktlich klingelt das Handy – unser Wecker. Im Dunkeln schälen wir uns etwas gerädert aus unserer „Hundehütte“. Schnell werden die Sachen eingepackt, das Zelt abgebaut und die Wasserschläuche mit frischem Trinkwasser gefüllt. Danach gehen wir frühstücken in die Phantom Ranch. Es gibt Rührei, Bacon, Pancakes und Pfirsiche aus der Dose, dazu Orangensaft und Kaffee - nicht gerade ein ideales Kraftfrühstück vor einer anstrengenden Bergwanderung. Wir sitzen heute Morgen neben einem deutschen Pärchen, dass gestern Nachmittag um 15.00 Uhr die Wanderung über den South Kaibab Trail angetreten hat und erst bei Dunkelheit unten angekommen ist. Sie haben dieses ungeheuer tolle Flair rund um die Phantom Ranch und den Creek gar nicht erleben können.

Gegen 5.45 Uhr brechen wir schließlich auf in Richtung unseres ersten Zieles, dem „Indians Garden“ – etwa die halbe Strecke des Bright Angel Trails. Diesmal überqueren wir den Colorado über die Silver Bridge, eine Brückenkonstruktion mit Gitterboden, über die Mulis angesichts des sichtbaren Abgrundes nicht laufen. Aus diesem Grund ist die Black Bridge einige 100 Meter den Colorado aufwärts gebaut worden.
 
Der Weg führt uns zunächst 2,4 Kilometer entlang des Flusses. Dieser Abschnitt ist sehr einfach zu gehen mit keinerlei nennenswerter Steigung. An der River-Trail Junction beginnt schließlich der Aufstieg entlang eines malerischen Bachlaufes mit einigen Wasserfällen. Die 5,1 Kilometer bis zum Indians Garden sind sicherlich die schönste Etappe der gesamten Wanderung. Langsam gewinnen wir an Höhe. Der idyllische Garden Creek ist unser permanenter Begleiter. Tatsächlich ist dieser Trail weitaus einfacher zu begehen als der South Kaibab Trail – so viel steht bereits jetzt fest.

Bereits nach zweieinviertel Stunden erreichen wir die kleine Oase Indians Garden. Dank seiner Quelle hatten hier die Havasupai Indianer einen Garten, der vom 13. bis 19. Jahrhundert ununterbrochen genutzt wurde. Aus diesem Grund wurde auch der Bright Angel Trail ausgehend vom South Rim angelegt.

 

Unter einigen schattenspendenden Bäumen in unmittelbarer Nähe der Quelle lassen wir uns nieder. Hier treffen wir wieder auf Pat und Mark. Schnell kommt man am Rastplatz auch mit anderen Hikern ins Gespräch. Ein farbiger Mann aus Texas erzählt von seinem Aufenthalt in Köln, seiner Vorliebe für Früh-Kölsch sowie von seinem Besuch in Heinos Cafe in Bad Münstereifel. Ein junger Amerikaner, mit dem man sich über Heino unter-hält – schon eine kuriose Szene. Es ist hier eine lockere und heitere Atmosphäre und gerne würde man hier noch länger verweilen, wenn da nicht noch die Reststrecke von rund 7,5 Kilometern mit etlichen Höhenmetern vor uns läge. Mit einer Banane und einem (erneut nicht gerade leckeren) Powerbar füllen wir unsere Energiespeicher auf. Außerdem füllen wir Elektrolytlösung ab, die wir in regelmäßigen Abständen zu uns nehmen. Sie soll dafür sorgen, dass die durch das permanente Schwitzen verloren gegangenen  Salze wieder aufgefüllt werden. Ich bin sehr froh, dass wir diese harte Wanderung zum Schluss unserer Reise machen, da wir einige Erfahrungen gemacht haben und aus unseren Fehlern gelernt haben. Unser Abenteuer im Coyote Gulch beispielsweise würden wir mit den heutigen Erfahrungen sicherlich anders angehen (früher losgehen, ausreichende und energiereiche Kost mitführen, Salze und Elektrolyte unbedingt auffüllen, um Kopfschmerzen zu vermeiden etc).

Am Ende unserer Pause sprechen uns noch zwei deutsche Jugendliche ungefähr in Tims Alter an, Abiturienten, die sechs Wochen durch die USA reisen. Auch sie würden gerne eine Nacht im Grand Canyon verbringen, haben sich jedoch keine Chancen ausgerechnet, ein Backcountry Permit zu bekommen. Wir wissen allerdings von anderen Grand Canyon Hikern, dass zumindest am gestrigen Tag der Andrang im Backcountry Office bei Öffnung des Counters nicht besonders groß war – also stehen die Chancen auf ein kurzfristiges Permit, zumindest in dieser heißen Jahreszeit, gar nicht so schlecht.

Die Zeit drängt, und wir machen uns auf den Weg zur zweiten Hälfte des Weges. Bislang sind wir fast ausschließlich im Schatten gelaufen, das soll sich jetzt ändern. Vor dem Abmarsch halten wir die Köpfe noch schnell unter Wasser und tränken unsere Trekking Sonnenhüte. Tatsächlich brennt die Sonne nun unerbittlich auf den Kopf, obwohl sich heute Morgen die Hitze mit knapp über 90° Grad Fahrenheit in Grenzen hält. Der Weg verläuft zunächst über das Tonto-Plateau bis zum Red Cliff. Hier beginnt die „Jacobs Ladder“, keine Leiter, sondern eine Reihe von aufeinanderfolgenden Spitzkehren. Diese Passage des Weges, deren Verlauf man auch sehr schön vom Canyonrand verfolgen kann, ist nun tatsächlich anstrengend. Nächstes Ziel ist das 3-Mile-Resthouse, 2,6 Kilometer vom Indians Garden entfernt. Seit Indians Garden hat sich der Trail nun auch sehr deutlich belebt. Zahlreiche Tageswanderer mit dem Ziel Indians Garden kommen uns entgegen.

Am 3-Mile-Resthouse treffen wir zum wiederholten Mal Pat und Mark. Wir suchen Schatten im Resthouse und gönnen uns ein zweites Bagle-Frühstück sowie trockenes Brot von gestern. Auch hier findet wieder ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Hikern statt. Ein „bisschen stolz“ erzählen wir von unserer Zweitagestour und heimsen zumindest bei den Eintages-Hobby-Spaziergängern ein Stückchen Bewunderung ein. Nachdem wir erneut unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, geht es weiter.

Der nächste Punkt, den wir anpeilen, ist das 1,5-Mile-Resthouse. Eigentlich braucht man auf diesem Trail keine großen Wasservorräte, da insgesamt drei Wasserquellen im Wegverlauf zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund - und natürlich weil der Weg bei weitem nicht so steil ist wie der South Kaibab Trail - ist der Bright Angel Trail deutlich stärker frequentiert, besonders im oberen Abschnitt. Nun kommen uns auch einige Mulikarawanen von oben entgegen. Wir können es uns nicht vorstellen, den ganzen Weg bis hinunter zum Colorado auf dem Rücken eines Maultieres zu verbingen, zumal der ganze Spaß relativ teuer ist (rund 360 USD). Die meisten Reiter sehen auch nicht besonders glücklich aus.

Am 1,5-Mile-Resthouse verschnaufen wir noch einmal kurz für den Endspurt. Hier ist es richtig voll und es sind auch die obligatorischen Hobby-Spaziergänger mit sehr leichtem Schuhwerk vertreten. Wir vollausgestatteten Hiker, ausgerüstet mit Wanderstiefeln und schwerem Rucksack, müssen diesen Menschen vermutlich wie Außerirdische vorkom
men. Die letzten 2,4 Kilometer ziehen sich dann noch einmal richtig lang hin, auch wenn der Canyonrand bereits zum Greifen nah erscheint. Das permanente Bergauflaufen hat etwas meditatives, da man sich über einen langen Zeitraum in immer gleich bleibender Bewegung und Geschwindigkeit den Berg hinauf zieht. Zum Glück spielt das Wetter heute einigermaßen mit, und Wolken sorgen immer wieder für ein bisschen Schatten. Um 12.26 Uhr ist es vollbracht – wir haben den Canyon bezwungen. Nach 15,1 Kilometern, 4:33 Stunden reiner Gehzeit und einer Durchschnitts-geschwindigkeit von 3,3 Km/h erreichen wir die Bright Angel Lodge. 1.335 Höhenmeter haben wir heute erklommen. Wir sind ein bisschen stolz und glücklich, den Weg bewältigt zu haben. Natürlich wird auch ein Foto am Endpunkt geschossen.

Nach einer erfrischenden Dusche kochen wir uns auf dem Campingplatz unsere letzte Mahlzeit, Nudeln mit Pesto. Leider fängt es gerade wieder an zu regnen, als wir mit dem Essen beginnen wollen. Wir genießen unser Mahl im Auto und legen uns anschließend zu einem Regenerationsnickerchen ins Zelt – herrlich, vor allem die sehr mäßigen Temperaturen! Ein lauter Knall reißt uns aus den Träumen. Wieder zieht ein heftiges, wenn auch kurzes Gewitter auf. Nach dem kräftigen Schauer hört es alsbald auf zu regnen, und wir wagen einen letzen kleinen Ausflug zu Hermits Rest. Jedes Aufstehen bereitet Schmerzen in den geplagten Waden, am Anfang mag man sich gar nicht mehr bewegen.

Dennoch raffen wir uns auf, stellen das Auto an der Bright Angel Lodge ab und fahren mit dem Shuttle bis zum Pima Point, der letzten Station vor Hermits Rest. Von hier aus ist der Rim Trail sehr reizvoll. Natürlich sind wir wieder mutterseelenallein auf dem Weg, der parallel zur Shuttle-Route am Canyon-Rim entlang führt. Die knapp zwei Kilometer bis Hermits Rest nutzen wir sozusagen zum „Auslaufen“. Hermits Rest ist erneut ziemlich überlaufen, so dass wir auch heute hier nicht lange verweilen. Den recht spektakulären Sonnenuntergang mit interessanten Wolkenformationen sehen wir vom Shuttle aus.



Zurück an der Bright Angel Lodge suchen wir noch die sehr romantisch gelegene Bar im exklusivsten und teuersten Hotel des Grand Canyon Villages, dem El Tovar, auf. Auf der Terrasse sitzen wir mit einem Glas Chardonnay und einer kleinen Nacho-Platte mit Dipps und lassen diesen schönen Tag gemütlich ausklingen. Einen weiteren Höhepunkt unserer Reise, die Grand Canyon Tour, lassen wir noch einmal Revue passieren. Die letzte Nacht im Zelt steht bevor – morgen fahren wir zurück nach Las Vegas.

 

 







Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:
Dein Name:
Deine Nachricht:

Es waren schon 264008 Besucher hier!