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Elba 2008 Teil 2

23.05.2008
Heute wollen wir eine Rundtour von Chiessi nach Pomonte über den Monte San Bartolomeo, einem der Wanderklassiker auf Elba, unternehmen. Später wird sich herausstellen, dass diese Wanderung in unserer internen Wertung ganz weit oben stehen wird. Vom kleinen Kirchplatz in Chiessi folgt man der Markierung 3 über einen steilen Pfad, vorbei an kleinen Weingärten. Schnell öffnet sich uns ein atemberaubender Blick auf unser wunderschönes Dörfchen. Der Aufstieg ist ein Genuss für alle Sinne: Herrlich duftende Macchia, u.a. Minze und Rosmarin, und ein Farbenmeer an Blüten soweit das Auge reicht.
 

An einem Sattel zweigt der Pfad rechts ab zum Gipfel des San Bartolomeo. Hier befindet sich der einzige angelegte Klettersteig Elbas. An einem Stahlseil kann man sich die senkrechte Wand hinaufziehen. Ich klettere ein gutes Stück hinauf, beschließe dann jedoch nicht weiter anzusteigen, da mir das Risiko bei diesem Unternehmen zu hoch erscheint.

So begnügen wir uns mit einem Picknick auf einer Plattform unterhalb des Gipfels, die vor uns steil abfällt und von der man einen grandiosen Blick auf das Tal von Chiessi hat. Der Weg setzt sich fort über die Senke zwischen dem Nordostgipfel und dem Colle San Bartolomeo in sanften Auf- und Abstiegen bis zu einem Wegweiser nach Pomonte. Dort wechseln wir auf den Pfad Nr.4 und steigen in Serpentinen gemächlich hinab. Dieser Teil des Weges ist nicht mehr ganz so attraktiv wie der Abschnitt im Tal von Chiessi. Im unteren Teil sind verlassene Weinterrassen auszumachen, die sich die Natur bereits wieder zurück erobert hat. Offenbar hat es hier vor einigen Jahren gebrannt, da sich verkohlte Stümpfe den gesamten Hang hinaufziehen. Kurz darauf erreichen wir die ersten Häuser von Pomonte. Das Örtchen ist zwar auch recht hübsch, hat jedoch nicht den charmanten ursprünglichen Charakter von Chiessi. Dennoch notieren wir uns zwei nett aussehende Appartments, die unmittelbar am Meer stehen und vermietet werden (Casa Peria Lucia Elda, 0565-906 016, sowie ein weiteres Haus, 0565-906 177) – vielleicht verschlägt es uns ja wieder einmal nach Elba!?

Nach einem kurzen Päuschen laufen wir wieder hinauf in den Ortskern. Oberhalb der Küstenstraße verläuft parallel ein kleiner Wanderpfad nach Chiessi. Vorbei am Friedhof und einigen Weinterrassen, erreichen wir unseren Ausgangspunkt nach einer weiteren halben Stunde. Insgesamt haben wir für die Tour drei Stunden reine Gehzeit benötigt. Die Strecke ist 8,5 Kilometer lang, der zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 500 Meter.

In Chiessi belohnen wir uns mit einem Eis in der Bar L´Oliva. Gerade fällt eine Busladung deutscher Touristen in unsere beschauliche Idylle ein. Mit größter Selbstverständlichkeit wird in der Bar auf Deutsch bestellt, obwohl die italienischen Begriffe an den Eissorten ausgewiesen sind. Das kann man unserem Verständnis nach vielleicht auf Mallorca am Ballermann machen, nicht jedoch in einem touristisch erst zart erschlossenen elbanischen Dörfchen. Es ist manchmal schon sehr verwunderlich, wie unangepasst sich viele unserer Landsleute in ihren Urlaubszielen bewegen. Eines schwören wir uns bei dieser Begegnung wieder einmal: Eine Busreise werden wir auch in fortgeschrittenem Alter niemals unternehmen! Das Eis lassen wir uns auf unserer Terrasse schmecken und begeben uns dann zu einer wohlverdienten Siesta am Felsstrand von Chiessi. Am frühen Abend genießen wir zunächst unseren obligatorischen Vino Bianco, dieses Mal allerdings auf der heimischenTerrasse mit gemischten Antipasti (Oliven, Prosciutto, Formaggio). Als zweite Vorspeise gibt es Artischocken in Knoblauch mit Kapern und anschließend die restlichen Pasta der Vortage. Der Abend ist recht lau, wenn wir auch den Eindruck haben, dass die Einheimischen dies nicht so empfinden: Außer uns diniert kein Mensch draußen!


24.05.2008

Das Wetter sieht heute mal wieder etwas unbeständiger aus. Die Brötchen für das Frühstück müssen wir aus Pomonte holen, da die Signora aus unserem Alimentario gestenreich „no Pane“ signalisiert. Wir wollen uns heute an der Südküste ein wenig umschauen. Zunächst halten wir an einem Direktverkauf eines Weingutes und verkosten ein paar Weine. Schließlich entscheiden wir uns jeweils für eine Kiste eines leicht barriquierten Chardonnay (7 Euro) sowie eines Elba Rosso Riserva (10 Euro).


Das nächste Ziel ist Porto Azzurro, Elbas schönster Hafen. Von hier aus wollen wir die Wallfahrtskirche Madonna di Monserrato erwandern. Vorbei an einem Ramschmarkt, den wir schnellstens wieder verlassen sowie dem Friedhof, gelangen wir aufgrund der missverständlichen Beschreibung in unserem Wanderführer auf einer Art Betriebshof. Zwei Arbeiter, die die Lage offenbar sofort erkennen, gestikulieren wild und zeigen uns einen Weg mitten durch die Weinstöcke eines angrenzenden Gutes zur asphaltierten Zufahrtsstraße der Kirche. Dort passieren wir wunderbare bunte Blumenwiesen, fast wie auf Gemälden von Monet.

 

 
Wir setzen zunächst unseren Weg fort, in der Hoffnung, auf dem Rückweg an dieser Stelle bessere Lichtverhältnisse zum Fotografieren vorzufinden. Der Kreuzweg zur Wallfahrtskirche, insbesondere aber der Standort von Madonna di Monserrato selbst, strahlen eine beeindruckende Mystik aus, die wir eine Zeit lang genießen.
 

Nach einem Snack auf einem Felsen oberhalb der Kirche, gehen wir weiter in Richtung des Barbarossa Strandes. Zunächst aber laufen wir mitten durch die auf dem Hinweg bestaunten Wildblumenfelder, um einige Fotos zu schießen. Corinna lebt angesichts dieser Querfeldeintour ständig mit der Angst, unverhofft auf eineSchlange zu treffen. Vom Barbarrossa Strand – hier soll der gefürchtete Pirat Barbarrossa an Land gegangen sein – laufen wir an der Steilküste zum Spiaggia Reale. Der Weg ist nicht so leicht zu finden, so dass wir uns einige Male neu orientieren müssen. Beide Strände sind nicht unbedingt sehr einladend. Sie sind auch nicht unser heutiges Ziel, sondern der giftgrüne Laghetto di Terranero, ein schwefelhaltiger Süßwassersee, welcher nur durch einen schmalen Sandstreifen vom Meer getrennt ist. Der Weg zum Laghetto ist eigentlich gesperrt, worauf zahlreiche Schilder hinweisen. Dieses Verbot wird jedoch seit Jahren von den Besuchern ignoriert und Sanktionen der Behörden sind auch nicht bekannt. Leider finden wir auch hier keine optimalen Lichtverhältnisse zum Fotografieren vor. Bei strahlendem Sonnenschein kommen die giftgrüne Farbe des Sees und die Kontraste dieses einzigartigen Ortes wesentlich besser zur Geltung.


Über den schwarzen und wegen des Metallgehaltes stark glitzernden Sandstrand machen wir uns auf den Rückweg. Erneut finden wir nicht den richtigen Weg und geraten mitten in eine große Hotelanlage oben auf der Steilküste. Von dort aus laufen wir weiter auf das Plateau eines ehemaligen Steinbruches. Hier entdecken wir auf den Blumenwiesen bunt schillernde Schmetterlinge und grasende Ziegen, die uns Eindringlinge befremdlich anschauen.
 


Nach einigen Fehlversuchen, wieder auf den richtigen Weg zu gelangen, landen wir schließlich auf einem großen Campingplatz. Vom Reale Strand laufen wir unterhalb der Festung, die im 17. Jahrhundert von den Spaniern erbaut wurde und heute noch ein Gefängnis beherbergt, zurück nach Porto Azzurro. Am Hafen steuern wir die Gellateria Pegaso an, wo wir ein wirklich großartiges Eis und einen Cappuccino genießen. Die sehr extravagenten Eissorten – u.a. Schoko mit Chilly oder Grüner Apfel mit Basilikum – sind ein wahrer Genuss.
 

Anschließend machen wir uns über Portoferraio auf den Weg nach Hause. Beim Coop in der Nähe der Fähranlegestelle machen wir unseren obligatorischen Zwischenstopp, um unseren Kühlschrank für die nächsten Tage aufzufüllen. Heute Abend gibt es im Ofen gebackene Zitronen mit Büffelmozzarella (nach Jamie Oliver) sowie Schwertfischsteak mit Zitronen-Knoblauchsoße. 

 


Natürlich darf auch heute Abend nicht der Spaziergang zur Mülltonne und zur „Strandpromenade“ von Chiessi fehlen. Dabei begegnen uns zahlreiche grünleuchtende Glühwürmchen – ein Wunder der Natur!


25.05.2008
Heute soll es ausnahmsweise einmal einen ausgiebigen Strandtag geben und die Wanderung hingegen kurz ausfallen, zumal das Wetter mitzuspielen scheint. Zunächst wollen wir in Marciana Marina eine Art Landwirtschaftsschau besuchen, bei der Weine, Öle, Käse, Gebäck und andere Produkte der Region angeboten werden. Am Morgen sind allerdings viele der Stände noch nicht besetzt, so dass wir uns entschließen, diesen Programmpunkt auf den Abend zu verschieben.


Unsere Miniwanderung findet heute am Capo d´Enfola statt, am westlichen Ende der fünf Kilometer langen „Porzellanküste“ bei Portoferraio. Hier verengt sich das Land zu einem schmalen Streifen mit beidseitigen Sandstränden und dem „daran hängenden“ Monte Enfola.
 


Auf dem Rundweg sind zahlreiche verfallen Bunker aus dem 2. Weltkrieg auszumachen. Hier haben 1944 heftige Kämpfe zwischen den Alliierten und den deutschen Besetzern stattgefunden. Der erste Teil des Weges ist nicht sonderlich attraktiv. Dies ändert sich erst, als der Weg abzweigt und hinabführt zu dem von Möwen umlagerten Capo. Dieses Plätzchen ist wahrlich den Weg wert. Am Capo picknicken wir ausgiebig und genießen den wunderbaren Rundblick auf das Meer.


Zurück geht es mehr oder weniger auf dem gleichen Weg.Den Strandtag verbringen wir in der traumhaften Biodola Bucht. Tatsächlich steigt das Thermometer auf satte 25° Grad. Dennoch ziehen immer wieder Schleierwolken vor die Sonne. An der Biodola Bucht befinden sich zwei Viersterne-Hotels (u.a. das Hermitage), die einen Teil des Strandes für ihre Gäste beanspruchen. Beide Hotels sehen eigentlich nach nichts aus, nehmen jedoch Phantasiepreise für ihre Zimmer (350 Euro für das DZ/Nacht in der Hauptsaison). Um diese Jahreszeit sind nur wenige Menschen an dem schönen feinsandigen Strand. Wir entspannen an diesem netten Örtchen bei himmlischer Ruhe. Leider ziehen gegen Abend mehr Wolken auf, so dass wir nach einem Cappuccino im Bagni des Hotels Hermitage nach Marciana Marina aufbrechen.

Das „Un Mare di Sapori“ Fest ist mittlerweile in vollem Gang. Für 15 Euro erwirbt man ein Probierweinglas in einem "geschmackvollen" lila farbenen Umhängetäschchen, das nahezu alle Besucher um den Hals hängen haben. Im Preis inbegriffen ist ein leckeres Risotto mit Pulpo (Tintenfisch) sowie eine Fleischportion vom Grill. Außerdem kann man von Stand zu Stand schlendern und alle angebotenen Weine verkosten. Es gibt nicht nur Elba Rosso oder Bianco Weine sondern auch edle Tropfen, wie z.B. Barolo oder Brunello oder aber Weine aus dem legendären toskanischen Sassicaia Örtchen Bolgheri. Auch kann man sich von der vorzüglichen Qualität des heimischen Olivenöls und der Schinkenprodukte überzeugen. An einem Käsestand erwerben wir drei extrem deliziöse Käsesorten von einem Händler aus Norditalien. Als mein persönlicher Weinfavorit stellt sich ein heimischer Wein aus Portoferraio heraus vom Weingut Acquabona. Der einfache Voltraio, ein Cuvee aus Cabernet, Merlot und Sangiovese Trauben ist vorzüglich und für meinen Geschmack sogar besser als der Barolo, den wir kurz zuvor probiert haben. Am Abend genießen wir den Käse mit Oliven und knusprigem Landbrot auf unserer Terrasse und lassen diesen schönen Tag ausklingen.


26.05.2008
Heute scheint ein recht freundlicher Tag zu werden. Es ist zwar etwas stürmisch, aber der Himmel ist wolkenlos. Um 10.30 Uhr geht es zunächst mit dem Bus nach Marciana Alta, unserem Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung. Wir wollen über den dritthöchsten Berg Elbas, dem Monte di Cote (950m), zurück nach Chiessi wandern. Der Monte di Cote ist sicherlich die bessere Alternative zu dem rummeligen Monte Capanne, der von Marciana aus von jedermann mit einer Stehkorbseilbahn zu erreichen ist. Wir wandern durch das malerische Bergdörfchen in Richtung der Wallfahrtskirche Madonna del Monte. Trotz der Beschreibung in unserem Wanderführer müssen wir kurze Zeit später feststellen, dass wir uns nicht auf dem richtigen Weg befinden. Über eine Querverbindung finden wir auf den Pfad zurück. In großen Kehren geht es nun bergan, vorbei an außergewöhnlichen Granitformationen, wie z.B. dem „Wackelstein“ am Pass La Stretta. An dieser Stelle haben wir bereits 450 Höhenmeter überwunden.



Die nächste Anhöhe La Tavola bringt uns fast ganz an den Monte di Cote herauf. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick auf Marciana Marina, Cap d’Enfola und die beiden Bergdörfer auf der einen Seite sowie nach Korsika, La Pianosa und Montechristo auf der anderen Seite.
 
 

Der benachbarte Monte Capanne scheint nur ein Katzensprung entfernt zu liegen. Auf der windgeschützten Seite machen wir unsere wohlverdiente Rast. Für den Aufstieg mit 600 Höhenmetern haben wir 1,5 Stunden benötigt. Nach der Rast folgt der anstrengende Teil der Wanderung, der Abstieg nach Chiessi, 950 Höhenmeter den Berg herunter auf teils ausgewaschenen Pfaden. Hier haben wir bereits die dritte Begegnung mit einer Schlange: Sie liegt direkt auf dem Weg und flüchtet als wir näher kommen in die dichte Macchia. Auch diese Schlange ist grün und ca. einen guten Meter lang. In Amerika haben wir täglich mit Schlangen gerechnet und nie eine zu Gesicht bekommen. Auf Elba sind Begenungen nun fast an der Tagesordnung.

Den Nachmittag schließen wir ab mit einem Besuch des Sandstrandes von Fetovaia, einem der schönsten Strände Elbas. Aufgrund hoher Parkgebühren (8 € pro Tag, 5 € für den halben Tag) parken wir auf einem der wenigen kostenfreien Parkplätze entlang der Küstenstraße. Der Ort besteht zum größten Teil aus Hotels und Ferienwohnungen. Viele dieser Wohnungen können über die selbe
Homepage gebucht werden. Auch hier ist zu dieser Jahreszeit kaum Leben im Dorf, der Strand hingegen ist außergewöhnlich voll - viele Familien mit kleinen Kindern nutzen das schöne Wetter. Der Strand von Fetovaia zeichnet sich besonders durch seine geschützte Lage aus.

Nach einer kurzen Erholung fahren wir zurück in unsere Wohnung. Heute wollen wir den Sonnenuntergang über Korsika in der gemütlich wirkenden Pizzeria an der Küstenstraße in Colle d’Orano erleben. Wir sind zunächst die einzigen Gäste. Bei Oktopussalat, Meeresfrüchtecocktail und Pizza verfolgen wir den Sonnenuntergang, welcher jedoch durch ein dichtes Wolkenband am Horizont frühzeitig beendet wird. Ein schöner Tag geht zu Ende, es ist der bislang heißeste Tag gewesen. Am frühen Nachmittag haben wir Temperaturen um 28°C gemessen.



27.05.2008
Nach unserer langen Wanderung am gestrigen Tag, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen und unsere geschundenen Waden schonen. Nach dem Frühstück fahren wir die Westküste nordwärts und fotografieren ein malerisches kleines Weingut inklusive Cantina mit Türmchen an der Steilküste zwischen Chiessi und Colle d’Orano.

Wir setzen unsere Sightseeing Tour fort und fahren von der Küstenstraße hinunter nach Patresi. Unten erwartet uns eine betonierte Plattform und ein grober Kieselstrand – aufgrund der beschaulichen Lage dennoch eine kleine Idylle. Nachdem wir in der kleinen familiär wirkenden Strandbar einen Cappuccino getrunken haben geht es weiter nach Zanca/Sant Andrea.

Zanca, praktisch der Vorort von Sant Andrea und oben an der Küstenstraße gelegen, wirkt eher verschlafen. Zumindest gibt es einen Alimentari, ein kleines Lebensmittelgeschäft. Ein paar nette Unterkünfte können wir auch hier ausmachen. 

Anschließend fahren wir über Marciana Alta nach Poggio. In früherer Zeit verband diese beiden benachbarten Dörfchen nicht gerade eine innige freundschaftliche Beziehung. Man stritt sich um Fischfanggründe und der Menge an Esskastanien, die in den jeweiligen Territorien geerntet werden durfte. Poggio ist deutlich beschaulicher als Marciana Alta und mindestens ebenso sehenswert. Am Fuße des Monte Capanne (1018 Meter), des höchsten Berges Elbas gelegen, verbreitet das Dorf mit seiner erhabenen Kirche, seinem Weitblick auf Marciana Marina sowie seinem terrassenartigen Hauptplatz, dem malerischen Piazza Castagneto, sehr viel Charme. Über schmale Gassen mit zahlreichen Treppenstufen gelangt man zu weiteren idyllischen Plätzchen. Wir fragen uns an solchen Orten immer, wie sich wohl ältere und gebrechliche Menschen hier fortbewegen, da die meisten Häuser nicht mit Autos zu erreichen sind.



Einen weiteren Halt schieben wir beim kleinen Spiaggio vor der Miniinsel Paolina ein. Die Bar am Strand wird gerade renoviert und hat somit leider nicht geöffnet.
Am Strand von Procchio genehmigen wir uns anschließend einen Cappuccino und liegen eine Weile in der Sonne. Aufgrund des heute recht heftigen Windes wechseln wir ein paar Mal unseren Liegeplatz, um nicht „gesandstrahlt“ zu werden.



Am späteren Nachmittag gibt es bei der uns bereits bekannten Strandbar Paolo einen Vino Bianco, bevor wir uns nach Portoferraio aufmachen. Im Porto Dorsena schießen wir einige schöne Fotos von den im Hafenbecken dümpelnden Booten sowie den farbenfrohen Häusern an der Hafenmole. Mit einem Einkauf beim Coop beenden wir unsere heutige Rundtour. Am Abend soll es Risotto mit Tintenfisch geben. Leider geht der Kochevent dann im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose, da Wolfram bei der Zubereitung der Tintenfische schwarze Tinte über Polo-Shirt und Hose spritzt. Zu allem Überfluss geht das Gas in unserem Haus auch noch zu Neige. Anna Maria, unsere Vermieterin, ist nicht erreichbar, so dass die Küche heute kalt bleiben muss. Als gute Alternative gibt es Käse, Schinken sowie frisches Brot mit Olivenöl.


28.05.2008
Nach dem gestrigen Faulenzertag wollen wir uns heute wieder etwas intensiver bewegen. Zunächst aber muss unser Gasproblem gelöst werden. Wolfram ruft gegen 9 Uhr Anna Maria an. Beim ersten Mal legt sie gleich wieder auf, bevor Wolfram sein Sprüchlein beendet hat – wie frustrierend! Wahrscheinlich dachte sie an einen Telefonstreich! Beim zweiten Versuch kann sich Wolfram schließlich verständlich machen. Wenig später steht der Gaslieferant vor der Tür. Parlierend steht der Gasmann an unserem Herd und versucht ausreichenden Druck in die Gasleitung zu bekommen. Einige Satzfragmente verstehen wir, den Rest denken wir uns. Schließlich beseitigt er das Problem und wir können endlich Kaffee kochen.


Eine elbanische Standard Wandertour steht für heute auf dem Programm. Sie führt vom Bergdorf San Pietro in Campo zur Pietra Murata. Im Dorf stellen wir unserAuto auf einem kostenfreien Parkplatz ab und suchen dann den Einstieg in die Wanderung, was sich als nicht so einfach erweist. Nach einigem Herumirren fällt uns ein, dass wir für diesen Weg über die Michael Müller Homepage GPS Koordinaten heruntergeladen haben. Mit Hilfe des Rother Wanderführers und unseres GPS Gerätes (welches ansonsten auf Elba relativ überflüssig ist), finden wir nun den Weg problemlos. Es geht eine Weile - rund 300 Höhenmeter - steil bergauf, durch dichte Farnfelder, vorbei an Granitblöcken und teilweise verbrannten Wäldern.


Bei der Pietra Murata angekommen - es handelt sich dabei lediglich um einen großen Felsklotz -, sehen wir uns erneut einer kleinen Kletter-Herausforderung gegenüber. Zwei italienische Männer geben uns von oben Tipps, wo man am besten auf- und absteigt. Wolfram hat dieses Mal den Ehrgeiz, die Kletterherausforderung anzunehmen. Stolz steht er nach erfolgreicher Besteigung mit hochgereckten Armen auf dem Gipfel!

 

Nach einer kleinen Mittagspause am Fuße des Felsens mit Blick in das Sechettotal, machen wir uns an den Abstieg. Nach insgesamt 3,5 Stunden erreichen wir unseren Ausgangspunkt. In Kirchnähe finden wir ein kleines nettes Lokal – Cacia et Vino - welches örtliche Spezialitäten offeriert. Wir bestellen „Red Birra dell Elba“, ein selbst gebrautes süßliches Starkbier, dazu einen äußerst leckeren gemischten Spezialitätenteller mit Schinken, Käse, Honig sowie zwei hausgemachte Gemüsesuppen. 


Den Tag beenden wir mit einem Strandaufenthalt in Cavoli, einer reinen Feriensiedlung mit einem der wenigen Sandstrände an der Westküste. Leider sind dort Zweidrittel des Strandes mit Bagni belegt. Am Ende der Bucht finden wir dennoch noch ein schönes Plätzchen. Das Meer hat heute einen ungewöhnlichen Wellengang, fast wie am Atlantik. Wolfram schmeißt sich sogleich in die Fluten und genießt das seltene Badevergnügen. 



Gegen Abend stellen wir fest, dass wir fast die letzten Gäste am Strand sind – es ist bereits nach 19 Uhr. In Sechetto kaufen wir Brot, Milch, Eier und Butter ein – die notwendigsten Lebensmittel bekommt man hier ohne Probleme. Es gibt sogar einen sehr sympathischen Bäcker,„Non solo Pane“ (Nicht nur Brot), wo man neben verschiedenen Brotsorten die unterschiedlichsten Dolci (Süßgebäck) bekommt. Das ist in Italien eher ungewöhnlich.

Zum Abendessen gibt es das für gestern geplante Fenchel-Sepia-Risotto. Diese Eigenkreation gelingt uns ausgesprochen gut – Risotto ist für uns die kulinarische Entdeckung dieses Urlaubs! Gestern haben wir bereits Risotto Vorräte beim Coop eingekauft, die wir mit nach Deutschland nehmen wollen.


29.05.2008
Der vorletzte Urlaubstag startet leider erneut mit Regen und die Sonne wird sich – wie sich herausstellen wird - den ganzen Tag über auch nicht sehen lassen. Wir vertreiben uns die Zeit nach dem Frühstück zunächst mit Zeitung lesen, während wir den Blick fortlaufend gen Himmel richten. Schließlich entscheiden wir uns zu einer kleinen Insel Sightseeing Tour. Auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht von Portoferraio befindet sich auf einer Anhöhe die Villa Romana – eine luxuriöse römische Villa inklusive Badeanlage aus dem 1. Jahrhundert v.C. Einige mosaikartige Mauerreste sind auffallend gut erhalten und zeugen von der hohen damaligen Baukunst. Bei schönem Wetter hat man hier einen phantastischen Ausblick auf den Hafen von Portoferraio. Weiter geht es nach Rio nell´Elba, einem elbanischen Bergdörfchen im Nordosten der Insel. Der verwinkelte Stadtkern mit seinen unterschiedlich angetünchten Häuserfassaden ist sehenswert und ergibt ein schönes Fotomotiv, auch wenn bei zahlreichen Häusern der Putz bröckelt.
 


Wir schlendern durch die schmalen Gässchen des hübschen Städtchens und landen schließlich auf dem Piazza de Popolo mit seiner Kirche Santi Giacomo e Quirico. In der Trattoria La Cipolla (Die Zwiebel) am Piazza lassen wir uns nieder und bestellen ein toskanischesTraditionsgericht, Baccala (Stockfisch bzw. getrockneter eingesalzener Kabeljau) mit Kartoffeln für 12 Euro, dazu eine halbe Flasche Elba Bianco (7,50 Euro). Die Bedienung kommt etwas mürrisch daher, das Essen ist allerdings in Ordnung, wenn auch die Portionen recht übersichtlich ausfallen.

Danach umrunden wir den kompletten Nordost-Zipfel der Insel. Dieses Gebiet ist hinter der Einsiedelei Santa Caterina nahezu komplett bewaldet und ohne jegliche Besiedlung. Erst in Cavo kehrt man zurück in die Zivilisation. Auch an diesem Ort scheint der Tourismus komplett vorbei gegangen zu sein – kein Wunder, denn in der kompletten Umgebung ist kein einziger attraktiver Strand zu finden. Wir setzen die Fahrt ohne weiteren Stopp fort bis nach Porto Azzuro, wo wir uns erneut in der großartigen Gelateria Pegaso am Hafen ein super leckeres Eis genehmigen.

Zum Abschluss unserer Rundtour schlendern wir noch durch Capoliveri, einem malerischen Bergdorf, das in fast 200 Metern Höhe über dem Meer thront. Hier haben sich zahlreiche Ausländer, vornehmlich Deutsche, Ferienhäuser zugelegt. Dadurch herrscht in Capoliveri ein gewisser Nobeltourismus mit schicken Restaurants, kleinen Shops, in denen man manch überflüssiges Accessoire erwerben kann oder in überteuerten Vino e Olio Läden elbanische Produkte verkosten kann. Das im Sommer überfüllte Vorzeigegässchen Via Roma kommt einem zu dieser Jahreszeit geradezu lauschig vor, während in der parallel verlaufenden malerischen Via Solferino sogar ausschließlich elbanisches Leben vorherrscht. Die beiden Gassen sind verbunden durch sogenannte Vicoli (Treppengässchen) – eine idyllischer als die andere.
 



Im Coop von Capoliveri kaufen wir schließlich noch für das heutige Abendessen ein. Es gibt einen Antipasti Teller mit verschiedenen heimischen Wurst- und Schinkenspezialitäten, das Pulpo Risotto von gestern, sowie Spaghetti mit Artischockensoße. Dieses einfache aber sehr leckere Soßenrezept haben wir selbst kreiert, daher schreiben wir es an dieser Stelle nieder: Knoblauch und Frühlingszwiebeln in gutem Olivenöl anschwitzen, Artischocken in Streifen geschnitten hinzugeben und mit Weißwein sowie dem Saft einer halben Zitrone ablöschen. Die Soße eine Zeit lang ziehenlassen, bis die Artischocken weich sind. Zum Schluss Kapern und schwarze kernlose Oliven hinzufügen. Soße auf die Pasta geben und bestes Olivenöl hinaufträufeln, nach Geschmack etwas Chilly hinzufügen, vermengen und frisch gehobelten Parmesan über die Pasta streuen. Hmmm - lecker!!!


30.05.2008
An unserem letzten Urlaubstag auf Elba werden wir erneut durch lautes Plätschern auf unserem Schlafzimmerbalkon geweckt. So wird doch wohl nicht Elba von uns verabschieden!? Nach dem Frühstück sind zum Glück erste Lichtblicke über dem Meer in Sicht. Als wir uns gegen 10 Uhr auf den Weg machen, hat sich der Himmel sogar weitgehend aufgeklart. Wir fahren nach Sant Ilario, dem Nachbardörfchen von San Pietro, oberhalb von Marina di Campo. Sant Ilario hat mit Tourismus offenbar ebenfalls nicht viel im Sinn. Hier herrscht elbanisches Leben pur, überwiegend geprägt durch ältere Dorfbewohner. Durch die schmucken kleinen Gässchen unterhalb der Piazza della Chiessa kann man ganz gemächlich hindurch schlendern und sich an dem wenig hektischen Treiben im Dorf erfreuen.

Anschließend fahren wir die winzig kleine Passstraße zum Torre di San Giovanni unterhalb des Monte Perone hinauf. Malerisch thront der Torre auf einem mit gelb blühendem Ginster vollständig bewachsenen Hang. Der Ausblick auf die Campo Ebene ist heute aufgrund der klaren Sichtverhältnisse phänomenal.

Wir fahren die kurvenreiche SP 37 weiter bis nach Poggio und von dort aus nach Marciana Alta. Dort wollen wir auf dem Pilgerweg nach Madonna del Monte wandern, jenen Wegabschnitt, den wir auf unserer Wanderung von Marciana nach Chiessi verpasst haben.

Schnurgerade geht der Weg entlang der vierzehn Kreuzwegstationen bis hin zur Einsiedelei Madonna del Monte, einer Wallfahrtskirche aus dem 16. Jahrhundert. Im Jahre 1814 hielt sich hier Napoleon zwei Wochen lang auf und ließ seinen Blick wehmütig hinüber zu seiner Heimatinsel Korsika schweifen – zu dieser Zeit lebte er auf Elba im Exil. Vor der kleinen Kirche befindet sich ein wahrhaft lauschiges Plätzchen unter Kastanienbäumen, wo wir ein genüssliches Picknick einlegen.  

  

Hinab geht es auf gleichem Wege mit tollen Ausblicken auf den Golfo di Procchio bis hin zum toskanischen Festland bei Piombino. Wir setzen die Fahrt fort zum Traumstrand von Cotoncello bei Sant Andrea, wo wir auf den Felsen ein letztes Sonnenbad nehmen. Auf dem Rückweg trinken wir einen Cappuccino in der Crock Strandbar von Patresi. Der sehr freundliche Besitzer erkennt uns offenbar vom letzten Besuch wieder. Zum Cappuccino gibt es eine Citrus- bzw. Frutti di Bosco Tarte.


Auf der Rückfahrt schießen wir noch einige Schnappschüsse an der spektakulären Steilküste mit seiner großartigen Panoramastraße.



Den Urlaub lassen wir abends ausklingen bei einem schönen Essen in Sant´ Ilario im Restaurant La Cava, wo es exellente Cuchina Casalinga (einheimische Küche) geben soll. Der gemischte Antipasti Teller di Mare für 10 Euro wird unseren Erwartungen dann auch voll gerecht, der Pesce mista Teller vom Grill (16 Euro) mit einigen Scampi, Tintenfischen und jeweils einem Stück Schwertfisch und Dorade als Hauptspeise hingegen ist eher hausbacken. Viele der Gerichte, die auf der Speisekarte stehen, gibt es nicht, da um diese Jahreszeit hier einfach noch nichts los ist. So fällt unsere Restaurantkritik heute leider nur mittelmäßig aus, wenn auch der Blick auf der Terrasse erstklassig ist!

 

31.05.2008
Um 4.45 Uhr klingelt der Wecker. In Nullkommanichts sind unsere Sachen im Auto verstaut. Wir benötigen in dieser Herrgottsfrühe gerade einmal eine gute halbe Stunde zum Hafen von Portoferraio und sind eigentlich viel zu früh dran. Um 6.30 Uhr legt die Fähre ab und ist nach einer Stunde in Piombino.



Wir kommen zu Hause um 22 Uhr an und legen dabei sogar noch eine ausgiebige Mittagspause in der Nähe von Freiburg ein. Bei Heidelberg kommt gerade ein unwetterartiger Platzregen herunter, verbunden mit derartig schlechten Sichtverhältnissen, dass einige Autofahrer auf dem Standstreifen unter den Autobahnbrücken Schutz suchen und dort das Ende des Unwetters abwarten. Dies ist der einzige Zwischenfall einer ansonsten reibungslosen Rückreise.







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