Gomera 2008 Teil 224.11.2008 ![]()
Am Wasserhäuschen von El Tion machen wir eine kurze Pause und setzen unseren Weg schließlich über eine asphaltierte Straße bis zur Aussichtsplattform unterhalb des Restaurants Roque Blanco fort. Danach beginnt der spektakuläre Teil der Tour. Ein wunderschöner Camino mit herrlichen Tiefblicken führt direkt auf den imposanten Felsen des Roque El Cano zu. Mit großartigem Blick ins Tal geht es hinab zurück nach Vallerheroso.
Wir fahren anschließend hinab an den Playa de Vallehermoso. Hier befindet sich eine kleine Cafeteria, in der wir einen Cafe con Leche bestellen. Direkt oberhalb des Strandes ist das große Meerwasserschwimmbecken von Vallehermoso, das allerdings nur bis September geöffnet hat. Auf der linken Seite der Bucht ist das Castillo de Mar, ein einstmals ambitioniertes Kulturprojekt, in das „El Fotografo“ Thomas K. Müller Millionen von Euro gesteckt hat. Hier sollten Rock- und Popgrößen wie Genesis oder Mana Station machen, was allerdings nicht funktionierte. Heute gammelt Da das Wetter immer besser wird und die Wolken sich sogar über den Bergen von Gomera verziehen, beschließen wir, über die kleine Passstraße von Agulo in Richtung Garajonay Nationalpark zu fahren. Die sich verziehenden Wolken erlauben sogar einen Blick auf den 4.000 Meter hohen Teide auf Teneriffa. das Objekt vor sich hin.
Am Parkplatz Alto de Contadero stellen wir unser Auto ab und machen uns auf zu dem zwei Kilometer langen Aufstieg auf den „Balkon“ Gomeras. Leider ziehen wieder Wolken auf , so dass uns der Rundumblick verwehrt bleibt. Dennoch genießen wir den ersten Eindruck des sagenumwobenen Nebelwaldes von Gomera. Die Besonderheit in dem naturbelassenen „Zauberwald“ Gomeras sind unter anderem Tausende, teilweise endemischer, also nur hier lebender, Flechtenarten, die von den Stämmen der Lorbeerbäume und anderer Gewächse herabhängen. Flechten sind Symbiosen aus Algen und Pilzen, die eine eigenwillige Lebensgemeinschaft eingehen. Der eine sorgt für ein sicheres fest verwurzeltes Zuhause, der andere versorgt die Gemeinschaft durch sein Chlorophyll mit Photosyntheseprodukten. Manch Wanderer könnte meinen, der Wald sei krank, weil so viele Stämme bemoost und verwittert sind, dies ist jedoch mitnichten der Fall. Das eigenwillige Aussehen des Waldes hängt direkt zusammen mit der dauerhaften Feuchtigkeit, die der permanente Nebel mit sich bringt. Oben auf der Garajonay Spitze ist es mit gerade einmal 8° Grad empfindlich kalt und der Wind pfeift uns gewaltig um die Ohren.Wir genießen dennoch den herrlichen Rundumblick über die Insel.
Wir fahren schließlich zurück ins warme Valle, wo das Thermometer schnell wieder 20° Grad erreicht. Heute soll eigentlich selbst gekocht werden, jedoch müssen wir unsere Pläne schnell ändern, da der deutsche Schlachter in Vueltas am Hafen, bei dem man auch frischen Fisch einkaufen kann, Montags Ruhetag hat. Also beschließen wir kurzerhand, heute bei Sebastian in La Calera einzukehren. Das Ambiente ist schlicht, es gibt keine Speisekarte sondern nur eine Tafel an der Wand, die Küche ist aber ausgezeichnet. Wir entscheiden uns beide für Thunfisch a la Plancha (8,50 €), der sehr saftig und lecker ist. 25.11.2008 Auch heute Morgen ist kein strahlend blauer Himmel in Sicht. Da wir nun aus einschlägiger Literatur, wie auch von unserem Tante Emma Ladenbesitzer wissen, dass das gute Wetter immer im Süden zu finden ist, machen wir uns ein weiteres Mal auf den Weg nach Imada. In diesem wunderschönen Tal wollen wir eine selbst zusammengestellte Wanderung von Imada über Lo del Gardo, Taco und wieder zurück auf der anderen Barrancoseite von Guiarimar nach Imada machen. Bewaffnet mit Wanderführer und Wanderkarte starten wir kurz nach 11.00 Uh an der einzigen Bar in Imada. Leider macht sich zeitgleich auch gerade eine französischsprachige Wandergruppe auf den Weg. Wir genießen beim Wandern auch die Stille der Natur, Geplapper jeder Art ist da für uns unerwünscht.
Hier beginnt nun die eigentlich Tour (Rother Nr. 13), die wir aber entgegen gesetzt des beschriebenen Weges gehen. Wie sich herausstellen wird, sollte man das auf Gomera besser nicht tun, wenn man weder Tour noch Gegend ausreichend kennt. Ein weiteres Mal überholen wir die Franzosen und steigen etwas schneller in das vor uns liegende Tal, den Vulkanschlot Roque Agando immer im Blickfeld. Unten angekommen, halten wir uns zunächst an der gelb-weiß markierten Kreuzung rechts, denn nach unserer Karte müsste es talabwärts gehen. Nach unserer Brotzeit mit leckeren frisch gepflückten Orangen vom Wegesrand stellen wir schnell fest, dass der von uns eingeschlagene Weg nicht der richtige sein kann - also bleibt uns nur der Weg zurück.
Oben an der Wegkreuzung gibt es ein herzliches Wiedersehen mit unseren „Frenchies“. Wir befragen die Wanderführerin nach dem richtigen Abstieg nach Taco. Tatsächlich befinden wir uns weit oberhalb der im Wanderführer angegebenen Stelle, wo es Richtung Tal geht. Mit einem großen Umweg über den Weiler Benchijigua und die Ermita de San Juan gelangen wir auf die andere Seite des Barrancos und steigen wir über einen steinigen Pfad hinab. Der Weg durch den Barranco de Benchijigua erscheint endlos und die Zeit läuft uns langsam davon. Wir mögen gar nicht daran denken, dass uns unten noch ein langer Aufstieg von 600 Höhenmetern bevorsteht. Trotzdem gefällt uns die Umgebung sehr gut: Palmen. Orangen- und Zitronenbäume, Agaven und Kakteen soweit das Auge reicht. Lauschige alte Weiler mit zerfallen Ziegenhütten runden d as Bild ab. Nach einem über einstündigem Abstieg auf teilweise ausgesetzten Wegen und Querung des Bachbettes, kommen wir endlich in Pastrana an. Vor uns läuft das ältere Ehepaar aus Aachen, welches wir gestern beim Abstieg vom Roque Cano getroffen haben – so klein ist die Insel! Als wir erzählen, dass wir noch nach Imada aufsteigen müssen, bieten sie uns an, uns mit dem Auto dorthin mitzunehmen, was wir dankend annehmen. Inzwischen ist es 16:30 und der Aufstieg hätte noch mindestens 2 Stunden gedauert und uns in die einsetzende Dämmerung geführt. Über Santiago und den Flughafen geht es nach Imada, wo wir uns von unseren netten Chauffeuren verabschieden. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir zurück im Valle. In der Tamara Bar in Vueltas trinken wir ein Glas Wein und essen eine Kleinigkeit, umrahmt von einem großartigen Sonnenuntergang mit knallroter Einfärbung des Horizonts.
Wir beschließen am heutigen Abend zuhause zu kochen und kaufen beim deutschen Metzger „Christopher“ am Hafen ein. Eine große Auswahl an verschiedenen Fleisch- und Fischsorten macht die Wahl zur Qual. Wolfram entscheidet dann, dass es heute Abend Kaninchen gibt. Unsere Wurstvorräte können wir hier auch auffüllen, alle Waren sind garantiert von „glücklichen Tieren“, aus eigener Herstellung und sehen ausgesprochen appetitlich aus. Ein Schild weist sogar darauf hin, dass zu Weihnachten Hirsch- oder Gänsebraten vorbestellt werden können. Diese kommen, wie der Inha ber erläutert, jedoch vom spanischen Festland und sind tiefgefroren. So kocht Wolfram also am Abend ein wohlschmeckendes Kaninchengericht, dazu gibt es Papas Arrugada. Das mit der Salzkruste müssen wir noch üben, dennoch sehen die Kartoffeln denen aus den Restaurants schon recht ähnlich. Kaninchen ist einfach nicht mein Fall, insbesondere wegen des Abnagens der kleinen Knochen. Ich halte mich daher lieber an die äußerst leckere Soße und die Kartoffeln. Es gibt also doch kulinarische Genüsse, bei denen unsere Geschmäcker auseinander driften. Zum „Nachtisch“ bekommen wir dann noch einen splitternackten Maler in unserem Nachbarhaus serviert, der sich bei offenem Fenster ungeniert seinen Künsten hingibt. In El Guro ist eben alles möglich.
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Eine Weile später entdeckt unser „Captain“ eine Schule jagender Rauhzahn-Delfine. Über der Gruppe kreisen Möwen, die die Reste der Jagd „einsammeln“. Diese Delfine sind relativ scheu und wir haben großes Glück, diese Tiere aus dieser Nähe beobachten zu können. Grundsätzlich gilt bei den Tierbeobachtungen bei den Oceano Expeditionen die Maxime, dass wir die Gäste der Tiere in ihrem Lebensraum sind und nicht umgekehrt. Eine Philosophie, die von den meisten Whale Watching Veranstaltern leider nicht eingehalten wird. Das Boot hält immer einen gew issen Abstand zu den Tieren, lediglich wenn die Delfine oder Wale von sich aus nahe an das Boot heranschwimmen und mit diesem in Interaktion treten, ist eine Beobachtung aus nächster Nähe möglich. Später werden noch einige Streifendelfine gesichtet. Nach gut drei Stunden nähern wir uns schließlich wieder der Küste. Der Wind hat deutlich aufgefrischt und unsere kleine Nussschale ist einem wilden Geschaukel ausgesetzt. Während Corinna diese Bootsfahrt sichtlich genießt, habe ich schon meine gewissen Vorbehalte. Mit festem Boden unter den Füßen fühle ich mich wohler, auch wenn ich mittlerweile das Geschaukel bei Bootsfahrten ertragen kann. Insgesamt ist die Tour mit diesem Veranstalter absolut empfehlenswert. Auf dem Rückweg fahren wir in unmittelbarer Küstennähe zurück zum Hafen. Die untergehende Sonne sorgt für ein tolles Farbenspiel auf den Felsen der Steilküste. Auch die Schweinebucht lässt sich vom Meer aus einer anderen Perspektive betrachten.
Der Cedro-Bach begleitet uns ein ganzes Stück auf unserem Weg. Es ist der einzige Bach auf Gomera, der ganzjährig Wasser führt. Wir gelangen zur Ermita de Lourdes, einer kleine Wallfahrtkirche mitten im Wald. Von hier aus ist es nicht mehr sehr weit bis zum kleine Weiler El Cedro. In der kleinen idyllischen Bar La Vista mit angeschlossenem Campingplatz (der einzige auf Gomera) kehren wir ein. Es gibt einen frisch gepressten Orangensaft (2 €), sowie Cabra (Ziege mit Soße) für 7 € und für Corinna Hähnchen in Soße (6 €) – beide Gerichte sehr lecker. Nach El Cedro beginnt der steilere Teil des Abstiegs hinunter in das Hermigua Tal. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind einmal mehr gefragt, zumal die Felsen teilweise vom Regen etwas rutschig sind. Von einer senkrechten Felswand stürzt rechter Hand der höchste Wasserfall Gomeras, der Salto de Agua, 175 Meter tief ins Tal. Das ganze Tal ist mit dichtem Lorbeerwald bewachsen. Nach rund 45 Minuten Abstieg gelangen wir zu einer Staumauer und die Zwillingsfelsen Los Germelos kommen in Sichtweite. Malerisch schmiegen sich die bunten Häuser der Vororte von Hermigua, El Curate und El Estanquillo an den Fuß der markanten Felsen. Schließlich gelangen wir über Gartenterrassen mit Bananen-, Orangen- und Zitronenbäumen zu unserem Zielpunkt El Convento an der Carretera del Norte.
28.11.2008
Nach diesem äußerst lohnenswerten Besuch der Fruchtplantage, nehmen wir in einer Bar am Hafen, dem Rincon del Marinero einen kleinen Snack ein. Dort sitzt gerade an einem Nachbartisch in Begleitung einiger Freunde ein professioneller Sänger, der mit Gitarrenbegleitung hervorragende gomerische Folklore zum Besten gibt. Diesen Sänger hatten wir bereits einige Tage zuvor im Restaurant Sebastian erlebt. Dort hatte er seiner Begleiterin zum Abschluss des Essens ein Liebeslied vorschmetterte, so dass alle Herren im Restaurant vor Neid erblassten und die Damen nur so dahinschmachteten. Corinna entscheidet sich für einen Salat mit Thunfisch, für mich gibt es sehr gute Chocos, ganze Tintenfische vom Grill (7,50 €).
Auf dem Weg zurück treffen wir ein Paar aus Bad Mergentheim, Sabine und Wolfgang, mit dem wir ins Gespräch kommen und zusammen ein Gläschen Wein im Casa Maria trinken. Wir beschließen am Abend gemeinsam Essen zu gehen. Nachdem wir unsere Sachen gepackt haben, fahren wir nach Vueltas ins Restaurant El Trasmallo. Es wird ein sehr netter Abend, wenn wir auch mit der Qualität des Restaurants nicht sehr zufrieden sind. Trotz Reklamationen ist man nicht in der Lage, uns richtig temperierten Weißwein zu servieren, dafür ist der Rotwein, den wir danach bestellen, eiskalt. Die Bedienung ist extrem unfreundlich und unaufmerksam. Wir bestellen eine Fischplatte für zwei Personen (21,--€), die unglaublich riesig ist und sicher für vier Personen reichen würde. Unter anderem liegen Sardinen, Thunfisch, Seehecht, Seezunge, Muscheln und Gambas auf der Platte. Der Fisch ist zwar sehr frisch aber etwas trocken geraten. Unsere Restaurant Empfehlung: Im Valle gibt es so viele gute Restaurants mit gutem Essen und zuvorkommender Bedienung, da ist man nicht auf die wenigen schlechten, wie es das El Trasmallo ist, angewiesen! Danach fahren wir zurück nach El Guro und plaudern noch einige Zeit auf unserer Terrasse mit Sabine und Wolfgang.
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