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Galizien Teil 1

17.8.2006
Um 8.30 Uhr machen wir uns auf den Weg von Sankt Augustin zum Flughafen Frankfurt Hahn im Hunsrück. Startzeit ist zwar erst um 13.00 Uhr, jedoch wollen wir „auf Nummer sicher“ gehen. Bereits nach 1,5 Stunden erreichen wir die letzte Tankstelle vor dem Flughafen. Hier werden durch das Busunternehmen Bohr Langzeitparkplätze für 18,--€/ Woche angeboten – deutlich günstiger als die Parkplätze direkt am Flughafen. Das Taxi zum Flughafen kostet noch einmal 5 – 6 €/Strecke (max. 2-3 Kilometer).


So kommen wir fast 2,5 Stunden vor dem Abflug am Flughafen an und reihen uns in die Schlange der Mitreisenden nach Santiago de Compostela ein. Das Einchecken erfolgt problemlos - Corinnas Befürchtungen wegen des Übergewichts ihrer Gepäckstücke erweisen sich als grundlos (bei Ryan Air sind lediglich 15 Kg als Bordgepäck sowie 5 kg als Handgepäck erlaubt, jedes weitere Kilo muss normalerweise mit 8 Euro teuer bezahlt werden). Auch ein etwas zu groß geratenes Handgepäckstück wird nicht beanstandet – Glück gehabt!


Die restliche Zeit bis zum Abflug nutzen wir, um einen kleinen Snack einzunehmen. In einem Flughafenshop erstehen wir zwei Gläser hausgemachte Wildsülze bzw. –braten, dazu ein paar Brötchen – ein delikater Mittagssnack! Der Flughafen in Hahn (von Frankfurt kann man eigentlich kaum sprechen, da die Mainmetropole über 100 Kilometer entfernt ist) ist ein ehemaliger amerikanischer Militärflughafen und sehr überschaubar. Hauptsächlich Ryan Air nutzt diesen Flughafen „in der tiefsten Pampas“ des Hunsrück!


Der Flug ist ruhig und komfortabel und wir haben Glück, zwei Plätze mit großer Beinfreiheit an einem Notausstieg zu bekommen. Wir fliegen entlang der französischen Atlantikküste und können ein ehemaliges Reiseziel, die Ile d´Oleron, von oben ausmachen. Über Galizien sind diverse von den jüngsten Bränden zerstörte Waldflächen zu erkennen. Tagelang hat es in Galizien an zahlreichen Orten gebrannt. Erst durch die vor zwei Tagen einsetzenden Regenfälle scheinen mittlerweile alle Brandherde unter Kontrolle zu sein.

Gegen 15.20 Uhr landen wir auf dem Flughafen von Santiago de Compostela. Während Corinna auf das Gepäck wartet, begebe ich mich zum Europcar Schalter, bei dem wir über den Broker billiger-mietwagen.de einen Kleinwagen gebucht haben (2 Wochen inkl. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung für 320 €). So sitzen wir kurze Zeit später in unserem Peugeot 206 und steuern das Zentrum von Santiago an.


Unser
Hostal Alameda, 5 Minuten von der Kathedrale entfernt, haben wir günstig bei Booking.com (36 €/Nacht mit Bad und WC auf dem Flur, ohne Frühstück) gebucht. Das Zimmer ist sehr einfach, aber sauber, leider mit einem recht engen französischen Bett (1,40m x 1,90m) ausgestattet – nun ja, für zwei Nächte wird es schon gehen. Die Pension ist an sich empfehlenswert, allerdings sollte man auf die etwas komfortableren Zimmer mit Du/WC auf dem Zimmer zurückgreifen, da die Betten in dieser Kategorie auch deutlich größer sind (ca. 10 €/Nacht teurer).


Nachdem wir uns eingerichtet haben, machen wir uns auf zu unserer ersten kleinen Erkundungstour in die Altstadt. Leider ist das Wetter sehr durchwachsen (Sonne und Regen im Wechsel!) – so haben wir uns das Urlaubswetter allerdings nicht vorgestellt! Nicht umsonst gilt Santiago als die regenreichste Stadt Spaniens, der man nachsagt, dass die Kinder bereits mit Regenschirm zur Welt kommen! Wir lassen uns in den quirligen Straßen Santiagos einfach treiben und gelangen zwangsläufig zum „Praza da Obradoiro“, wo sich die berühmte Kathedrale – Ziel aller Pilger, die einen Teil oder sogar den gesamten Jakobsweg gelaufen sind – befindet. Nach der Lektüre von Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin mal eben weg", in dem er seine Reise auf dem Jakobsweg beschreibt, reift auch in uns der Wunsch, den Jakobsweg irgendwann einmal zu bewandern.

Auf dem Platz herrscht viel Trubel und an jeder Ecke werden Pilgerstäbe, ausgestattet mit einer (künstlichen) Jakobsmuschel, verkauft. Unser Eindruck ist allerdings, dass die wenigsten Käufer dieses beliebten Souvenirs die Strapazen des Jakobsweges auf sich genommen haben! Sicher finden sich überall auf der Welt an touristisch relevanten Orten lästige Souvenirhändler ein – in Santiago hält sich das Ganze jedoch glücklicherweise in Grenzen. In dem urigen Cafe Costa Vella mit wunderschönem Garten im Innenhof nehmen wir erst einmal ein Getränk zu uns.

Etwas „gestärkt“ laufen wir weiter durch die Straßen und staunen über die Vielzahl der sakralen Gebäude, besonders gut von einem etwas außerhalb der Altstadt und auf einer Anhöhe gelegenen Park zu bewundern. Da das Wetter mittlerweile immer regnerischer und kühler wird, beschließen wir, das „Sightseeing“ für heute zu beenden.

In der Nähe unserer Pension läuten wir den Abend in einer Bar
bei einem Gläschen Albarino ein. Wir haben uns für ein rustikales, uriges Restaurant entschieden, in dem vor allem spanische Studenten verkehren, dem Casa Manolo. Da wir bereits um 20.30 Uhr im Restaurant ankommen, also deutlich vor der spanischen Essenszeit, erhalten wir problemlos einen Tisch am Fenster. Im Casa Manolo wird galizische Hausmannskost serviert und man bekommt jedes 2-Gang-Menü, inklusive Brot, Wasser und Dessert für sage und schreibe 7 €! Eine Flasche Hauswein – ein junger fruchtiger Ribeira Weißwein - schlägt mit gerade einmal 3,50 € zu Buche. Somit haben wir ein komplettes Abendessen für zwei Personen für 17,50 € - ein einfach unschlagbarer Preis für ein delikates landestypisches Menü.


Der Verdauungsspaziergang führt uns noch einmal an der Kathedrale vorbei, wo sich unter den Arkaden ca. 15 „Barden“ in folklo­ristischen Uniformen für ein Gratis „Openair“ Konzert vorbereiten. Die Instrumentierung der Gruppe verheißt Spannendes, gibt es doch einen Dudelsack, Bandolinen, Gitarren, einen Kontrabass und Tambourine. Während des Konzertes herrscht eine fröhliche Stimmung, es wird gesungen, getanzt und geklatscht – einige Songs sind uns sogar geläufig.

 

18.8.2006
Frühstück im Bistro unterhalb des Restaurants – zwei Cafes con Leche und zwei Bocadillos (große belegte Brötchen) für 6 Euro. Das Wetter ist immer noch nicht besser (Nieselregen) und so beschließen wir nach La Coruna ans Meer zu fahren – vielleicht ist es dort sonniger und wärmer!?

Tatsächlich ist kurz vor La Coruna – ca. 60 Km von Santiago entfernt – eine Wetter­schneise auszu­machen. Über dem Meer herrscht strahlend blauer Himmel. La Coruna ist eine große Hafenstadt mit rund 250.000 Einwohnern, die auch „gläserne Stadt“ genannt wird. Schnell erschließt sich dem Besucher, warum das so ist: Fast alle Häuser der Stadt zieren gläserne „Wintergärten“, auch wenn diese sieben- oder achtgeschossig sind.


 
Zunächst besuchen wir das Aquarium Finisterrae, auch genannt Casa de los Peces (Haus der Fische) mit einem beeindruckenden 360 Grad Aquarium im Untergeschoss. Eintritt inkl. Ticket zum Museo Domus 12 Euro. Das Aquarium ist sehr interessant und bietet Kindern und Erwachsenen gleichermaßen interaktive Attraktionen, viele Dinge rund um das Thema Meer hautnah zu erleben. Im Außengelände befinden sich Seelöwen und Robben sowie Tintenfische.

Anschließend gehen wir in die Altstadt La Corunas und bummeln durch die nahezu menschenleeren Gassen (es ist "Siesta" und somit sind die meisten Geschäfte geschlossen!). In einem Laden für spanische Spezialitäten erwerben wir zwei große super­leckere Bocadillos mit Serrano Schinken sowie spanischem Manchego (je 2 Euro) und finden ein lauschiges Plätzchen mit Springbrunnen, um eine kurze Mittagspause einzulegen.

Nächstes Ziel ist einer der Stadtstrände La Corunas, der Praia As Lapas unterhalb des Leucht­turms. Inzwischen ist es recht warm geworden und wir genießen zwei Stunden lang Sonne und Meer. Nach dem Sonnenbad steigen wir auf zum Torre de Hercules, angeblich der älteste noch betriebene Leuchtturm der Welt, wobei lediglich der untere Teil des Turmes aus dem 2. Jahrhun­dert stammt, der Rest ist jüngeren Datums. Eine riesige Windrose aus Keramik liegt zu Füßen des Leuchtturmes – ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen und somit permanent „belagert“. 

Am späten Nachmittag fahren wir zum Museo Domus – Casa del Hombre (Haus des Menschen). Hier dreht sich alles um das Abenteuer der menschlichen Existenz. Dieses Museum bietet zahlreiche Exponate, den menschlichen Körper spielerisch zu entdecken. Auch einige Kuriositäten, wie zum Beispiel ein Modell des größten Menschen der Welt, sind zu entdecken. Leider sind sämtliche Erläuterungen ausschließlich auf Spanisch, so dass einiges den nicht spanisch sprechenden Besuchern unerschlossen bleibt. Viele Gegenstände und Aktivitäten erklären sich allerdings von selbst. Insgesamt ein hochinteressantes Haus, dessen Besuch sich hundertprozentig lohnt.

Auf dem Rückweg nach Santiago machen wir noch einen kleinen Abstecher an das westliche Ende La Corunas zu einem Aussichts­punkt am Meer. Hier beginnt die schroffe Landschaft der Costa da Morte – der „Todesküste“.

Zurück in Santiago haben wir Probleme, einen Parkplatz in der Nähe unserer Pension zu finden. Das komplette Zentrum von Santiago ist eine Fußgängerzone, so dass Touristen wie auch Einheimische rund um die Innenstadt ihre Autos abstellen. So bleibt uns als Alternative lediglich ein teures Parkhaus – günstigste Möglichkeit ist dabei die Tiefgarage am Praza de Galicia (10,20 Euro für 24 Stunden).

Da es inzwischen recht spät ist, gehen wir auf direktem Weg zum Casa Manolo, welches uns am Vorabend begeistert hatte. Dieses Mal bildet sich jedoch bereits am Eingang eine Schlange, so dass wir uns nach einem anderen Restaurant umschauen müssen. Schließlich landen wir auf Empfehlung eines Barkeepers in einer total verrauchten spanischen Bodega, die ebenfalls galizische Hausmannskost anbietet.

Wir sind wohl die einzigen Nichtraucher und zugleich die einzigen Ausländer in diesem Etablissement! Das Essen ist insgesamt jedoch hervorragend (u.a. ein großartiger Serrano Schinken), wenn man von den kalt servierten Schnecken, die für jedermann als Tapas gereicht werden, absieht. An Schnecken werden wir uns wohl in diesem Leben nicht mehr gewöhnen! Ein englisch sprechender Gast hilft uns zum Glück ein wenig bei der Speisekarte, die ausschließlich auf Galego verfasst war. Nachts hat Santiago einen ganz besonderen Charme, den wir trotz des mäßigen Wetters noch von der Anhöhe des Parks de Alameda genießen.


19.8.2006

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Bistro des Hostals wollen wir heute die Kathedrale besichtigen. Es findet zwar gerade ein Gottesdienst statt, dennoch ist eine Besichtigung der Kirche möglich. Viele Gläubige stehen in einer langen Schlange hinter dem Altar an, um schließlich an der goldenen Statue des heiligen Jakobs vorbeigeschleust zu werden. Nach altem Brauch wird die Figur von hinten umfasst und geküsst. Eigentlich soll dieses Ritual der Höhepunkt jeder Pilgerreise sein – wir stellen jedoch fest, dass die wenigsten Leute in der Schlange wie echte Pilger aussehen. Ein weiterer Ort aller Pilgermühen ist eine Säule nahe dem Hauptportal, dessen Marmor durch die Berührungen Millionen von Pilgerhänden bereits stark abgewetzt ist – für uns sind dies Alles in Allem etwas befremdlich wirkende religiöse Riten!

Schließlich machen wir uns auf nach Larino, unserem eigentlichen Urlaubsziel. Unterwegs decken wir uns in einem größeren Supermarkt noch mit den wichtigsten Vorräten für den Aufenthalt in unserem Apartment ein. Nach 1,5 stündiger Fahrt durch schöne Waldlandschaft, vorbei am Fjord von Muros, erreichen wir unser Domizil. Unser Haus, das Casa Alfredo, liegt unmittelbar am Ortseingang an der Küstenstraße und gehört Manolita Louro da Rama. Die Wohnung haben wir auf der Internetseite einer älteren deutschen Dame, Frau Ramisch, ausfindig gemacht, die hier früher einmal gewohnt hat. Sie  vermittelt für ihre Freunde in Larino von Deutschland aus Häuser und Apartments. Ein paar Mal haben wir miteinander telefoniert und bereits am Telefon erzählte Frau Ramisch sehr glaubwürdig von der Schönheit dieses Fleckchens Erde – sie sollte Recht behalten. Sie hat uns einen sehr individuellen mit eingeklebten Fotos ausgestatteten Ferienhauskatalog geschickt – in der heutigen Zeit der Hochglanzprospekte und des Internets kaum zu glauben!

Das Casa Alfredo verfügt über eine luxuriöse Wohnfläche von 85 qm mit drei Schlafzimmern, Wohnzimmer, Küche und Bad. Der Mietpreis von 50 Euro/Tag ist für dieses Apartment geradezu ein Schnäppchen, zumal ohne Probleme weitere vier Personen hier unterkommen können.

Da Manolita (plus Ehemann) noch mit der Endreinigung der Wohnung von den Vormietern beschäftigt ist, schickt sie uns erst einmal an den Strand von Larino, der direkt vor der Haustür liegt und eine Länge von rund drei Kilometern hat. Wir verbringen dort einen schönen Nachmittag, wenn auch die Wassertemperatur mit max. 18 Grad etwas gewöhnungsbedürftig ist - ein erstes Bad im kalten Atlantik wagen wir dennoch!


Am Abend gibt es dann unser erstes selbst gekochtes Menü:
Tomaten, Frühlingszwiebeln und Petersilie mit Essig/Öl Vinaigrette sowie

Nudeln mit Langostinos und Pulpo (Gambas und Tintenfisch) – sehr frisch und lecker!


Hinter dem Haus befindet sich unter einem Zitronenbaum ein gemütlicher Essplatz. Nach dem Essen lädt der Sonnenuntergang direkt vor unserer Haustür zu einem Abendspaziergang am Strand ein. Einen Nachteil hat diese wunderbar eingerichtete Ferienwohnung: Sie liegt unmittelbar an der Küstenstraße, die entlang der Costa da Morte führt, so dass ein gewisser Straßenlärm unvermeidbar ist.

    

 

20.8.2006
Nach einem genüsslichen Frühstück auf unserem Sonnenplätzchen im Garten, fahren wir in Richtung Muros, um einen geöffneten Supermarkt zu finden (Sonntag!). In anderen spanischen Touristenzentren ist das kein Problem, da an der gesamten Costa da Morte jedoch kein Massen-, sondern allenfalls Individualtourismus stattfindet bzw. ausschließlich Spanier hier Urlaub machen, sind in der Regel sämtlichen Supermärkte geschlossen.

Hinter Louro, am herrlich gelegenen Praia San Francisco, machen wir zunächst einen Zwischenstopp. Die Pinien gehen hier bis an den Strand herunter. Louro ist eine Feriensiedlung, daher ist der Strand zumeist voller als die anderen Strände an der Costa da Morte – insbesondere sonntags, wenn auch die Einheimischenan den Strand gehen.

In Muros ist kein geöffneter Super­markt zu finden. Wir machen eine kurze Entdeckungstour durch den Ort und trinken in Hafennähe noch genüsslich einen Cafe con Leche. Auf dem Rückweg entdecken wir dann doch noch einen winzigen Supermarkt in Louro, bei dem wir einige Steaks erstehen – das Abendessen ist gerettet.

Den heutigen Tag wollen wir am Strand von Carnota verbringen, einem jener Strände, der in unserem Buch „Traumstrände“ (von Kiki Baron & Paul Spierenburg) verzeichnet ist. Wir finden einen recht einsamen Parkplatz (am Ortsausgang von Carnota führt eine kleine Straße Richtung Meer - nicht ausgeschildert!), der sich unmittelbar vor der Lagune von Carnota befindet. Wir waten durch das Wasser der Lagune in Richtung Meer. Unmittelbar hinter den Dünen tut sich das grandiose Panorama des sieben Kilometer langen Traumstrandes von Carnota auf.

In einer Mulde in den Dünen schlagen wir unser Lager auf. Es ist recht windig, so dass es im Schatten fast frisch ist. Unser Plätzchen befindet sich in der Nähe der Flussmündung Boca do Rio, durch dessen Lagune wir bereits gewatet sindn. Unsere Apartmentver­mittlerin, Frau Ramisch, hat uns in den Telefonaten bereits von diesem unvergleichlich schönen Ort vorgeschwärmt – zu Recht, wie sich nun herausstellte. Bei einem Strandspaziergang erkunden wir die wunderschöne Landschaft. Da gerade Flut ist, ist die komplette Flussmündung mit Wasser gefüllt. Natürlich hat das Wasser eine deutlich angenehmere Temperatur als das offene Meer. Bizarre Felsformationen in der Lagune erinneren uns an unsere Hochzeitsreise auf die Seychellen. Dieser Strand wird sicher zu einem unserer Lieblingsstrände dieses Urlaubs!

Am Ende des Strandtages fahren wir noch auf der Küstenstraße ein paar Kilometer Richtung Norden, da wir am Ende der Bucht vom Strand aus einige idyllische Dörfchen ausgemacht haben. Bei näherer Betrachtung wirken die Häuser jedoch etwas heruntergekommen.

Auf dem Rück­weg schauen wir uns den größten Korn­speicher Gali­ziens in Carnota an. Korn­speicher, die in großer Anzahl in Galizien zu finden sind, symbolisierten früher den Reichtum ihres Eigentümers. Nirgendwo sonst auf der Welt findet man so viele Kornspeicher, wie in dieser Gegend. Die Speicher wurden ursprünglich errichtet, um Schädlingsbefall zu verhindern. Der Speicher in Carnota ist rund 35 Meter lang – gemeinsam mit dem benachbarten Horreo de Lira der größte der Gegend - und ein besonders schönes Exemplar. 


Unser heutiges Abendessen besteht aus Backofenkartoffeln mit Aioli und marinierten Rindersteaks, die wir auf dem Steingrill in unserem Garten zubereiten. Als Vorspeise gigt es wieder frischen Tomatensalat. Abgerundet wird das Ganze durch Oliven als „Tapas“ und einem Gläschen Albarino. Nach dem Essen genießen wir erneut den Sonnenuntergang am Meer – dieses Mal ist er perfekt!

21.8.2006
Heute soll es nun endlich fangfrischen Fisch direkt vom Hafen geben. Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir Richtung Muros. Zuvor machen wir einen Abstecher zum Leuchtturm von Louro, der auf einer kleinen Halbinsel gelegen ist. Leider ist nahezu der komplette Baum­bestand der Halbinsel letzte Woche den verheerenden Waldbränden zum Opfer gefallen. Sogar in der Hannoverschen Allgemeinen war über die Brände bei Louro berichtet worden. Dieses Jahr loderten über hundert Brände in Galizien – allesamt von Menschenhand gelegt. Die einheimische Bevölkerung nennt dieses scheinbar nicht in den Griff zu bekommende Problem „die Geißel Galiziens“. 


Am Leuchtturm stellen wir unser Auto ab und liefen Richtung Louro. Bis zum Meer hinab und so weit das Auge reicht nichts als verkohlte Baumgerippe und Erde, in der Luft der Geruch der frischen Feuer­brunst - es ist schon traurig durch diese triste schwarze Land­schaft zu laufen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Feuer größtenteils durch Bodenspekulanten gelegt werden.

In Muros stellen wir später am Hafen fest, dass die Fischerboote ihre Stände nicht aufgebaut haben. Ebenso ist der Fischladen in der Nähe des Hafens geschlossen. Im Touristenbüro erkundigen wir uns nach den Öffnungszeiten und sindn überrascht, dass die Boote im Hafen ab 17 Uhr ihren Fang feilbieten. In anderen Häfen und Markthallen kann man Fisch zumeist ausschließlich in den Morgenstunden frisch erwerben – andere Länder andere Sitten. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Fisch im Supermarkt zu erstehen. Dort kaufen wir einen 1,6 Kg schweren Steinbutt (12 Euro/Kilo) – wenn man deutsche Fischpreise heranzieht, geradezu geschenkt!

Den Strandtag verbringen wir an der unter Naturschutz stehenden Lagune von Louro. Das Wasser ist kristallklar aber sehr kalt. Es kostet schon etwas Überwindung, bei diesen Wassertempera­turen zu baden. Ein langer Strandspazier­gang und ein Eis in der Nachbarbucht (in der Bar des Campingplatzes) runden diesen schönen Strandtag ab – die Zeit vergeht dabei wie im Flug.

Gegen 20 Uhr kehren wir zum Apartment zurück, wo wir uns direkt an die Zubereitung des Steinbutts machen. Eingelegt in reichlich Knoblauchmarinade landet er schließlich auf dem Grill und schmeckt wunderbar. Der Abend ist sehr mild und wir können einen wunderschönen Sternenhimmel bewundern. Erstmals brauchen wir an diesem Abend keine Jacke, es herrschen Temperaturen wie am Mittelmeer – einfach himmlisch.



22.8.2006
Ein Ausflug in Richtung Cabo Fisterra steht auf dem Programm. Das Cabo stand in früheren Zeiten für das Ende der Welt, der westlichste Punkt Spaniens. Der Leuchtturm am Cabo ist zugleich das eigentliche Ziel der Pilger – hier ist der Kilometerstein 0,00 mit dem Jakobsmuschelsymbol der Pilger zu finden.

Die Küstenstraße führt uns vorbei an verschlafenen Dörfern und kleineren Städten mit Industrieeinrichtungen am Ortsrand, wie z.B. Cee. Badebuchten sind allerorts zu finden, teilweise jedoch unmittelbar an der Straße gelegen. Durch den Ort Fisterra gelangen wir zum Cabo. Leider ziehen solche Punkte auch die unangenehmere Sorte Urlauber an, die „ausgerüstet“ mit Flip Flops und Digicams laut grölend durch die Gegend ziehen. Besonders hervor tuen sich diesbezüglich einmal mehr eine Gruppe jüngerer Italiener! Wir bevorzugen doch mehr jene Orte, an denen man die Stille der Natur genießen kann und so verlassen wir diesen ungastlichen Ort nach einigen Schnappschüssen schleunigst.

Kurz hinter Fisterra biegen wir von der Küstenstraße ab. Wir fahren durch Pinienwälder und eine sehr liebliche Landschaft, vorbei an idyllischen und einsam gelegenen Bauernhöfen mit „glücklichen Kühen“, die direkt am Meer weiden.

Vor uns erstreckt sich ein langer einsamer Sandstrand, der Praia do Restro, umsäumt von zahlreichen Dünen. Außer einer großen Möwenkolonie, die sich durch unsere Anwesenheit kaum beeindrucken lässt, ist keine Menschenseele an diesem Kleinod von Strand anzutreffen. Der strahlend weiße Sand scheint gänzlich unberührt und es weht eine frische Brise. Wir bauen unseren Windschutz unmittelbar an der Wasserkante auf und genießen die Ruhe, die Sonne und das Meer.



Gegen Abend machen wir noch einen kleinen Abstecher in die nächste Bucht bei Lires. Lires ist ein kleiner verträumter Ort, der an einer Flussmündung gelegen ist. Hier gibt es mehrere sehr schöne ländliche Unterkünfte – vielleicht einmal ein Reiseziel für die nächsten Jahre! Im Ort ist zudem eine Bar am Strand ausgeschildert. Umrankt von Hortensien und Zwergpalmen oberhalb der Flussmündung und einem idyllischen Strand liegt eine kleine Bar, in der ausschließlich einige Spanier sitzen. Mit den einstudierten Brocken Spanisch ordern wir uns 2 Gläser Vino Blanco, Wasser und eine Racion Pulpo (zusammen 13,80 Euro – vergleichsweise recht teuer für diesen abgeschiedenen Ort!).

Auf dem Weg zurück nach Larino machen wir Stopp bei „Carrefour“ in Cee und kaufen für unser Abendessen ein. Boquerones (in Knoblauch, Zitrone und Olivenöl eingelegte Sardinen) und Gambas mit frischem Weißbrot gibt es als krönenden Abschluss eines schönen Tages.


23.8.2006

Heute wollen wir den südlichen Teil der Ria de Muros e Noia erkunden. Auf der gegenüberliegenden Seite von Muros in diesem großen Fjord erscheint die Siedlung Porto do Son zum Greifen nah. Die Fahrzeit entlang der Küste beträgt dennoch gut 1,5 Stunden.

Zunächst stoppen wir in Noia, ein kleines Städtchen am Ende des tiefen Einschnittes, wo in früheren Zeiten die Pilger aus Holland und England per Schiff angekommen sind. Laut Reiseführer soll es hier einige sehenswerte Adelspaläste und eine nette Altstadt geben. Der Rundgang verläuft jedoch eher enttäuschend: Viele Häuser sind heruntergekommen und zum Teil gar nicht mehr bewohnt. Es herrscht aber ein quirliges Treiben im Örtchen. In Markthallen von Hafenstädten sind insbesondere die Fischstände interessant, so auch in Noia. Die Händler bieten Thunfisch, Seeteufel und viele andere Fische und Meeresfrüchte feil.

Später fahren wir weiter Richtung Ribeira zum Castro de Barona, den Ruinen einer keltischen Siedlung aus der Römerzeit, die unmittelbar am Meer gelegen sind. Das Auto stellen wir an der Küsten­straße an einem Restaurant ab und gehen die letzten 500 Meter zu Fuß. Die Ruinen befinden sich auf zwei Felsen, die ins Meer ragen. Auch hier ist die Flip Flop Fraktion wieder unterwegs – selbst auf solchen kurzen Passagen kann das doch einfach kein Vergnügen sein, zumal die Wege steinig und teilweise sogar steil sind, so dass Knöchelverletzungen vorprogrammiert sind! Auf den Felsen hat man einen wunder­schönen Blick auf das gegenüber liegende Muros. Wir kommen sogar noch in den Genuss einer größeren vorüber ziehenden Schule von Delphinen.


Unser nächster Stopp ist die unter Naturschutz stehende Dünenlandschaft von Corrubedo. Hier gibt es eine Wanderdüne, die „Duna Viva“, während die anderen benachbarten Dünen durch Bewuchs ihre Lage nicht mehr verändern. Am Rande der Düne befindet sich eine riesige Lagune, die bei Flut voll läuft. Am Praia de Ladeira windet es sehr stark, so dass wir Schutz hinter den Dünen suchen, um nicht „gesandstrahlt“ zu werden. Trotz des relativ langen Weges vom Parkplatz (ca. ½ Stunde Fußweg) befinden sich verhältnismäßig viele Badegäste hier – ungewöhnlich, suchen sich doch die meisten „Sonnenanbeter“ Strände, an die man mit dem Auto mehr oder weniger direkt heranfahren kann!

Auf dem Rückweg kaufen wir in einem großen Supermarkt in Noia für das Abendessen ein. Mittlerweile haben wir uns dem hiesigen Lebensrhythmus angepasst: Abendessen gibt es zumeist erst gegen 21.30 Uhr, dafür wird aber auch erst gegen 10.00 Uhr gefrühstückt.

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