Durika2. April 2011 Nach diversen vergeblichen Versuchen folgen wir der Empfehlung Germans, lassen unsere beiden großen Rucksäcke vor dem Auto stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg nach Durika – eine wahrhaft schweißtreibende Angelegenheit. German, der eine Stunde später nach Durika fahren will, hat angeboten, unser Gepäck mit nach oben zu bringen. Was unser SUV nicht geschafft hat, müssen wir nun auf Schusters Rappen bewältigen, einen steilen Berg, noch dazu mit rund 15 Kilo Gepäck auf dem Rücken! Schließlich erreichen wir Durika, wo uns Christina, eine Bewohnerin der Community Durika, schon erwartet. Sie hat bereits German kontaktiert und schlägt uns vor, zu unserem Auto hinab zu laufen, um German den Schlüssel des SUV´s zu bringen. Er sei ein brillianter Fahrer und würde das Auto schon den Berg hinauf bringen. Etwas skeptisch willigen wir ein, stellen später allerdings fest, dass German es tatsächlich geschafft hat, denn unser Jimny steht nach dem Abendessen oben an den kleinen Hütten. Wir beziehen unsere kleine „Cabina Atlantis“, bei den Community Bewohnern auch „Honeymoon-Suite“ genannt, weil dort unmittelbar nach dem Bau ein deutsches Paar seine Flitterwochen verbracht hat. Die Hütte ist superklein und simpelst ausgestattet, verfügt aber über eine winzige Terrasse mitsamt eines romantischen Bänkchens, ein atemberaubender Ausblick auf den Wald und das Tal bei Buenos Aires inbegriffen (Bilder unten links und rechts). Warmes Wasser gibt es hier nicht, so dass wir uns zu einer eiskalten Dusche durchringen müssen – kein Problem, da wir nach unserem anstrengenden Marsch eine Abkühlung gut gebrauchen können. Die Cabina inklusive Vollverpflegung und einer Rundumbetreuung mit Erkundungsgängen in die umliegende Natur, begleitet durch fachkundige Mitglieder der Community, kostet für uns beide 120 USD pro Nacht.
Durika ist offen für Besucher seit 1995. Es bietet dem naturverbundenen Besucher eine einzigartige Gelegenheit, die Artenvielfalt in dieser wenig bekannten Region kennen zu lernen. Luxus ist hier wahrlich nicht zu finden, wohl aber die unmittelbare Nähe zur Natur. Durika ist ein privates Reservat von ca. 8500 Hektar, in den Talamanca Bergen gelegen. Es grenzt unmittelbar an La Amistad, der größten zusammenhängenden Regenwaldfläche des Landes. Wegen seiner abgelegenen Lage, dient das Reservat als Refugium für viele Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, wie dem Jaguar, dem Tapir, oder in höheren Lagen sogar dem Quetzal, einer der schönsten Vögel der Welt. Viele Touristen versuchen diesen wunderschönen Vogel zu etdecken, doch nur wenigen gelingt es. Auch stellt La Amistad und Durika die letzte Zuflucht für viele Arten seltener Bäume dar, wie die Schwarze Costa Rica Eiche, oder einige Zedernarten. Das Gebiet um Durika ist zudem ein Eldorado für die an den Bäumen des Urwaldes „angedockten“ Orchideen (Bild unten).
In Durika wird in der Gemeinschaft aller Gäste gegessen. Es gibt feste Essenzeiten um 7.30 Uhr, 12.30 Uhr und 17.00 Uhr. Es ist gerade eine größere Gruppe von jungen Touristik-Studenten aus dem benachbarten San Isidro hier oben, zudem eine kleinere Gruppe von Volunteers, die gegen Kost und Logis hier arbeiten. Die Verpflegung ist ausschließlich vegetarisch und natürlich aus biologischem Anbau. Fast alle Gemüsesorten werden in Durika selbst produizert. Zunächt gibt es eine leckere Gemüsesuppe, gefolgt von einem Kartoffelauflauf mit Thunfisch und als Dessert einen Kuchen. Vorherrschendes Gewürz der meisten Speisen hier ist, wie wir feststellen werden, Koriander!
Zum Frühstück gibt es das costaricanische Nationalgericht Gallo Pinto, Reis mit Bohnen, dazu Rühreier von glücklichen Durika Hühnern. Christina holt uns um 8.45 Uhr zu einem Erkundungsgang durch den Tropischen Wald ab - es handelt sich dabei um ein urwüchsiges Gebiet mit primärem Waldbestand, in dem unter anderem riesige alte Eichen zu bewundern sind. Einige von Ihnen sind von gewaltigen Würgefeigen umschlungen (Bilder unten).
Wir sehen zahlreiche bunte Schmetterlinge, unter anderem den Blue Morpho (Bild unten, 1. Reihe). Dieser Schmetterling ist in den Wäldern Costa Ricas überall anzutreffen. Da er nahezu immer in Bewegung ist, kann man ihn in geöffnetem Zustand nicht so einfach fotografieren. Später erfahren wir von einem versierten Kenner ein Geheimrezept dafür: Man muss einfach Zucker mit Bananen und Rum mischen. Schmetterlinge sind verrückt nach dem Gemisch, werden durch den Rum träge und lassen sich dann fantastisch fotografieren! Als wir im Wald eine Pause einlegen und ganz still verharren, tut uns ein Exemplar den Gefallen und lässt sich ganz in unserer Nähe auf einem Baumstamm nieder. Leider handelt es sich dabei um einen schon betagteren Schmetterling. Der Blue Morpho verliert im Laufe seines Lebens seine Strahlkraft und die blaue Farbe wird durch braune Farbpigmente ersetzt. Der Blue Morpho steht für ein Dilemma vieler Tiere im Regenwald: Für die zahlreichen Feinde, hauptsächlich Vögel, müssen sie unsichtbar sein, bei der Suche nach einem Partner hingegen möglichst auffallen. Der Blue Morpho löst dieses Problem sehr geschickt. Auf der Oberseite beeindruckt er seinen Partner mit der strahlend leuchtenden Farbe, während die Unterseite im zugeklappten Zustand unscheinbar und braun ist und somit eine bessere Tarnung im Wald aufweist. Außerdem verwirrt er seine Angreifer mit großen "falschen Augen" auf den Flügeln. Die Augenflecke lenken den Angriff der Vögel von lebenswichtigen Organen ab und verschaffen somit der Beute eine Chance zur Flucht.
![]() Außerdem beobachten wir filigrane, wunderschöne Libellen mit dem poetischen Namen "Hada del Bosque" - die Waldfee (Bild unten links). Christina zeigt uns zahlreiche Pflanzen des Regenwaldes, auch eine „Zamia“ (Bild unten rechts), die eine Ananas ähnliche Frucht trägt. Diesem Baum sagen die Indios nach, er sei von Außerirdischen in den Wald gesetzt worden. Auch sehen wir einige Heilpflanzen, die auch von der Durika Gemeinschaft zur Heilung unterschiedlicher Leiden eingesetzt werden.
Zum Abendessen gibt es eine superleckere Gemüse-Lasagne. Die Frische des Gemüses, das ausschließlich am selben Tag geerntet wie verzehrt wird, ist schon etwas Besonderes an dem Aufenthalt in Durika. Nach einem Gläschen Wein vor unserer Hütte mit einem toll beleuchteten Abendhimmel (Bild unten), begeben wir uns erneut sehr früh ins Bett.
Eugenio lebt mit seiner Familie seit achtzehn Jahren in der Community und kennt die Gegend in- und auswendig. Er erklärt, dass man viele Vögel zwar hört, häufig jedoch nicht sieht . Beim „Birding“ bracht man eines insbesondere: Geduld! Eugenio erkennt jede der rund 900 Spezies Costa Ricas an ihrem Ruf. Die besten Spots, Vögel zu beobachten, sind in abfallendem Gelände anzutreffen. Dabei sollte man sich idealerweise nicht von der Stelle rühren, da die meisten Vögel sehr scheu sind. Wir sehen später zahlreiche Arten von Woodpeckers, Flycatchers, Peewees und viele andere mehr. Viele dieser Arten nehmen zum Nisten die Strapaze einer 6.000 Kilometer langen „Reise“ nach Nordamerika auf sich. In den Tropen sind die Gefahren für die Brut um ein vielfaches höher. Lediglich 20 Prozent des Geleges überleben, während es in Nordamerika 80 Prozent sind. Eugenio berichtet uns, dass viele Vögel in diesem Jahr spät dran sind. Die Temperatur in Kanada ist in diesem Jahr ungewöhnlich niedrig, so dass die Zugvögel noch nicht aufgebrochen seien. Kein Mensch weiß allerdings, woher die Vögel wissen, dass das Wetter in einer Entfernung von 6.000 Kilometern schlecht ist! Einen Tukan bekommen wir heute leider nicht zu sehen. Eugenio zeigt uns aber einen Strauch mit kleinen Beeren, an dem sich häufig Tukane aufhalten. Später sehen wir noch ein Wespennest in unmittelbarer Nähe eines Vogelnestes (Bild unten links). Häufig leben die brütenden Vögel und die Wespen in einer Art Symbiose miteinander. Man verteidigt sich dabei gegenseitig gegen Fressfeinde. Vor den Bienen und Wespen des Regenwaldes sollte man sich unbedingt in Acht nehmen, da sie häufig, ohne sich bedroht zu fühlen, angreifen und ein Stich einiger Arten extreme Atemnot hervorrufen kann.
Nach dem Frühstück machen wir mit Christina eine Tour zu einem Wasserfall mitten im Regenwald. Wir passieren auch eine kleine Kaffeeplantage der Community (Bilder unten, 1. Reihe). In ganz Costa Rica wird ausschließlich die Sorte Arabica angebaut. Auch hier sorgen Bäume des Waldes für den benötigten Schatten und somit für optimale Bedingungen. Hier in Durika führt die Höhenlage zu der sehr guten Qualität der Kaffebohnen bei. In der Plantage entdecken wir einen unglaublich perfekt getarnte Laubheuschrecke (Bild unten, 2. Reihe), eine der zahlreichen Überlebensstrategien der Tiere im gefahrvollen Urwald. Die geäderten Strukturen der Laubheuschrecke entsprechen in verblüffender Weise der Farbe und der Form der Flechten, die die bevorzugte Nahrung der Tiere darstellen.
Nach der Erfrischung geht es über einen anderen steilen Pfad durch den Wald zurück nach Durika. Wir verabreden mit Christina nach dem Mittagessen eine kurze Wanderung zur ursprünglichen Kaffeeplantage der Community zu unternehmen und anschließend selbst Kaffee zu rösten. Das Mittagessen besteht aus einer pürierten Linsensuppe sowie Reis mit Zucchini und Möhrengemüse (Bild links).
Das anschließende Abendessen verbringen wir gemeinsam mit John, einem Kanadier, der sich in Durika gerade ein kleines Häuschen baut. Er ist ein langjähriger Unterstützer des Projektes. Außerdem laden wir auch Frank ein, gemeinsam mit uns an unserem Tisch zu essen. Frank kommt aus Iowa und ist seit drei Monaten in Costa Rica. Zu Beginn seines Urlaubes hat er einen Unfall mit einem Bodyboard gehabt und seitdem massive Probleme mit der Halswirbelsäule. In Durika wird er seit einigen Tagen mit Neuraltherapie von German behandelt. Wir haben interessante Gespräche über Umweltschutz in den USA und anderswo, alternative Energien, den Reaktorunfall in Japan und vieles andere mehr. |