Gomera 2011 - Valle & AguloLa Gomera, 9. – 27. November 2011
La Gomera ist in den letzten Jahren zu unserem bevorzugten Winter-Reiseziel geworden. Bereits zum dritten Mal bereisen wir das vielleicht landschaftlich reizvollste Eiland der Kanaren. Unser ursprünglicher Plan, die zweite Hälfte unseres Urlaubes auf der kleinsten Kanareninsel El Hierro zu verbringen, verhindert der seit mehreren Wochen brodelnde Vulkan vor La Restinga. Zunächst war lediglich der Süden der Insel betroffen – La Restinga wurde mehrfach evakuiert. Doch am Wochenende vor unserer Abreise waren zahlreiche Erdbeben auch im El Golfo Tal mit einer Stärke von bis 4,5 auf der Richterskala gemessen worden, sogar der Tunnel musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Glücklicherweise hatte die Vermieterin unserer Unterkunft, der Finca Miramas, Verständnis für unsere Absage und zögerte keine Sekunde, uns die Vorauszahlung zurück zu überwiesen. Wie wir in den Internetforen gelesen haben, waren wir kein Einzelfall, zahlreiche beunruhigte Urlauber haben in den vergangenen Wochen ihre Reise nach El Hierro storniert. So haben wir uns entschieden, die ganzen zweieinhalb Wochen auf Gomera zu Dieses Mal wählen wir die bequeme Flugvariante mit TUI Fly ab Hannover, auch wenn das Ticket mit 270,-- pro Nase etwas teurer ist als bei Ryan Air in den letzten Jahren. Die weitere Anreise nach Gomera ab dem Flughafen Teneriffa Süd erfolgt wie gehabt mit dem halbstündlich verkehrenden 111er Bus nach Los Christianos und von dort aus mit der Fähre weiter nach San Sebastian auf Gomera. Nachdem die Preise der Fred Olsen Fähre im vergangenen Jahr erstaunlich günstig gewesen sind, erreichen sie in diesem Jahr wieder das alte Niveau: Ca. 60,--€ p.P. hin und zurück. Wesentlich günstiger ist es, die etwas langsamere Fähre von Armas zu wählen (34,-- € pro Ticket). Leider passen die Fährzeiten nicht immer und es ist nur wirklich günstiger, wenn man beide Passagen bei Armas bucht.
Bereits im vergangenen Jahr haben wir festgestellt, dass sich die Atmosphäre im Valle mehr und mehr verändert. Mittlerweile werden täglich diverse Busladungen voll von dickbäuchigen All-Inclusive-Touristen aus Teneriffa zu einem Tagesausflug an die Playa Maria gekarrt, wahrscheinlich um einmal in ihrem Leben „ausgeflippte Alt-68er Hippies“ zu bestaunen (die es hier jedoch schon lange nicht mehr im Original gibt!). Sie laufen, beklebt mit einem „lustigen bunten Sticker“ in Neonfarbe, auf dem die Nummer ihres Busses steht (damit ja keiner verlo Ein weiterer Negativpunkt des Valles ist die mittlerweile unerträgliche Menge der Esoteriker verschiedenster Couleur, die hier ja scheinbar so super-frei von jeglichen Konventionen leben und mit verklärtem Blick durch die Gegend rennen. Auch diese Spezies scheint sich im Valle zu vermehren wie die Karnickel! Uns geht dieses Gehabe der ultimativen Erleuchtung inzwischen ziemlich auf den Keks, weshalb wir uns entschieden haben, künftig nicht mehr im Valle abzusteigen. Es gibt genügend glänzende Alternativen, auch hier auf Gomera. Oder aber wir wechseln komplett die Insel: Von El Hierro liest man ja, dass es auf dem kleinsten Kanaren-Eiland immer noch so sein soll, wie vor zwanzig Jahren auf Gomera. Zum Glück besteht Gomera nicht nur aus dem Valle Gran Rey. Die Orte im Norden der Insel, zum Beispiel Hermigua, Vallehermoso oder Agulo, sind nach wie vor ruhig und ursprünglich und man kann hier noch immer authentische spanische bzw. gomerische Lebens-Art erleben. Für Gomera sprechen zudem nach wie vor die fantastischen, teils spektakulären Landschaften, die wir auch in diesem Jahr wieder auf den unzähligen Wanderungen genießen und die es in dieser Form sicher auf keiner anderen Kanareninsel gibt.
Gleich am zweiten Abend nach unserer Ankunft treffen wir uns unten bei der Bar Maria mit Christina und Marcus, die wir im vergangenen Jahr auf Gomera kennengelernt haben. Wir verbringen einen schönen Abend im Abisina, für uns eines der besten Restaurants in Valle. Hier gibt es hervorragende gomerische Hausmannskost zu zivilen Preisen. Die kleinen frittierten ganzen Tintenfische (Chocos) für 6,-- € sind ein Gedicht, auch die hausgemachten Fischkroketten oder das Conejo en Salsa (Kaninchen in pikanter kanarischer Soße) hervorragend! Lediglich noch ein weiteres Restaurant suchen wir in diesem Jahr im Valle auf, das Sebastian in La Calera. Zuvor zeigen wir Christina und Marcus, die in La Calera ein schönes Apartment mit tollem Ausblick gemietet haben, unsere kleine Costa Rica Diashow auf dem Laptop – vielleicht lassen sich die Beiden ja inspirieren!? Das Abendessen bei Sebastian ist wie gewohnt gut. Da wir relativ spät kommen – Reservierungen werden im Sebastian grundsätzlich nicht angenommen -, gibt es nicht mehr alle Gerichte von der Speisekarte. Zum Glück ist aber der Thunfisch noch verfügbar – für viele Gäste der beste Thunfisch der gesamten Insel (10,50 €)! Das können wir nur bestätigen. Aus kulinarischer Sicht sei im Valle Gran Rey nochmals der deutsche Schlachter Christopher am Hafen von Vueltas erwähnt, der hier zusammen mit seiner Frau seit zehn Jahren ausgezeichnete Fleischprodukte anbietet. Wir wünschten, wir hätten einen solchen Schlachter in der Heimat! Hervorzuheben ist das hervorragende marinierte Conejo en Vino Tinto oder aber das tiefgefrorenes Cabra-Fleisch (Ziege) ohne Knochen, welches man mit Gemüse, zum Beispiel Möhren, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch anbrät und dann über mehrere Stunden schmort. Am besten schmeckt das Fleisch übrigens am nächsten Tag nach nochmaligem Aufwärmen! Dazu gibt es bei Christopher leckere tiefgefrorene hausgemachte Kartoffelknödel, die man nur noch erhitzen muss. Agulo
Agulo liegt im Nordosten der Insel rund 200 Meter über dem Meeresspiegel und besteht aus den drei Ortsteilen La Montaneta, Las Casas und El Charco. Umgeben ist das Dörfchen von einem imposanten Fels-Amphitheater und terrassierten Feldern, die dem Örtchen einen grünen Gürtel verleihen. Überall wuchern Bananen-, Avocado- oder Mangobäume, viele Grundstücke sind von üppigen Passionsfrucht-Hecken eingefasst. Agulos Markenzeichen sind die Weihnachtssterne, die hier überall in den Gässchen und Gärten wuchern. Zur Adventszeit und zu Weihnachten wird dann nahezu jedes Haus mit den üppigen roten Blüten dekoriert.
Auf der Nordseite der Insel fangen sich vor allem im Winter häufig dichte Wolken, die regelmäßig abregnen und für die üppige Vegetation sorgen. Viele Häuschen sind seit unserem letzten Besuch renoviert und farbig angetüncht worden und haben dadurch das Ortsbild aufgewertet. Mitten durch die Ortsteile Agulos führt die Calle El Cavario hindurch. Sie bildet das Zentrum des Ortes. Hier befinden sich auch das Rathaus sowie die wuchtige Pfarrkirche San Marcos mit ihren auffälligen Betonkuppeln, die zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes gerade restauriert werden. An der Calle El Cavario liegen auch die schönsten Häuser mit der typisch kanarischen Architektur aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Es gibt auch ein letztes kleines Lädchen, von denen es in früheren Zeiten hier einige gegeben hat, den Viveres Marina, mit einer angeschlossenen winzigen Bar. Hier trafen sich in früheren Zeiten die Männer nach einem harten Arbeitstag auf ein Glas Rotwein und einen kleinen Plausch. Diese Tradition wird in der Bar Marina auch heute noch gelebt. Am Abend wird das komplette Dörfchen in einen gedämpften gelben Schein von zahlreichen Straßenlaternen gehüllt, was für ein wahrhaft romantisches Gesamtambiente sorgt.
Ein weiteres Beispiel für kuriose gomerische Bauaktivität entsteht gerade hoch über den Dächern von Agulo: Am Rande der grandiosen Steilwand wird ein Mirador mit einem Skywalk nach dem Vorbild des Grand Canyons gebaut. Der Valle-Bote titelte bereits ketzerisch in einem Bericht über das Projekt: „Skywalk für Arme“! Und tatsächlich bleibt dem kritischen Betrachter unerschlossen, was den Aufwand für dieses Bauwerk rechtfertigt. Allenfalls könnte es zu einer weiteren Attraktion für die Bus-Tagesreisenden aus Teneriffa werden. Bliebt in jedem Fall kritisch anzumerken, dass die traumhafte Steilwand von Agulo durch das Gebäude ein Stück weit verschandelt wurde. Auch dem idyllischen Meeresschwimmbecken von Hermigua, einer ehemaligen Bananen-Verladestation, statten wir wieder einen Besuch ab – ein wahrlich magischer Ort, insbesondere im diffusen Licht der untergehenden Sonne. Im Winter ist ein Bad im Becken nicht ganz ungefährlich, da hohe Brecher unvermittelt über den Beckenrand schlagen und den unvorsichtigen Badegast an die scharfkantigen Beckenränder drücken können. Es ist hier schon zu zahlreichen schweren Unfällen gekommen. Auch wenn das Meer noch so harmlos aussieht, so kann es schon im nächsten Moment die gefahrbringende Monsterwelle bringen!
Noch ein Tipp für all diejenigen, die sich für ihren Rückflug online einchecken wollen: In Hermigua kann man in der Casa de la Cultura auf dem Plaza de la Encarnacion kostenlos ins Internet und auch sein Flugticket ausdrucken. Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag von 9 – 13 Uhr sowie 16 – 20 Uhr.
In Agulo gibt es einige Restaurants, die wir während unseres Aufenthaltes ausprobiert haben. Allen voran zu erwähnen ist das „El Vieja Escuela“ (Die Alte Schule) – für uns ein Restaurantname mit Tradition, da dies in Hamburg das bevorzugte Restaurant ist, in das wir schon so oft mit unserer mittlerweile 104 jährigen Omi gegangen sind! Hier gibt es vorzügliche Churros de Pescado – nicht etwa Fischstäbchen, wie man glauben könnte, sondern in einem sehr lockeren und wohlschmeckenden Teig ausgebackene Fischstückchen mit hausgemachten Patatas Fritas (oder wahlweise Pappas Arrugadas con Mojo). Das El Molino, an der Hauptstraße nach Vallerhermoso gelegen, ist ebenfalls ein authentisches Restaurant, in dem auch zahlreiche Einheimische verkehren. Es ist schon eine Wohltat nach neun Tagen Valle Gran Rey spanisch sprechende Menschen in den Restaurants vorzufinden! Auch wenn der Inhaber des El Molino seine paar Bocken Deutsch, wie zum Beispiel „viele Vitaminos“ fortlaufend anbringen möchte, bleibt für uns doch insgesamt ein eher positiver Eindruck. Der Thunfisch, den wir ordern, hat zwar nicht die überragende Qualität aus dem „Sebastian“ in La Calera, aber „Tuna en Salsa rojo“ kostet ganze 6,-- € und ist augenscheinlich mit Herz zubereitet worden! Auch die Garbanzos con Chorizo (Kichererbsen mit einer spanischen scharfen Salami) als Entremese (4 €) sind empfehlenswert. Seit Mai 2011 ist das El Faro unten am Playa Santa Catalina in Hermigua wieder eröffnet. Die deutsche Inhaberin Petra hat nach größeren Renovierungsarbeiten aus dem El Faro ein schmuckes gemütliches Restaurant gemacht und serviert vor allem frischen gegrillten Fisch, wie zum Beispiel Dorada, Tuna, Bonito (ebenfalls ein Thunfisch mit dunklerem festen Fleisch) oder Lubina (Wolfsbarsch). Wir entscheiden uns für Lubina, der mit Pappas Arugadas und hausgemachten Mojos kommt und sehr saftig und lecker ist. Es gibt auch eine Auswahl Tapas und Entremeses. Wir testen die überbackene Aubergine (6,50 €) und die Boquerrones (3 €) – beide Vorspeisen sind ebenfalls empfehlenswert. Natürlich läuft als Hintergrundmusik die CD von den Parranderos de Hermigua. Bei wärmeren Temperaturen kann man im El Faro auch auf der Dachterrasse mit Blick auf das Meer sehr idyllisch speisen. Auch die Bar Mocondo unten am Playa La Caleta, der Nachbarbucht von Hermigua, statten wir abermals einen Besuch nach der tollen Genuss-Wanderung zur ehemaligen Bananenverladestation ab. Wir testen einen gegrillten Tintenfisch (Choco) für immerhin 10 Euro, der allenfalls mittelmäßig ist. Die teils ruppige Gangart der Bedienung ist zudem gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig. Nach dem Besitzerwechsel im Oktober 2010 hat sich die Qualität des Restaurants offenbar etwas verändert, wurde doch die Bar am Playa La Caleta im Michael Müller Reiseführer noch lobend erwähnt. Am Strand von La Caleta kann man wunderbare Steinmännchen bauen, ein geredezu "meditativer Zeitvertreib", den Corinna in diesem Urlaub mit wachsender Leidenschaft entdeckt!
La Dama |