D - Rügen 2011
Die größte Insel Deutschlands wurde bei unseren zahllosen Kurztrips an die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns standhaft links liegen gelassen. Einige negative Kritiken von Freunden und Bekannten haben uns von einem Besuch bislang abgehalten, so dass wir immer wieder den Daarß bevorzugt haben. Im September 2011 entschließen wir uns, einen der größten touristischen Anziehungspunkte an der deutschen Ostseeküste zu inspizieren, um uns ein eigenes Bild zu verschaffen. Dabei haben wir uns weitgehend auf die Halbinsel Mönchgut beschränkt und waren am Ende absolut begeistert von der vielfältigen und teilweise unberührten Landschaft. Lange schneeweiße Sandstrände sind genauso zu entdecken wie eine beschauliche Boddenküste, Steilufer und saftig grüne Hügellandschaften, die zum Erkunden auf Schusters Rappen einladen. Göhren wird von zwei ausgedehnten Sandstränden eingerahmt, den Nordstrand mit seiner Promenade und Strandkörben sowie den naturbelasseneren Südstrand (Bild rechts), den wir persönlich klar bevorzugen. Im Ort selbst ist nicht die prachtvolle Bäderarchitektur von Binz oder Sellin mit den teilweise imposanten Seebrücken (Bild unten) zu finden, dennoch kann man auch hier nette kleine Villen im typischen Bäder-Baustil antreffen.
Bei einem zweiten Besuch auf Rügen würden wir als Standort jedoch eher die kleinen beschaulichen Dörfchen auf Mönchgut, wie Klein-Zicker, Groß-Zicker oder Alt-Reddewitz, bevorzugen. Das etwas größere Thiessow besticht hingegen nicht durch den Charme seines Ortsbildes, hat aber aufgrund seiner bevorzugten Lage ebenfalls seinen Reiz. Insbesondere Sonnenhungrige kommen hier auf ihre Kosten, da der Ort über einen kilometerlangen Sandstrand verfügt. Einen guten Überblick über die Thiessower Umgebung kann man sich auf dem Aussichtsturm des Lotsenberges verschaffen (Bild unten), dessen Besteigung unbedingt zu empfehlen ist - Zutritt über ein Drehkreuz nach Einwurf von 1,-- € p.P..
Groß-Zicker, das sich an die sattgrünen Zickerschen Berge anschmiegt, hat es uns bei den Erkundungsgängen besonders angetan. Das Dorf verfügt über ein idyllisches Ortsbild, wohl auch deswegen, da die Häuser allesamt unter Denkmalschutz stehen und somit die ursprüngliche Architektur bis heute erhalten geblieben ist. Aushängeschild des Dorfes ist natürlich das Pfarrwitwenhaus (Bild unten), erbaut 1720, das auf zahlreichen Postkarten von Rügen verewigt ist. Auch das Pfarrhaus (2. Bild unten), mit seinem schönen Bauerngarten, ist sehenswert.
Auch Klein-Zicker ist eine einzige Idylle. Die einzige Straße, die entlang der ebenfalls teils Reet gedeckten Häuser führt, endet am Inselende – Durchgangsverkehr muss der Ruhe suchende Urlauber somit nicht befürchten! Einen traumhaften Ausblick hat man von der Zickerschen Anhöhe aus. Oben lässt sich der Sonnenuntergang bei einem mitgebrachten Gläschen Wein wunderbar genießen. Über einen Rundweg gelangt man zurück zum winzigen Fischerhafen. Wohnen auf Mönchgut:
Die Preise in allen Restaurants sind moderat, Fischgerichte liegen grundsätzlich zwischen 10,-- € und maximal 15,-- €. Auch ist die Qualität in den von uns getesteten Restaurants überall nahezu gleich gut. Der Taun Höft in Groß-Zicker zeichnet sich durch das gepflegte Ambiente seiner Gaststube und die wohl am besten sortierte Weinkarte aus (u.a. gibt es dort einen Robert Weil Riesling), während das Restaurant Seeblick mit einigen außergewöhnlichen Kreationen wie z.B. „Dorschfilet im Kartoffelmantel auf Sahnewirsing mit Dijon-Senfsauce“ punkten kann. Die von uns getesteten und für gut befundenen Restaurants: Zum trauten Fischerheim in Klein-Zicker
![]() Leider haben wir uns einen sehr verregneten Tag für die Wanderung ausgesucht, was wiederum den Vorteil hat, dass nur sehr wenige Wanderer unterwegs sind. Vorbei an den Wissower Klinken gelangt man nach ca. 1,5 Stunden reiner Wanderzeit zu einem Holzsteg, der hinab zum Kieler Bach führt. Von dort kann man über steile Stufen hinabsteigen zu einem lohnenswerten Wasserfall direkt am Strand unterhalb des Steilufers (Bilder unten). ![]() ![]() Der Weg setzt sich fort durch den schönen Laubmischwald bis zur Viktoria-Sicht. Dieser selbst bei schlechtem Wetter gut frequentierte Aussichtspunkt bietet einen schönen Blick auf den Königsstuhl (Bild links). Der Königsstuhl, der wohl berühmteste Aussichtspunkt Deutschlands, kann nur mit Eintrittskarte erklommen werden. Stolze 6,-- € muss der Wanderer berappen, wenn er auf dieses Erlebnis nicht verzichten möchte, wobei man vom Aussichtspunkt selbst herzlich wenig von diesem berühmten Stück Kreide sehen kann. Wenn man nur den Königsstuhl als Ziel hat und nicht weiter in Richtung Lohme wandern möchte, kann man sich das Eintrittsgeld also getrost sparen. Am Königsstuhl verkehrt der Bus Nummer 18, der uns zurück nach Sassnitz, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, führt. Verbinden kann man den Ausflug zu den Kreidefelsen mit einem Besuch des gigantischen Bauprojektes aus dem dritten Reich in Prora (Bild unten). 20.000 Menschen sollten hier von der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude – KdF“ einen jeweils zehntägigen Urlaub verbringen. Der Betonkoloss hat insgesamt eine Länge von viereinhalb Kilometern. Davor erstreckt sich ein wahrhaft großartiger Strand – ein kleiner Kiefernwald verdeckt den „Ausblick“ auf die unansehnlichen Gemäuer. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges machte das Projekt zu einer riesigen Baustelle, die letztlich niemals ihrem ursprünglichen Nutzungszweck zugeführt wurde. Heute ist in einem kleinen Teil der Gebäude eine Museumsmeile mit einem Dokumentationszentrum sowie eine Diskothek untergebracht. Der gesamte Komplex steht unter Denkmalschutz und darf nicht, wie unter der sowjetischen Besatzungszeit nach dem Krieg vergeblich versucht, gesprengt oder verändert werden.
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