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Galizien Teil 2

24.08.2006
Da wir an den letzten beiden Tagen längere Ausflüge gemacht haben, soll heute ein „Faulenzertag“ am Strand eingelegt werden. Zunächst schauen wir uns jedoch den Ortskern von Larino an. Hier geht es wahrlich noch beschaulich zu. Nette kleine galizische Steinhäuser, die obligatorischen Horreos, zwei gemütliche Bars, ein idyllisches Kirchlein und Maisfelder praktisch in den Vorgärten.

An unserem Lieblingsstrand in Carnota herrschte bei Ankunft totale Ebbe, was immer gleichbedeutend ist mit ausgezeichneten Spaziermöglichkeiten am Strand: Durch das zurückfließende Wasser ist der Sand sehr hart, und man sinkt kaum ein (was auf Dauer recht anstrengend sein kann).


Zunächst durchqueren wir den nun fast leer gelaufenen Boca do Rio und liefen am Strand entlang bis zum nörd­lichsten Ende der Bucht und wieder zurück. Es ist herr­lichstes Wetter bei Temperaturen um 25 Grad und es weht eine mäßig kühle Brise – so lässt es sich aushalten! Wir beschließen auch noch bis zum südlichen Ende des Strandes zu laufen. Da der Strand insgesamt rund 7 Kilometer lang ist – übrigens der längste Strand weit und breit – beträgt unser Tagespensum heute immerhin ca. 14  km. Danach halten wir eine wohlverdiente Siesta in den Dünen mit einer guten Urlaubslektüre (Dan Browns „Sakrileg“ bzw. Hape Kerkelings „Ich bin mal eben weg“).

 
Gegen Abend wollen wir Richtung Muros fahren, um endlich frischen Fisch am Hafen einzukaufen. Wir versuchen uns auf einer winzigen Straße über die dem Strand vorgelagerten Berge durchzuschlagen. Je höher wir kommen, desto grandioser wird der Ausblick auf die Bucht von Carnota. An einem Aussichtspunkt weiden sogar malerisch einige Wildpferde. Die Straße auf dem Berggipfel geht schließlich in eine immer schlechter werdende Schotter­piste über, so dass wir unseren kleinen „Querfeldein-Trip“ schließlich abbrechen.

In Muros kaufen wir ein paar Brote und genießen in einer kleinen Bodega ein Glas Albarino, etwas Käse und spanischen Schinken – das Ganze umrahmt vom Gebrüll spielender Kinder! Am Hafen schauen wir uns bei den Fischständen nach unserem Abendessen um. Leider sind die ausgelegten Fische nicht mit Schildern ausgestattet, so dass wir uns mit unseren spärlichen Brocken Spanisch durchfragen müssen („Was ist das?“ haben wir mittlerweile gelernt!). Die Antworten der Fischverkäufer bringen uns allerdings kein Stück weiter, da wir die genannten Fischsorten nicht in unserem kleinen Sprachführer finden. Wir erstehen schließlich drei Doraden ähnliche Exemplare, die sich zum Grillen eignen sollen, wie uns die Fischfrau versichert. Die Fische wiegen etwas über ein Kilo und kosten fachmännisch ausgenommen gerade einmal 8 Euro. Endlich haben wir unseren Fisch „direkt vom Kutter“ – frischer geht es nicht. Abends landen die Fische, angemacht mit reichlich Knoblauch, auf dem Grill. Heute ist genau eine Woche unseres Urlaubs herum und es kommt uns schon viel länger vor. Diese Erfahrung haben wir schon in anderen Urlauben gemacht, wenn wir in kurzer Zeit eine Menge unternommen und erlebt haben.


25.8.2006

Heute werden wir gegen 10.30 Uhr durch Plätschern vor dem Haus geweckt – es wird doch wohl nicht … !!?? Es wird …, es regnet!!! Wolkenverhangen zeigt sich dieser Tag. Unser Plan, die Costa da Morte weiter nordwärts zu erkunden, fällt buchstäblich ins Wasser. Aber wir sind ja flexibel, so dass der Plan kurzerhand geändert wird und wir in Richtung Rias Baixas aufbrechen. Insbesondere die Albarino Region wollen wir uns anschauen.

Wir fahren erneut entlang der Ria de Muros bis Noia und schwenken dann ins Landesinnere bis nach Padron. Aus diesem Städtchen kommt eine landesweit bekannte Spezialität, die Pimientos do Padron, kleine in Olivenöl angebratene Paprikaschoten. Diese Schoten sind zumeist sehr mild, doch unter 100 Schoten mischt sich dann unvermittelt ein höllisch scharfes Exemplar – diese Erfahrung haben wir am Vorabend bereits machen müssen. Die Strecke bis Padron dauert schon rund 1,5 Stunden. Ab Padron benutzen wir die Autobahn A 9 bis Pontevedra („Wegezoll“ von 2,80 Euro), der Hauptstadt der südwestlichen Provinz Galiziens (75.000 Einwohner).


Pontevedra wird in unserem Reiseführer als eine eher unscheinbare Kleinstadt mit „ganz netter Altstadt“ dargestellt. Jedoch stellen wir zum wiederholten Male fest, dass sich die Angaben unseres Michael Müller Reiseführers nicht immer bestätigen. In anderen Ausgaben der MM Reihe konnten wir uns bislang fast blind auf die Tipps und Beschreibungen des Autors verlassen, nicht so bei dem von Thomas Schröder verfassten Titel „Nordspanien“.

Die Stadt sprüht sehr viel Charme aus - es gibt eine Vielzahl hübsch restaurierter alter Häuser, viele kleine Gassen, nette kleine B&B´s und lauter lauschige Plätze zum Verweilen. An der Touristeninformation des Rias Baixas erhalten wir einige informative Broschü­ren und einen Stadt­pan mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten der Region. In einer lauschigen Gasse, ausgehend vom Plaza de la Lena, nehmen wir einen kleinen Snack zu uns (u.a. superleckere und frische Sardinen vom Grill).

Das Wetter wird nun auch allmählich besser und die Sonne kommt heraus. Unser nächstes Etappenziel ist das unter Denkmalschutz stehende Örtchen Combarro. Man schlendert durch niedliche kleine Gassen, vorbei an zahlreichen alten Horreos (Kornspeicher), die direkt am Meer stehen und somit ideale Fotomotive abgeben.

In dem Gässchen direkt am Wasser stören nervige Souvenirhändler, die kichernde und auf Besen reitende Hexen anbieten. Die spanischen Touristen scheinen diesen unglaublich „blöden Kitsch“ jedoch originell zu finden. Auch die nett gelegenen Tapas Bars am Wasser sehen nach Touristenabfertigung aus. Hier macht sich die Nähe zum angeblich einzigen Massentourismusort ganz Galiziens, Sanxenxo, bemerkbar. Das unangenehme Urlaubsflair a´la Costa des Sol, das wir in Galizien bislang zum Glück noch in keiner Weise erleben mussten, kann man hier zumindest in abgeschwächter Form erleben. In den oberen Gassen Combarros ist von dem ganzen Rummel allerdings nicht mehr viel zu sehen. In Hafennähe am Rande der Altstadt trinken wir dann noch in einem nett gelegenen Cafe direkt am Meer einen Cafe doble con Leche.

Hier treffen wir zum ersten Mal auf einen sehr unfreund­lichen und zudem unsere zarten Sprachversuche ignorierenden Galizier. Der Kellner tut so, als ob er uns nicht verstünde und sein Bemühen, sich mit uns zu verständigen, hält sich ebenfalls in Grenzen (Corinna hat statt doble „double“ gesagt und auch mein Versuch auf Spanisch eine Mandeltarte zu bestellen, trift auf keinerlei Anerkennung beim Empfänger). Unfreundliche Menschen sind besonders an Plätzen anzutreffen, an denen zahlreiche Touristen zusammenkommen – dies ist eine vielfach erlebte Erfahrung, die wir auf unseren bisherigen Reisen gemacht haben. Dafür gibt es dann auch kein Trinkgeld und wir ziehen weiter in Richtung des nahe gelegenen Sanxenxo. So fürchterlich wie der Autor die „Capital de touristica de Galicia“ – die touristische Hauptstadt Galiziens - be­schrieben hat, ist sie dann doch wieder nicht. Die Vergleiche mit Orten der Costa des Sol erschließen sich uns jedenfalls nicht. Es gibt einige mehrstöckige Hotels und Häuser an der Küstenlinie, jedoch ist die Bebauung noch erträglich.

Weiter geht es nach O´Grove, ebenfalls eines der Touristenzentren der Rias Baixas. O´Grove ist eine Halbinsel, verbun­den zum Festland über einen langen Damm. Auf der Südseite des Dammes erstreckt sich ein beliebter feinsandiger Strand, der Praia de Lanzarde, den wir aber aufgrund seiner Nähe zur Straße links liegen lassen. Wesentlich schöner, da recht einsam und inmitten einer farbenfrohen Heidelandschaft gelegen, empfinden wir einen Strand nahe bei San Vincente. Eine kleine Aus­schilderung an der Hauptstraße führt uns ca. 2 - 3 Km vor San Vincente zu einer traumhaften Kulisse aus Strand und bizarren Fels­formationen – Südsee Flair pur.




Das Wetter ist zwar mittlerweile etwas besser, jedoch ver­steckt sich die Sonne noch immer hinter einem Schleier. So machen wir einen kleinen Spaziergang entlang der schönen Strände. Nach ausgiebi­gem „Fotoshooting“ gönnen wir uns ein Picknick auf einem Felsen hoch über dem Meer.

Zu guter Letzt wollen wir noch einen Abstecher nach Cambados, der Hauptstadt des Albarinos, machen. Die von uns in diesem Örtchen vermuteten Weinkeller sind jedoch nicht vorhanden, so dass unsere Erwartungshaltung von „Weinromantik“ leider nicht erfüllt werden. Die Weinproduktion ist hier – anders als z.B. in Deutschland oder Gegenden des Bordeaux – ein nüchterner industrieller Vorgang, der kaum Platz für Weingemütlichkeit lässt. Dies stellen wir auch fest bei unserer anschließenden Fahrt durch die Weinberge über die „Rutas de Vino“, in deren Verlauf wir auf keine einzige Bodega oder Probierstube treffen. Die Weinorte sind wie ausgestorben. Weinproben im Albarinogebiet sind scheinbar nur entlang der Küstenstraße möglich, wo wir ein paar Schilder vor Cambados ausmachen.

Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Heimweg. In Muros, wo wir nach fast zweistündiger Fahrt ankommen, soll an diesem Abend eine Band spielen. In einer Tapas Bar auf einem schönen Platz bestellen wir zunächst Chipperones (kleine Tintenfische) und Herzmuscheln. Die Muscheln schmecken arg fischig und sind lieblos in Salzwasser zubereitet. Außerdem knirschen Sandkörner in den Zähnen. Diese Muscheln sind keine gute Wahl. Anschließend schauen wir uns noch die Zugabe der Folkrockband „Derro Güetto“ an. Die Musik erinnert an irischen Folkrock mit ungewöhnlicher Instrumen­tierung (u.a. ein Dudelsack) – insgesamt eine sehr interessante und gut hörbare Musik. Nach zwei Zugaben verabschiedet sich die Band und wir machen uns nach diesem ereignisreichen Tag auf den Weg zu unserem Apartment.

 


26.8.2006

Strandtag am Boca do Rio in Carnota.
Nach kurzem Einkauf in Muros – es soll erneut Pimientos de Padron sowie Gambas und Tintenfische vom Grill geben – fahren wir zunächst in Lira hoch auf den Berg, um Fotos von der Bucht von Carnota zu machen. Am Strand nehmen wir wieder unseren Platz in den Dünen in der Nähe des Boca do Rios ein – der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier!

Zunächst machen wir einen 1,5 stün­digen Strand­spaziergang - es istgerade wieder Ebbe - und nehmen ein Bad im Boca do Rio, um anschließend wieder in unsere Bücher für einige Stunde zu versinken.

Auf der Rückfahrt entdecken wir in Lira (strandwärts) noch ein nettes Casa „Tourismus Rural“, das Xanela da Lira.

Das Abendmenü ist heute: Lomo (luftgetrochnetes Schweinefilet), Jamon Serrano, Queso del Pais sowie Pimientos de Padron als Tapas, danach Gambas und Tintenfisch a´la Plancha mit Aioli mit einer ganzen Menge Weißwein.


27.08.2006

Heute Morgen ist es beim Aufstehen leider erneut trüb und es nieselt. Nach unserem üppigen Mahl gestern Abend haben wir beide nicht besonders gut geschlafen und später stellen sich bei mir zudem noch arge Magen-, Darmprobleme ein - hoffentlich keine Fischvergiftung!?

Nach dem Frühstück machen wir uns trotz des mäßigen Wetters auf, um den nördlichen Teil der Costa da Morte zu erkunden – schließlich sind wir Optimisten und wähnen schon hinter der nächsten Kurve den Sonnenschein! Einen Teil unserer Entdeckungstour an der Costa da Morte wollen wir „per Pedes“ bewältigen. Diese Wanderung entlang der „Ruta Costa da Morte“ soll unmittelbar am Cabo Vilan starten.

Wir fahren auf der B 552 über Cee bis Vimianzo. Diese Strecke ist gut ausgebaut und nur mäßig befahren, so dass man recht schnell vorankommt. In Vimianzo verlassen wir die Landstraße und fahren durch Pinienwälder nach Camarinas. Von hier aus soll es einen Weg am Meer entlang zum Cabo geben. Einer Ausschilderung Ruta Costa da Morte folgend befahren wir zunächst eine winzige asphaltierte Straße, die kurz darauf jedoch in einen schmalen Feldweg, der kaum breiter als unser kleines Auto selbst ist, mündet, beidseitig begrenzt durch Steinmauern. Nach einer kurzen nervenaufreibenden Fahrt landen wir zum Glück wieder auf einer besser ausgebauten Straße, die uns zu einem ins Meer ragenden Felsen mit einem Gebäude auf seiner Spitze führt. Wir halten diesen Ort irrtüm­lich für das Cabo Vilan und mar­schieren los. Der sehr schöne Pfad führt entlang der Steilküste durch blühendes Heide­kraut in unter­schiedlichen Farbnuancen.


Nach ca. zwei Kilometern liegt vor uns ein weiterer Felsen mit einem Leuchtturm – das „wirkliche“ Cabo Vilan. Unterhalb des Leucht­turms befindet sich eine Fischzuchtstation. In riesigen runden Beton­becken werden hier vorwiegend Steinbutte und Seezungen gezüchtet.

Wir marschieren noch ein paar Kilometer weiter, kehren kann jedoch um, da ich mich aufgrund der Magenproblem doch etwas schlapp fühle (leichtes Fieber, Gliederschmerzen, Durchfall etc.). Außerdem kann man den nun folgenden Teil auch auf einer Schotterpiste mit dem Auto befahren. Dies tuen wir dann auch und suchen unterwegs nach einem Platz für eine Siesta. Am Praia Beira werden wir fündig und legen uns einmal mehr an einen komplett menschenleeren, landschaftlich unglaublich reizvollen Strand. Lediglich ein paar Surfer ziehen vor dem Strand ihre einsamen Runden. Die Strände an diesem recht rauen Teil der Costa da Morte sind sehr unterschiedlich, allesamt jedoch sehenswert. Am Praia Beira beispielsweise herrschen rot schillernde Felsformationen vor, die bis ins Meer hinein ragen. Das Wetter hat sich noch immer nicht wesentlich gebessert, es ist jedoch recht warm. Einige feuchte Nebel­felder ziehen über uns hinweg, was uns aber nicht großartig stört.


Nach der Ruhepause geht es weiter nach Camelle, einem unscheinbaren und schmucklosen Fischerdorf. Hier hat 40 Jahre lang ein deutscher Künstler namens Manfredo ein Einsiedlerdasein geführt. Gelebt hat er von den bescheidenen Eintrittsgeldern seines Freilichtmuseums, in dem er Strandgut zu Skulpturen verarbeitete. Bei dem schweren Tankerunglück der Prestige vor vier Jahren wurde durch die Ölpest auch ein großer Teil seiner Kunstwerke zerstört. Manfred starb kurze Zeit später und die Dorfbevölkerung war sich darüber einig, dass er die Zerstörung seiner Kunstwerke nicht verwunden hatte. Ihm zu Ehren baute man ein Museo de Aleman. Seine Behausung und einige seiner Werke können besichtigt werden. Wie konnte ein Mensch vor 40 Jahren nur auf die Idee kommen, sich an diesem unscheinbaren und gottverlassenen Ort nieder zu lassen?

Unser letzter Programmpunkt soll die Besichtigung der kleinen Burg in Vimianzo sein, die wir bereits auf der Hinfahrt entdeckt haben. Erstaunlicherweise verlangt niemand Eintrittsgeld in dieser sehens­werten Burg. Sie entstand Ende des 17. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. In den kleinen Räumen der Burg zeigen Kunsthandwerker alte Traditionen wie z.B. Klöppeln, Weben und Schnitzen und verkaufen an Ort und Stelle ihre Werke. Liebevoll ist hier alles hergerichtet und die ausgestellten Gegenstände sind – nicht so wie an anderen Orten dieser Art - in keiner Weise kitschig!


Nach einem ausgiebigen Rundgang treten wir den Rückweg an. Kaum sind wir in Cee angekommen, da sehen wir auch schon strahlend blauen Himmel in Richtung Larino. Ob hier wohl den ganzen Tag über schönes Wetter gewesen ist? Bereits an den Tagen zuvor haben wir festgestellt, dass sich hinter den Montes da Pindo in Höhe des Cabo Fisterra ab und zu eine Wetterschneise bildet.


28.8.2006

Der heutige Morgen geizt zunächst mit Sonnenschein. Tiefe Nebelschwaden ziehen durch die Bucht von Larino. Nach einem kurzen Frühstück und Geburtstagsanruf bei Klaus machen wir uns auf den Weg zum Einkaufen nach Muros. Zurück in Larino entscheiden wir uns trotz des Wetters zu einem ruhigen Strandtag in Carnota. Langsam scheint sich auch die dichte Wolkendecke zu lichten und die Sonne zeigt sich. Wie üblich stehen unser Strandspaziergang bis nach Lira auf dem Programm. Dieser Strand steht zurecht in unserem „Traumstrände“ Buch – das stellen wir an jedem Strandtag in Carnota fest. Trotz des diffusen Lichtes am heutigen Tag ist es ein Genuss auf diesem feinen Sand zu laufen, allzeit die fantastische Bergkulisse mit verträumten Dörfchen vor Augen.

Auf dem Rückweg unseres Spazierganges klärt sich der Himmel zusehend auf. Zurück an unserem Liegeplatz am Boca do Rio sind schließlich alle Wolken buchstäblich wie weggeblasen. Nach einem kurzen Bad in der „warmen Badewanne“ des Boca do Rio haten wir unsere obligatorische Siesta.

Gegen Abend fahren wir über die Montes do Pindo nach Muros. Aussichtspunkte laden unterwegs ein zu kurzen Foto­stopps. Der Ausblick auf die Bucht von Carnota mit seiner Lagunenlandschaft ist immer wieder atem­beraubend.

In Louro finden wir auf dem Rückweg eine nette Bar direkt am San Francisco Strand, wo wir uns ein Bier bzw. einen Vino Blanco genehmigen. Der Strand von Louro liegt ebenfalls in der schönen Bucht von Muros. Wellengang gibt es hier kaum, die Wassertemperatur ist aufgrund der geschützten Lage deutlich höher. Für unseren Geschmack ist dieser Strand allerdings etwas zu überlaufen. Dennoch fällt selbst an den touristisch erschlossenen galizischen Stränden positiv auf, dass die Sonnenschirm- und Liegenvermieter, die andernorts ganze Strandabschnitte blockieren, nicht vertreten sind.

Am Abend genießen wir in unserem kleinen idyllischen Gärtchen nicht ganz so landestypische Kost – Spaghetti Bolognese und ein Gläschen Rioja – muss auch mal sein!


29.8.2006

Heute sind wir verhältnismäßig früh wach (8.30 Uhr), das Wetter sieht verheißungsvoll aus und somit entscheiden wir uns zu einem weiteren Trip an die Costa da Morte. Dieses Mal wollen wir uns insbesondere die Orte anschauen, die wir beim ersten Mal aufgrund des mäßigen Wetters ausgelassen haben.

Kurz hinter Cee biegen wir von der B 552 ab in Richtung Cabo Tourinan, jenem Ort, an dem die Prestige havarierte. Dieser Teil der Küste ist touristisch gesehen nahezu jungfräulich, Hinweisschilder auf den kleinen Sträßchen eher „Zufall“. Nach einigen Irrwegen durch Wiesen, Felder und Wälder fragen wir mit unseren immer besser werdenden Spanischkenntnissen eine Frau nach dem Weg. Wie gut, dass wir gerade das Wort „gerade­aus“ (todo derecho) gelernt haben. Am Cabo gibt es nichts Spektakuläres zu entdecken, zudem hat es sich wieder zugezogen – nicht gerade das optimale Fotowetter. Am Horizont sind allerdings „Hoffnungsschimmer“ in Sicht.


Es geht weiter die Küste entlang durch winzige Dörfchen Richtung Muxia. Die hiesige ländliche Bevölkerung scheint ausschließlich vom Maisanbau zu leben, andere Pflanzen sind auf den Feldern weit und breit nicht auszumachen. Muxia ist ein eher nüchterner Ort ohne nennenswerte Sehenswürdigkeit, natürlich mit einem kleinen Fischerhafen. Da inzwischen die Sonne herausgekommen ist, beschließen wir an einen Strand in der Nähe des Cabo Vilans zu fahren, den wir während unserer ersten Tour entdeckt haben. Dieses Mal kann ich die Fahrt entlang der Ruta Costa da Morte mehr genießen - die Magen-, Darmprobleme haben mir vor zwei Tagen doch schwer zu schaffen gemacht.

Wieder werden die Kameras in Bereitschaft versetzt, denn auf dieser Tour entlang der Schotter­piste am Cabo Vilan gibt es unzählige schöne Fotomotive – sicher sind auch einige Motive für den obligatorischen Fotojahres­kalender darunter!? In der Nähe eines Friedhofs (Cementerio Ingles) mit Denkmal, das an Schiffsunglücke an diesem Küstenabschnitt Anfang des Jahrhunderts erinnert, stellen wir unser Auto ab und steigen in einem halbstündigen Fußmarsch hinab zur auserwählten Bucht. Erneut wandern wir durch eine
wunderschöne Küstenlandschaft mit bunt blühendem Heidekraut und treffen einen einsamen Traumstrand vor. Wir können die Leute einfach nicht verstehen, die sich wie die Ölsardinen an hoffnungslos überfüllte Strände zwängen, wenn es solche Alternativen gibt! Aber wir brauchen auch keine Strandcafes, Yachthäfen oder mondäne Boutiquen an betonierten Promenaden etc. – wir genießen mehr die Einsamkeit, die Stille un
d die Natur. An diesem Strand verbingen wir den ganzen Nachmittag. Zwischenzeitlich wird es sogar recht heiß, so dass man sich komplett unter den Sonnenschirm legen muss. Abkühlung bringt das Meer, das hier scheinbar noch kälter ist als in Larino! Glücklicherweise bilden sich an diesem Strand bei Ebbe kleine Lagunen, die durch die Sonne ordentlich aufgeheizt werden – in diesen überdimensionalen Badewannen kann man herrlich baden.

Gegen Abend machen wir uns auf den Heimweg mit einem kurzen Zwischenstopp bei Carrefour in Cee. Heute gibt es „lediglich“ ein Resteessen, was auch seinen Reiz hat. Erstmals essen wir zu Abend in unserer Küche. Der Mond über dem Meer scheint direkt zum Fenster hinein – ein wahrhaft romantisches Ambiente.


30.8.2006

Letzter Tag und wie soll es anders sein – Sonne satt mit kaum einem Wölkchen am Himmel! Zum Abschluss dieses schönen Urlaubes wollen wir noch einmal unseren Lieblingsstrand bei Carnota genießen. Zuvor jedoch soll der Monte de Pindo, mit 642 Metern die höchste Erhebung der Umgebung, erklommen werden. Laut Broschüre aus dem Touristenbüro soll man bei klarer Sicht vom Gipfel die Türme der Kathedrale von Santiago sehen können. Vier große Wandertouren sind in dem Heft verzeichnet, jedoch keinerlei Angaben darüber, in welchem Ort diese starten. Unserer Autokarte nach fahren wir dann bis in ein Dorf kurz hinter Xinzo (von Carnota kommend hinter Xinzo, links abbiegen bis zum nächsten kleinen Dörfchen). In dem Dörfchen fragen wir einen alten (und zahnlosen) Fußgänger nach dem Camino Montes de Pindo und bekommen einen Redeschwall auf Galego ab, der uns nicht wirklich weiter bringt. Außerdem haben wir das Gefühl, dass der hilfsbereite ältere Herr auch nicht so recht weiß, was wir von ihm wollen. In den einsamen Dörfern des Hinterlandes sprechen insbesondere die älteren Menschen ausschließlich Galego und eine Verständigung ist somit nahezu ausgeschlossen. Wir stellen unser Auto außerhalb des Dorfes ab und marschieren in Richtung „Gipfel“. Es gibt keinerlei Hinweisschilder oder Zeichen für Wanderer. Den Berg vor Augen suchen wir uns kleine Trampelpfade, bis auch diese in dichtem Gestrüpp blind enden.

Wir versuchen unser Glück über die mittler­weile vorherrschenden Felsen, was einer klei­neren Kletterpartie gleichkommt. Die Umge­bung ist wunderschön, die Felsen gesäumt von blühendem Heidekraut und einer Art Ginster. Irgendwann werden die Felsblöcke schließlich unüberwindbar bzw. waren nicht ohne Risiko zu bewältigen. Auf einem Felsplateau machen wir Rast und genießen einfach nur den Blick in die Land­schaft. Auch wenn wir den Gipfel nicht erklommen haben, so war es dennoch eine sehr schöne Tour.


Am Auto angekommen fahren wir nach Carnota über eine Schotterpiste, die oberhalb der Küstenstraße in einem kleinen Ort mündet. Am Strand halten wir zunächst Siesta und machen dann unsere geliebte Strandwanderung in Richtung Lira. Heute ist es richtig heiß, so dass wir unterwegs ein ausgiebiges Erfrischungsbad im kühlen Atlantik nehmen. Da die Brandung an diesem Tag deutlich stärker ist, kann man es sogar eine Weile im Wasser aushalten. Am Ende des Strandspazier­ganges folgt eine weitere Abkühlung am Boca do Rio. Da es gerade erst begonnen hat zu fluten, ist das Wasser der Lagune angenehm warm.

Nach diesem letzten Strandtag fahren wir nach Muros, um Besorgungen für unser Abschiedsdinner zu machen. Zuvor nehmen wir aber ein paar Tapas auf unserem Lieblingsplatz in Muros bei einem Gläschen Wein ein. Anschließend gehen wir in eine Carneceria, um Fleisch zum Grillen zu besorgen. Wir sind richtig stolz auf unsere kleine spanische Konversation mit der Metzgersfrau und erstehen schließlich ein paar Stücken Kalbsfleisch.

Ein letztes Mal genießen wir in unserem Garten unser Abendmahl und haben von diesem schönen Urlaub geschwärmt. Ob es uns wohl noch einmal hierher verschlägt?


31.8.2006

Nach kurzem Frühstück verabschieden wir uns von unserem Vermieter (Manolita ist leider gerade nicht zu Hause), verstauen unser Gepäck und fuhren noch einmal für ein letztes Stündchen an den San Francisco Strand von Louro, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen von Santiago machen.

Neue Länder, Landschaften und Kulturen zu entdecken, ist doch etwas Grandioses, einfach ein Stück Lebensqualität. Von den zahlreichen Eindrücken, die man auf Reisen macht, kann man ein Leben lang zehren!







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